CRADLE OF FILTH: Nymphetamine

Klar wird es auch dieses Mal Nörgler geben, aber mich haben CRADLE OF FILTH mit ihrer Eingängigkeit, der grandiosen Melodieführung, der Aggression und vor allem dem sehr breiten Variationsspektrum wieder einmal in ihrem Bann gerissen. Pflichtkauf!

Eines gleich vorweg: CRADLE OF FILTH haben mit ihrer aktuellen Scheibe „Nymphetamine“ auf dem neuen Label Roadrunner Records ein wahres Meisterwerk abgeliefert, welches für mich das bislang beste Album der Engländer darstellt. Und spätestens jetzt wird sich der letzte True Black Metaller komplett von der Combo abwenden, allerdings werden CRADLE OF FILTH mit „Nymphetamine“ viele neue Anhänger hinzugewinnen.

„Nymphetamine“ ist so vielschichtig wie noch kein anderer CRADLE OF FILTH-Output ausgefallen und schon beim Openertrack „Gilded Cunt“ (zuvor folgt noch mit „Satyriasis“ ein kurzes orchestrales Intro) hat es mich an die Wand geblasen. Wuchtig und zerstörend brettert der Track in anspruchsvoller Death/Thrash-Manier aus den Boxen. Zwischendurch wird kurz das Tempo gedrosselt und mit coolen Leads verziert, um kurz anschließend zu blasten und immer wieder durch einen fetten Groove die Sache aufzulockern. Die Vocals von Dani sind wieder einmal hervorragend. Von fiesem Kreischgesang, über tiefe Grunts bis hin zu cleanen gesprochenen Passagen zeigt der kleine Mann einmal mehr, dass er in seinem Metier beinahe unantastbar ist. Kaum habe ich mich von diesem Gewitter erholt startet majestätisch „Nemesis“, ein Ohrwurm, der mich immer wieder bei den Midtempoparts an BATHORY erinnert. Sehr schön sind die zahlreichen Tempowechsel. Egal ob mit rasanter Doublebass, Blastparts oder groovendem Midtempo – das siebenminütige „Nemesis“ ist kurzweilig – auch weil die Klampfen teilweise sehr melodisch und eingängig agieren. „Gabrielle“ startet sanft mit Synthies, um sich kurze Zeit später erneut in ein Black/Thrash-Gewitter zu verwandeln. Jedoch ist dies nicht von langer Dauer. Und hier kommt das oben angesprochene Thema Vielschichtigkeit wieder ins Spiel. „Gabrielle“ bewegt sich dann in schon fast Gothic Metal-Nähe mit düsterem Sprechgesang und Pianoklängen. Hat der Hörer sich erstmal auf diese Ruhe eingelassen prügelt sich das Sextett mit rasiermesserscharfen Riffs weiter durch den Track. Auch „Absinthe With Faust“ beginnt mit Keyboardsounds, allerdings lassen CRADLE OF FILTH den Fuß weitestgehend auf der Bremse. Ein willkommener Ruhepol nach den ersten vier mitreißenden und intensiven Tracks. Es folgt das über neunminütige „Nymphetamine Overdose“, welches zunächst PARADISE LOST-artig (zu deren Anfangszeiten) startet und zu einem Death/Thrash/Black-Song mutiert bis der grandiose, überraschende Break folgt, bei dem Liv Kristine (u.a. LEAVES´ EYES) zum Einsatz kommt. Mit engelsgleicher Stimme gibt sie den Gegenpart zu Dani und die Mucke an sich bewegt sich erneut in Gothic/Dark Metal-Nähe. Aber bei weitem nicht schleimig oder aufgesetzt, sondern ausgeklügelt und mit hohem Suchtfaktor. Absolut geniale Komposition! „Painting Flowers White Never Suited My Palette“ ist ein kurzes orchestrales Zwischenspiel zur Mitte des Albums. Schon ab diesem Punkt war mir klar, dass „Nymphetamine“ noch unzählige Male in meinem Player laufen wird. Keine Angst, auch die zweite Hälfte kann das Niveau halten. Egal ob ihr zum Beispiel „Medusa And Hemlock“ (mit u.a. klassischen Heavy Metal-Gitarrenlines und flinken Soli), das getragene und zugleich bedrohliche „English Fire“, „Filthy Little Secret“ (Achtung: ein recht rockig/thrashiger Uptempobanger inkl. Twingitarrenattacke!) oder den härtesten Track der Veröffentlichung „Mother Of Abominations“ anwählt – bei CRADLE OF FILTH anno 2004 ist jeder Song ein Volltreffer und „Nymphetamine“ hat mich regelrecht süchtig gemacht.

Klar wird es auch dieses Mal Nörgler geben, aber mich haben CRADLE OF FILTH mit ihrer Eingängigkeit, der grandiosen Melodieführung, der Aggression und vor allem dem sehr breiten Variationsspektrum wieder einmal in ihrem Bann gerissen. Pflichtkauf!

Unter www.roadrunnerrecords.de findet ihr den Song „Gilded Cunt“ als free MP3.

Veröffentlichungstermin: 27.09.2004

Spielzeit: 75:46 Min.

Line-Up:
Dani Filth – vocals

Paul Allender – guitars

Dave Pybus – bass

Martin Powell – keyboards

Adrian Erlandson – drums

James Mcilroy – guitars

Produziert von Rob Caggiano
Label: Roadrunner Records

Hompage: http://www.cradleoffilth.com

Tracklist:
01. Satyriasis (Intro)

02. Gilded Cunt

03. Nemesis

04. Gabrielle

05. Absinthe with Faust

06. Nymphetamine (Overdose)

07. Painting Flowers White Never Suited My Palette (Instrumental)

08. Medusa and Hemlock

09. Coffin Fodder

10. English Fire

11. Filthy Little Secret

12. Swansong For A Raven

13. Mother of Abominations

14. Nymphetamine Fix