CD-Review: HORSEBACK: The Gorgon Tongue: Impale Golden Horn / Forbidden Planet [Re-Release]. Mehr von HORSEBACK

HORSEBACK: The Gorgon Tongue: Impale Golden Horn / Forbidden Planet [Re-Release]

  • cdreview - HORSEBACK: The Gorgon Tongue: Impale Golden Horn / Forbidden Planet [Re-Release]Was sind das für Welten, die sich zu "The Invisible Mountain" verschmolzen? Welten, durch die Jenks Miller alias HORSEBACK mit traumwandlerischer Leichtigkeit wandert, die zusammen adjustiert grob eine Mischung aus EARTH, JESU und BURZUM ergeben? Ist es mehr als die Summe seiner Bestandteile? Nun, Jenks Miller kennt keine Grenzen, er ist viel mehr ein Poet zwischen der Harmonie und dem Missklang, zwischen dem atemberaubend Schönen und dem Unnahbarem, Unbequemen. "The Gorgon Tongue" vereint die beiden Alben von HORSEBACK, die vor, beziehungsweise nach "The Invisible Mountain" das Licht der Welt erblickten und längst ausverkauft sind. Und natürlich, unterschiedlicher könnten sie kaum sein.

    "Impale Golden Horn", das auf der ersten CD dieser Wiederveröffentlichung thront ergießt sich über den Geist wie tausend Kaskaden aus kühlem Wasser über einen schwitzenden Körper, der nach einer Pause verlangt. Vier überlange Stücke, eines reduzierter als das andere, aber dennoch profiliert und mit Wiedererkennungswert ausgestattet, lassen den Hörer in eine Welt eintauchen, die ebenso nah am Kitsch gebaut ist, wie die Bilder eines Darren Aronofsky, bei "The Fountain", diese Klippen aber gekonnt umschiffen. Delaygitarren, Synthesizer, dezente Melodien, pure Unaufdringlichkeit zeichnet die Songs aus, die alle Zeit der Welt haben, die die Erde für fünfzig Minuten still stehen lassen, die nicht den Anspruch haben, große Abwechslung zu bieten, aber dennoch keinerlei Längen aufweisen. Mit schlichter Eleganz ausgestattet, aber doch mit einer beachtlichen Menge an instrumentaler Tiefe, zeigen HORSEBACK, wie schwer die pure Schönheit wiegen kann. JESU mögen ein Anhaltspunkt für die Atmosphäre auf "Impale Golden Horn" sein, aber das war es auch schon an Vergleichsmöglichkeiten. Und diese vier Songs als Ambient zu bezeichnen ist völlig vermessen, nur weil sich HORSEBACK gerne die Rhythmen und den Gesang sparen.

    Vielleicht wirkt "Impale Golden Horn" auch nur deshalb so gut, weil es mit dem unwahrscheinlich schönem "Blood Fountain" endet. Diese Vorstellung, sich vor dem Sterben nochmal ein Lied wünschen zu dürfen, noch einmal Musik hören zu dürfen, bevor alles aus ist - "Blood Fountain" kommt für diesen Lebensabschlusssong in die enge Auswahl. Eine atemberaubend schöne Gitarrenmelodie, dezente Harmonien voller Hingabe, bis dann doch ein wie von weiter Ferne kommender, weicher Gesang wie eine Entschlüsselung eines jeden Rätsels gilt. Das improvisierte Schlagzeug am Ende deutet an, es ist vorbei, und wenn die Schlussakkorde verklingen wissen wir, so einen Song, so ein kolossales Lied, für das wir sterben möchten, das jede Frage zu einer Antwort werden lässt, das sich über eine geschundene Seele legt um sie für acht Minuten zu heilen, das schreibt man als Musiker nur einmal.

    Der zweite Teil dieses Re-Release fällt dann im Anschluss deutlich anders aus. Drone-Bassläufe treffen auf flirrende, kalte Gitarrenläufe und kaltes Geschrei. Black Metal trifft Ambient und Drone, das klingt nicht besonders neu und aufregend, aber HORSEBACK machen aus "Forbidden Planet" eine verstörende, atmosphärische Reise, die sehr unheimlich wirkt - die retro Science-Fiction des gleichnamigen Films von 1956 fließt in diese Musik also nicht ein. Immerhin, "Forbidden Planet" bahnt sich ganz ohne rhythmischer Instrumente seinen Weg ins Unterbewusstsein des Hörers und sorgt so für eine Form von Hypnose. So mitreißend und brillant wie "Impale Golden Horn" ist "Forbidden Planet" aber bei weitem nicht, es ist eine Weiterentwicklung dessen, was auf "The Invisible Mountain" angedeutet wurde, ohne die Rhythmen, ohne die Atmosphäre der heißen, leblosen Wüsten. "Forbidden Planet" ist gänzlich spirituell und wirkt wie ein Spiegel, der dem Hörer vor die Augen gehalten wird. Und weil dieser Spiegel bei jedem Hörer anders reflektiert, hinterlässt dieses Album, bei manchen einen enormen, bei anderen einen weniger starken Eindruck. Diese lange, epische, außerweltliche Komposition, die in sechs Tracks aufgesplittet wird, ist so oder so aber Ehrfurcht einflößend.

    "The Gorgon Tongue" ist der nächste Schritt HORSEBACK einer breiteren Hörerschar bekannt zu machen, als Einstiegswerk ist aber dennoch "The Invisible Mountain" mit seinem starken Einfluss von Americana zu empfehlen, denn auf "The Gorgon Tongue" ragt eine weite Kluft zwischen den Extremen. Auf "Forbidden Planet", vor allem aber "Impale Golden Horn" mit seinem sagenhaften Abschluss "Blood Fountain" zeigen HORSEBACK nichtsdestotrotz, zu was sie in der Lage sind. Wer weiß, dass die Verschmelzung von Ambient, Drone, Folk und Black Metal nicht bei LURKER OF CHALICE anfängt und bei XASTHUR aufhört, der erlebt hier wundervolle, tief berührende Musik, weit weg von jeder Szene, von einem jungen Multiinstrumentalisten - eine invertierte Form von BEIRUTs Zach Condon - der gerade erst seine Grenzen auslotet und der uns noch viele atemberaubende Stunden bescheren wird.


    Veröffentlichungstermin: 20. Mai 2011

    Spielzeit: 49:35 + 36:52 Min.

    Line-Up:
    Jenks Miller


    Label: Relapse Records
    MySpace: http://www.myspace.com/horsebacknoise

    Tracklist:

    "Impale Golden Horn" (2007):
    1. Finale
    2. The Golden Horn
    3. Laughing Celestial Architect
    4. Blood Fountain

    "Forbidden Planet" (2010):
    1. Veil Of Maya (The Lamb Takes The Lion)
    2. A High Ashen Breeze (Part 1)
    3. A High Ashen Breeze (Part 2)
    4. Alabaster Shithouse
    5. A High Ashen Breeze (Part 3)
    6. Introducing Blind Angels


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    Das ist quasi wie das Dschungelcamp in Black Metal.

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