CRUACHAN: Folk-Lore

CRUACHAN: Folk-Lore

Lehnt euch zurück, Freunde der irischen Volksmusik, lehnt euch zurück und genießt! Trinkt dabei ein, zwei oder auch drei Gläser Whiskey und genießt das Gefühl Irlands, welches jeden überkommen wird beim Hören dieses wunderschönen Albums.

„Folk-Lore“ ist dabei nicht nur dessen treffender Name, es ist auch das Motto – Folklore, also die Überlieferungen, die Geschichten eines Volkes, werden musikalisch verarbeitet. Dabei beruft man sich nicht nur auf die originären, akustischen Instrumente, nein, man benutzt auch den eigenen Metal-Background, um mit druckvollen E-Gitarren und kraftvollem Schlagzeug die wunderbaren Folk-Songs noch zu stärken. Gut, eigentlich sind es (bis auf zwei Ausnahmen) keine wirklichen Folk-Songs, da sie überwiegend von Keith Fay, dem Kopf der Band, komponiert wurden. Jedoch wirken sie allesamt wie echtes irisches Liedgut, denn Fay nutzt alte Melodien, die typischen irischen Tonfolgen für seine Kompositionen und erzählt damit Geschichten aus der irischen Sagenwelt oder auch in zwei Fällen aus aktuelleren Welten, wie zunächst in „Bloody Sunday“ geschehen, einem Lied über den feigen Mord der britischen Armee an 13 (protestantischen) Iren in Derry. Um dies zu verstehen, muß man wissen, daß die Briten in Nordirland Protestanten ansiedelten, um das Land „britischer“ zu machen. Wenn nun die britischen Soldaten ihre eigenen Leute erschießen, weil diese illegal demonstrieren, wird schnell klar, daß Fay, indem er diesen Fall anklagt, nicht Stellung bezieht für eine Partei, sondern für Menschlichkeit.

Das zweite Lied mit aktuellerem Bezug ist ein trauriges Abschiedslied und eine Widmung an die verstorbene Großmutter zweier Bandmitglieder – beachtlich allemal diese Herzlichkeit und Wärme, die man in der Musik Irlands wie auch in den Menschen dort spürt. Wer schon einmal dieses wunderbare Land bereist hat, wird schnell begeistert sein von der Urwüchsigkeit, der Wärme, der großartigen Natur und der Mischung aus Lebensfreude und Melancholie, die Land und Menschen durchzieht. Auf „Folk-Lore“ ist all dies immer zu spüren, genau wie der unheimliche Geist zur Rebellion und zur Willenskraft, der ebenso typisch ist für die Iren. Immer wieder spürt der Hörer in den wunderschönen Melodien auch die Bitterkeit und die tragische Geschichte eines Volkes, das vor langer Zeit, in der Zeit der von den Engländern verschuldeten Großen Hungersnot, zur Hälfte dezimiert wurde. Diese Zeit wird aufgearbeitet durch die beiden Traditonals „The Rocky Road To Dublin“ und meinen absoluten Irish Folk-Favoriten „Spancil Hill“, welche wieder einmal zeigen, daß CRUACHAN nicht Metal mit Folk-Einflüssen, sondern Folk mit Metal-Elementen spielen. Dabei zur Seite steht ihnen übrigens ein Pionier des Folk Rocks, kein Geringerer als Shane Mac Gowan, der Sänger der POGUES. Er hat dieses Album produziert, und er singt auch mit bei zwei Liedern, dem wunderschönen „Ride On“ von Jimmy McCarty und, was mich besonders freut, bei „Spancil Hill“. Das Erbe der POGUES fällt somit in die Hände von CRUACHAN, die den „Celtic Rock“ hinüberretten in das neue Jahrtausend und sicherlich das irische Erbe noch lange hochhalten werden. Ein phantastisches Werk.

VÖ: 21.01.2002

Spielzeit: 45:46 Min.

Line-Up:
Karen Gilligan – vocals, percussion

Keith Fay – vocals, e-guitar, acoustic guitar, keyboard, bouzouki, mandolin, banjo, bodhran, percussion

John O’Fathaigh – Irish flute, tin whistle, low whistle, recorder

John Clohessy – bass, backing vocals

Joe Farrell – drums, percussion

Produziert von Shane Mac Gowan
Label: Hammerheart Records

Homepage: http://www.cruachan.cjb.net

Email: cruachan@ireland.com

Tracklist:
1. Bloody Sunday

2. The Victory Reel

3. Death Of A Gael

4. The Rocky Road To Dublin

5. Ossian’s Return

6. Spancil Hill

7. The Children Of Lir

8. Ride On

9. Susie Moran

10. Exiles

Bonus song on digipak (und nur da – also auch nicht auf der Promo…)

11. To Invoke The Horned God

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Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.