Fünf Musiker spielen auf einer Bühne

SKULL & CROSSBONES, VANISH, BLACK LEAF DRAFT: Konzertbericht – Adler, Horb-Dettingen – 24.10.2026

Dreimal Heimspiel, dreimal Metal, dreimal viel Applaus, einmal grooviger Metalrock, einmal progressiv angehauchter Power Metal, einmal melodischer Power Metal

Im Saal der Dorfgaststätte Adler tummelten sich bereits gut 150 Metal-Fans, als BLACK LEAF DRAFT den Abend pünktlich um 20 Uhr begannen. Der Einstieg mit einem längeren instrumentalen Intro gab auch den Rauchern vor der Tür und den Leuten in der Bierschlange genügend Zeit, rechtzeitig zum ersten richtigen Song am Start zu sein. Das Trio bewegt sich stilistisch im Grenzgebiet zwischen Metal und Rock. Die Gitarre mochte kräftige Riffs, während das Tempo immer wieder variiert wurde, selten etwas flotter, gerne mit Triolen verziert. Bisweilen erinnerte der Stilmix an VOLBEAT, wenngleich der Gesang bei BLACK LEAF DRAFT eher in Richtung METALLICA schielt. In Sachen tightes Zusammenspiel erreichte die Gruppe freilich nicht ihre Vorbilder; sie ließ sich den Spaß davon aber nicht verderben.

BLACK LEAF DRAFT rockten mit Riffs und Groove durch ihre abwechslungsreichen Songs.

Zwischendurch fanden auch Stoner-Rock-Einflüsse den Weg ins Songmaterial, das von den Anwesenden sehr positiv aufgenommen wurde. Dabei half der Horber Band sicher der Heimvorteil, der sich auch in einer großen Anzahl entsprechender Band-Shirts im Publikum widerspiegelte. Neben allen Songs der noch aktuellen EP „Down to the Grave“ gab es auch neue Lieder sowie eine Cover-Version zu hören. BEATLES-Material findet man bei Metal-Konzerten nur selten, wohl aus gutem Grund. BLACK LEAF DRAFT wählten mit „Come Together“ allerdings einen Klassiker, der mit einer Prise Heaviness erfreulich gut in den musikalischen Rahmen passte. Auch hier gab es einen längeren instrumentalen Zwischenteil, bei dem es weniger ums pure Solieren ging, sondern um den Groove, die Härte, das Riffing und das Eintauchen in den Klang. Nach einer knappen Stunde folgte auf lauten Jubel noch „Witchcraft“ als Zugabe. Der Adler hatte zweifelsohne Betriebstemperatur erreicht.

BLACK LEAF DRAFT - Live in Horb [Foto jutze(at)vampster]
BLACK LEAF DRAFT – Live in Horb [Foto jutze(at)vampster]

VANISH begannen ihr einstündiges Set anschließend mit „Crowdpiercer“, dem Opener ihrer aktuellen Scheibe „A Hint of Solace“. Fast schon thrashige Riffs trafen auf melodischen Gesang. Untermalt wurde das Ganze von breiten Keyboardflächen, die vom Band kamen. Das ergab einen etwas unfreiwilligen Kontrast, weil die Augen sagen, wie die Gitarren fleißig schredderten, während die Ohren harmonische Epik wahrnahmen. Durch die dominante und zugleich angenehme Stimme von Bastian Rose wurden die Lieder aber gut zusammengehalten. Stilistisch erinnerte die Musik häufiger an SYMPHONY X, allerdings ohne den progressiven Ballast. Die Stimmung im Saal blieb aber gut, zumal die Energie der Live-Performance sich direkt auf die Zuhörerschaft übertrug.

VANISH fanden eine gute Balance aus Riffs und Melodie.

Bei der Songauswahl wurden ausschließlich Songs der letzten beiden Alben berücksichtigt. Das ergab einen schlüssigen Gesamteindruck, zumal praktisch bei jedem Refrain der Druck etwas rausgenommen wurde, um Raum für Melodie und Harmonie zu machen, ohne dass die allgemeine Heaviness darunter litt. Mit „Frame by Frame“ gab es auch eine seltener gespielte Nummer, die mühelos mit der restlichen Songqualität mithalten konnte. Die Publikumsreaktionen fielen ähnlich lebhaft aus wie schon bei BLACK LEAF DRAFT. Für Bassist Andreas Armbruster war es zudem ein Heimspiel, hatte er doch bereits mit seiner früheren Band FORENSICK hier auf der Bühne gestanden. Dank der Spielfreude, des kurzweiligen Songmaterials und der abwechslungsreichen Arrangements verging die Stunde Spielzeit rasch. Als Zugabe gab es „Follow“ und dann abermals viel Applaus.

VANISH - Live in Horb [Foto jutze(at)vampster]
VANISH – Live in Horb [Foto jutze(at)vampster]

Kurz vor 23 Uhr ertönte schließlich das Intro von SKULL & CROSSBONES. Auch Sänger Tobi Hübner war einst Mitglied von FORENSICK. Das erklärt die „Tobi!“-Sprechchöre, die nach dem Opener „Time Thief“ durch den Konzertsaal hallten. Das Quintett, welches ansonsten überwiegend aus dem östlichen Teil der (Schwäbischen) Alb kommt, fackelte nicht lange, sondern spielte sich tight und spielfreudig durch die Highlights ihrer beiden bisherigen Alben. Insbesondere durch den begnadeten Gesang funkelten Underground-Hits wie „The Illusionist“ und „Labyrinth of Time“. Meine persönlichen Favoriten waren die speedlastigen Nummern „Passing Hours“ und „Echoes of Eternity“. Hier profitierte die Band besonders vom kraftvollen Drumming von Bernd Heining. Dieser fand genau die richtige Mischung aus Kraft und Verspieltheit, Tempo und Breaks, von der melodischer Power Metal erst so richtig eine eigene Dynamik bekommen kann. So musste es damals auch bei RUNNING WILD-Konzerten geklungen haben, bevor Jörg Michael und Angelo Sasso rhythmische Monotonie verbreiteten.

SKULL & CROSSBONES demonstrierten, dass Heavy Metal druckvoll, melodisch und dynamisch zugleich klingen kann.

Nach dem langsameren, aber trotzdem sehr schönen „The Invisible Man“ animierte Frontmann Tobi die Horber Fans zum Mitsingen bei „The Ocean’s Call“. Das Publikum ließ sich nicht lumpen, sondern sang aus voller Kehle mit. Möglicherweise hatte auch der Alkoholkonsum die ein oder andere Zunge gelockert. Jedenfalls wurde nicht nur beim Refrain, sondern auch beim Soloteil und nach dem Ende des Lieds kräftig mitgegrölt. Solch eine Sangesfreude erlebt man sonst eigentlich nur bei BLIND GUARDIAN. Kurzum, die Stimmung war auf und vor der Bühne bestens. Musikalisch war alles im grünen Bereich, wobei SKULL & CROSSBONES die Backing Vocals vom Band eigentlich nicht nötig haben, eben auch aufgrund der durchaus textsicheren Fans. Am Ende ging der Setlist ein klein wenig die Luft aus. Klar, die Band will ihre STORMWITCH-Vergangenheit hinter sich lassen und eigenständig sein – was ihr auf dem „Time“-Album auch eindrücklich gelungen ist. Im Live-Setting hätten ein, zwei alte Song – gerne auch das grandiose „Arya“ vom letzten Album „Bound to the Witch“ – aber sicher nicht geschadet. So endete der Konzertabend mit „Manhunter“ als Zugabe und man sah um sich herum auch ohne Sturmhexe überall fröhliche Gesichter.

SKULL & CROSSBONES - Live in Horb [Foto jutze(at)vampster]
SKULL & CROSSBONES – Live in Horb [Foto jutze(at)vampster]

Setlist BLACK LEAF DRAFT:

  1. Intro
  2. Bad Lies
  3. Murder
  4. Gone
  5. Eternally
  6. Silver Machine
  7. Down to the Grave
  8. Drown
  9. Come Together
  10. A Light to the Dark
  11. Dunkelheit
  12. Witchcraft (Zugabe)

Setlist VANISH:

  1. Crowdpiercer
  2. Walk with Me Through Fire
  3. Disbelief (Slipstream Part 3)
  4. Act/Live/Resolve
  5. We Become What We Are
  6. Voyage in Suffering
  7. The Pale King
  8. Lilith Cries
  9. Frame by Frame (Slipstream Part 2)
  10. Make-Believe (Slipstream Part 1)
  11. Follow (Zugabe)

Setlist SKULL & CROSSBONES:

  1. Time Thief
  2. The Illusionist
  3. Nature’s Legacy
  4. Passing Hours
  5. Labyrinth of Time
  6. Tyrant’s Rule
  7. Echoes of Eternity
  8. The Invisible Man
  9. The Ocean’s Call
  10. Sungazer
  11. Manhunter (Zugabe)