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AUN: Alpha Heaven

"Alpha Heaven" klingt wie die einstündige Eröffnungssequenz zu einem Science-Fiction-Film mit vielen Außenaufnahmen eines Raumschiffs, das durch die Galaxie dümpelt – schön, aber ohne Gänsehaut zu erzeugen.

Der Himmel kann warten, schrie einst der Sänger einer bekannten britischen Heavy-Metal-Band und hatte dabei nur teilweise recht. Zunächst gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Himmel, außerdem, was will man noch erreichen, sollte man doch dort angekommen sein? Nein, machen wir uns das Leben lieber selbst himmlisch, gehen wir mal nicht zur Arbeit, trinken schon tagsüber ein Bier und gehen wir lieber schwimmen als zu lernen. Alpha Heaven lehrt allerdings nicht den zivilen Ungehorsam im Kleinen, sondern versucht eher eine Art Feierabendparadies zu erzeugen. Das kanadische Duo AUN spielt ausufernde, elektronische Stücke, hat ein Händchen für teils sehr schönen Ambient, lädt aber auch zum friedlichen Einschlafen auf der Couch ein.

Vieles ist mit dem Flair der Achtziger ausgestattet. Die Synthesizer sind zeitlos, klingen manchmal nach JESU, öfter jedoch nach Urgesteinen wie TANGERINE DREAM oder auch BRIAN ENO, wobei AUN es gekonnt vermeiden, auf irgendwelchen Retrowellen herumzureiten. Eine analoge Progressive-Rock-Synthesizer-Meisterleistung wie von ZOMBI haben AUN auch nicht parat – das wollen sie auch gar nicht. Stattdessen gibt es eine Shoegaze-Variante von Ambient, die nur selten Beats benöigt, die noch seltener Gesang beinhaltet und der wenn dann sowieso recht verfremdet klingt. AUN wirken noch losgelöster als auf Phantom Ghost, sind ruhig, stellenweise zu gleichförmig, aber trotzdem schön. Alpha Heaven lädt zum Verweilen ein, zum Seele baumeln lassen, zum gedanklichen Dahindümpeln. Aber Gänsehaut verschafft dieses akustische Valium nur in den seltensten Fällen.

Eigentlich klingt Alpha Heaven wie die einstündige Eröffnungssequenz zu einem Science-Fiction-Film mit vielen Außenaufnahmen eines Raumschiffs, das durch die Galaxie dümpelt. Martin Dumais und Julie Leblanc haben die Musik von AUN reduziert, haben dabei stellenweise leider auch das Gefühl mit entsorgt. Schade, denn mit dem gelungenen Album Phantom Ghost kann Alpha Heaven nicht ganz mithalten. Immerhin, das abschließende zehnminütige Return To Jupiter besitzt epische Qualitäten und kann den einen oder anderen Rauschzustand auslösen. Mit Returna, La Luna, Voyager, aber vor allem den kurzen Stücken Viva und Peacecalm können AUN außerdem für ein paar magische Momente sorgen. Alpha Heaven ist schön, stilvoll, aber etwas spannungsarm. Da verweilen wir tatsächlich lieber weiter im Diesseits, als die finale Reise anzutreten. Für diesen Trip wären AUN aber zugegebenermaßen der bessere Soundtrack als IRON MAIDEN.

Veröffentlichungstermin: 21. Juni 2013

Spielzeit: 57:44 Min.

Line-Up:
Martin Dumais – Electric, Midi & Bass Guitars, Acoustic & Electric Piano, Venus Organ, Synthesizers, Electronic percussion, Tapes, Sampler
Julie Leblanc – Vocals, Synthesizers, Piano, Sampler

Label: Denovali Records

Homepage: http://aunted.bandcamp.com/
Mehr im Netz: https://www.facebook.com/AUNandAUN

Tracklist:
1. Koenig
2. Returna
3. War Is Near
4. Viva
5. Vulcan
6. La Luna
7. Peacecalm
8. Alpha
9. Voyager
10. Floodland
11. Return To Jupiter

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