FUTURE PALACE: Escape

FUTURE PALACE: Escape

Wo das aalglatte 3D-Render auf der Front eher mit Platzhalter-Charme besticht, kann „Escape“ dafür musikalisch mit rotem Faden punkten. FUTURE PALACE haben tatsächlich schon auf dem Debüt ihren Sound gefunden, der sich gleichzeitig nicht sklavisch auf eine Spielart beschränken will. Verwurzelt im Post Hardcore wagt das Trio regelmäßig Ausflüge in den Modern Metal und flirtet mit poppigen Arrangements, die der modernen Ausrichtung wiederum in die Hände spielen.

Das Songwriting folgt dabei einer klaren Linie und greift nicht nur in „Twisted“ und dem Opener „Illusionist“ auf Laut-Leise-Dynamik zurück, wobei FUTURE PALACE vor allem im Refrain die verzerrten Gitarren sprechen lassen. Zentrum von „Escape“ ist aber stets Frontfrau Marias kraftvoller Gesang, der vielen Stücken erst das Profil gibt, das die recht simplen Riffs vermissen lassen. Die Singstimme der Influencerin kann natürlich auch leise und gefühlvoll, gefällt uns aber immer dann am besten, wenn die Emotionen durch die Fassade brechen („Maybe (Stripped)“).

Im Mittelteil lassen FUTURE PALACE den Schwung auf der Strecke

Dank seiner catchy Melodien und einem nahezu omnipräsenten Synthesizer-Fundament erinnert die Modern Metal-Hymne „Ghost Chapter“ an AMARANTHE, während der experimentelle Pop-Ausflug „Lately“ eher unrühmliche Assoziationen an das jüngste BEYOND THE BLACK-Album „Horizons“ weckt. Davon ist auch das holprig getextete „Parted Ways“ nicht weit entfernt, das wohl nur das generische „Something New“ unterbieten kann.

Tatsächlich dauert es eine Weile bis FUTURE PALACE mit „Anomaly“ endlich wieder Gas geben und mit ordentlich Drive in das letzte Drittel starten. Ein wenig leiden die rockigen Stücke jedoch unter der zweifelsohne modernen, aber leblosen Produktion, die wenig Raum für Dynamik zulässt. Vielleicht belässt es die Band auch deshalb bei diesem einen Lebenszeichen und kehrt mit „My Air“ zum effektgeschwängerten Pop zurück. Die leise Ballade „Maybe“ in der akustischen „Stripped“-Version punktet zum Abschluss dafür mit Marias authentisch-leidenschaftlichem Gesang.

„Escape“ hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck

Auf diese Weise findet „Escape“ zu einem unerwartet versöhnlichen Ende. Ohne Synthesizer, ohne Schlagzeug und ohne Gitarren findet der gesangliche Höhepunkt des Albums nur mit Pianountermalung die richtigen Worte, die wir manchmal inmitten der glatten Modern Metal-Strukturen vermisst hatten. Etwas zwiegespalten verbleiben wir also mit diesem Debüt: Einerseits kompositorisch durchdacht und konsequent umgesetzt, vermissen wir zugleich die Kanten und Unebenheiten, die FUTURE PALACE etwas mehr Charakter verpasst hätten.

Veröffentlichungstermin: 18.09.2020

Spielzeit: 42:49

Line-Up

Maria (ItsPandaCore) – Vocals
Manuel – Gitarre
Johannes – Bass
Produziert von Christoph Wieczorek

Label: Arising Empire

Facebook: https://www.facebook.com/futurepalace

FUTURE PALACE “Escape” Tracklist

01. Illusionist (Video bei YouTube)
02. Twisted
03. Maybe (Video bei YouTube)
04. Ghost Chapter (Video bei YouTube)
05. Lately (Video bei YouTube)
06. Parted Ways (Video bei YouTube)
07. Something New
08. Anomaly (Lyric-Video bei YouTube)
09. Break Free
10. My Air
11. Maybe (Stripped) (Video bei YouTube)

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.