Nicht nur die Farben auf dem Frontcover leuchten, auch der Inhalt sprüht nur so vor Leben. Ihre Ambitionen wollen AEPHANEMER auch gar nicht verbergen, doch besitzen sie gleichzeitig genug Selbstkontrolle, um uns behutsam in ihre einzigartige Interpretation des Melodic Death Metal einzuführen. Denn bevor uns im letzten Drittel von „Utopie“ die komplexen und ausufernden Kompositionen erwarten, setzt „Le Cimetière Marin“ auf verspielte, doch geradlinige Melodieführung.
Die neoklassischen und barocken Einflüsse sind schon hier präsent und treten noch stärker zutage als in der Vergangenheit. Das verleiht dem Material eine gewisse Eleganz, zumal die symphonischen Arrangements über die komplette Spielzeit hinweg ein präsentes Werkzeug im Repertoire der Franzosen sind. So duelliert sich die Leadgitarre in „La Règle du Jeu“ munter mit den Streichern, während geschickt platzierte Blasts eine gewisse Dringlichkeit entfachen.
AEPHANEMER zeigen sich auf „Utopie“ melodieverliebt, aber bissig
Melodieverliebt aber bissig zeigen sich AEPHANEMER im Folgenden, wobei Marion Bascouls giftige Screams wohl den größten Kontrast zur geschmackvollen Instrumentierung darstellen. Gerade dieser Gegensatz wirkt jedoch belebend, um auch ein verhältnismäßig geradlinig angelegtes Stück wie „Contrepoint“ interessant zu halten. Ein wenig Durchhaltevermögen ist nämlich durchaus gefragt: Obwohl „Utopie“ schnell ins Ohr geht, braucht es seine Zeit, um sich dort nachhaltig festzusetzen.
Das liegt freilich in der Natur der Sache, denn gerade die neoklassisch geprägte Gitarrenarbeit fordert ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit. Entlohnt wird diese spätestens im groß angelegten Instrumentalstück „La Rivière Souterraine“, wo uns AEPHANEMER mit teils wundervollen Tonfolgen verzaubern.
Die Spritzigkeit AEPHANEMERs hängt nicht nur von schnellen Tonfolgen ab
Das zweiteilige Titelstück schlägt schließlich in knapp 18 Minuten in eine ähnliche Kerbe, verschafft den einzelnen Instrumenten jedoch mehr Raum zum Atmen, was als Finale einen schönen Gegensatz zum teils hektischen Auftakt darstellt und schlussendlich noch einmal unterstreicht, dass die Spritzigkeit des Trios nicht nur von schnellen Tonfolgen abhängt.
Veröffentlichungstermin: 31.10.2025
Spielzeit: 50:50
Line-Up
Marion Bascoul – Vocals
Martin Hamiche – Guitars, Bass, Orchestrations
Mickael Bonnevialle – Drums
Produziert von AEPHANEMER
Label: Napalm Records
Homepage: https://aephanemer.com/
Facebook: https://www.facebook.com/Aephanemer
Instagram: https://www.instagram.com/aephanemerofficial/
Bandcamp: https://aephanemer.bandcamp.com/
AEPHANEMER “Utopie” Tracklist
1. Échos d’un Monde Perdu
2. Le Cimetière Marin (Video bei YouTube)
3. La Règle du Jeu (Video bei YouTube)
4. Par-delà le Mur des Siècles
5. Chimère
6. Contrepoint (Video bei YouTube)
7. La Rivière Souterraine
8. Utopie (Partie I)
9. Utopie (Partie II)