MYRATH: Live At Carthage [CD/DVD]

MYRATH: Live At Carthage [CD/DVD]

In Zeiten, wo für uns Live-Konzerte als Live-Stream im Web oder doch eher daheim auf dem Fernseher stattfinden, kommen endlich mal wieder all die älteren bis ganz alten DVDs zu vergessenen Ehren. Aber es gibt auch neuen Stoff, um sich die Zeit zuhause musikalisch mit Live-Feeling zu verschönern. Den bieten auch MYRATH, die tunesischen Power Metaller legen ihren Mitschnitt „Live At Carthage“ bereit. Als erste Rockband überhaupt hatte die Band die Ehre, im antiken Amphitheater von Karthago zu spielen. Diesem historischen Ort zeigten sie sich würdig, nach ihrem starken letzten Album „Shehili“ hat man auch kaum etwas anderes erwartet.

MYRATH zeigen sich auf „Live At Carthage“ dem ehrwürdigen Amphitheater würdig

Herzstück dieses schicken Digipacks ist sicher die DVD, es gibt viel zu schauen und es kommt sofort Live-Stimmung auf. Es gibt ein natürlich orientalisches Intro, eine charmante Bauchtänzerin tänzelt über die mit Teppichen ausgelegte Bühne. Immer mehr Menschen kommen dazu, sicher die komplette Backcrew steht mit Percussions und Flaggen bereit, um die Band zu begrüßen. Die hat mit „Born To Survive“, dem Opener vom letzten Album, das Publikum sofort im Griff. Das epische „Storm Of Lies“ vom „Legacy“-Album und der Hit „Dance“ – spätestens jetzt ist man drin im Konzert. Es macht Spaß, den Jungs bei der Arbeit zuzuschauen, die ihnen sichtlich ebenso Spaß macht. Und dem Publikum, überall wird getanzt, gesungen, gefeiert. Der Sound ist fantastisch, die Keyboardteppiche rutschen etwas nach hinten, was die Songs weitaus heavier klingen lässt.

Live kommen viele MYRATH-Songs merklich kraftvoller

So gibt es eine bunte Reise durch die Alben von MYRATH, wobei Sänger Zaher seine Melodien gern mal noch etwas orientalischer klingen lässt. Warum auch nicht, wenn man schonmal an so einem Ort spielt. Und gerade dieses 1001 Nacht-Flair gibt der Band ja ihre spezielle Würze. Beim schunkeligen „Endure The Silence“ singen die Fans lautstark mit, ruhige und epischere Töne, aber auch ausgeprägt proggige Elemente schweben durch die Mitte der Show. Mit „The Unburnt“ geht es dann aber doch wieder heavy nach vorn, der Song und auch das folgende „Sour Sigh“ erinnern mich immer wieder an den angedoomten frickeligen Power Metal zahlreicher Bands aus Schweden Ende 80er/Anfang 90er. Zeit, mal wieder HEXENHAUS oder FIFTH REASON zu hören! Hätten die Wickinger Nordafrika überfallen, würde so schwedischer Metal klingen.

„Blazing Desert Metal“ mit schwedischen Momenten

Egal, MYRATH treten weiter Popo, ihre Melodien nehmen einen durchweg gefangen. Die Bauchtänzerin tanzt wieder durch den Wüstensand, passend zum sehr orientalischen „Tales Of The Sand“. Hier fällt auch wieder auf, was für eine starke Stimme Zaher hat. Ok, die Backing Vocals bleiben dort im Hintergrund gut aufgehoben. Man hört und schaut Malek zu, wie er konzentriert seine Gitarre bearbeitet. Auch den anderen Jungs schaut man gerne zu, sofern einen die Bauchtänzerin nicht ablenkt. Die gibt bei der ausgedehnten Tanzshow zum energischen „Madness“ alles. Nach den abgefeierten Hits „Believer“ und „No Holding Back“ und dem unnötigen Drumsolo tänzelt sie gar beim abschließenden „Beyond The Stars“ mit einem Kerzenständer auf dem Kopf über die Bühne. Mag sein, dass sie der heimliche Star auf der Bühne ist, aber auch der Band zuzuschauen macht durchgehend Spaß. Zuzuhören natürlich auch, mit diesem etwas kraftvollerem Live-Sound und den starken Songs eignet sich „Live At Carthage“ fantastisch für einen oder gern mehrere Abende vor dem Fernseher. Auch ohne Opiumrauch und Minze/Kardamon-Tee verbreitet sich orientalisches Flair und die Energie von MYRATHs „Blazing Desert Metal“. Wie üblich gibt es auch hier ein Making Of, das die Arbeit rund um dieses Event zeigt. Wer der französischen Sprache nicht mächtig ist, der bekommt englische Untertitel.

Ein Wohlfühlpaket, dass heiß macht, MYRATH selbst live auf der Bühne zu sehen

Die beliegende CD ist auch nicht nur Beigabe, sie landet oft im Player, man kann ja nicht nur vor dem Fernseher hängen. Gerade die letzten Tage mit viel Sonne und einem Hauch von Wüstentemperaturen boten sich an, diesen Sound auf die Terrasse schallen zu lassen. „Madness“ und das Drumsolo wurden gestrichen. Dafür gibt es als Auftakt eine gelungene Neuversion von „Believer“ mit Don Airey (DEEP PURPLE, BLACK SABBATH, WHITESNAKE und viele mehr) an den Keyboards. Eine Scheibe, die man sehr gern immer wieder mal in den Player schiebt. So ist MYRATHs „Live At Carthage“ ein echtes Wohlfühlpaket geworden, dass heiß macht darauf, diese Band endlich selbst live auf der Bühne zu sehen. Die letzte Tour musste ja aus den allen vertrauten Gründen abgebrochen werden. Wer durch den Virus-Lockdown wieder vermehrt Freude daran findet, auch zuhause mal ein Konzert zu sehen und auf starken progressiven Power Metal steht, der hat mit „Live At Carthage“ einen Pflichtkauf.

Veröffentlicht am 17.04.2020

Spielzeit: 76:55 Min.

Lineup:
Zaher Zorgati – Vocals
Malek Ben Arbia – Guitars, Background Vocals
Anis Jouini – Bass
Elyes Bouchoucha – Keyboards, Vocals
Morgan Berthet – Drums

Label: earMusic

Homepage: https://www.myrath.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/myrathband

Die Tracklist von „Live At Carthage“:

1. Believer (feat. Don Airey)*
2. Asl
3. Born To Survive (Video bei youtube)
4. Storm Of Lies
5. Dance
6. Wide Shut
7. Merciless Times
8. Get Your Freedom Back
9. Endure The Silence
10. Nobody´s Lives
11. Duat
12. The Unburnt
13. Sour Sigh
14. Tales Of The Sands
15. Madness **
16. Believer
17. No Holding Back
18. Drum Solo **
19. Beyond The Stars
20. Outro **
Bonus: Making-Of**
*Nur auf der CD
**Nur auf der DVD (FSK: 6)

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.