ANAAL NATHRAKH: The Codex Necro [Re-Release]

Zum 20-Jährigen legen ANAAL NATHRAKH ihr Debütalbum neu auf. “The Codex Necro” bleibt auch zwei Dekaden später ein misanthropisches und lebensfeindliches Album, das diese abartige und nihilistische Atmosphäre einfängt wie keine zweite Platte.

Die Zeiten ändern sich. Als ANAAL NATHRAKH im September 2020 ihren Song „The Age Of Starlight Ends” veröffentlichten, rieb sich die Fangemeinschaft kollektiv die Augen. Ein Lyric-Video? Das gibt’s doch gar nicht. Schließlich hat das Duo seit jeher darauf gepocht, niemals seine Texte zu veröffentlichen. „Do not ask for lyrics as ANAAL NATHRAKH’s will never be published.”, ist in schwarzen Lettern im Booklet des Debütalbums zu lesen. Mittlerweile hat man es sich offenbar anders überlegt, auf die Lyrics von „The Codex Necro“ (2001) müssen wir aber auch 20 Jahre später noch warten.

Zum Jubiläum gibt es immerhin eine Neuauflage der lange vergriffenen Platte; es ist nicht die erste und auch nicht die opulenteste: keine Bonustracks, kein aufwändigeres Booklet, kein Schnickschnack. Da war man in der Vergangenheit zwar großzügiger, in erster Linie interessiert uns aber ohnehin der Inhalt. Und der will uns eigentlich auch nicht hier haben, möchten wir meinen.

“The Codex Necro” fängt diese abartige, nihilistische und bisweilen widerliche Atmosphäre wie kein zweites Album ein

„The Codex Necro“ ist ein durch und durch misanthropisches und lebensfeindliches Album, das in seiner Schnittmenge aus Black Metal, Industrial und Grindcore auch deshalb so abstoßend wirkt, weil die Produktion sich alle Mühe gibt, die Musik noch unwirtlicher aus den Lautsprechern zu jagen, als sie es ohnehin schon ist. Die Drums scheppern, die Gitarren scheuern wie Sandpapier auf der Haut und die krächzenden Vocals bewegen sich bisweilen an der Grenze des Erträglichen.

Warum also sollten wir uns „The Codex Necro“ überhaupt antun wollen? Die kurze Antwort: weil es diese abartige, nihilistische und bisweilen widerliche Atmosphäre wie kein zweites Album einfängt. ANAAL NATHRAKH geben der Hässlichkeit der menschlichen Existenz ein Gesicht. Die lange Antwort liest sich eigentlich ähnlich, weist allerdings noch auf die musikalische Finesse hin, die trotz des dominanten Chaos ein Gespür für Melodie und Details durchschimmern lässt. Songs wie „When Humanity Is Cancer“ oder „Submission Is For The Weak” stützen sich oft auf wenige, simple Riffs, die aber genug Profil haben, um auch inmitten der extensiven Blast-Salven noch hervorzustechen. Es gibt also doch einen roten Faden, auch wenn er inmitten dieses Massakers nicht die deutlichste Farbe haben mag.

ANAAL NATHRAKHs Debüt hat Prinzipien und einen einzigartigen Charakter

Luftholen dürfen wir in dieser Dreiviertelstunde nur selten: „Incipid Flock“ schleppt sich mit einer zähfließenden Passage in eine Auszeit, wohingegen sich „Paradigm Shift – Annihilation“ mit einigen Sprachsamples und einem Drum’n’Bass-Ausflug in den Industrial nur kurz zurücknimmt, bevor das Gaspedal wieder durch- und die Regler bis zum Anschlag gedrückt werden. Dass selbst das wahnsinnige Gitarrensolo in „The Technogoat“ nur mit Mühe gegen das marodierende Rhythmusfundament ankommt, gehört zum Konzept: Es unterstreicht die Absicht ANAAL NATHRAKHs und fokussiert unsere Aufmerksamkeit, auf fast schon elegante Art und Weise.

Wobei elegant das falsche Wort ist für ein Album, das sich alle Mühe gibt, sich von seiner hässlichsten Seite zu zeigen. Eigentlich paradox, dass wir „The Codex Necro“ am Ende des Tages genau dafür lieben. Es hat seine Makel, es könnte hier und da straffer sein und es ist gelinde gesagt ein asoziales Stück Musik. Aber eben auch eines mit Herz und mit Prinzipien, die anno 2001 noch ein bisschen rigoroser eingehalten wurden als zwei Dekaden später. Exakt das verleiht „The Codex Necro“ schließlich seinen einzigartigen Charakter, der auch zwei Dekaden später noch zu fesseln weiß – und das komplett ohne Schnickschnack wie Lyric-Video oder Liner-Notes.

Veröffentlichungstermin: 22.11.2001 / 11.06.2021 [Re-Release]

Spielzeit: 44:45

Line-Up

V.I.T.R.I.O.L. – Vocals
Irrumator – alle Instrumente

Produziert von ANAAL NATHRAKH

Label: Mordgrimm / Metal Blade Records (Re-Release)

Facebook: https://www.facebook.com/Anaalnathrakhofficial

ANAAL NATHRAKH “The Codex Necro” Tracklist

01. The Supreme Necrotic Audnance
02. When Humanity Is Cancer
03. Submission Is For The Weak
04. Pandemonic Hyperblast
05. Paradigm Shift – Annihilation
06. The Technogoat
07. Incipid Flock
08. Human, All Too Fucking Human
09. The Codex Necro