Da mir Livemusik immer wichtiger wird, beginne ich auch nicht Musik von der Konserve, sondern mit den besten Konzerterlebnissen des vergangenen Jahres, in chronologischer Reihenfolge.

Heidelberg Deathfest mit THE CROWN, SUFFOCATION, ANGELMAKER, FLESHCRAWL. Heidelberg, halle02, 15.03.2025
Mein erstes Heidelberg Deathfest! Auch wenn ich persönlich wieder immer mehr in die Punk & Hardcore-Richtung abdrifte, ist es dennoch der Death Metal, der mir die Seele reinigt. So ging es an einem kühlen aber schönen Samstag im März nach Heidelberg zum mittlerweile achten Deathfest. Die Fahrt mit dem ICE war super (dank nur einer Station Fahrtstrecke) und schon waren wir mitten drin. Billing und Leute top – inklusive Wiedersehen mit einigen netten Leuten – war das Deathfest das erste Highlight des Jahres. Persönliche Überraschungen: ANGELMAKER und FUMING MOUTH jeweils mit krass guten Shows – ein Album der beiden würde ich mir zuhause aber vermutlich nie anhören – dann herzerwärmend gute Auftritte von SLAUGHTERDAY, FLESHCRAWL und SUFFOCATION. Außer der Reihe (freiwillig unkomisch oder unfreiwillig komisch?) SPASM. Ja, doch, waren witzig. Herausragend: THE CROWN. Ich bin froh, dass ich sie im Jahr davor noch in Göteborg und nun im März in Heidelberg sehen durfte. Mit dieser Band verbinden wir mit vampster seit Anfang an eine ganz persönliche Beziehung und viele Erinnerungen, diverse Treffen, Höhen und Tiefen. Schade, dass sie ab nächstem Jahr wohl Geschichte sein werden. Ach Fuck.

SCHUBKARRE, DIE SIFFER. Marbach, Café Provinz, 22.03.2025
Ist es doof, die eigene Band in einem Jahresrückblick aufzuführen? Nö, denn für mich selbst war es ein Konzerthighlight – auch wenn ich dabei selbst auf einer Bühne stand. Seit einiger Zeit mache ich mit SCHUBKARRE wieder selbst Musik, und ich kann mir keinen besseren musikalischen Platz vorstellen, an dem ich mich zuhause fühle. Am 22.03. hatten wir Gelegenheit, unsere erste eigene LP live zu präsentieren, ein Abend wie im Rausch, zwischen Metal, Punk, wohlgesonnenen Leuten, einigen Biers und einfach guten Vibes. Das hat mich sehr berüht. Auch, dass die eigene Musik in der Lage ist, anderen Menschen Freude zu machen. Die Bude war jedenfalls voll und das hat sich bis zum Ende nicht geändert. Als Opener haben sich DIE SIFFER bereit erklärt – eigentlich sind die ja mit schuld daran, dass wir überhaupt live spielen ;-).

DESSERTED FEAR. Stuttgart, Club Zentral, 03.05.2025
Das aktuelle DESERTED FEAR Album kickt mich ehrlich gesagt gar nicht mal so. Live strotzen die Jungs aber nach wie vor vor Spielfreude und senden sympathische politische Botschaften. Leider ist das ja wichtig geworden inzwischen… Schöner Abend zusammen mit KVAEN & FALL OF SERENITY, in einem ebenfalls sympathischem Club, dem Club Zentral.

KING DIAMOND, PARADISE LOST, ANGEL WITCH. Ludwigsburg, MHP Arena, 14.06.2025
Was im Vorfeld nach einer komischen Band-Konstellation klang, entpuppte sich am Konzertabend als durchaus gelungene Mischung: ANGEL WITCH mit traditionellem, leidenschaftlich präsentierten Heavy Metal, PARADISE LOST, moderner und schwerer im Sound, dennoch ebenfalls bestens aufgelegt – und ein KING DIAMOND in Höchstform. Über seinen Gesang kann man sich streiten, ja. An diesem Abend war allerdings ALLES perfekt. Eine Show, die ihren Namen auch verdient, durch die Bank hervorragende Musiker – und im Zentrum natürlich der King. Bestens aufgelegt, wusste er sein Publikum zu fesseln – und ein Ständchen der Fans gab es auch noch, hatte er an dem Tag doch Geburtstag. War ein feiner Abend.

CIRCLE JERKS. Frankfurt, das Bett, 05.08.2025
Manchmal ist es schon unreal. Da wächst man musikalisch in den 80ern auf, entdeckt dieses Feuer, das sich Hardcore Punk nennt und wird gefangen von diesen wilden, ungestümen US-Bands wie den CIRCLE JERKS. Lange Zeit haben sie mich begleitet und sind über die Jahrzehnte immer wieder in das Tape Deck, auf den Plattenteller oder die Spotify-Playlist gewandert. Und diesen Sommer war es soweit – die CRICLE JERKS kommen tatsächlich mal wieder nach Deutschland, und ich kann sie zum ersten Mal live sehen. Unfassbar. Und so war der Abend dann auch – unfassbar. Klassiker reihte sich an Klassiker, dieser endlos schienenden Setlist. Und ermutigend war er auch: kann man als Band offenbar nach fünfundvierzig Dienstjahren und kurz vor dem siebzigsten Geburtstag des Sängers Keith Morris immer noch ordentlich Arsch treten. Und dieser Sound… Was für eine Gitarrenwand kann man denn bitte mit nur einer Gitarre, angeschlossen an zwei Amps und zwei Marshall Boxen, generieren? Die CIRCLE JERKS wissen halt immer noch genau, wie’s geht.

GORILLA BISCUITS, TERROR. Nürnberg, Löwensaal, 15.11.2025
Manchmal ist es schon unreal, Teil zwei. Da wächst man musikalisch in den 80ern auf, entdeckt dieses Feuer, das sich Hardcore Punk nennt und wird gefangen von diesen wilden, ungestümen US-Bands wie den GORILLA BISCUITS. Ja, tatsächlich, dieses Glück ist mir in diesem Jahr zwei Mal widerfahren: Zwei Lieblingsbands meiner Jugend, die ich noch nie live gesehen habe, kommen nochmal nach Deutschland. Und GORILLA BISCUITS haben tatsächlich nochmal eine Schippe mehr draufgelegt als die CIRCLE JERKS drei Monate zuvor. Doch bevor es soweit war, sorgten NO PREASSURE für das erste kleine Einheizen – und natürlich TERROR, die den Löwensaal in eine eben solche Grube verwandelten: Das Publikum war nur noch ein Knäul heißer Leiber und die Bühne entwickelte sich zur ersten Laufstrecke und Absprungrampe für Stagediver. Wahnsinn. Getoppt wurde es dann tatsächlich nochmal durch die GORILLA BISCUITS. Abgeklärt as Fuck und so voller Spielfreude, dass man als Fan nicht wusste, ob man lachen oder vor Freude weinen sollte. Ich hab mich für beides entschieden. So sollte der perfekte Konzertabend einfach sein.


Ich bedanke mich bei den folgenden Bands, die mich 2025 mit ihrer Musik berührt haben:
NAEVUS, PARADISE LOST, PHANTOM CORPORATION, BRUTUS, THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY, BAEST, LIK, MANTAR, MOUNTAIN THRONE – und natürlich meinen Hasen von SCHUBKARRE – danke für Alles.
2025 – und sonst so…
Zweitausendfünfundzwanzig. Ja verdammt. Was war das eigentlich? Persönlich war es ein gutes Jahr, et läuft. Dafür bin ich dankbar. Dennoch war 2025 ein Jahr, bei dem es einfach okay ist, dass es hinter uns liegt, in seinem eigenen kalten Schweiß, erschöpft und perplex, ob der vielen strangen Dinge, die ihm während dieser einen Drehung um sich selbst widerfahren sind. Was ist nur los, auf dieser Welt, in diesem Land, in unserer Gesellschaft. Ist das schon das letzte Zucken, das letzte Aufbegehren einer Zivilisation, der unterschwellig bewusst ist, dass sie es einfach vergeigt hat, dass das „immer immer weiter“ nur ein Trugschluss war, dass wir es weltumspannend verkackt haben, scheinbar untrennbar miteinander verbunden und nun dabei, uns in einen Abgrund zu reißen, ohne Aussicht auf einen Fallschirm oder doppelten Boden? Ein beängstigender, wenig hoffnungsvoller Gedanke. Für mich aber die naheliegendste Erklärung, warum diese, unsere Welt so ist, wie sie ist. Vernunft, Empathie und Weitsicht scheinen nicht mehr gefragt. Ein kurzes Aufbäumen der Vernünftigen, betroffenen, Jungen, die besonders an Freitagen auf sich und das, was im Argen liegt, hingewiesen haben, endgültig niedergemezelt, lächerlich gemacht, begraben. Stattdessen wittern rechte Spinner, die sich bislang in der Mitte der Gesellschaft konserviert haben, Morgenluft, berauscht von den „Erfolgen“ einer Partei, die uns nichts anzubieten hat, außer Spaltung, Hetze und einer weiteren Zuspitzung der Verhältnisse, die uns diese Scheiße erst eingebrockt haben, mit angeblich alternativen Lösungen, die eben alles sind, nur nicht das, was sich wohl viele von ihr erhoffen und versprechen – eine Alternative zum bisherigen – denn eine Alternative müsste ganz anders aussehen, als das Umfärben der doch selben Mauern, Brettern, Wänden. Wahrscheinlich passiert das alles aus Hilflosigkeit und schierer Ohnmacht, weil sich eben NICHTS abzeichnet, was sich als echte Alternative bezeichnen ließe – außer man akzeptiert, dass eine wirkliche Alternative erst mal weh tun würde und viele Dinge ganz anders angepackt werde müssten. Aber das will man ja auch nicht. Doch nicht, wenn es die eigene Bequemlichkeit beeinträchtigt. So schlimm kann es dann also doch nicht sein. Nun ja, wir werden ja sehen, wo das alles im kommenden Jahr hinführt. Klingt negativ? Ach, ja, mag sein, aber bin ich ja eigentlich gar nicht. Wie einleitend gesagt – persönlich geht es mir tipptopp – und gute Musik gab es 2025 auch. Das macht mir jedenfalls Hoffnung.