BLACK MATH HORSEMAN: Wyllt

BLACK MATH HORSEMAN: Wyllt

Was für eine Zeremonie! Einem magischen Zirkel gleich wird hier mit Klängen reine Alchemie betrieben. Die vier Kalifornier BLACK MATH HORSEMAN sind in ganz verschlagenen Teilen der Seele unterwegs und zelebrieren den Schmerz und die Einsamkeit. Das hat mehr mit SWANS und MINSK zu tun, mit OM und BLACK SABBATH als mit der aktuellen Post Hardcore-Szene. BLACK MATH HORSEMAN haben Rezepturen parat, die ganz weit entfernt sind von klassischen Songstrukturen, dafür aber langsam fließen und zu einem großen Ganzen werden. In nicht mal vierzig Minuten wird das gesamte Spektrum aufgefahren: Laute, tonnenschwere Riffs, zerbrechliche Melodien, eine rauchige Atmosphäre, erdige Grooves und wundervoller, zurückhaltender Frauengesang sind die Basis für das Debütalbum Wyllt.

Die einzelnen Songs unterscheiden sich nur in Details, hauptsächlich geht es dabei um die lauten Teile, manchmal sind sie verzerrt, manchmal sind sie angenehm klar gehalten. Ein Unterschied liegt noch bei der Konsequenz des Songaufbaus, BLACK MATH HORSEMAN lassen sich teilweise sehr lange treiben, teilweise kommen sie etwas schneller auf den Punkt, in Torment of the Metals mit seiner heftigen zweiten Hälfte wird das geradezu perfektioniert. Fakt ist, spannend ist das nicht wirklich. Aber darum geht es bei Wyllt auch gar nicht. Denn dieses Album ist eine sanfte, bisweilen leicht turbulente Reise durch eine unbekannte Dimension mit vielen Facetten, aber einer ganz klaren Linie. Manche können BLACK MATH HORSEMAN hier vielleicht Langeweile vorwerfen, Songs wie Deerslayer, Origin of Savagery und das abschließende Bird of All Faiths and None muss man erst mal so stimmig und magisch hinkriegen.

In gewisser Weise sind BLACK MATH HORSEMAN, bei denen Sasha Popovic und Bryan Tualo von MOTHER TONGUE aktiv sind, dann doch mit ISIS vergleichbar. Sie besitzen ein ähnlich raues Gewand, in den Hintergrund gemischter Gesang, eine ungewöhnliche Gitarrenwand. Dennoch hat Produzent Scott Reeder Wyllt ein eigenständiges Soundgewand verpasst. Hier kann jeder Ton atmen, jeder Bassdrumschlag hat eine Identität, hier entsteht eine gewaltige Atmosphäre. Auch das Artwork lädt dazu ein, sich zu verlieren. Abstrakte Bilder zu jedem Song schaffen auch ein visuelles Erlebnis, das in Verbindung mit der Musik sich ins Gedächtnis fräst. BLACK MATH HORSEMAN kommen quasi aus dem Nichts, mit einem ungewöhnlichen und wunderschönen Debütalbum und faszinieren sofort. Nichtsdestotrotz, unbedingt viel Zeit nehmen und wirken lassen. So ein urbanpoetisches Album darf keinesfalls untergehen.

Veröffentlichungstermin: 29. Mai 2009

Spielzeit: 37:56 Min.

Line-Up:
Sera Timms
Ian Barry
Bryan Tulao
Sasha Popovic

Produziert von Scott Reeder
Label: Undergroove

Homepage: http://www.blackmathhorseman.com

MySpace: http://www.myspace.com/blackmathhorseman

Tracklist:
1. Tyrant
2. Deerslayer
3. A Barren Cause
4. Origin of Savagery
5. Torment to the Metals
6. Bird of All Faiths and None

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle