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GLUECIFER, THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY – Konzertbericht – Karlsruhe, Substage – 06.02.2026

Friday night, 50 Euro in the pocket? Ab zu GLUECIFER und THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY. Besser konnte man sein Geld kaum anlegen.

Vor Tourstart ließen es sich GLUECIFER nicht nehmen, ihren norwegischen Landsmännern THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY ein paar Vorschusslorbeeren zukommen zu lassen: Für Social Media inszenierten die beiden Frontmänner Biff Malibu und Ivar Nikolaisen ein Schachduell, im Interview zum neuen GLUECIFER-Album „Same Drug New High“ zollte Gitarrist Captain Poon TGTBTZ seinen Respekt: „Wir müssen aufpassen, dass sie uns nicht an die Wand spielen, die sind schon verdammt gut. Wir wollten diese unbedingt dabei haben  – davon werden alle profitieren, denn wir müssen echt auf Zack sein, um mithalten zu können.“ Im Karlsruhe interessierten sich viele für das Duell um den Rockthron, das Substage war gut bis sehr gut gefüllt und alle waren da, von Tubojugenden, über Rockfans im gesetzten Alter bis zum Metalheads in Jung und Alt.

THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY hatten zwar noch ihr altes „Hadeland Hardcore“-Backdrop  aufgehängt, aber keinen Song vom gleichnamigen Album auf der Setlist. Die Norweger begannen als wüste Punkrock/Hardcore-Band, haben aber in den vergangenen Jahren ihren Sound aber immer weiter ins Melodische verschoben. Und genau deshalb hätten die alten Stücke vermutlich auch gar nicht funktioniert. Der Schwerpunkt lag auf dem aktuellen Album „November Boys„, dessen Titel sich Ivar auf den Rücken seiner Jacke gepinselt hatte. Nerd-Fakt: Den Song „Hadeland Hardcore“ gab die Band trotzdem zum Besten, er stammt aber auch von „November Boys“.

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Ständig in Bewegung: THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY -Sänger Ivar Nikolaisen

Ein besonderes Detail bot das Bühnenoutfit des Sängers: Seine Schuhsohlen blinkten in blau und gelb, waren aber selten im Takt, denn TGTBTZ gaben Gas. Wer glaube vom, farbenfrohen Outfit auf vermeintlich witzigen Partyschlager-Metal schließen zu können, bekam schnell eine Lektion erteilt. TGTBTZ mögen musikalisch zugänglicher und eingängiger geworden sein, auf der Bühne ist das alles immer noch schweißtreibender Hardcore. Nach zwei, drei Songs hatte die Band dann auch große Teile des Publikums in der Tasche, die Karlsruherinnen und Karlsruher präsentierten sich obendrein bewegungsfreudig und recht textsicher. Das war manchmal auch gar nicht schlecht, Gitarrist Eirik Melstrøm zeigte zwar viel Engagement bei den Backingvocals, vergriff sich aber dennoch ab und an im Ton. Bühnensau Ivar machte das locker wett, der schmächtige Kerl hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz und war ständig in Bewegung.

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TGTBTZ-Gitarrist Eirik Melstrøm übernahm viele Gesangsparts, immer voller Einsatz, aber nicht immer ganz sicher

Vor „Nostradumbass“ beglückte er das Publikum mit einer sympathisch wirren Ansage und versicherte, dass TGTBTZ die „dümmste Band des Universums sei“ und deshalb alle etwas blöder als zuvor nach Hause gehen werden. Zu den Highlights gehörten neben „Nostradumbass“ auf jeden Fall auch „The PKA Took My Money Away“, bei dem nicht nur der Titel an die RAMONES erinnert sowie „Welcome To The Great Indoors“ vom famosen „Algorithm & Blues“-Album.

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Schweißgebadet nach nur zwei Songs: Ivar Nikolaisen machte ordentlich Kilometer auf der Bühne

Zum Ende hielt es den Frontmann nicht mehr auf der Bühne, ohne groß nachzudenken nahm er Anlauf und sprang ins Publikum. Weil er das eigentlich meistens mach und deshalb darin Übung hat, war es auch kein Problem für ihn, „Dig A Ditch“ zu singen, getragen von den Fans und der inzwischen guten Stimmung.

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Ja, Ivar trägt tatsächlich Schuhe mit bunten Leuchtdioden: links Blau, rechts gelb (aus seiner Perspektive).

„Friday night, 50 Euros in my pocket“lautet eine Textzeile im Song „Fuck Life … but How to Live It?“ – rückblickend lässt sich bereits nach diesem grandiosen Auftakt feststellen, dass man sein Geld auch schlechter hätte anlegen können, als in eine Konzertkarte und ein Bier.

 

Setlist THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY

How to Do Nothing
A Blazer in the Northern Sky
Vik bak meg Satan
Hadeland Hardcore
The PKA Took My Money Away
November Boys
Corporate Rock
Nostradumbass
Sickness Unto Death
Nowhere to Go
Welcome To The Great Indoors
Dig a Ditch
New Kids on the Blockchain

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Nach ihrem Auftritt lungerten THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY am Merchstand rum und unterschreiben bereitwillig alles, was man ihnen unter die Nase hielt. Auch die Setlist.

 

GLUECIFER – der wahre Headliner

Coolster Move des Abends: GLUECIFER-Sänger Biff Malibu zog einen Kamm aus seiner Hosentasche, strich sich mit einer schmierigen Geste mit der linken Hand über Haar und kämmte mit rechts nach. Die coolsten Schuhe des Abends: die bordeauxroten Glamrock-Wildleder-Stiefeletten von Gitarrist Raldo Useless – ja, die waren cooler als die Blinklicht-Treter von TGTBTZ-Ivar. Coolster Rockstar des Abends: Gitarrist Capian Poon, der sich seinen eigenen, zumindest stellenweise rot gemusterten, Teppich auf der Bühne hat ausrollen lassen. Das aktuelle Album „Same Drug New High“, mit dem die Band 21 Jahre nach dem letzten Studioalbum wieder ihren Anspruch auf den Rockthrone proklamierte, ließ auf Großes hoffen – und GLUECIFER lieferten!

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Zum Frontman geboren (und mit einem Gespür für cheesy Pseudonyme): GLUECIFER-Sänger Biff Malibu

 

Viele waren neugierig, wie sich die älteren Herren inzwischen live schlagen. Gemütlich ein Bierchen trinken, ein bisschen mit dem Fuß wippen und dem Kopf nicken? Unmöglich in den ersten Reihen, GLUECIFER zündeten gleich mit dem Opener „Armadas“ den Club an, verlernt hat diese Band gar nichts. Große, ach was, die allergrößten Rockstar-Posen, drückender, klarer Sound und eine wahnsinnig tolle Songauswahl – die Norweger brachten genau das mit, worauf man hoffen durfte. Im Geschiebe und Gedrücke vor der Bühne gab’s nur glückliche Gesichter zu sehen, von der ersten Minute an weckten GLUCIFER die guten Erinnerungen an die alte Zeit.

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Voller Körpereinsatz von Captain Poon, keine Sorgen, die Augen rutschten schnell wieder in die richtige Position.

Neben seinem Posten als Sänger erfüllte Biff Malibu auch die Aufgabe eines Conférencier mit Bravour und unterhielt mit launigen Ansagen (wir wissen jetzt, dass Schweden dumm und Norweger die  – natürlich – besten, größten und cleversten Schmuggler auf Erden sind). Dazu bot er Dancemoves, mit denen er auch beim Ü-60-Tanztee eine gute Figur gemacht hätte. Mit dieser Attitüde besteht er gegen den Rest der Band, stiehlt ihnen sogar manchmal die Show. Die Gitarristen Captain Poon und Raldo Useless setzten auf bewährtes Musiker-Gehabe, Akkorde werden Armkreisen angeschlagen, die Gitarre ist nicht nur Instrument, sondern auch Requisit für ikonische Gitarristenposen.

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Rock ’n‘ Roll-Stageacting aus dem Lehrbuch: Raldo Useless und Capian Poon

Drummer Danny Young ist einfach nur cool hinter seinem Kit, Bassist Peter Larsson hat ein liebenswertes Knetgummi-Gesicht, das er nach Belieben verfomen kann. GLUECIFER waren nie cheesy, man spürte keine Berechnung, kein einstudiertes Gepose, sie leben, was sie da auf der Bühne treiben. Und sie haben Songs geschrieben, die auch 30 Jahre später noch immer sofort zünden. Bemerkenswert: Die neuen Stücke fügten sich nahtlos ins Set zwischen all den Klassikern ein, „The Idiot“ besteht geradezu mühelos neben Knallern wie „A Car Full Of Stash“, „Same Drug New High“ steht „Get The Horn“ in nichts nach. Dass die Norweger nun auch nicht mehr ganz die jüngsten sind, war ihnen nicht anzumerken. Allerdings scheint einer der Herren inzwischen ein bisschen altersweitsichtig zu sein: Eine der Setlists war so groß ausgedruckt, dass gleich mehrere DIN A-4-Blätter dafür nötig waren. Super sympathisch war auch, wie dankbar die Band wirkte und wie ehrlich sie sich über Beifall freute. Irgendwann zwischen zwei Songs erinnerte Biff auch daran, dass GLUCIFER auf ihrer ersten Tour vor zig Jahren in Karlsruhe spielten und dankte den Veranstaltern von damals: „Wir wären heute nicht hier, wenn ihr uns damals nicht unterstützt hättet!“. Eine schöne Geste!

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Er trägt seine Sonnenbrille auch bei Nacht: GLUECIFER-Drummer Danny Young

In hintere Drittel haben GLUECIFER Hits wie „Easy Living“, eine fast schon punkige Version von „I Got War“ und – als Zugaben – „Desolate City“ und natürlich „Rockthrone“ gepackt. Eine weise Wahl, dann da kam nochmal richtig Stimmung auf. Auch bei der Band, denn wie Biff verlauten lies, waren die Konzerte auf der wenigen Tage zuvor gestarteten Tour in Köln und Frankfurt gut. Doch heute sei schließlich Freitag abend, da könne man endlich richtig feiern. Haben, Biff, haben wir. Es war ein Fest, schön, dass ihr wieder da seid! Und noch viel schöner war, dass sich THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY sowohl nach dem Konzert am Merchstand wie auch bei der Aftershow-Party ein paar Meter weiter in der „Alten Hackerei“ blicken ließen, bereitwillig mit den Fans quatschten und sich noch das ein oder andere Bierchen gönnten.

 

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