VOIVOD, SPACE CHASER: 14. August 2019, Stuttgart, Universum

 

„Wir müssen halt auch ein paar neue Songs spielen“, erklärte VOIVOD-Sänger Snake gegen Mitte des Konzerts in Stuttgart und grinste fast schon entschuldigend. Auf der Setlist hatten die Kanadier an diesem Abend ungewöhnlich viele – vier von zwölf – Songs vom aktuellen Album „The Wake“. Dazu kamen weitere neuere Stück wie „Post Society“ und „Fall“ von 2016. Mit Klassikern geizten VOIVOD also ein wenig.

Das störte aber kaum jemanden, obwohl der Support Act SPACE CHASER alles tat, um nostalgisches Retro-Feeling aufkommen zu lassen: Ihre herrlich altmodischen Thrash Metal-Songs präsentierten die Berliner mit herrlich altmodischem, energiegeladenem End-80er-Jahre-Stageacting. Sänger Siggi Rudzynski kann was und erinnerte stimmlich immer wieder an Bobby „Blitz“ Ellsworth von OVERKILL.

Zeireise in die späten Achtziger mit SPACE CHASER

Der Proberaum von SPACE CHASER ist vermutlich nicht besonders groß, denn es war schon erstaunlich wie gut die Band auf der recht kleinen Bühne zurechtkam – da war viel Bewegung, Haare flogen, (Bass)-Gitarren wurden in die Höhe gestreckt und all das, ohne sich sonderlich oft in die Quere zu kommen.

SPACE CHASER lassen den 80er-Jahre-Thrash wieder aufleben

Auch wenn traditioneller Thrash nicht ganz meine Sache ist, überzeugten mich SPACE CHASER schnell – denn die Songs sind, passsend zu VOIVOD nicht nach der simplen Uffdauffda-Manier gestrickt, sondern abwechslungsreich und packend, außerdem trug der Gitarrist ein altes DISMEMBER-Shirt und setzte mit seinen Vocals einen coolen Gegensatz zu den High-Piched-Screams des Leadsängers.

Das Universum füllte sich, die ersten Reihen hatten Spaß, weiter hinten wurde anerkennend genickt. Darauf können SPACE CHASER durchaus stolz sein, denn bei VOIVOD warten ja alle eigentlich nur auf VOIVOD – und die wurden auch schon mit ersten Sprechchören gefeiert, als sie die Bühne betraten. We are connected – und zwar vom ersten Moment an!

VOIVOD, we are conneted!

So sieht Spielfreude aus: VOIVOD-Drummer Aawy

VOIVOD wissen ihre treuen Fans zu schätzen, und besonders in den letzten Jahren hat die Band ihrer Status als tolle Liveband mit unermüdlichem Touren (alleine in Stuttgart haben sie seit 2016 dreimal gespielt!) und mitreißenden Shows untermauert. Bei diesem Konzert wurde auch deutlich, dass es grundsätzlich gar nicht mal so wichtig ist, welche Songs sie spielen.

Wer es schafft, so unterschiedliche Nummern wie das unfassbar poppig-eingängige „The Prown“ (vom 1991er Album „Angel Rat“), schrammeligen Retro-Thrash-Punk wie „Overraction“ (vom 1987er Album „Killing Technology“) oder „Psychic Vaccum“ (vom 1988er Album „Dimension Hätross“) mit sperrig-abgespacten Stücken wie „The End Of Dormancy“ in ein Set zu packen, muss irgendetwas verdammt richtig machen. We are connected – das ist das Geheimnis von VOIVOD: Snake, Chewy, Rocky und Away schaffen im Nullkommanix eine unglaubliche Nähe zum Publikum. Sie drehen den Spieß einfach um, bei keiner anderen Band fühlt man sich im Publikum so beobachtet, VOIVOD schauen dir in die Augen, kommunizieren mit dir. We are connected!

VOIVOD-Basser Rocky nimmt sich kurz Zeit fürs Posing

„Geht’s euch gut?“ wollte Snake irgendwann wissen – und im Publikum antwortete einer mit einem Bruce Dickinson-Scream (Respekt dafür übrigens!), der von Chewy direkt mit dem „Number of The Beast“-Lead von IRON MAIDEN beantwortet wurde. Und genau dieser kleine Moment beschreibt, was bei VOIVOD live passiert: Es gibt keine Trennung zwischen Band und Publikum, alles wird eins, man singt gemeinsam, feiert gemeinsam und hat zusammen Spaß. We are connected! Der Banger mit der blutigen Nase in der ersten Reihe wurde sofort von der Band mit einem Handtuch versorgt, unzählige High Fives wurden ausgetauscht, wer textsicher mitsingt, dem nickt die Band anerkennend zu.

VOIVOD-Gitarrist Chewy spielt Klassiker wie „Number Of The Beast“ auf Zuruf und hat Spaß dabei

Stageacting mal anders: VOIVOD-Sänger Snake setzt sich beim Song „Fall“ einfach mal hin

Sogar die eigentlich unhörbare Nummer „Fall“ funktionierte live. Snake lud in seiner Ankündigung des Songs zu einer „kleinen Reise ins Unbekannte“ ein, setzte sich während des Songs auf den Drumriser und begab sich offenbar selbst in eine nur ihm zugängliche Welt.Und selbst bei diesem vertrackten Stück ist zu jeder Sekunde offensichtlich, wie viel Spaß VOIVOD an dem haben, was sie tun. Da ist nichts gekünstelt, nichts aufgesetzt, nie hat man das Gefühl, dass eine Band hier einfach nur ihren Job erledigt. VOIVOD leben auf der Bühne, zeigen Emotionen und interessieren sich für die Menschen, die vor ihnen stehen. We are connected!

Mit „Technocratic Manipulators“ sammelten VOIVOD nach „Fall“ wieder alle ein – die Zugabe „Voivod“, gefühlt mitgesungen vom ganzen Universum, beendet eine weiteren absolut erinnerungswürdigen Konzertabend mit VOIVOD.

Und wenn nach den Konzert die Band noch auf der Bühne Platten und Kutten signiert, später am später am Merch-Stand für Fotos posiert und sich kurz vor dem Nachhausegehen sogar per Handschlag bei Fans fürs Vorbekommen und Mitsingen bedankt, steht eines fest: We are connected!

Setlist VOIVOD, 14. August 2019, Stuttgart Universum

Post Society
Psychic Vacuum
Obsolete Beings
The Prow
Iconspiracy
Into My Hypercube
The End Of Dormancy
Overreaction
Always Moving
The unknown Knows
Fall
Technocratic Manipulators
—-
Voivod

Konzertfotos VOIVOD, SPACE CHASER 14. August 2019, Stuttgart Universum

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...