BEEHOOVER: Concrete Catalyst

BEEHOOVER: Concrete Catalyst

Da haben BEEHOOVER ein derart architektonisches Etwas auf dem Artwork ihres Drittwerks stehen, und dann erfüllt Concrete Catalyst nicht mal die Befürchtungen, dass hier mittels irrer Drehungen und Wendungen der Kopf vom Hals geschraubt wird. So drastisch verbogen wie Malte Seidel auf diesem Artwork die Skulptur von Wim Delvoye darstellt, sind die Songs von BEEHOOVER nicht. Das hätte vielleicht gepasst, aber dennoch sind die beiden schwäbischen Rockschwergewichte sehr zugänglich und enorm heavy. Die Songs auf Concrete Catalyst zeigen, wie heavy und mitreißend nur auf dem Bass gespielte Riffs sein können, sie fressen sich ins Hirn und fließen dahin, wie wässrige Lava: Heiß, schwer und flüssig.

Daraus entstehen wirklich eingängige Songs, die vielleicht nicht beim ersten Mal zünden, aber spätestens beim zweiten oder dritten Mal umso mehr. Dafür bleiben aber schon die Riffs gemein im Ohr kleben. Oceanriver und Rocking Chair fließen fast schon poetisch dahin, Sultana lässt die Fäuste in die Luft strecken, A Poem und Counted Is Bygone rocken, dass die Eier anschwellen und The Dragonfighter bietet schweren und vor allem schwermütigen Doom, der allerdings mit seinem mitreißenden, hypnotischen Finale ein Licht am Ende des Tunnels sieht. Generell scheint dies das Credo von BEEHOOVER zu sein – 2010 sind nicht die besten Zeiten auf diesem Planeten, aber es geht immer irgendwie weiter. Vielleicht könnte Concrete Catalystdeshalb ein Album sein, dass Buzz Osborne in seiner Midlife-Crisis geschrieben haben könnte. Und bevor du das jetzt in den falschen Hals kriegt: Dieser MELVINS-Vergleich ist ein riesiges Kompliment, sonst nichts.

Was BEEHOOVER auszeichnet ist, dass sie beweisen, dass Bands mit Minimalbesetzung mehr wie eine Einheit klingen können, als große Ensembles. Sprich, da ist Gefühl im Spiel, da ist Kommunikation, da ist Intuition. Und wo das ist, fehlt es natürlich nicht an gutem Songwriting. Auch wenn die Stücke mal länger sind, BEEHOOVER verlieren sich niemals in sinnfreiem Gejamme, sondern erschaffen straffe Nummern, die locker den Langzeittest bestehen. Mit einer spontanen, erdigen Produktion ausgestattet zeigen BEEHOOVER, dass sie nichts hinter Pro-Tools verstecken müssen und durch diese Ehrlichkeit einfach besser klingen. Und glaube mir, dieser Bass-Sound, dieser Bass-Sound… Wirklich wahr.

Ingmar Petersen, der seine bisher reifste Gesangsleistung absolviert und Drummer Claus-Peter Hamisch, der gerne seinem Spieltrieb freien Lauf lässt und seinen Grooves viel Leben und Leidenschaft einhaucht, sind topmotiviert. Daher ist es nur konsequent, dass BEEHOOVER ein facetten- und detailreiches Album parat haben, das in Sachen Heaviness und Cleverness dieses Jahr nicht mehr so leicht überboten werden kann und sich hinter The Sun Behind The Dustbin und Heavy Zooo auch trotz ernsterer Ausrichtung nicht zu verstecken braucht. Los, kaufen, du Riffophiler Rockfan, du.

Veröffentlichungstermin: 3. September 2010

Spielzeit: 49:52 Min.

Line-Up:

Ingmar Petersen – Bass, Vocals
Claus-Peter Hamisch – Drums, Backing Vocals

Label: Exile on Mainstream Records

Homepage: http://www.beehoover.com

MySpace: http://www.myspace.com/beehoover

Tracklist:

1. Oceanriver
2. Five Minutes Of Resistance
3. Sultana
4. Rocking Chair
5. A Poem
6. Wild Geese Yell
7. The Dragonfighter
8. Counted Is Bygone
9. Trainer