ESKIMO CALLBOY: MMXX [EP]

ESKIMO CALLBOY: MMXX [EP]

Man mag es dem etwas einfallslosen Artwork von „MMXX“ nicht ansehen, aber ESKIMO CALLBOY wissen ganz genau, wie man sich in diesen Tagen richtig vermarktet. Nach dem Abgang des bisherigen Sängers Sebastian „Sushi“ Biesler Anfang des Jahres, meldete sich die Band im Juni mit dem überdrehten Party-Hit „Hypa Hypa“ zurück, der aufgrund seines skurrilen Videoclips binnen kürzester Zeit viral ging. Sechs Millionen Klicks und fast ebenso viele „Reaction Videos“ später sind ESKIMO CALLBOY auch international in aller Munde – und das nicht nur, weil sie uns das Musikvideo gegeben haben, das wir 2020 gebraucht haben.

Denn hinter der selbstironischen Fassade steckt eine ganze Menge Talent. „Hypa Hypa“ funktioniert nur deshalb so gut, weil der Song bei allem Kitsch mehr zur bieten hat als prollige Disco-Synthesizer. Die Melodien sind simpel, aber griffig und tanzbar, weshalb der Breakdown umso heftiger trifft. Die poppigen Anleihen, die den 90er Boyband-Spirit in den Moshpit holen, schwirren derweil auch nach Tagen noch in unseren Köpfen herum. Da ist es fast schade, dass „MC Thunder II (Dancing Like A Ninja)“ ein ähnliches Rezept nicht ganz so erfolgreich wiederholen kann.

„MMXX“ scheucht uns erst durch den Pit und dann über den Dancefloor

Der Versuch, dem beliebten Klassiker einen Nachfolger zur Seite zu stellen, verläuft zwar nicht ins Leere, wirkt auf uns aber etwas zu gestriegelt. Das Trance-Interlude in allen Ehren dudeln die Keyboards ansonsten gefällig, aber vorhersehbar vor sich hin. Insofern freuen wir uns, dass ESKIMO CALLBOY mit „Hate/Love“ ihre erwachsene und ernste Seite zeigen. Auch hier bleiben die Arrangements weitgehend radiotauglich – der Refrain erinnert sogar frappierend an THE OFFSPRINGs „Can’t Get My Head Around You“ – und doch steht dieser geradlinige Ansatz der Electronic Metalcore-Band gut zu Gesicht.

Neben den drei komplett neuen Tracks haben ESKIMO CALLBOY ebenso vielen älteren Kompositionen ein neues Gewand spendiert. Die eigentliche Powerballade „Prism“ lässt im Zusammenspiel mit Gitarrist Tobias Rauscher und zur Freude von Drummer David Friedrich auch im Akustikgewand rote Rosen regnen. Zugegeben, „Prism“ ist kein Liebeslied, aber das Stück beschert uns doch einen emotionalen Abschluss, der zunächst unerwartet kommt. Zuvor haben uns die beiden Neuaufnahmen der selbstbetitelten Debüt-EP (2010) nämlich erst durch den Pit und dann über den Dancefloor gescheucht.

Mit Sänger Nico haben ESKIMO CALLBOY einen Glücksgriff getätigt

„Monsieur Moustache“ und „Dramaqueen“ – Ersteres glücklicherweise mit leicht entschärftem Text – klingen dank der modernen Produktion weniger kantig als ihre Vorlagen. Mit viel Drive interpretieren ESKIMO CALLBOY die Hits ihrer Anfangstage neu, wobei sich spätestens hier offenbart, welchen Glücksgriff die Formation mit dem neuen Frontmann Nico getätigt hat. Der besitzt nämlich auch eine richtig gute Singstimme. Dass er darüber hinaus selbst mit Vokuhila auf dem Parkett die Damenherzen zum Schmelzen bringt, können nicht nur wir bezeugen, sondern rund sechs Millionen weitere Köpfe, die dem genialen Marketing-Kniff erlegen sind. Ehre, wem Ehre gebührt.

Veröffentlichungstermin: 11.09.2020

Spielzeit: 20:40

Line-Up

Kevin – Vocals, Keys
Nico – Vocals
Daniel – Guitar
Pascal – Guitar
Daniel – Bass
David – Drums

Label: Century Media

Homepage: http://www.eskimocallboy.com/
Facebook: https://www.facebook.com/eskimocallboy

ESKIMO CALLBOY “MMXX” Tracklist

  1. Hypa Hypa (Video bei YouTube)
  2. Hate/Love (Video bei YouTube)
  3. MC THUNDER II (Dancing Like A Ninja) (Video bei YouTube)
  4. Monsieur Moustache
  5. Dramaqueen
  6. Prism

 

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.