EXUMER, COURAGOUS – Frankfurt, Nachtleben – 31.7.2001

"Wo wart ihr die letzten 15 Jahre?"… so die ersten witzigen Worte des EXUMER Fronters Mem von Stein im kleinen Frankfurter Club "Nachtleben" direkt vor den Toren Sachsenhausens…

„Wo wart ihr die letzten 15 Jahre?“…so die ersten witzigen Worte des EXUMER Fronters Mem von Stein im kleinen Frankfurter Club „Nachtleben“ direkt vor den Toren Sachsenhausens. Anscheinend nicht im gleichen Universum wie du, Mem! Doch zuerst einmal die Fakten: EXUMER veröffentlichten 1986 und 1987 die beiden Alben „Possessed By Fire“ und „Rising From The Sea“. Zwei gutklassige deutsche Thrash Metal Scheiben, von denen besonders die erste durch schierlose Energie und vor allem Mems chaotische Vocals überzeugte. Doch bereits nach diesem Debut verlies der Fronter aus – er gibt es selbst zu – Egoproblemen und Starallüren die Band und versetzte der jungen aufstrebenden Combo damit den schleichenden Todesstoß. Nach einer Europatour mit Nasty Savage und Atomkraft kam 1988 das Ende. Während sich einige Musiker mit mehr- oder weniger erfolgreichen Bands die Zeit vertrieben, wurde Mem in den letzten Jahren vor allem in New York gesichtet, wo er „forensische Psychologie“ studiert. Im Jahr 2000 tauchte er plötzlich „im Urlaub“ beim Wacken Open Air auf und dort nahm die Idee einer einmaligen EXUMER Reunion für insgesamt zwei Shows seinen Lauf. Und diese Idee brachte mich zwei Tage vor dem Auftakt zum Wacken Open Air 2001 nach Frankfurt, um den „Probegig“ für selbiges Festival zu bestaunen, auf dem EXUMER für Freitagnacht gebucht waren.

Als Opener hatten sich die Altthrasher die junge Frankfurter Combo COURAGOUS – bekannt durch das BYH- und Rocktown Festival und den Rockfabrik Nachwuchswettbewerb – eingeladen. Dass es diese Band faustdick hinter den Ohren hat, sollte ich eigentlich niemanden mehr erzählen müssen. Trotzdem fanden erstaunlicherweise nur wenige Metalheads den Weg in die konzerterprobten Kellerräume des Nachtleben. Wieder einmal war das gleiche Schauspiel zu beobachten: Aufgrund der zahlreichen Gitarrenduelle und der technischen Aggression der Band fielen bei den Fans, die COURAGOUS nicht kannten die Kinnladen automatisch nach unten. Natürlich bleibt der technische und brutale, nennen wir ihn „Cyper Thrash“ auch immer Geschmacksache, gerade weil an diesem Abend mit den recht simplen EXUMER-Riffs zwei Welten aufeinander trafen. Doch wer durch Death, Nevermore, Pestilence, Forté, Control Denied, Kreator, Cynic oder Testament seine Götter definiert, wird in COURAGOUS seine neuen Propheten finden. Das zweite Album „Remeber“ steht kurz vor der bandeigenen Veröffentlichung und die Songauswahl war durch die neuen Songs, gemischt mit den Stücken des Debuts „Listen“ sehr ausgewogen – besser als auf dem BYH Festival. Der Sound war wie auch später bei EXUMER astrein. Mit dem letzten Track des ca. 45-Minuten Sets, der Coverversion „Low“ schickte die Band einem ihrer Vorbilder, dem an Krebs erkrankten Testament Sänger Chuck Billy die besten Genesungswünsche.

Es hatte natürlich auch seine Vorteile, dass der schon recht kleine Konzertsaal nur spärlich gefüllt war.

Die vom Tag noch im Raum stehende Sommerhitze ließ sich gerade noch ertragen. In einem überfüllten Club wäre sie durch die Körperwärme vervielfacht und somit tödlich für jeden schwachen Kreislauf. Doch nach dem Ende der Vorband verdoppelte sich die Besucherzahl. Ganz eindeutig erklommen viele Old School Fans die Treppe herab zur Frankfurter Thrash Basis der 80er. Darunter einige Fans, die mit EXUMER an diesem heißen Dienstag alte Gefühle aufleben lassen wollten. Exumer wurden freudig, wenn auch nicht euphorisch empfangen. Außer Mem waren nur noch die beiden Gitarristen Ray und Bernd vom Original-Line-Up im neuen Outfit. Die Musik war jedoch die gleiche und mit ‚Fallen Saint’ ging es nach einem ellenlangen Panflöten-Intro in die Vollen. Sück No.4 war das geforderte ‚Possessed By Fire’ – witzigerweise zuerst nur vom Band angespielt, bevor die Band nach der Frage „Wollt ihr das Original?“ mit einem Knall von vorne anfing. Da Mr. Von Stein seine alte Bassgitarre einem zusätzlichen Musiker überlassen hatte (Zitat aus der Band: „Er konnte das Teil früher schon kaum spielen und nachdem er seit 15 Jahren keine Saite angerührt hat, wollten wir ihm das ersparen“), konnte er voller Enthusiasmus auf der kleinen Bühne alles geben. Er hüpfte in old school Punk Manier von einer Ecke zur andern und versuchte das Publikum zu animieren. Es gelang nicht immer und gerade die Insider-Fragen nach der Platzierung der Songs auf den Exumer LP-Seiten wurden im Zeitalter von CD´s nicht wirklich beantwortet. Es gab also doch nicht so viele DieHard Supporter in der Fanschar. Sein letzter Versuch „Ich glaube ich bin der einzige, der hier richtig arbeitet – außer den Jungs natürlich. Was ist los?“ konnte bei einigen Fans die hitzegeschädigten letzten Reserven aktivieren und für einigen Nackenapplaus sorgen. Es machte Spaß, selbst wenn die Band nicht aufeinander eingespielt wirkte. Die Haare sind bei allen Musikern modischen Kurzhaarfrisuren gewichen, doch das Death Angel „The Ultra-Violence“ T-Shirt des Frontmanns machte mehr als deutlich, wo diese Band herkam. Die Songauswahl lag im Schwerpunkt auf dem Debut. Von „Rising…” wurde aber immerhin ‚Winds Of Death’ gespielt und mit ‚Cast Out’ kam ein brandneuer, allerdings wenig überzeugender Song zum Zuge. Besiegelt wurde der Set mit der Black Sabbath Coverversion „Symptom Of The Universe“. 10 Songs und eine Spielzeit von ebenfalls ca. 45 Minuten – sicherlich die gleiche Setlist wie in Wacken, wo ich mir EXUMER von einer schweren Magenverstimmung gebeutelt leider nicht anschauen konnte. Wer war dort? Kommentare sind willkommen…