MYRATH: Shehili

MYRATH: Shehili

MYRATH gelten schon lange als „die“ Metal-Band aus Tunesien. Ok, mittlerweile residiert die Band in Nanterre / Frankreich. Sicher auch, weil die Jungs mit ihrer westlichen, harten Musik und ihren nicht unkritischen Texten zuhause wohl eher nicht überall willkommen sind. Aber die Herkunft ihres „Blazing Desert Metal“ ist unverkennbar. Wobei ich nur die Alben „Desert Call“ und „Tales Of The Sand“ mein eigen nenne, das letzte Album „Legacy“ kenne ich nur von ein paar Clips. Da war die Band noch weitaus mehr im Progressive-Metal unterwegs. Heute geht man es teils etwas eingängiger an, auf ausgefeilte Kompositionen verzichtet man hingegen weiterhin nicht.

MYRATH entführen uns auf „Shehili“ metallisch in 1001 Nacht

Natürlich entführt uns ein Intro in 1001 Nacht, ein Hauch von Opium liegt in der Luft, bevor „Born To Survive“ kriegerisch auf uns zurollt. Im Grundthema weiterhin am klassischen Prog-Metal orientiert, wird der Refrain richtig groß. Sehr skandinavisch kommt „You´ve Lost Yourself“, ohne den orientalischen Touch würde man auf eine schwedische Band tippen. Auch hier fesselt die Band mit proggiger Rhythmik, um dies mit einem richtig großen Refrain Richtung DREAM THEATER aufzulösen und ein paar den Song drehende Bridges einzubauen. Setzt sich fest, bleibt im Kopf und macht Spaß. Der ganz große Hit aber ist „Dance“. Wo sich die orientalischen Klänge auf „Shehili“ genau so weit zurück nehmen, dass sie nie zu viel werden, gibt es hier die volle Ladung heimischer Klänge. Diesmal mit dem Touch passender italienischen Bands aus der Symphonic-Ecke. Alles klingt herrlich exotisch, der Refrain packt voll zu, da fängt man automatisch an mit Bauchtanz. „Wicked Dice“ hingegen erinnert an New-Metal aus dem UK mit catchy Melodien von schwedischen Melodic/Hard Rock-Bands. Nein nein, soll nicht heißen, MYRATH klingen wie viele andere. Die Zutaten sind bekannt, klar, aber die Tunesier gehen sehr abwechslungsreich ans Werk und können durchweg überzeugen.

MYRATH gehen auf „Shehilin“ sehr abwechslungsreich ans Werk

Spannend auch „Lili Twil“, das mit seiner Gitarrenmelodie gar an BRYAN ADAMS erinnert, die Gesangslinien hingegen klingen schwermütig orientalisch, der Refrain bohrt sich hartnäckig in Ohr fest. Das mit den eingängigen Refrains ziehen MYRATH weiter durch, die Songs selbst werden immer experimenteller und auch mal sperriger. Wo sie uns zum Auftakt echte Hits präsentieren, laden sie danach immer mehr zum Zuhören ein. Da gibt es coole Leads zu entdecken wie in „No Holding Back“, wilde 70er-Orgeln in „Darkness Arise“. Oder die arabischen Gesangseinlagen von Keyboarder Elyes Bouchoucha, ehemals Hauptsänger der Band. Bei „Mersal“ gefällt der Wechselgesang der beiden Stimmen, welche die beiden Welten von MYRATH symbolisieren. Mit „Stardust“ hat man eine sich aufbauende Power-Ballade anzubieten, die anfangs etwas braucht, nach wenigen Durchläufen aber ihre wahre Größe zeigt.

MYRATH präsentieren zum Auftakt echte Hits und laden danach zum Zuhören ein

Größe zeigt neben der starken Leistung der Kollegen an den Instrumenten auch wieder Zaher Zorgati mit seiner starken Stimme. Diese weiß er passgenau einzusetzen, egal ob mit Gesangslinien seiner Heimat oder mit klassischen Prog-/Melodic- oder Sympthonic-Metal-Vocals. Er trägt seinen Teil dazu bei, dass „Shehilin“ Eindruck hinterlässt und wirklich Spaß macht. Ok, seine „Tahh“-Laute zwischendrin haben was von MICHAEL JACKSON, die bräuchte man weiterhin nicht. Aber vielleicht haben sie eine eigene Bedeutung in seiner heimischen Kultur, nehmen wir sie halt so mit. Denn was wir als Gesamtwerk geboten kriegen, das kann durchweg überzeugen und in vielen Momenten gar begeistern. Aber eben auch oder gerade dort, wo die Songs nicht sofort zünden, macht es wirklich Spaß, richtig hinzuhören. Zumal das Album einen klasse Sound mitbringt, und auch Vinyl und CD selbst kommen hübsch verpackt.

MYRATH klingen sehr orientalisch, bringen aber nie zu viel davon

Mit „Shehilin“ werden MYRATH ganz klar den schon lange verdienten Erfolg einfahren. Eingängig und trotzdem anspruchsvoll. Der orientalische Touch sehr präsent, aber nie zu viel oder gar kitschig. Dazu eine stark aufspielende Band, ein toller Sänger und Songs mal zum abfeiern und mal zum genauer hinhören. Ein Album mit Langzeitgarantie!

Veröffentlichung: 03.05.2019

Spielzeit: 47:33 Min.

Lineup:
Zaher Zorgati – Lead Vocals
Malek Ben Arbia – Guitars
Anis Jouini – Bass Guitar
Elyes Bouchoucha – Keyboards
Morgan Berthet -Drums

Label: earMUSIC

Website: https://www.myrath.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/myrathband

Die Tracklist von „Shehili“:

1. ASL (Intro)
2. Born To Survive (Video bei youtube)
3. You´ve Lost Yourself
4. Dance (Video bei youtube)
5. Wicked Dice
6. Monster In My Closet
7. Lili Twil
8. No Holding Back (Video bei youtube)
9. Stardust
10. Mersal
11. Darkness Arise
12. Shehili

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.