PROG POWER EUROPE 2005: Der Festivalbericht

PROG POWER EUROPE 2005: Der Festivalbericht

Samstag, 01. Oktober 2005

Disillusion | Anubis Gate | Throes of Dawn | Orphaned Land | Green Carnation | Epica

Sonntag, 02. Oktober 2005

The Auroraproject | Dynamic Lights | Cloudscape | Pagan´s Mind | Wolverine | Pain of Salvation

Endlich! Nachdem die Organisatoren des PROGPOWER jahrelang um die Gunst der Fans gekämpft haben und das Fortbestehen im letzten Jahr schon auf der Kippe stand, hat sich im Jahr 2005 der wohlverdiente Erfolg eingestellt. Kein Wunder eigentlich bei diesem Billing – für jeden Geschmack war etwas dabei und die Qualität stimmte gleichermaßen.

Dabei machen es die Veranstalter definitiv richtig und verändern am eigentlichen Festival wenig, arbeiten in vielen Details aber noch am Fine-Tuning. Es bleibt also Bewegung in der Sache und dennoch kann man sich sicher sein, dass die Klasse nicht der Masse zum Opfer fällt.

So scheint die Imbissbude am Eingang seit dem letzten Jahr nicht abgebaut worden zu sein, dafür gibt es jetzt eine kleine Überdachung vor dem Eingang (und dann regnet das nicht einmal… 😉 ) und vor allem die Leinwand neben der Bühne ist ein echter Hingucker. Fragt man sich im ersten Moment nach der Sinnhaftigkeit angesichts der Größe des Festivals, so weiß man schon nach kurzem dieses feine Feature zu schätzen, wenn man den Gig aus dem hinteren Teil der Halle verfolgt. Wenn Bands die Leinwand dann zusätzlich für die optische Untermalung ihrer Musik benutzen, dann ist das eine runde Sache.

ProgPower Europe 2005 - Der Festivalbericht
Familientreffen in Baarlo – das ProgPower Europe Festival

Das sind eben so die Kleinigkeiten, an denen man spürt, dass sich die Veranstalter nach wie vor weiter entwickeln wollen. Und das ohne großes Gestresse und Wichtigtuereien – so entspannt wie das PROGPOWER erlebt man Festivals wirklich nur ganz selten. Das ist eben der ganz große Pluspunkt des PROGPOWER – Organisatoren, Fans und Musiker bilden eine ungezwungene Einheit wie man sie sich immer wünschen möchte. Und da man viele Leute inzwischen eh jedes Jahr antrifft, ist es auch schon fast so was wie ein kleines Familientreffen.

Musikalisch hält man daran fest, den Begriff „progressiv“ nicht an einem bestimmten Genre festzumachen, sondern am Wortursprung. Die Band EPICA als Headliner für den ersten Festivaltag ist dabei zwar ein ganz schlechtes Beispiel, ansonsten macht es aber den ganz besonderen Reiz aus, zunächst eine echte Fricklerband auf der Bühne stehen zu sehen, im nächsten Moment eine Truppe, die fast schon Death-Metal macht. Vor allem Acts wie DISILLUSION, GREEN CARNATION oder ORPHANED LAND zeigen aber am deutlichsten, was die Veranstalter heutzutage als „progressiv“ einstufen.

Eine Sache gibt es allerdings, die man einfach nicht in den Griff zu bekommen scheint: die Verspätungen des Festivalheadliners. Jedes Jahr machen sich gerade vor dem letzten Auftritt technische Probleme breit, die enorme Verzögerungen mit sich bringen und die Stimmung beim ohnehin schon angeschlagenen Publikum nicht gerade steigern. Dieses Jahr hat man es dabei auf fast zwei Stunden Umbaupause von WOLVERINE zu PAIN OF SALVATION gebracht und den Set begonnen, als er eigentlich schon fast hätte zu Ende sein sollen. Das ist wirklich schade und hätte René Janssen nicht am Morgen des Sonntags noch betont, dass man alles daran setzt, dass es dieses Jahr nicht zu derartigen Verzögerungen kommt, man müsste glauben dass es fast schon System hat.

Dieses Manko kann uns von unserem endgültigen Urteil aber nicht abbringen: das PROGPOWER gehört zu den schönsten und entspanntesten Festivals und dazu trägt natürlich auch die Heile-Welt-Atmosphäre der Stadt Barloo bei, von der man sich immer wieder aufs neue faszinieren lassen kann. Besonders ein Besuch im Stadtpark am Sonntag Morgen lohnt sich – egal ob man watschelnde Enten oder den genauso watschelnden Nordic-Walking-Anfängerkurs beobachtet, hier kann man all seine Alltagssorgen hinter sich lassen. Es passt also alles perfekt zusammen.

Samstag, 01. Oktober 2005

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DISILLUSION

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ProgPower Europe 2005 - Disillusion
Trotz Minimalbesetzung ganz groß – DISILLUSION

Das PROGPOWER-Festival war schon immer dafür bekannt, nicht nur die Größen der internationalen Prog-Szene nach Baarlo zu holen, sondern auch vielversprechenden Newcomern, die dem größten Teil des Publikums bis dato unbekannt waren, eine Chance zu geben. Insbesondere auf der Position des Openers konnte man sich bislang einen Einblick in den tiefsten, zumeist niederländischen Prog-Underground verschaffen. In diesem Jahr aber sollten DISILLUSION, die mit ihrem „Back To Times Of Splendor„-Album schlagartig an Popularität nicht nur in Undergroundkreisen gewonnen haben, das Festival eröffnen. Das Sjiwa war folglich schon – gerade im Vergleich zu den vorherigen Jahren – ordentlich gefüllt, als die einzige deutsche Band pünktlich die Bühne betrat, um ihre hoch komplexe, vielseitige und in Worten kaum zu beschreibende Musik darzubieten. Erst kürzlich hatte man sich entschlossen, sich von Bassist Ralf Willis wieder zu trennen und fortan zu dritt weiter zu machen. Somit kamen nicht nur sämtliche orchestralen und Piano-Klänge aus der Konserve, sondern auch die Bass-Spur. Sicher, unter diesen Bedingungen gelang es den Leipzigern nicht, so nah am Hörerlebnis des Albums zu sein, wie es bei den wenigen Konzerten der Fall war, welche die Band im letzten Jahr mit dem durch die Freunde von DARK SUNS erweiterten Line-up bestritten hatte. In dem kleinen holländischen Jugendzentrum aber war die Show des Trios ein ungleich intensiveres Erlebnis als etwa auf dem SUMMER BREEZE, wo es – vielleicht auch aufgrund der Tageszeit – nicht hundertprozentig gelang, den Funken überspringen zu lassen. In Baarlo aber fesselten DISILLUSION das Publikum von Anfang an. Die einen entschieden sich, mitzugehen und übten sich im Headbanging, während die andere Hälfte des Publikums den faszinierenden Klängen von Songs wie „Back To Times Of Spendor“ oder „Alone I Stand In Fire“ andächtig lauschten. Aufgrund der komplexen Songstrukturen und der unkonventionellen Melodieführung war die Musik natürlich gerade für diejenigen, die mit der Band noch nicht vertraut waren, schwere Kost. In dem Fall konzentrierte man sich eben auf die technisch perfekte Umsetzung und die überraschenden Wechsel – gerade das schnelle Umschalten von cleanem Gesang zu Growls durch Frontmann Vurtox war beeindruckend, auch wenn der Gute bei einigen Gesangsimprovisationen etwas daneben lag. Ein toller, angesichts des fehlenden Bassisten aber etwas befremdlicher Auftritt, der zurecht mit viel Applaus zu Ende ging und die Messlatte für die folgenden Bands nicht gerade niedrig legte. (doomster)

ANUBIS GATE

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ProgPower Europe 2005 - Anubis Gate
Keine guten Karten: Sänger krank und maue Bühnenpräsenz – ANUBIS GATE

Als ANUBIS GATE dann ihren ersten Auftritt in den Niederlanden begannen, war im Sjiwa deutlich weniger los als bei DISILLUSION. Das mag am geringeren Bekanntheitsgrad der Dänen gelegen haben, doch auch im weiteren Verlauf war die Publikumsresonanz eher mau, und als später auch noch der Versuch von Gitarrist Kim Olesen, die Anwesenden zum Mitklatschen zu animieren, fehlschlug, tat einem die Band schon ein wenig Leid. Die Dänen hatten jedoch auch mit einem Handicap zu kämpfen: Ihr hauptamtlicher Sänger Torben Askholm leidet unter einer Erkrankung der Stimme, so dass der Job des Frontmanns von Bassist Henrik Fevre übernommen werden musste. Dieser machte seine Sache zwar recht ordentlich, die ganz hohen Töne wirkten jedoch etwas gequetscht, und das Timbre in seiner Stimme war sicherlich nicht jedermanns Sache – Askholm kommt auf den Alben der Band in jedem Fall charismatischer rüber. Überhaupt war die Bühnenpräsenz der Truppe eher bescheiden. Besonders der zweite Gitarrist erweckte nicht unbedingt den Eindruck, besonders begeistert zu sein von dem, was er da gerade tat, sondern blieb auf einem Fleck stehen und wirkte ziemlich gelangweilt. Auch rein musikalisch war der leicht mystische Power Metal der Dänen, angereichert durch einige orientalisch angehauchte Melodien und für dieses Genre vergleichsweise komplexe Gitarrenriffs, nicht sonderlich aufregend oder mutig, sondern solide Hausmannskost. Wenn die Band in ihrer normalen Besetzung aufgetreten wäre, ein wenig mehr die Kommunikation mit dem Publikum gesucht hätte und auch einen Keyboarder aus Fleisch und Blut dabei gehabt hätte – Synthesizer-Soli vom Band kommen nun mal nicht so gut -, wäre sicherlich mehr drin gewesen. (doomster)

THROES OF DAWN

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ProgPower Europe 2005 - Der Festivalbericht
Fanden nicht so recht in ihren Set – THROES OF DAWN

Viele Leute waren gespannt auf den Auftritt der finnischen Dark-Metaller THROES OF DAWN, da diese wieder die extremere Seite des Festivals vertreten sollten. Das Bandintro steigerte dies nochmal und die düsteren Schwarz-Weiß-Kriegsbilder auf der Leinwand stimmten in die dunkle Atmosphäre ein. Als die Band dann loslegte, hatte man das Gefühl, dass sie selbst diese Spannung in sich nicht aufbauen konnte und die Musiker wollten nicht so recht in den Set finden. Zusätzlich wollte die Technik nicht richtig mitspielen, der Bass koppelte kräftig zurück und die Keyboard-Samples entwickelten ebenfalls ein Eigenleben. Davon ließen sich die Finnen aber nicht aufhalten und kamen allmählich auch immer mehr in Fahrt. Optisch handelte es sich eh um eine interessante Truppe, bei der vor allem Bassist Harri Huhtala mit seiner Devillock hervorstach. Leider muss man allerdings sagen, dass die Band nicht unbedingt Songmaterial in der Hinterhand hat, das sich besonders im Gedächtnis festfrisst. Die Mischung aus düsterem Metal und atmosphärischen Teilen in Richtung mittelalter ANATHEMA ist gut, aber zumindest live nicht besonders mitreißend. Speziell der Gesang kann der Musik nicht den notwendigen Kick verleihen, dazu sind sowohl Grunzer, als auch Clean-Gesang zu durchschnittlich – die großen Melodien fehlen ebenso. Die atmosphärischen Videoeinspielungen brachten dem Ganzen zwar eine zusätzliche künstlerische Note, das konnte aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Band noch an ihrem Songwriting und ihrer Bühnenpräsenz arbeiten muss. Sympathisch aber nicht essenziell. (fierce)

ORPHANED LAND

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ProgPower Europe 2005 - Orphaned Land
Völkerverständigung auf Musikalisch – ORPHANED LAND

ORPHANED LAND sind eine der Bands der Stunde, denn mit ihrer Mischung aus Prog, Death-Metal und orientalischen Einflüssen bringen die Israelis wieder etwas Frische in den Mainstream-Metal und das wird bei der Masse an Durchschnitt auf dem Metal-Markt auch von den Fans honoriert. Ich persönlich halte ORPHANED LAND für überbewertet. Denn rein objektiv ist die Truppe in keinem der verwendeten Elemente besonders innovativ oder herausragend. Die Progparts für sich allein genommen sind sehr gut gespielt, gehört hat man das aber schon sehr oft. Genauso sieht es auch bei den death-metallischen Teilen aus und ich bin mir sicher, dass die orientalischen Elemente in ihrer Heimat nicht besonders außergewöhnlich klingen. Die Mischung macht es eben und damit kommen ORPHANED LAND sowohl bei sich zuhause, als auch in unseren Breitengraden sehr gut an. Dazu trägt sicher auch ein Großteil bei, dass diese Jungs einfach sehr sympathisch sind. Kaum auf der Bühne, schon wird jedem klar, dass diese Jungs eine riesige Freude haben ihre Musik mit dem Publikum zu teilen. Und dieses schien nur auf ORPHANED LAND gewartet zu haben. So erschallten bereits nach dem zweiten Song „Orphaned Land“-Chöre und die Menge jubelte vor Freude. Kleine Mitsing-Spielchen liefen sofort ohne große Vorbereitung und es reichte ein einfaches „in unserer Heimat springen die Menschen beim nächsten Song immer“ und schon bebte der Boden. Dieser Auftritt machte einfach Spaß. Es mag am Umfeld gelegen haben, aber ich habe die Prog-Elemente von ORPHANED LAND noch nie derart progressiv aufgenommen, wie bei diesem Gig, teilweise wurden da schon richtig Erinnerungen wach an die PROGPOWER-Nachmittagbands der vergangenen Jahre. So richtig begeistern konnten die sechs Musiker aber in erster Linie, wenn sie die orientalischen Teile in den Vordergrund stellten und diese dann auch noch mit Death-Vocals veredelten. Paul Baayens von THANATOS auf die Bühne zu holen und mit diesem ein herrliches Grunt-Duett zu singen, war dabei eine hervorragende Idee. Um einiges besser war aber die, als Abschluss des offiziellen Gigs den holländischen Gassenhauer „Een eigen huis“ in holländischer Sprache zu spielen. Für die niederländischen Fans war das natürlich ein absolutes Highlight und selbst wenn man den Song nicht kannte hatte man seine Freude an dieser Aktion. So klischeetriefend es auch klingen mag: „Völkerverständigung“ ist die Message von ORPHANED LAND und die könnten sie mit ihrer Musik und solchen Aktionen nicht besser rüber bringen. (fierce)

GREEN CARNATION

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ProgPower Europe 2005 - Green Carnation
Mehr Bewegung, selbe Magie – GREEN CARNATION

GREEN CARNATION überraschten beim diesjährigen PROGPOWER von der ersten Sekunde an. Mit dem Neuzugang Michael Krumins und Überbrückungsbassist Ole kam Leben auf die Bühne, wie man es von dieser Truppe schlichtweg nicht gewohnt ist. Die Jungs bringen Bewegung in die Band rein, was den Norwegern hervorragend zu Gesicht steht. Auch Kjetil Nordhus scheint sich von dieser Energie inspiriert haben zu lassen und geht auf das Publikum zu wie nie zuvor. Gespannt konnte man auch sein, mit welcher Songauswahl GREEN CARNATION diese 60 Minuten bestreiten würden und überraschend – aber gleichzeitig auch nicht – wurden ausschließlich Stücke der letzten beiden Alben gespielt. Da ich persönlich nie so recht in das aktuelle Werk „The Quiet Offspring“ reingefunden habe, verursachte dieser Gedanke in mir eher Skepsis und auch als die Truppe mit „The Everlasting Moment“ loslegte, wusste ich nicht so recht, ob ich mich auf einen weiteren magischen Auftrtitt der Norweger freuen konnte. Aber doch, sie haben es geschafft. Stücke wie „Just when you think it’s Safe“, „The Quiet Offspring“ und „Puple Door, Pitch Black“ lassen im Live-Gewand ihren eigentlichen Zauber erstrahlen und plötzlich wird klar, wie man diese Stücke anhören muss. Und so war die Songauswahl wirklich vom allerfeinsten. „Crushed to Dust“, „Into Deep“ und vor allem „Boy in the Attic“ rissen das Publikum mit, der Höhepunkt sollte aber zum Schluss kommen: „Lullaby in Winter“ live und ohne doppelten Boden – absolut grandios, vom ruhigen Anfang mit schönem Nordhus-Gesang beginnend über den feurigen und packenden Instrumentalteil bis hin zum Gänsehaut-Finale. GREEN CARNATION sind auf ihrem Siegeszug nicht zu stoppen und es bleibt einmal mehr das Fazit: eine der interessantesten Bands unserer derzeitigen Szene. (fierce)

EPICA

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ProgPower Europe 2005 - Epica
Ventilatoren des Metal – EPICA

EPICA sind keine progressive Band, das war allen klar, und nicht wenige Prog-Fans verließen deshalb auch schon das Sjiwa, als die Holländer mit zwanzigminütiger Verspätung die Bühne betraten. Doch hat sich das PROGPOWER noch nie allein auf progressive Klänge beschränkt, gerade in den letzten Jahren hat man das Spektrum erweitert. Klar ist somit auch, dass der Headliner EPICA, in ihrem Heimatland sicher noch populärer als in Deutschland, in erster Linie eine Business-Entscheidung war, um dem Ziel des Veranstalters, endlich mal ohne Verluste aus dem Festival herauszugehen, näher zu kommen. Während also die Proggies das Feld räumten, tummelten sich in den vorderen Reihen verhältnismäßig viele Kiddies, die Publikumszusammensetzung hatte sich in jedem Fall geändert. Der symphonische Metal mit einem leichten Düster-Touch war sicher nicht originell. Beide Parteien werden Ähnlichkeiten zwar vehement bestreiten, doch es schimmerten immer wieder die Kollegen von AFTER FOREVER durch, denen Bandgründer Mark Jansen vor einigen Jahren ja auch noch angehörte. Das betrifft nicht nur die Musik, hier wäre neben instrumentalen Parallelen der Wechsel zwischen weiblichem, opernhaftem Gesang und derben Grunts zu nennen. Auch den Ventilator, der es sehr einfach machte, von Sängerin Simone Simons gute Fotos zu schießen, kam einem seltsam vertraut vor. Und doch war der Auftritt der Band eine unterhaltsame und kurzweilige Angelegenheit, auch wenn man die holländischen Ansagen von Simone Simons und Mark Jansen nicht verstand. EPICA machten ihre Sache einfach gut und konnten mit abwechslungsreichem Songmaterial von hartem, schnellen Metal bis zu balladesken Klängen überzeugen, wobei die beiden Alben „Consign To Oblivion“ und „The Phantom Agony“ gleichermaßen berücksichtigt wurden. Besonders aufhorchen ließ aber das neue Stück „Linger“, eine angenehm unkitschige Ballade, bei der Simone Simons alleine vom Piano begleitet wurde und der Rest der Band die Bühne verließ. Der Mezzo-Sopran-gesang der gerade mal zwanzigjährigen Sängerin war zwar Geschmackssache, technisch aber perfekt. Die Frontfrau konnte zudem mit ihrem charismatischen Auftreten und sehr ausdauerndem Propeller-Banging glänzen. Man merkte der Band einfach ihre Live-Erfahrung an, denn das Auftreten aller Musiker war professionell und zugleich sehr locker. Guter Auftritt, auch wenn sich viele sicher lieber ein weiteres progressives Schwergewicht als Headliner des Samstags gewünscht hätten. (doomster)

Sonntag, 02. Oktober 2005

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THE AURORA PROJECT

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ProgPower Europe 2005 - The Aurora Project
Musik, Inhalte und Bühnenshow ergeben ein echtes Gesamtkunstwerk – THE AURORA PROJECT

THE AURORA PROJECT waren die RIVERSIDE des diesjährigen Festivals. Musikalisch in einem ähnlichen Fahrwasser wie die Polen, waren auch sie vielen bis dato völlig unbekannt, konnten aber mit einem starken Auftritt nachhaltig beeindrucken und auf das zum Zeitpunkt des Festivals leider noch nicht erhältliche Debütalbum „Unspoken Words“ neugierig machen. Aber das, was die Niederländer zu bieten hatten, war mehr als nur ein normaler Auftritt einer ambitionierten Prog-Band. THE AURORA PROJECT sind ein Gesamtkunstwerk, das wurde mehr als deutlich. Auf der Bühne befanden sich mehrere rauschende Fernseher, dahinter eine große Leinwand, welche für Videoprojektionen und Foto-Slideshows genutzt wurde. Diese zeigten etwa bei einem Song zu Beginn einen Space Shuttle-Start, dann Bilder aus dem Weltraum sowie von Pyramiden, und schließlich zum Ende des Songs die Landung des Space Shuttles, wobei das Timing perfekt auf die Musik abgestimmt war. Zum Eindruck eines Gesamtkunstwerkes trugen auch die vom Band kommenden Erzählpassagen bei, welche oft anstelle von Ansagen zu hören waren, aber auch die eigenwillige Bemalung einiger Bandmitglieder. Was das alles zu bedeuten hatte, wollte sich einem zwar nicht ohne weiteres erschließen – dazu bedarf es sicherlich einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Konzept des Albums -, dennoch zeigte diese Multimedia-Show ihre Wirkung. Die Bilder lenkten nicht vom eigentlichen Geschehen ab, sondern erleichterten es, sich in die oft sehr ruhige und sphärische Musik, getragen von cleanen, effektbeladenen Gitarren, fallen zu lassen. Ob die angenehm frickelfreie Musik mit Anleihen von PINK FLOYD oder auch PORCUPINE TREE ohne all das Beiwerk ebenso gut funktioniert hätte, lässt sich nur schwer beurteilen. In jedem Fall waren kompetente Musiker am Werk. Auch Sänger Dennis machte seine Sache sehr ordentlich, wenn er auch noch etwas mehr Eigenständigkeit vertragen könnte, erinnerte doch mal ein wenig an Khan, mal an James LaBrie. Dennoch Daumen hoch für eine der wenigen Überraschungen des diesjährigen PROGPOWER-Festivals. (doomster)

DYNAMIC LIGHTS

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ProgPower Europe 2005 - Dynamic Lights
Kamen trotz ihrer technischer Fertigkeiten nicht gegen den Rest des Billings an

Die Italiener DYNAMIC LIGHTS bedienten dann wieder eindeutig die Frickel-Fraktion unter den Prog-Fans. Wer auf vertrackte Rhythmen und Breaks sowie wildes Gedudel auf der Gitarre und dem Synthesizer stand, wurde von der Band bestens bedient. Das Songmaterial wirkte dabei aber, wie bereits bei ihrem Auftritt auf der Tour mit NIGHTINGALE, zu verkopft, um den Hörer wirklich packen zu können. Daran konnten auch nicht die zwischen dem typischen Stakkato-Riffing immer wieder einfließenden ruhigen, vom Piano dominierten Passagen etwas ändern. Herausstechen konnten allein „In The Hands Of A Siren“ und „One Thousand Nothing“. Bei ersterem wurde Frontmann Matteo, wie auch auf dem Album, von Gastsängerin Jamina Jansson unterstützt, die dem einen oder anderen auch von WOLVERINE bekannt sein dürfte. Letzterer hingegen, der längste Song auf dem „Shape“-Album, begann sehr verhalten mit leichten Piano-Klängen, steigerte sich dann kontinuierlich und war insgesamt sehr abwechslungsreich, aber auch schlüssig gestaltet. Oft aber wurde das Gefrickel zum Selbstzweck und störte den Fluss der Kompositionen. Arbeiten müssen die Italiener zudem noch an ihrem Auftreten. Auch auf der Bühne des Sjiwa, die deutlich größer war als die beim Auftritt in Krefeld, war nicht allzu viel Bewegung auf der Bühne zu sehen. Vor allem Bassist Raffaele Mariotti stand die meiste Zeit unbeteiligt in der Ecke herum. Auch das schlechte Englisch hatte sich noch nicht verbessert. Das zeigte sich in den Ansagen nicht nur durch ein begrenztes Vokabular und Probleme, die richtigen Worte zu finden, sondern auch aufgrund manch haarsträubender Aussprache, so dass es mitunter schwierig war, die Ansagen zu verstehen. Es wurde leider mal wieder deutlich, dass es mehr bedarf als exzellenter technischer Fähigkeiten und musiktheoretischer Kenntnisse, um auf einem Festival mit solch starker Konkurrenz wirklich begeistern zu können. (doomster)

CLOUDSCAPE

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ProgPower Europe 2005 - Cloudscape
Gute Hausmannskost – CLOUDSCAPE

Für die Schweden CLOUDSCAPE stand an diesem Tag der erste Auftritt außerhalb ihres Heimatlandes überhaupt an und somit galt es natürlich, sich entsprechend zu verkaufen. Nach den eher kopflastigen Bands zuvor hatte man mit den geradlinigeren Songstrukturen und den heftigen Gitarren im Grunde auch ganz gute Karten das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Und so machte man von Anfang an gut Stimmung und die Menge ließ das auch zu – will heißen jubelte und klatschte ordentlich.

Auch CLOUDSCAPE mussten sich mit der Schwierigkeit auseinander setzen, dass man keinen eigenen Keyboarder in der Band hatte und sich somit relativ steif mit den Vorgaben der Konservenkeyboards abfinden musste. Umso erstaunlicher, wie viel Druck die Schweden dennoch aufbauen konnten und vor allem Schlagzeuger Roger Landin haute richtig schön heftig in die Felle.

Von Songs wie „Aqua 275“ oder „Witching Hour“ blieb aber dennoch relativ wenig im Ohr hängen. Der melodische Power Metal war sauber gespielt und auch der Gesang war sehr kräftig, die Kompositionen lieferten allerdings wenig Griffiges. „Slave“ konnte durch seine Vertracktheit in dieser Beziehung zwar deutlich mehr punkten, aber auch davon blieb im Nachhinein wenig in Erinnerung.

Zudem übertrieb es die Truppe teilweise ein wenig mit dem Gepose und die WHITESNAKE-Coverversion „In the Still of the Night“ wirkte eher eingeflickt als in den Set passend, auch wenn dieser wieder Aufmerksamkeit erregte und für Stimmung sorgte. Von daher also ein guter, aber auch verzichtbarer Auftritt. (fierce)

PAGAN´S MIND

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ProgPower Europe 2005 - Pagan´s Mind
Auch wenn man beim Publikum abräumt, sollte man sich eine verlängerte Spielzeit nicht erzwingen – PAGAN´S MIND

Wie man es mit mit relativ uneigenständigem aber gutem Songmaterial und den entsprechenden instrumentalen Fähigkeiten richtig macht, zeigten dann nach dem Dinner Break die Schweden PAGAN´S MIND. Und auch wenn ich mit meiner Meinung am Ende des Sets relativ alleine stand, muss ich wirklich sagen: wow, was sind diese Jungs gut geworden. Zum Auftritt vor zwei Jahren war dies definitiv eine 100-prozentige Steigerung und angesichts des doch recht ähnlichen Songmaterials kann man feststellen, dass hier eine Entwicklung auf Bandebene stattgefunden hat, die drastisch ist. Nils K. Rue hat als Frontmann enorm dazugelernt und strahlt jetzt eine Power und Energie aus, dass einem die Songs um einiges näher gehen, als das noch vor zwei Jahren der Fall war. Ähnlich wie Kollege Ullrich von LANFEAR ist es auch bei Jorn Viggo Lofstad ein wahres Vergnügen dabei zuzuschauen und zuzuhören, wie er als alleiniger Gitarrist alle wichtigen Gitarrenteile abdeckt und dabei von einer Spielart zur anderen springt. Und auch sonst kamen mir immer wieder Vergleiche mit den Süddeutschen in den Sinn – die beiden Bands würden bestimmt ein cooles Tourpackage abgeben.

Wie sehr sich PAGANS MIND gesteigert haben, zeigte sich dann aber am deutlichsten bei ihrem Instrumental-Teil, der mich so sehr mitgerissen wie schon lange keiner mehr – Erinnerungen an die erste Begegnung mit „Images and Words“ oder „Carved in Stone“ wurden wach.

Etwas unünstig verlief allerdings das Ende des Sets. Von der Uhrzeit her hatten PAGAN´S MIND ihre Spielzeit bereits aufgebraucht, dennoch verkündete Nils, dass man noch ein paar Songs zum besten geben würde. Klar, angesichts der euphorischen Publikumsreaktionen hatte man sich quasi in einen Rausch gespielt und wollte gar nicht mehr von der Bühne. Doch so funktioniert es einfach nicht – man kann sich die eigene Spieldauer bei einem Festival nicht erzwingen und dementsprechend musste Veranstalter René Janssen nach dem ersten der angekündigten Songs auf die Bühne und den Gig unterbrechen. Eine Sache, mit der keiner der Beteiligten glücklich war – allerdings muss man das komplett der Band anlasten. Vielleicht hätte man einfach etwas direkter in den Set einsteigen und das gute aber unnötige Gitarrensolo weglassen sollen. Wirklich schade, dass ein derart hervorragender Auftritt auf diese Weise enden muss. Dennoch: eine Hammer-Leistung von PAGAN´S MIND und in dieser Form kann von der Truppe noch einiges kommen. (fierce)

WOLVERINE

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ProgPower Europe 2005 - Wolverine
Die zweite Gitarre fehlte, die Songs überzeugten – WOLVERINE

Im Gegensatz zu PAGAN´S MIND vermisste man die zweite Gitarre bei WOLVERINE anfänglich schmerzlich. Der Ausstieg von Per Broddesson hat live ein echtes Loch in die Band gerissen und so musste man sich zunächst erst daran gewöhnen, dass man nicht mit einer Gitarrenwand konfrontiert wurde. Und auch sonst konnte man sich in die Musik der Schweden nicht sofort fallen lassen, allerdings steigerte sich die Truppe mit jedem Song und umso länger es ging, umso mehr Spaß hatte man mit Band und Songs. Hinzu kam, dass man diesen Auftritt relativ ruhig beginnen ließ, wobei sich schon bei „New Best Friend“ dieses gewisse Aufstellen der Nackenhaare einstellte – und das nicht aus Grausen. Schon als dritter Track folgte ein neues Stück vom kommenden Album namens „Bleeding“, der allerdings noch nicht so richtig überzeugen wollte. Da war das später folgende „And she slowly dies“ ein ganzes Stück eingängiger und mitreißender. Was man bei beiden Tracks jedoch feststellen kann: die Band ist sich treu geblieben und bleibt weiterhin sehr gefühlsbetont. Ein Urteil sollte man sich dann aber erst erlauben, wenn man die Zeit hatte, sich in Ruhe mit dem Material auseinander zu setzen.

Ansonsten wirkte die Mannschaft sehr gut aufeinander eingespielt und vor allem Bassist Tomas Jansson, der beim letzten PROGPOWER-Auftritt ganz neu in der Band und dementsprechend nervös war, tritt um einiges souveräner auf, hat dabei aber eine ganz eigene Art des Stageactings, auf Grund derer man ihn am liebsten knuddeln möchte. Doch als Quintett wollte man nicht auf der Bühne bleiben und was macht man da am besten bei einem Festivals? Richtig, Gaststänger auf die Bühne holen. Und das taten WOLVERINE auch, indem „Towards Loss“ gemeinsam mit Peter Rudhberg von LEDNOTE gesungen wurde – und dieses Duett sollte hervorragend harmonieren. Das war aber auch bei der Ballade „Hand in Hand“ der Fall, bei dem Stefan Zell von Jamina Jansson unterstützt wurde.

Den Höhepunkt des Auftrtits lieferte man aber wieder ohne externe Unterstützung ab und das war einmal mehr der Song „This Cold Touch“. Definitiv das Meisterstück von WOLVERINE und somit auch ein idealer Abschluss für einen Set, der etwas verhalten begann, sich immer mehr steigerte und zum Schluss das Publikum voll mitriss. (fierce)

PAIN OF SALVATION

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Oh je, mit diesem Auftritt haben es sich PAIN OF SALVATION sicherlich bei einigen Leuten, auch bei langjährigen Fans verscherzt. Daniel Gildenlöw ist ein Perfektionist, und genau das wurde ihm an diesem Abend zum Verhängnis. Aufgrund technischer Probleme mit der Synchronisation der „BE„-Videosequenzen mit der Live-Musik begannen die Ausnahme-Proggies beinahe eineinhalb Stunden später als geplant, also kurz bevor sie planmäßig ihren Set hätten beenden sollen. Offenbar war man aber so sehr damit beschäftigt gewesen, die Probleme mit den Videosequenzen in den Griff zu kriegen, dass keine Zeit mehr war, für einen guten Sound zu sorgen. Als die Band denn nämlich mit „Used“ begann, tönte ein einziger Soundbrei aus den Boxen, was viele, darunter auch Arjen Lucassen, dazu veranlasste, fluchtartig das Jugendzentrum zu verlassen. Daniel Gildenlöw verkündete, „what you are going to see tonight is PAIN OF SALVATION at its worst“ – und damit sollte er leider Recht behalten. Da die Musiker den für die „BE“-Kompositonen unerlässlichen Klicktrack nicht hören konnten, improvisierten sie und spielten ein wenig „12:5“-Material. Schließlich konnten die technischen Probleme dann aber doch noch überwunden werden. Was folgte, war für echte Fans, die bereits ein Konzert der „BE“-Tour besucht hatten, dennoch enttäuschend. Wer gedacht hatte, für ihren Festivalauftritt würde sich die Band eine spezielle Setlist zurechtlegen, irrte. Überraschungen gab es also keine, es folgten „Diffidentia (Breaching The Core)“ und ältere Stücke wie „Second Love“, „Inside“, der Über-Hit „Ashes“ oder „Ending Theme“, unterbrochen von allzu sarkastischen Ansagen von Daniel Gildenlöw, der stimmlich so gut in Form war, wie man es von ihm gewohnt ist. Bei „Dea Pecuniae“ trat der Frontmann dann – und auch das war Besuchern der „BE“-Tour wohlbekannt – als Mr. Money verkleidet, mit Anzug und Sonnenbrille auf. Langsam aber stetig war der Sound auch besser geworden, und man merkte, dass sich die Band nach einigen Songs dann doch noch warm gespielt hatte. Allein, die Magie von bisherigen PAIN OF SALVATION-Auftritten fehlte heute Abend schlicht und einfach. Dazu wog der Schatten der fast eineinhalbstündigen Wartezeit, in der die Fans etwa eine Stunde lang mit keinem Wort über die Verzögerung unterrichtet wurden, einfach zu stark, und auch später hatte man nie den Eindruck, dass die Band selbst bemüht war, den Knoten platzen zu lassen. Es herrschte eine seltsame Distanz zwischen der Band und einem enttäuschten Publikum. Vielleicht hätten die Schweden über ihren Schatten springen sollen und aufgrund der massiven technischen Probleme auf die Aufführung des „BE“-Materials einfach verzichten sollen, anstatt ewig an den Videosequenzen herumzudoktern. Das Verständnis der Fans wäre ihnen sicher gewesen. (doomster)

Fierce
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