BEHEMOTH: The Apostasy

BEHEMOTH: The Apostasy

Die Frage, wie die Welt nach Demigod aussehen sollte war damals reine Zukunftsmusik. Das Album schien viel zu mächtig, um jemals übertroffen zu werden, wie eine unüberwindbare Wand, die jegliche Sicht und Vorstellung blockiert. Dunkel, schwer, massiv und perfekt. Aber BEHEMOTH haben das geschafft, was viele für unmöglich hielten: Sie haben ein Monster erschaffen, das diese Wand zwar nicht einreißen, aber zumindestens erklettern kann. The Apostasy macht letztendlich genau da weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat. Zuerst lässt die farbliche Ähnlichkeit des Covers befürchten, dass die Polen auf Nummer sicher gegangen sind und ein zweites Demigod aufgenommen haben. Und überhaupt ist das Cover nicht die Offenbarung. Konnte man vorher unendlich viele Facetten und Kleinigkeiten auf dem Artwork entdecken, ist es jetzt eher simpel. Die kalte Statue der Göttin Kali strotzt vor Messern und Schädeln – keine Runen, keine kleinen Hinweise, einfach nur ein achtarmiges, gewalttätiges Symbol.

Und diese acht Arme schien Bandkopf Nergal auch gehabt zu haben. Wenn man die zahlreichen Episoden im Internet verfolgt hat, die die Schaffung des Albums dokumentieren, dann weiß man ganz sicher: Das hier ist Perfektion, hier stimmt alles, jeder Ton, jede Idee, wurde so umgesetzt, dass maximale Wirkung entsteht. Monatelange Proberaumsessions und ebenso lange Studioaufenthalte, Gitarrenspuren, die über verschiedene Amps eingespielt und gedoppelt wurden, um beste Ergebnisse zu erzielen, echte Bläser, Chöre und Pianisten. Und nicht zuletzt stimmt auch beim Outfit für die Fotosessions alles. Jeder Knopf, jede Gürtelschnalle tragen BEHEMOTH-Wappen oder ähnliche Symbole.
All das hört man dem Album an. Man spürt es zwischen den Riffs, selbst zwischen den Songs, als ob die Stille zwischen zwei Stücken selbst tausendfach geprobt worden wäre. BEHEMOTH verbauen keine überflüssigen Parts, keine Füllriffs, die nur auf den nächsten Blastbeat warten. Dunkel das Zimmer ab, setz die Kopfhörer auf und lass dich darauf ein. Ich hab es getan und es kam keine Sekunde Langeweile auf. Welches Deathmetalalbum der letzten Jahre kann das von sich behaupten? Welches Deathmetalalbum kann so einen Gänsehautfaktor aufweisen?
Wenn man die Mühen und Kosten beachtet, die die Polen zu keiner Sekunde gescheut haben, dann fällt zu aller erst trotzdem auf, dass der Sound dem von Demigod nicht unbedingt in allen Belangen überlegen ist. Das spricht natürlich mehr für Demigod, als gegen die neue Scheibe. Aber The Apostasy klingt echter, natürlicher, weniger steril, ohne dabei an Druck zu verlieren.

Was letztendlich zählt sind natürlich die Songs. Und die sind brutal, kompromisslos, drückend, ja nahezu mächtig. Demigod mag die markanteren Riffs, die etwas eingängigeren Stücke haben, aber The Apostasy schert sich da nicht drum, verliert sich sowohl in schnellstem Geknüppel, als auch in schwersten Dampfwalzenparts. Immer perfekt verbunden, gegenseitig ausgleichend. Nergals Stimme klingt ebenfalls etwas natürlicher, nicht ganz so monströs, wie noch auf dem Vorgänger. Ganz enorm wichtig ist auf dem Album die Mischung aus technischem Deathmetal, orientalischen Einflüssen, Bläsern, Piano und Chören. Diese kommen nämlich genaugenommen nur sehr spärlich zum Einsatz, dafür genau an den richtigen Stellen. Unglaublich, wie minimalistisch man Klavierklänge einbauen kann. Die klassischen Instrumente zerstören zu keiner Sekunde die Härte des Albums, wirken nicht wie Beiwerk oder Mittel zum Kontrast, sondern wie aus einem Guss. Die Atmosphäre die dabei aufkommt ist unbeschreiblich, geben dem Album fast Hörspielcharakter.
Mit Inner Sanctum schießen BEHEMOTH dann noch einmal den Vogel ab. Mit NEVERMOREs Warrel Dane als Gastsänger bewegt man sich auf neues Terrain. Das ist mutig, das ist eigenwillig und passt überraschenderweise äußerst gut zum Sound der Band. Ein sehr ungewöhnliches Stück und gerade deshalb vielleicht auch eines der besten der Platte.
Viel Worte um nichts: The Apostasy ist das Deathmetalalbum des Jahres, schon jetzt, ohne zu wissen, was da noch kommen mag. Und, um der kommenden Frage vorzubeugen: Ja, die neue NILE mit eingeschlossen.

Veröffentlichungstermin: 17. 07. 2007

Spielzeit: 39:54 Min.

Line-Up:
Nergal – guitars: lead, rhythm, acoustic, vocals, invocations
Inferno – drums and percussion
Orion – bass guitar
Seth – session lead and rhythm guitarist, additional vocals

Produziert von Nergal und Malta, gemixt von Daniel Bergstrand, gemastert von Björn Engelmann
Label: Regain Records

Homepage: http://www.behemoth.pl

Tracklist:
I. Rome 64 C.E.
II. Slaying The Prophets Ov Isa
III. Prometherion
IV. At The Left Hand Ov God
V. Kriegsphilosophie
VI. Be Without Fear
VII. Arcana Hereticae
VIII. Libertheme
IX. Inner Sanctum
X. Pazuzu
XI. Christgrinding Avenue