SLOW: V – Oceans

SLOW: V – Oceans

SLOW ist das Baby von Déhà (u.a. CULT OF ERINYES, MALADIE), der seine Finger in zahlreichen Bands und Projekten der belgischen Szene dunkler Musik hat und soweit ich mich erinnere auch eine Weile in Bulgarien lebte? Egal, das Belgien Funeral Doom kann wissen wir nicht nur durch die Antwerpener PANTHEIST. Und auch Déhà hat sich seit dem ersten SLOW Demo 2007 vom freakigen Drone-Sound immer mehr Richtung klassischem Funeral Doom bewegt. „III – Gaïa“ vor gut fünf Jahren huldigte noch sehr gelungen Mutter Erde, das folgende Doppelpack von „IV – Mythologiæ“ kenne ich nicht. Das sich Déhà nun der Weite und Tiefe der Ozeane annimmt ist nicht wirklich überraschend, wenn man sich die Themen seiner bisherigen Alben anschaut.

Und wie gewohnt gekommen wir genau die passenden Klänge vorgesetzt. Alles beginnt ruhig und beständig. Es dauert Genretypisch eine Weile, bis „Aurore“ seine eisige Hand ausstreckt um einen hinabzuziehen. Und gerade wenn dir die Luft wegbleibt fangen dich verträumte Töne in schillernden Farbschattierungen ein. Natürlich nur die Ruhe vor dem Sturm, wir sind halt beim Funeral Doom und auch SLOW bedient letztendlich die üblichen Klischees. „Ténèbres“, wunderschön, man weiß im Voraus wann es laut wird, aber alles ist stimmig und zeigt Wirkung.

Funeral Doom muss wohlig weh tun, und das macht SLOW mit „V – Oceans“!

„Déluge“ rüttelt uns nach einem intensiven Wellengang mit fiesen Blastparts durch, eine unbequeme, jedoch passende Raserei. Hierzu gibt es auch ein Lyrics-Video. „Néant“ hingegen fällt wunderschön zusammen, zarte Klänge lassen an schillernde Tiefseewesen denken, die neugierig an uns vorbei schweben. Was dann auf uns zukommt ist eine andere Liga, was auch immer es ist, es ist sehr groß und nicht nett! Natürlich versteht man die Lyrics nicht, die Déhà da aus den Tiefen seiner Kehle holt. Der Song jagt einem einen kalten Schauer nach dem anderen über den Rücken. So dürften sich die tiefsten Tiefen des Meeres anfühlen. „Mort“ zerreißt einen dann endgültig, zerrt einen unabwendbar in den Schlund des eiskalten Abgrund. Aber ist dies unser Ende? Erhebende Klänge machen sich breit! Was immer wie dort finden, es muss majestätisch sein!

„V – Oceans“ zerrt einen unabwendbar in den Schlund des eiskalten Abgrunds

Geht es hier um die Tiefe der Ozeane? Oder ist es eher eine Reise in unsere eigenen Tiefen? Wie gewohnt schafft es Déhà mit SLOW auch auf „V – Oceans“ Bilder zu malen vor den Augen des Zuhörers. Unter dem Kopfhörer verlässt man diese Welt und taucht ein in die Klangwelten von SLOW. Hier jetzt nachts viel zu laut aus den Boxen macht das Album Angst, spielt mit den Gefühlen, macht einen wohlig platt.

Bei SLOW zählt nicht der große Moment, hier zählt das komplette Album

Was vielleicht fehlt sind die großen Momente, an denen man die Band oder einen Song wiedererkennt. Das schaffen halt Bands wie SWALLOW THE SUN oder SHAPE OF DISPAIR. Andererseits zählt bei SLOW nicht der große Moment, hier zählt das komplette Album und das Konzept, dass es mit sich trägt. „V – Oceans“ ist intensiv, zermürbend, zieht einen in die Tiefe der Songs und sinnbildlich in die Tiefe der Ozeane. Der Sound ist mächtig fett und kalt, das Digipack hat die Lyrics dabei falls man doch den Worten folgen möchte, statt sich den eigenen Fantasien hinzugeben. Ein wie erwartet gelungenes Konzeptalbum, das man als Funeral Doom-Freak definitiv haben sollte. im Eigenvertrieb ist „SLOW: V – Oceans“ bereits im letzten Sommer erschienen.

Veröffentlicht: 26.01.2018

Spielzeit: 55:17 min.

Lineup:
Déhà – alle Instrumente und Vocals, Produktion
Lore Boeykens – Lyrics, Konzept

Label: code666

Mehr im Web: http://www.facebook.com/slowdooom

Die Tracklist von „V – Oceans“:

1. Aurore
2. Ténèbres
3. Déluge
4. Néant
5. Mort

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!