Frank Schäfer – Heavy Kraut – Wie der Metal nach Deutschland kam

Im kleinen aber feinen Andreas Reiffer-Verlag hat Frank Schäfer sein aktuelles Werk „Heavy Kraut – Wie der Metal nach Deutschland kam“ veröffentlicht. Wobei man ihn in diesem Fall schon eher als Herausgeber, denn als Autor sehen kann. Das vorliegende Buch ist als „Oral History“ konzipiert, das heißt konkret, dass Schäfer Zeitzeugen interviewt, ihre Aussagen zum Teil kommentiert und in eine lesbare Form gebracht hat. Seine eigenen Kommentare sind in den ersten zwei Dritteln eher rar gesät, nehmen dann zum Ende des Buches hin zu, auch um eine rote Linie beizubehalten.

Eine “Oral History” der Vor-Metal Jahre

Bei den beteiligten Musikern hat man sich im Wesentlichen auf einzelne Mitglieder von BIRTH CONTROL, LUCIFERʼS FRIEND, MASS,  SCORPIONS, FARGO, FRANZ K., BASTARD, ACCEPT und JUTTA WEINHOLD konzentriert.

Also doch einige Musiker und Bands, die dem geneigten Metaller eher nicht geläufig sind. Interessant zu lesen sind ihre An- und Einsichten vielleicht gerade deshalb, wobei das Vorliegen einer „Dramatis personae“ genannten alphabetischen Auflistung der Interviewten die Lektüre sehr vereinfacht.

Nachdenkliches, komisches und skurriles aus erster Hand

Und so kann man mit dem Buch nicht nur ein wenig bekanntes und beachtetes Kapitel deutscher Rockgeschichte für sich entdecken, sondern erhält auch einen Einblick in die Entstehung und die Vor- und Frühgeschichte des German Metal, zu dem etliche Journalisten, Kritiker und Musikhistoriker beitragen.

In den meist kurzen Interviewausrissen gibt es sowohl Nachdenkliches, als auch Komisches und Skurriles aus erster Hand zu lesen.

Dabei ist Peter „Fargo-Pedder“ Knorn natürlich mal wieder ganz vorne mit dabei, von dem man erfährt, warum Charlie Huhn „schon immer ein Gierlappen“ war, welche Band gebucht werden sollte, obwohl der Bassist „wie ein Vatermörder“ aussieht, oder warum er sich seinen legendären Basssalto rückblickend doch lieber gespart hätte. Peter Hesslein (LUCIFERʼS FRIEND) kleidet seine Verachtung für Posing und spielerische Fähigkeiten von URIAH HEEP Gitarrist Mick Box in Worte und ULI JON ROTH zeigt sich als reflektierter, vielseitig interessierter Künstler.

Für jeden, der an den späten Siebzigern und frühen Achtzigern interessiert ist, eine wahre Fundgrube

Die Gestaltung des Buches mit Hardcover-Einband, dem „Vatermörder“ als Titelmotiv, einigen Fotos und einer Diskografie am Ende runden ein Buch ab, dass durch seine Collage-artige Konzeption natürlich nicht ganz so rund zu lesen ist wie ein durchgängig von einem Autor verfasstes Werk, aber mit Sicherheit für jeden, der an den späten Siebzigern und frühen Achtzigern interessiert ist, eine wahre Fundgrube bietet.

Mich hat es motiviert, mich mit der einen oder anderen CD (zum Beispiel LUCIFERʼS FRIEND ODER ZED YAGO) neu zu beschäftigen und einen Blick in den ostdeutschen Teil der Rock Historie der Siebziger Jahre zu werfen. Empfehlenswert!

 

Hardcover: 304 Seiten

Verlag: Verlag Andreas Reiffer, 1. Auflage (2022)

ISBN 978-3-910335-72-1

Größe: 14 x 21,5 cm

22,00 Euro