CRESCENT: Carving The Fires Of Akhet

Das Halbmondsymbol, das über den Lettern von CRESCENT verweilt, wird es den nahöstlichen Gestalten dahinter hoffentlich nicht übel nehmen, wenn diese im Titel von “Carving The Fires Of Akhet” das Hauptaugenmerk auf das wärme- und lichtspendende Pendant legen. Akhet, eine ägyptische Hieroglyphe, repräsentiert nämlich die über den Berg aufgehende Sonne und wenn man möchte, könnte man dieses Bild auch für jenes dritte Album der angeschwärzten Death Metaller heraufbeschwören: denn “Carving The Fires Of Akhet” ist das emporsteigende Tageslicht im bisherigen CRESCENT-Schaffen, bei welchem nach den ersten beiden überladen-vertriggerten Statements endlich damit begonnen wird, die mühselig vom Fels rausgehauenen Brocken für die Sphynx grazil in Form zu bringen.

CRESCENT setzen auf variablen Egypt-Death Metal

Insbesondere bei jenem so eminent wichtigen Taktgeberwerkzeug offenbart sich die Weiterentwicklung der Nil-Hauptstädtler gegenüber “The Order Of Amenti” bzw. “Pyramid Slaves”: allein der alles überragende Eröffnungstrack ‘The Fires Of Akhet’ strahlt mit seinen markanten und lebhaften Rhythmen aus dem mesopotamischen Formenkreis schon mehr als nur eine Prise MELECHESH-Galanterie aus und wirft uns direkt in die mystisch-dunkle, aber auch hochkultivierte Pharaonenzeit hinein. Während die blackmetallischen Israelis von MELECHESH auf ihren letzten Scheiben durch eine verstärkt folkloristische Melodieführung und ausgefeiltere Gitarrenleads eine etwas feinsinnigere Richtung einschlugen, bauen CRESCENT bei “Carving The Fires Of Akhet” nach wie vor auf überwiegend schweres Geschütz – wenngleich sie mittlerweile in der Lage sind, ihren tiefgrowligen, immer noch mit Bolt Thrower-Grooves versehenen Egypt-Death Metal wesentlich variabler und interessanter zu gestalten. Rasende Blastsalven (gerne auch mit einer integrierten Tribalhandschrift), fauliger Todesatem und flirrende Griffbrettmelodien, die immer noch von den initiativen Einflussgebern DISSECTION herrühren, geben sich bei dem breakverliebten Spiel gerne die Tempelklinke in die Hand.

Sänger, Gitarrist und schlauer Wüstenfuchs Ismaeel Attallah hat die Veränderungen natürlich mitzuverantworten und diesbezüglich u.a. folgende bedeutungsschwangere Metapher mitzuteilen:

“Wir haben uns selbst herausgefordert und unser Feuer erhöht, indem wir viele Grenzen überschritten haben, die über das hinausgehen, was einfach von uns erwartet wird. Es zeigt die wachsende Identität von CRESCENT und leitet eine neue Ära für die Band ein.”

CRESCENT rücken mit diesem neuen Selbstverständnis und – das darf nicht unerwähnt bleiben – den hervorragenden Händchen von Victor Santura (DARK FORTRESS, TRIPTYKON), der mit seinem Mixing und Mastering dem Vierer zu einem deutlich organischeren und dichteren Sound verholfen hat – nun in wirklich ernstzunehmende Bereiche vor und schließen langsam aber sicher auch zu ähnlich gelagerten Acts wie den ungemein hektischeren NILE auf. By the way: Deren letzte Scheibe “Vile Nilotic Rites” hätte diese füllige Produktion auch gut zu Gesicht gestanden. Trotz aller monströsen Ausbrüchen gehen die Ägypter mit erstaunlicher Gelassenheit an die “Akhet”-Sache und bauen von ‘Moot Set Was’ bis ‘As Nu Enshrines Death’ auch mit mächtigem BEHEMOTH-Okkultismus einen immer imposanteren, in den Himmel ragenden Obelisken auf.

“Carving The Fires Of Akhet” braucht eine eigene Nische

Offensichtlich haben die personellen Umwälzungen im Vorfeld des Albums hierbei keine negativen Spuren hinterlassen: Langzeitbassist Moanis Salem wurde für das Einspielen der Tieftonparts zunächst von André Meyrink (CHAOS INVOCATION), später dann durch den neuen hauptamtlichen Bassbediener Stefan Dietz (u.a. NOCTE OBDUCTA, ex-live-MELECHESH) ersetzt. Mitbegründer Amr Mokhtar (der immerhin noch die Drumparts entworfen hat) hat CRESCENT ebenfalls aus persönlichen Gründen verlassen. Seine begonnene Arbeit ist von Julian Dietrich (CLOUDBREAKER, INTO COFFIN) vollendet und die ägyptische Basis letztendlich mit deutschen Ausläufern bestückt worden.

Das bisher reifeste CRESCENT-Werk, dessen im Barockstil gehaltenes, von Khaos Diktator entworfenes Cover eine altägyptische Gewaltszenerie darstellt, wird von mehr oder weniger bekannten Klängen abgerundet: Durch die linearere und schwedischere Death Metal-Nummer ‘Dreamland’ vom gleichnamigen 99er Demo in einer Re-vamped Version wird retrospektiv das bisher Erreichte nochmal evident und mit den beiden Interpretationen von ‘Xeper-I-Set’ (von DISSECTIONs streitbarem “Reinkaos”-Album) und ‘…For Victory’ (fuckin’ BOLT THROWER latürnich), die sich ebenfalls hören lassen können, schlägt man die Brücke zu den eigenen musikalischen Vorlieben.

CRESCENT haben mit “Carving The Fires Of Akhet” endlich ihre eigene Nische in der Pyramide gefunden und sind nicht länger lediglich ein unheilvolles Omen, sondern bereits zu einer der zehn Plagen geworden, die über unser aller Land hinwegfegt. Starkes Teil!

Veröffentlichungsdatum: 04.06.2021

Spielzeit: 62:33

Line Up:

Ismaeel Attallah – vocals, guitars (lead)
Youssef Saleh – guitars (rhythm)
André Meyrink – bass
Julian Dietrich – drums

Label: Listenable Records

Produziert von: Victor Santura @ Woodshed Studio, Landshut

Bandhomepage: https://www.crescentband.com/
Facebook: https://www.facebook.com/Crescentband

CRESCENT “Carving the Fires of Akhet” Tracklist

1) The Fires of Akhet
2) Moot Set Waas
3) Serpent of Avaris
4) Neb-Pehti-Ra
5) Imprecations upon Thy Flame
6) Drowned in Theban Blood
7) Crimson Descension
8) As Nu Enshrines Death

Bonus-Tracks:
9) Dreamland (’99 Revamp)
10) Xeper-I-Set (DISSECTION Cover)
11) …For Victory (BOLT THROWER Cover)