DIE KRUPPS: Erlangen, E-Werk, 31. Januar 2006

DIE KRUPPS: Erlangen, E-Werk, 31. Januar 2006

Dass DIE KRUPPS wichtig gewesen sein sollen für die Genese der deutschen EBM- (Electronic Body Music) und Industrialkultur, steht immer wieder in einschlägigen Lexika und Fachzeitschriften zu lesen. Tatsächlich waren die Düsseldorfer früh mit dabei, starteten Anfang der 80er Jahre im Zuge der Neuen Deutschen Welle, um in den 90er Jahren mit der Hinzunahme einer knackigen Heavy-Metal-Gitarre das Feld von hinten aufzumischen.

Da sich so ziemlich alles andere, an was sich KRUPPS-Kopf Jürgen Engler seither versucht hat, als Flop erwies, kehrt der Sänger nun wieder mit dem Original in den Ring zurück — das 25. Bandjubiläum ist ein willkommener Anlass für eine knackig-kompakte Werkschau. Und die fällt live im gutbesuchten E-Werk recht launig aus.

Wie viel an diesem Abend aus der Konserve kommt, will man gar nicht wissen. Aber das ist ja ein generelles Problem in diesem Genre. Auf der anderen Seite sorgt die moderne Technik dafür, dass selbst Uralt-Kamellen wie Volle Kraft voraus, Metal Machine Music und Wahre Arbeit, Wahrer Lohn auch nach über zwei Jahrzehnten noch immer einen schlanken Fuß machen.

Pluspunkte sammelt die schick monoton und minimal aufrockende Truppe zudem mit den beiden schicken Anti-Nazi-Nummern Fatherland und Germaniac, die einen angenehmen Kontrapunkt zur martialischen Bühnenoptik und LP-Titeln wie Stahlwerksinfonie setzen. Mit 5 Millionen haben DIE KRUPPS am Ende sogar eine brandneue, gefällig-tanzbare Nummer zur aktuellen Arbeitslosenzahl am Start.

Und wenn zwischendrin der Spannungsbogen mal kurz durchhängt, lässt sich auch das locker überbrücken, indem man den frechen kleinen Gothic-Girls im Saal beim selbstvergessenen Abtanzen zusieht oder auch Rüdiger Esch auf der Bühne bewundert, der eineinhalb Stunden lang hingebungsvoll die leere E-Saite seines Basses bearbeitet.