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AUN: Phantom Ghost

Ein subtiles Cybermärchen, das alles andere als typischen Ambient oder Drone bietet.

Ein Schwebezustand kann wunderschön sein, und gleichermaßen Panik auslösen. Wie diese Fallträume, vielleicht kennst du sie ja auch. Zwischen Euphorie und grenzenloser Angst. AUN erschaffen dieses Gefühl allein durch ihre Musik. Dunkle Traumbilder, bizarre Orte, ferne Lichter an schemenhaften Wolkenkratzern, und du dazwischen. Phantom Ghost sucht nicht nach dir und will dich nicht jagen, du wirst viel mehr selbst zu ihm. Diese Musik zu hören, ist wie als ein unsichtbarer Beobachter durch diese Welt zu schweben, während jemand auf die Pause-Taste gedrückt hat. So abstrakt wie diese Vorstellung ist auch die Musik von AUN, die alles andere als typischen Drone oder Ambient bietet. Stattdessen wird durch allerhand Synthesizer, Gitarreneffekte und technische Tricks eine permanent schwebende Atmosphäre erzeugt, die weniger nihilistisch dröhnt, als irgendwie tröstend zu wirken. Es ist ein Cybermärchen, das AUN auf Phantom Ghost aufführen, in dem selten voluminöse, monotone Beats vorkommen, hier und da auch repetitiver, betörender Gesang geboten wird, der teils recht stark mit Hall und Delay überlagert wird. Nach drei spannenden, unheimlichen, aber wunderschönen Songs wird es ruhiger und etwas schwerer greifbar, hier muss man aufpassen, den Faden nicht zu verlieren, so subtil erscheint Phantom Ghost dann. Wenn überhaupt noch Beats vorkommen, dann arg im Hintergrund. Schade, dass hier bisweilen die Spannung abgebaut wird, hier steckt noch mehr Potenzial.

Vergleiche zu ziehen, fällt bei AUN äußerst schwer. Phantom Ghost ist einerseits so abseits von allem Bekannten, dass man sich wie auf der ersten bemannten Mission auf einen fernen, fremden Planeten fühlt. AUN bedienen sich dennoch nur der Werkzeuge, die schon seit über dreißig Jahren für diese Art von Musik verwendet werden. Von TANGERINE DREAM über BOARDS OF CANADA, hin zu JESU führt die Fährte, mit der wir Phantom Ghost folgen. Es ist gleichermaßen fatalistisch und bedrückend, andererseits aber wunderschön und geheimnisvoll, was in dieser Dreiviertelstunde auf den Hörer einprasselt. Vom Gänsehaut erzeugenden Intro Phantom über das zärtliche Light Years, hin zu dem eingängigen Travellers wird vieles geboten, das sich erst nach und nach ein wenig aussortiert, so dass sich das Dickicht der atmosphärischen Klänge, Synthesizer, verfremdeten Gesänge und Gitarren allmählich lichtet. AUN spielen wunderschöne Musik, die sich langsam selbst entschlüsselt, nicht für jede Gelegenheit, nur für wenige Menschen, gehen dafür bei diesen tief unter die Haut und sorgen für ein tiefes, musikalisches Glücksgefühl.

Veröffentlichungstermin: 28. Oktober 2011

Spielzeit: 43:48 Min.

Line-Up:

Martin Dumais – Guitar, Bass, Synths, Programming
Julie Leblanc – Voice, Guitar, Piano

Label: Denovali Records
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/AUNandAUN

Tracklist:

1. Phantom
2. Out Of Mind
3. Travellers
4. Nineteen Eighty-Four
5. Orga II
6. Light Years
7. Ghost
8. Berlin

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