MANOWAR: Zurück zu den Ursprüngen?

MANOWAR: Zurück zu den Ursprüngen?

Einst waren MANOWAR für mich die absoluten Helden. Mit ihren früheren Werken hat mich die Band immer wieder umgehauen und für mich gab es keine größere musikalische Offenbarung. Geradezu fanatisch war ich, wenn es darum ging die Band gegenüber den vielen Kritikern zu verteidigen und gleichzeitig gab mir die Band ein Gefühl, zu dem keine andere in der Lage gewesen wäre. Doch in den letzten Jahren hat die Begeisterung für die Band bei mir immer mehr abgenommen. Musikalisch schwankten MANOWAR zu sehr zwischen sehr guten Sachen und Mittelmaß, die letzte Veröffentlichung „Louder than Hell“ war für mich eine echte Enttäuschung. Leider kann mich auch das neue Album „Warriors of the World“ nur zu Teilen überzeugen, insgesamt kann das neue Material im Vergleich zu den alten Werken in mir einfach nicht das unbeschreibliche Gefühl absoluter Euphorie erzeugen und in höhere Sphären katapultieren mich die eher durchschnittlichen Kompositionen ebenfalls nicht. Da wollte ich die Gelegenheit natürlich nicht ungenutzt lassen, die Band selbst mit meiner Meinung zu konfrontieren, und so kam es, dass ich am 17. April 2002 zunächst einmal Bauklötze staunend vor dem Hotel Bayrischer Hof in München stand. Denn das mein Interview in einem absoluten Nobelhotel inmitten der bayrischen Hauptstadt stattfinden würde, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Gleichzeitig konnte das Ambiente aber nicht passender gewählt werden und die ganze Situation verlieh meinem Gefühl, hier ein ganz besonderes Interview machen zu dürfen, den entsprechenden Ausdruck. Ich war in einem echten Zwiespalt, denn zum einen hätte ich auf die Knie fallen können – denn schließlich machte ich ein Interview mit MANOWAR – auf der anderen Seite wollte ich aber meine Kritik an der Entwicklung der Band auf jeden Fall an den Mann bringen, was ich so dann auch Gitarrist Karl Logan gleich zu Beginn wissen ließ. Und bei ihm war ich ganz klar an der richtigen Adresse. Denn er erwies sich als äußerst angenehmer und zuvorkommender Gesprächspartner, der sich meine Kritikpunkte aufgeschlossen anhörte und es nicht nötig hatte, irgendwelches falsches Interesse vorzuheucheln. Zu Schade, dass die Interviewzeit dann aber doch einfach zu kurz war, um sich so richtig festzubeißen…

Was mich beim neuen Album sehr gefreut hat ist, dass ihr mit “Warriors of the World” wieder weg von diesem Biker-Image gegangen seid und eher wieder die epische Seite von MANOWAR in den Vordergrund gestellt habt.

Nun, schau dir die Zeit an, in der “Louder than Hell” entstanden ist. Es gab diese Grunge-Bewegung, diesen ganzen Müll, und mit “Louder than Hell” wollten wir zu den Ursprüngen des Heavy Metal zurückkehren. Beim Heavy Metal geht es darum, sich nicht anzupassen, sich nicht zu konformieren. Die ganze Biker-Sache kam ganz einfach zu Stande, weil ich in die Band eingestiegen bin. Ich mag Motorräder, ich fahre Motorradrennen und 2000 wurde ich sogar New York State Champion in der Enduro-Klasse. Ich hatte einen sehr starken “Motorrad”-Einfluss. Wir schauten uns die Musikwelt um uns herum an und stellten fest, dass alle scheiße aussahen – dieses ganze Grunge-Zeugs – und jeder sang darüber, depressiv und down zu sein. Deshalb wollten wir ein Album schreiben, das sehr positiv war. Darum geht es eben beim Heavy Metal: Bikes, Frauen, Gitarren, Mut und die Kraft Nummer eins zu werden. Wir wollten ein Statement abgeben: “hey, wir lassen uns nicht von der ganzen Negativität um uns herum anstecken!”

Was das neue Album betrifft – es ist interessant, dass jemand wie du Probleme mit der Scheibe hast, denn jeder Journalist hat uns bisher gesagt, dass sie ihn an die früheren Alben erinnert. Ich denke auf diesem Album haben wir wieder unsere epische Seite ausgelebt. Die Fans sagten “wir wollen wieder ein episches Album!” Einige Leute hatten die gleiche Meinung wie du, “wir verstehen diese Biker-Sache nicht!” “Louder than Hell” war das Album, auf dem wir eben diese Geschichte in den Vordergrund gestellt haben. Beim neuen Album sagten wir uns “für diese Zeit war „Louder than Hell“ großartig, aber jetzt machen wir wieder ein episches Heavy Metal Album.” Schau dir zum Beispiel Songs wie Warriors of the World United” an: der Song beginnt sehr heavy, aber dann in der Mitte wird er ruhiger, genauso wie bei “Battle Hymns” oder “March of Revenge (by the Soldiers of Death)”. Dieses Element haben MANOWAR schon immer in ihre Musik integriert. Bei „House of Death“ ist es das selbe – der Song killt und dann wird es ruhig, Tiefe, Gefühl. Es ist ehrlich interessant, dass du Probleme mit dem Album hast. Wirklich 99% der Leute, mit denen ich gesprochen habe, meinten, „das Album erinnert mich an die alten MANOWAR“. Deshalb bin ich auf deine Gründe gespannt, denn du bist ein Fan und wir hören uns immer an, was unsere Fans zu sagen haben.

Ich stimme dir zu, was den ersten Song angeht. Als ich ihn zum ersten mal hörte, dachte ich nur „wow, die alten MANOWAR sind zurück!“ Ich habe gehofft, dass das gesamte Album so ausfallen würde, aber es gibt halt auch genug Sachen darauf, die meiner Meinung nach unnötig sind.

Ich habe vom Album die Tape-Version bekommen und als erstes würde mich mal interessieren ob die Reihenfolge darauf auch die des Albums sein wird?

Ja, so ist es.

Warum habt ihr dann die ganzen ruhigen Sachen an den Anfang des Albums gestellt?

Schau, es ist wirklich witzig, denn wenn du dir das Album als Kassette anhörst, dann denkst du sehr im Schema „Seite A“ und „Seite B“. Es ist wirklich lustig, wie sich die Mentalität mit einem CD-Player verändert. Eine CD hat nur eine Seite, aber wenn du eine Kassette hast, denkst du „Seite A“ – flip – „Seite B“. Wenn du das Album als CD anhörst, wird sie dich auf eine Reise führen, sie erzählt eine Geschichte. Sie fängt kraftvoll an, aber dann….es ist wie ein Film: er beginnt mit einer großen Explosion und dann geht das ganze eher in einer Richtung, wo du dich fragst „wie ergibt das einen Sinn?“ Und am Ende fügt sich alles zusammen. Genau so ist es auch auf diesem Album. Die letzten vier oder fünf Songs killen! Es ist wie eine Geschichte. Wir wollten die Grenzen des Heavy Metal neu definieren. Wir wollten nicht ein Album machen, das wir schon einmal gemacht haben. Wir wollten kein Remake von „Battle Hymns“. Es gibt das Album bereits! Auf diesem Album haben wir viele Einflüsse verarbeitet, es besitzt viel Tiefe, viel Gefühl, aber es hat auch immer noch etwas von „Battle Hymns“.

Am meisten Probleme bereitet mir auf dem Album der Song „An American Trilogy“ Ich habe das Lied auch einigen Freunden vorgespielt und alle stimmten eigentlich mit mir überein: einen solchen Song wollen wir von MANOWAR nicht hören.

Wir haben den Song gemacht, weil wir das schon seit langer Zeit machen wollten. Joey ist ein riesiger Elvis-Fan und wir respektieren Elvis, denn er war der King of Rock ´n´ Roll, gleichzeitig war seine Einstellung jedoch auch sehr Heavy Metal. Die Leute haben ihm damals immer gesagt „trag kein Leder, es verschreckt die Leute, wackle nicht mit dem Arsch, es verschreckt die Leute,… du wirst nie ins Fernsehen kommen, wenn diesen Hüftschwung machst!“ Er hat auf so was nie gehört, sich nie angepasst. Er sagte sich immer „so bin ich, fickt euch, wenn ihr mich nicht mögt!“ Vor kurzem war sein 25. Todestag und wir wollten zum Ausdruck bringen „das ist einer unserer Einflüsse, wir respektieren diese Person als Mensch wie auch als Künstler!“ Ich weiß, dass viele Leute denken, dass „An American Trilogy“ ein patriotischer Song ist. Das war ABSOLUT NICHT unser Anliegen bei diesem Song! Das Lied war bereits vor dem 11. September komplett fertiggestellt und das selbe gilt auch für „Fight for Freedom“. Er ist nicht nationalistisch, es ist kein „Amerika blablabla“, überhaupt nicht! Der Song ist sehr patriotisch für jeden, der in einem Krieg einen Menschen verloren hat, einen Menschen, der für etwas gekämpft hat. Der Song heißt unglücklicherweise „An American Trilogy“ aber genauso gut könnte er auch „A War Trilogy“ oder so heißen.

Ich muss zugeben, dass auch ich mir sicher war, dass der 11. September der Hintergrund dieses Songs darstellt.

Absolut nicht!! Die Leute verwechseln auch gerne Nationalismus und Patriotismus. Als der 11. September passierte, hat das jeden berührt, Menschen jeglicher Nationalität. Patriotismus ist nicht Nationalismus. Wenn du europäischen Patriotismus erleben möchtest, dann geh zu einem Fußballspiel! Weißt du, was ich meine? Komm schon, Menschen töten sich gegenseitig bei einem Fußballspiel, nur weil ihr Team verloren hat, dabei ist es lediglich ein Spiel! Wir wollen nicht nationalistisch sein. Diese Ereignisse haben die ganze Welt verändert. „The Warriors of the World United“ sind die Heavy Metal Fans auf der ganzen Welt, verbunden in einem viel weiteren Sinne, im Sinne „die ganze Welt ist friedlich vereint!“ Es ist ein Song, der sehr emotional und kraftvoll ist und wenn du in auf diese Weise anhörst – denk nicht an Amerikanismus oder derartiges – dann betrachte ihn als Song, der die Menschen ehrt, die für etwas gekämpft haben an das sie glaubten.

Okay, aber eigentlich wollte ich in dieses Thema gar nicht weiter einsteigen, da ich denke, dass es viel zu kompliziert ist, um die Sache in einem kurzen Interview durchzudiskutieren. Ich wollte viel mehr über die Musik von MANOWAR reden und da du gerade „Fight for Freedom“ erwähnt hast, will ich zu einem weiteren Kritikpunkt kommen. Wenn man sich die Melodielinien des Songs anhörst, dann geht das meiner Meinung nach schon sehr weit in Richtung dessen, was man im Deutschen als „Schlager“ bezeichnet…

Was bedeutet?

Schwer zu beschreiben….es ist eine Musik, die eher deine Eltern anhören, die im Radio gespielt wird und sanfte Melodien hat – wenn ich diesen Song meinen Eltern vorspielen würde, dann würde er sie sicherlich nicht schocken…

Schau, wenn du dir den Song anhörst, dann wird er dich sehr an „Courage“ erinnern, oder an „Carry On“. Im Heavy Metal ging es schon immer um Melodien. Das ist, was die Leute oft vergessen. Viele Bands heutzutage spielen das, was man „Nu Metal“ nennt. Ich denke nicht, dass das Metal ist. Überleg dir, was heutzutage in der Musikszene geschieht. Da gibt es sehr viel Daadaadaadaaa Uaaarrgh Doadoadoadoa Ooouuurrrghh! Stimmt´s? Es gibt keine verdammte Melodie in diesen Songs! Ein Grund, warum viele der Songs auf diesem Album so sehr melodisch ausgefallen sind, ist weil wir sagen wollten „Heavy Metal leitet sich von klassischer Musik ab.“ Es ist tatsächlich so! Richard Wagner hat den Heavy Metal erfunden als er anfing die Größe des Orchesters zu verdoppeln oder zu verdreifachen. Wenn er Verstärker gehabt hätte, hätte er sie auf 10 aufgedreht, auf 10! Und denk an die Schönheit, die Melodien! Wenn du eine Konzerthalle verlässt, dann hast du diese Themen im Gedächtnis. Die Musik heute ist verdammt perkussiv, aber es mangelt an Herz, an Seele, an Melodie. Es tut mir leid, dass du so fühlst, dass deine Eltern die Musik mögen könnten, aber vielleicht sind deine Eltern sehr nahe am Heavy Metal, haha. Heavy Metal hatte schon immer Melodien. Mir ist es egal, ob es County Music ist, ob es Klassik ist….ein Grund warum ich Rap und Hip-Hop wirklich hasse, ist weil es keine Melodien hat. It is all fucking „yo, yo!“ Musik ist Melodie, vergiss das nicht. Musik wird aus einer Tonleiter kreiert. Ich werde mich also nicht dafür entschuldigen, dass es in unserer Musik viel Melodie gibt, denn heutzutage haben so viele Bands keine Melodien und es gibt nichts an was man sich erinnern könnte, keine Songs. Auf diesem Album wollten wir uns wirklich darauf konzentrieren.

Okay, aber lass mich dir ein Beispiel geben, warum ich die älteren Sachen lieber mag, die ja auch sehr viel Melodie besitzen. Ich befinde mich in einem Raum mit Leuten, die mit Heavy Metal nicht wirklich etwas anfangen können. Ich lege zum Beispiel „Kill with Power“ oder „Hatred“ ein. Die Leute werden sagen „oh Gott, was ist das? Mach das raus, das halte ich nicht aus!“ Wenn ich ihnen das neue Album einlege, werden sie es sich anhören und sagen „nunja…es ist okay, du darfst es drin lassen…“ Weißt du, was ich meine?

Ja, aber ich denke nicht, dass das etwas schlimmes ist. Als Musiker kann ich dir einen der Gründe dafür nennen: wenn du dir die Aufnahmen betrachtest, dann waren die alten Sachen viel roher. Ich denke das, was du beschreibst, liegt nicht an der Energie der Musik. Ganz ehrlich, nimm dieselben Leute und leg ihnen „House of Death“ ein, leg ihnen „Hand of Doom“ ein, oder leg ihnen „Fight Until we Die“ ein – ich glaube nicht, dass sie sagen werden „okay, das ist cool“, während sie dasitzen und Tee trinken. Ich denke da bist du schon auch voreingenommen, aber das respektiere ich. Was ich dir sagen will: „denk an das Konzept“, okay? Der Grund, warum sie vielleicht sagen, dass sie die Musik ertragen ist, weil sie den heutigen Aufnahmestandard hören, pure absolute digital fidelity. Es hat uns fünf Monate gekostet das beste Equipment zusammenzutragen und herauszufinden, wie alles zusammenpasst und so weiter. Wenn du sagt „ich mag etwas wie „Hatred“ oder „Kill with Power“ lieber, dann sagst du auch „okay, ich mag die rohe Produktion lieber.“ Psychologisch gesehen ist es das vielleicht, was du mit den alten Songs verbindest. Ich weiß nicht.

Vielleicht ist es so, aber lass uns mal beim Beispiel „Hatred“ bleiben. Ich denke der Song ist sehr extrem und vielleicht das extremste, was MANOWAR je gemacht haben. Warum macht ihr heutzutage so etwas nicht mehr, warum vermeidet ihr Extreme?

Wie kannst du so etwas sagen, hast du dir mal die Lyrics von unserer letzten Scheibe angehört?

Nun, eigentlich geht es mir momentan mehr um die musikalische Seite…

Weißt du, was würde es uns als Band nützen, wenn wir Songs noch einmal schreiben? „Hatred“ ist sicherlich ein starker Song, aber ich betrachte ihn auch als Musiker. Der Song wechselt von diesem powervollen Teil in dieses „dadadada“. Als ich den Song zum ersten mal gehört habe, fragte ich mich, wie dieser Part in die Geschichte des Songs passt, denn er wechselt zu diesem kleinen Part und dann geht es „POW“ weiter, und dann wieder „dadadada“, weißt du was ich meine, haha? Nichts gegen das Lied, denn die Fans lieben es und es ist ein Teil Heavy Metal Geschichte. Aber ich denke bei Songs wie Warriors of the World United“ oder „House of Death“ wirst du nicht so sehr mit einem Hammer im Gesicht getroffen, der sagt „jetzt kommt der langsame Teil!“ Alles passt viel besser zusammen. Ich denke, wir sind da einfach bessere Songwriter geworden.

Wie jetzt bei diesem Interview betont ihr ja immer sehr, dass ihr im Grunde genommen das macht, was die Fans wollen und wenn die Fans solche Musik wollen, dann bekommen sie diese auch. Ich frag mich da immer, ob ihr eure Musik nicht auch für euch selbst macht und ob ihr euch da als Künstler nicht komplett eingeschränkt fühlt?

Nein, denn ohne die Fans – und das ist ein ganz einfaches Statement und die Wahrheit – bist du kein Künstler. Was hast du ohne die Fans? Wofür kreierst du Kunst? Hör nicht auf diese Künstler die sagen „oh, ich habe dieses Kunstwerk geschaffen um in meinem Zimmer zu sitzen und zu masturbieren!“ Komm schon, fuck you! Die Leute machen Kunst, weil sie sich selbst gegenüber den Fans ausdrücken wollen. Ohne Fans, ohne Feedback von Menschen, die das was du machst respektieren und wertschätzen, bist du nichts. Wir wären nicht hier ohne die Fans. Die Fans von bestimmten Bands, die sagen „wir geben einen Scheiß darauf, was die Fans denken, es ist wie es ist und wir machen was wir wollen!“ – ich denke der Grad ihrer Loyalität reflektiert den Fakt, dass du dich nicht in deiner eigenen Welt abkapseln kannst. Ich lauf nicht herum und denke „yeah, ich bin ein König des Metal!“ Ich denke nicht so, aber die Fans haben uns diesen Namen gegeben. Wir haben nie gesagt, wir wären Kings of Metal. Erst, als die Fans uns diesen Namen gegeben haben. Weißt du, was ich meine? Ich wäre nicht hier und würde mich mit dir unterhalten, wenn es mir egal wäre, was die Fans denken.

Aber gab es denn nie Ideen beim Songwriting, bei denen ihr gesagt habt „nun, es wäre cool, aber die Fans würden es nicht mögen!“ Ist das bei MANOWAR nie passiert?

Nicht wirklich, denn das ist eine eher unterbewusste Sache. Zum Beispiel fragen die Leute „warum habt ihr diese Puccini Oper gemacht?“ Ich kann nur erklären, dass wir den Song bei diesem italienischen Festival als Tribut an unsere italienischen Fans gespielt haben. Wenn du dort gewesen wärest, hättest du die Verbindung zu unseren italienischen Fans gespürt. Wir waren dort seit einigen Jahren nicht mehr und wir wollten etwas spezielles für sie machen. Als wir den Song spielten haben die Leute geweint und ihre Stimmen zu ihren Müttern, ihren Geschwistern oder ihren Freunden erhoben. Es hat mich wirklich überwältigt! Wir sagten „das muss auf unser nächstes Album!“ Nicht nur für die italienischen Fans, wir wollten zeigen, dass Eric die Stimme hat um so etwas umzusetzen. Und das ist eine weitere Rückkehr zum Heavy Metal, Heavy Metal ist klassische Musik. Das ist alles, was ich dazu sagen kann.

Wie du ja bereist zuvor einige male betont hast, haben MANOWAR ein sehr starkes Image, und die Leute, die MANOWAR nicht mögen, ziehen euch auch ständig wegen diesem Image auf. Hat es dich – seit du bei MANOWAR spielst – nicht auch oft angekotzt, dass du ständig auf dieses Image reduziert wirst?

Nein, denn du musst verstehen, dass dies die Person ist, die ich bin, dies ist die Person, die ich gerne sein möchte. Ich bin kein Poser, der so tut als wäre er Heavy Metal. So bin ich! Als ich zur Highschool ging, habe ich es abgelehnt ein Teil der Masse zu sein. Ich wollte keine 150-Dollar-Sneakers oder die modernste Jacke. Verstehst du? Ich habe mir keine moderne Frisur schneiden lassen, ich war einfach ich, ein sehr individueller Mensch. Und ich denke, dass die Heavy Metal Fans auf der ganzen Welt auf diese Weise denken. Sie sehen nicht aus wie alle anderen, sie folgen keinen Trends. Und die Band macht das auch nicht und MANOWAR wurden schon immer dafür respektiert, die Leute sagten nun, lieb sie oder hasse sie, man muss akzeptieren, dass sie seit 22 Jahren ihrer Vision gefolgt sind. Und das ist nicht so, weil wir ein Image haben, sondern weil unser Image einfach das ist, wie wir sind. Das sind wir, das ist kein Fake!

Okay, kommen wir zu einem etwas anderem Thema. Wie du in unserem kleinen Gespräch vor dem Interview schon gesagt hast, werdet ihr morgen bei Stefan Raab auftreten. Was erwartet ihr von der Show?

Ich erwarte viel Humor. Ich hab schon gehört, dass dieser Kerl total verrückt ist – a crazy son of a bitch. Einige Leute haben gesagt Oh, ich hasse Stefan Raab, er wird sich über euch lustig machen…

…ja, ich denke diese Befürchtung haben viele Fans…

Nun, dann schaut euch die Show an! Denn weißt du, die Leute haben diese Vorstellung dass MANOWAR keinen Sinn für Humor haben. Aber das ist nicht wahr. Wir haben keinen Humor, wenn es um die Musik geht, wenn es um Heavy Metal geht, wenn es darum geht, was wir spielen. Aber wenn du morgen die Show anschaust, wirst du uns ständig lachen sehen, wie wir uns gegenseitig hochnehmen und Witze machen. Manchmal ist es bei uns schon fast wie in einem Zirkus. Gestern waren wir auch bereits bei einer Fernsehshow, das war in einem Rock Club in Köln. Es war einfach zum Schießen! Da war dieses Kind, das wie ein Metal Fan gekleidet wurde, wir haben ihm Luftgitarre spielen beigebracht, ihm gezeigt, wie man ein richtiger Metalfan ist, es war einfach total verrückt. MANOWAR haben Sinn für Humor, wirklich! Wenn du nicht über dich selbst lachen kannst, verpasst du einen wichtigen Teil deines Lebens. Wir werden morgen da hin gehen und es wird lustig werden. Wir hoffen, dass Stefan mit uns lacht und wenn er über uns lacht, nun, was will man dagegen machen. Das bereitet mir keine schlaflosen Nächte. Denn ich weiß, wer ich bin und unsere Fans wissen, dass unsere Musik und der Metal das allerwichtigste ist.

Ich denke, dass genau das eines der Hauptdiskussionspunkte auf den Messageboards diverser Homepages ist: die MANOWAR-Hasser sagen, dass ihr euch viel zu wichtig nehmt und glaubt, ihr wärt die größten und die Fans sagen nun, man darf nicht alles so bierernst nehmen…

Nun, das sind genau die Art von Menschen, die eine Frau auf der Straße laufen sehen und sie verurteilen, ohne sie zu kennen, du weißt was ich meine, entweder einfach weil sie schön ist oder weil derjenige denkt, es wäre eine Schlampe. Sie sehen mich an und sagen das ist ein Idiot, er hat keine Intelligenz, der Kerl weiß nicht, was in der Welt passiert, er ist einfach ein Typ der Drogen nimmt, Bier säuft, ein bescheuerter Rock ´n´ Roller. Aber schau, sagt das nicht viel über diese Person selbst aus? Sagt dir das nicht viel über seine Ansichten? Weißt du, was ich denke? Wir sind alle gleich, keiner kann verurteilt werden. Die Menschen sind es gewohnt, andere zu verurteilen. Vielen Leuten ist es so wichtig Teil der Masse zu sein, denn die Masse ist nicht fassbar. Sobald also einer seinen Kopf auch nur ein Stück aus der Masse hervorhebt werfen die anderen Steine nach ihm. Die Meinung dieser Menschen bedeutet mir ganz ehrlich überhaupt nichts, denn wenn sie sich wirklich etwas mehr mit MANOWAR beschäftigen würden, würden sie sehen, dass unsere Message sehr positiv ist. Wir nehmen uns ernst, aber unsere Fans wollen auch, dass wir unsere Musik ernst nehmen. Sehen wir doch mal der Wahrheit ins Auge: es gibt nicht viele Bands, die ihre Musik ernst nehmen. Viele verkaufen sich. Sie ändern ihren Stil um Trendy zu sein. Darum geht es uns nicht.

Aber ist es denn nicht dann manchmal sehr seltsam für dich, dass MANOWAR vor allem auch die Metalfans so sehr separiert? Es gibt so viele Fans, die sich viel mit Metal beschäftigen, aber sie hassen MANOWAR.

Nein, das macht mir gar nichts aus, denn jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung. Es gibt Bands wie SLAYER, die sehr Hardcore sind, und Bands wie METALLICA, die…nun, wie auch immer du das nennen möchtest. Innerhalb jedes Musikgenres gibt es extreme Denker, es gibt Leute, die nur auf einer Schiene laufen, usw. Wenn du eine Halle mit Metal Fans füllst, dann wird es da einen Teil geben, die den puren Heavy Metal oder MANOWAR mögen und es wird Fans geben, die eher auf andere Sachen stehen. Aber das ist auch etwas, worauf MANOWAR-Fans stolz sind. Denn sie sind nicht wie die anderen, sind nicht nicht Fans von jeder x-beliebigen Band. Und wir wollen auch nicht wie andere Bands sein. Im Metal gibt es inzwischen auch eine starke Standardisierung. Weißt du, was ich meine? Wie viele Bands haben einen Sänger, der wie viele andere Sänger klingt? Heutzutage gibt es nur noch zwei Arten von Sänger: der eine singt uuuaarrggh und der andere Lalala. Mir fallen echt nur noch wenige ein, die eine eigene Stimme hat. Jemanden den du hörst und sofort sagst ja, den kenn ich! Es existieren nur wenige davon. Ich glaube ehrlich, dass es solch eine Homogenisierung der Musikstile gibt. Es gibt so viele Bands, die zwei Gitarristen haben, die Harmonien spielen und wenn der Sänger einsetzt dann geht’s Laaaalaaala…ES KLINGT ALLES GLEICH! Vermutlich denke viele Fans dieser Bands warum klingen MANOWAR nicht so? Weil es so viele Bands gibt, die das machen! Wir sind unser eigener Stil. Und du musst anders sein. Du musst einen offenen Geist haben.

Ja, da kann ich dir absolut zustimmen, ich bekomme so viele CDs zum besprechen, die mich einfach langweilen…

Genau, ganz genau was ich sage!!!

…und ich denke dass eine wirklich gute Band auch eine eigene Identität braucht und meistens auch hat. Für mich ist das heute eine der wichtigsten Kriterien für eine gute Band geworden…

Exakt, als Person, als Individuum und als Band brauchst du eine eigene Identität. Ich kann dir sagen, wenn wir inzwischen auf diesen Festivals spielen, sehen wir mehr MANOWAR-Shirts als alles andere. Es ist erstaunlich. Beim Monsters of Rock in Brasilien – warte bis du das Video siehst, das rauskommt, ein ganzes Konzert von der Monsters of Rock Show – 95% der Fans haben MANOWAR-Shirts getragen. Da gab es eine Geschichte, als SAVATAGE auf der Bühne standen. Nichts gegen SAVATAGE – exzellente Band, wirklich großartig. Aber Joey gab zur selben Zeit ein Presseinterview in einem anderen Teil des Stadions und die ganzen Fans kamen dort hin. Das musst du gesehen haben.

Schön, unsere Interviewzeit ist bereits um, aber ich würde zum Abschluss doch noch gerne unser vampster-questionaire durchführen…

Sicher doch…

Was waren die letzten drei Alben, die eich am meisten beeindruckt haben?

Nun, ich nenn dir wohl am besten ein paar CDs, die ich in letzter Zeit so gehört habe…

BLACK SABBATH – Heaven and Hell, eines der schwersten Alben überhaupt. Und etwas, das ich immer im Bus gehört habe war Fifty greatest classical composers – einfach eine Zusammenstellung…

Welche Art von Klassik magst du denn? Sind da auch moderne Komponisten dabei?

Ich mag alles. Ich mag VIVALDI – Four Seasons oder PAGANINI, aber auch moderne Komponisten wie Ennio Morricone und solche Sachen. Ich hör mir auch gerne Komponisten aus dem Osten, bzw. aus Russland an, wie Rachmaninov.

Es gibt sicherlich viele lustige Dinge, die euch auf der Bühne passiert sind, aber was war für dich so das witzigste Erlebnis?

Da gibt es wirklich sehr viele lustige Dinge, aber ich denke am witzigsten war für uns etwas, das nicht auf der Bühne, aber nach einer Show in Brasilien passiert ist. Wir fuhren zum Hotel und dieses schöne Mädchen saß im Wagen, das mit mir zum Hotel kommen wollte. Wenn man sie so gesehen hat, hatte man den Eindruck, dass sie einfach etwas ruhiger ist. Sie saß also da und sagte plötzlich etwas zu unserem Übersetzer. Er war auf einmal ganz aufgeregt und meinte wir müssen anhalten, wir müssen das Fenster öffnen! Wir fragten warum, was hat sie? Er sagte ihr müsst den Van stoppen, she is going to throw away! Im amerikanischen bedeutet to throw up eigentlich kotzen, aber er sagte she is throwing away! Wir konnten den Wagen zunächst nicht anhalten und dann bogen wir auf diese große Straße zu unserem Hotel ein, wo viele MANOWAR-Fans standen – und dann kam der Wagen und dieses hübsche Mädchen lehnt sich aus dem Fenster und buuuuaaaargh. She was throwing away!!! Ich glaube ich brauche nicht zu sagen, dass ich sie nicht mit in mein Zimmer genommen habe. Wir lachen auch heute noch darüber und haben eine neue Redewendung entdeckt, haha.

Wen würdest du in deinem Leben gerne einmal treffen und warum?

Nun, da gäbe es viele Phasen der Geschichte, zu denen ich gerne anwesend gewesen wäre. Jemand, der mich wirklich interessieren würde, wäre Stalin. Aber ich würde auch gerne mal Jesus Christus treffen, um zu fragen was ist wirklich deine Geschichte? Auch einige der Päpste – ich habe mich viel mit der Geschichte der Kirche beschäftigt, nicht aus religiösen, sondern aus historischen Gesichtspunkten. Wenn ich aber jemanden nennen sollte, der noch lebt, dann würde ich Clint Eastwood sagen. Ich liebe seine Rollen und er scheint eine sehr coole Person zu sein.

Und das war es dann auch. Eine halbe Stunde ist einfach verdammt wenig Zeit, um bei einem Interview so richtig in die Tiefe zu gehen, vor allem, wenn man es mit einer Band stattfindet, die man schon seit so vielen Jahren kennt und mit der man so viel Zeit verbracht hat. Dennoch hat das Gespräch mit Karl sehr viel Spaß gemacht und auch wenn mich das neue Album nicht wirklich überzeugen kann, freue ich mich jetzt schon wieder auf das nächste Werk, das wohl definitiv in zwei Jahren erscheinen soll, womit Karl aber gleichzeitig auch das Gerücht dementierte, dass bereits 2002 ein weiteres MANOWAR-Album in den Läden stehen soll. Und vielleicht hat Karl ja dann doch auch die ein oder andere Anregung aus dem Interview mitgenommen, denn wie ich immer wieder feststellen muss, bin ich nicht der einzige Fan der Band, der in den letzten Jahren nicht wirklich mit der Bandentwicklung glücklich war…