DAUÞUZ: Vom schwarzen Schmied

Ungeheuerlich epischer Bergmann-Black-Metal auf höchstem Niveau. Macht Spaß!

Das Black-Metal-Duo DAUÞUZ ist spätestens seit einem euphorischen Review auf Angry Metal Guy zu ihrem Album “Monvmentvm” drauf und dran, über den Status als Geheimtipp herauszuwachsen. Mit ihrem cleveren Konzept, den traditionellen Bergbau zum Mittelpunkt ihres Schaffens zu machen, hatten sie bei mir ohnehin schon gewonnen, aber dass “Monvmentvm” dann tatsächlich auch musikalisch die Lücke schloss, die weiland DRAUTRAN bei mir hinterlassen hatten, hatte ich dann doch nicht gedacht: Das war wild, episch, originell, niemals peinlich, schlicht ein Meisterwerk. Und nun also die Geschichte “Vom schwarzen Schmied”, nach der zwischenzeitlich veröffentlichten EP “Grubenfall 1727” nun schon der zweite Nachfolger. Wird auch er seinem Vorgänger gerecht?

Es ist jedenfalls alles da: die wahnsinnigen, geil hohen Schreie, die bombastischen Chöre, die flirrenden Gitarren. Mit “Der Eid” ist ein erster Höhepunkt klug am Anfang platziert, das Stück hat alles, was DAUÞUZ ausmacht, und dazu einen unwiderstehlichen epischen Midtempo-Part, der einen dieser Momente evoziert, in dem du am liebsten mit hoch erhobener Grubenlampe bei Sturm und Wind aus der Miene kommen würdest, das erste Mal seit zwölf Stunden frische Luft im Gesicht, um einfach nur zu schreien.

Der Bergbau kommt in die Welt – mit ungeheuerlichen Arbeitsbedingungen

Tatsächlich möchte das niemand erleben, und es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass der Bergbau so war wie er war – und dass dies außer DAUÞUZ bisher noch niemand zum Anlass genommen hat, da ein Bandkonzept drauf aufzubauen! Denn was könnte finsterer, dunkler und verzweifelter sein als ein Arbeitstag in einer Miene im achtzehnten Jahrhundert?

Nun, wenn es nach DAUÞUZ geht, hat das Dasein als Bergmann auch seine schönen Seiten: Gleich zwei wundervolle, alte ULVER und EMPYRIUM in Erinnerung rufende Instrumentalstücke haben es aufs Album geschafft – als deutlich mehr als die Verschnaufpausen, die es braucht, um das Werk als Ganzes noch besser aufnehmen zu können. Ja, “Vom schwarzen Schmied” funktioniert hervorragend als Album und sollte – die Betitelung der Stücke als “Der Bergschmied I-VIII” macht’s deutlich – auch als Einheit behandelt werden. Besonders gelungen in diesem Zusammenhang auch die gesprochenen Passagen!

“Vom schwarzen Schmied” macht trotzdem ungeheuerlich viel Spaß

Wenn ich irgendwas zu meckern haben müsste, wäre es wohl der alles in allem extrem eingängige Charakter des Albums – man könnte manchmal fast schon von Power-Metal-Atmosphäre sprechen – und damit zusammenhängend die Produktion: “Momvmentvm” fühlte sich dreckiger an, ohne es an Epik vermissen zu lassen. “Vom schwarzen Schmied” klingt nun sauberer, dafür aber nicht fett genug. Das ist angesichts der sehr melodischen Kompositionen sicherlich nachvollziehbar, allerdings hätte ich mir dann auch einen entsprechend hörbaren Bass gewünscht.

Aber auch ohne macht dieses Album letztendlich einfach ungeheuerlich viel Spaß und lädt ein zum gepflegten Mitgrölen ebenso wie zur tiefsinnigen Introspektion über das harte Leben als Bergmann bzw. als Mensch allgemein; die Sage nämlich, um die es hier geht, lässt natürlich mal wieder nur einen Schluss zu: Der Mensch hat’s verbockt! Mit seiner Gier nach den kostbaren Erzen aus der Erde. Allein, war’s immer der Bergmann selbst, der so gierig war – oder nicht doch eher meistens der Besitzer der Mine…?

Wie dem auch sei, dass mit dem Gold der Krieg in die Welt kam, nehme ich während des einfach nur köstlichen Übergangs zu “Der Frevel” gerne mit. Und spätestens im großen Finale namens “Sargdeckel”, mit seinem perfekt eingesetzten Chorus, weiß ich, dass mir DAUÞUZ mit “Vom schwarzen Schmied” eines meiner Top-Alben des Jahres beschert haben.

Spielzeit: 57:29 Min.

Veröffentlichung am 12.11.2021 auf Amor Fati

DAUÞUZ “Vom schwarzen Schmied” Tracklist

1. Der Bergschmied I: Mein Berg
2. Der Bergschmied II: Der Eid (Video bei YouTube)
3. Der Bergschmied III: Desperatio
4. Der Bergschmied IV: Zauberwerk (Audio bei YouTube)
5. Der Bergschmied V: Sagenlieder
6. Der Bergschmied VI: Cognitio
7. Der Bergschmied VII: Der Frevel
8. Der Bergschmied VIII: Sargdeckel