DEVIATED PRESENCE: Fall´s Passage [Eigenproduktion]

DEVIATED PRESENCE: Fall´s Passage [Eigenproduktion]

Ich weiß noch, wie blöd ich geschaut habe, als ich zum ersten Mal OPETH gehört habe. Ihr komplexestes und verrücktestes Album My Arms, Your Hearse leitete meine Gefolgschaft zu dieser Band ein, auch wenn es ein ziemlicher Schock war, als ich diese Scheibe zum ersten Mal hörte. Nun kommen aus dem Ruhrpott vier Jungs und verschaffen mir ähnliche Kopfschmerzen wie ich sie vor Jahren spürte.

Es würde sogar den Tauben auffallen, dass DEVIATED PRESENCE von OPETH inspiriert sind, doch sie stellen keine bloße Kopie dar, das wäre ungerecht anzunehmen. DEVIATED PRESENCE gehen noch eine, wenn nicht sogar zwei oder drei Ecken weiter und liefern ein verspieltes, extrem verschachteltes und anspruchsvolles Album ab, das sehr viel Zeit benötigt. Einerseits zeugen die Kompositionen von ungezügelter Emotionalität und reißen durchgehend mit, andererseits haben die Songs keine klare Linie, denen sie folgen. Diese Unvorhersehbarkeit ist Segen und Fluch zugleich, denn die Songs sind zugleich erfrischend und unkonventionell, aber auch extrem anstrengend.

So werden munter viele Gitarrenspuren übereinander gelegt, aus den überlangen Songs brechen zahllose Riffs und Harmonien hervor, die zwar zeigen, dass hier tolle Techniker, aber keine Songwriter am Werk sind. Davon abgesehen schleichen sich viele sehr gelungene Akustikpassagen ein und erzeugen eine sehr schöne Stimmung, bauen viel Spannung auf und schaffen viel Abwechslung. Dazu gehört auch, dass die Gitarristen Felix und Hubert nicht nur Kreischen, sondern auch klar singen. Das ist allerdings ausbaufähig, denn in einigen Passagen liegen sie mit den Tönen daneben.

Trotz der etwas konfusen Songaufbauten wissen DEVIATED PRESENCE, wie man Musik macht und je öfter man Fall´s Passage hört, desto mehr kann man sich damit anfreunden, wie tolle Songs wie The Mist, Amok, oder das wunderschön-melancholische Shadows zeigen. OPETH-Freunden ist das Album nur dann zu empfehlen, wenn sie ein starkes Nervenkostüm haben und viel Sitzfleisch mitbringen. Auf jeden Fall wird Value for Money geboten, da die Scheibe mit einer Gesamtspielzeit von fast 70 Minuten für schlappe 7 € zuzüglich Porto erhältlich ist. Wer in ekstatischen und ein wenig konfusen Trance verfallen will schreibt an Felix Gebhart, Gropiusweg 15, 44801 Bochum.

Veröffentlichungstermin: Januar 2004

Spielzeit: 68:11 Min.

Line-Up:
Felix Gebhart – Guitars, Vocals

Hubert Popiolek – Guitars, Vocals

Frank Pimay – Bass

Hartmut Stoof – Drums

Produziert von Felix Gebhart & DEVIATED PRESENCE
Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.deviated-presence.de

Email: deviated-presence@gmx.de

Tracklist:
1. Insanity

2. Awakening

3. The Mist

4. Meaning of Loss

5. Amok

6. Release

7. Return

8. Shadows

9. The Riddle

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle