Ensiferum live in München 2026

ENSIFERUM, FREEDOM CALL, DRAGONY: Konzertbericht – Backstage Werk, München – 27.01.2026

Es scheint nur so, als hätten ENSIFERUM an alles gedacht: Dass die Finnen ihr aktuelles Album „Winter Storm“ (2024) inmitten einer Kältewelle betouren, ist natürlich Zufall. Passendere Rahmenbedingungen hätten wir uns in München dennoch kaum wünschen können, flüchten wir ob der frostigen Temperaturen doch gerne ins kuschelige Backstage, wo uns neben dem Headliner ein nicht ganz alltägliches Vorprogramm erwartet.

Als hätten sie es von vornherein geplant: Schnee, Eis und Minusgrade lassen uns dieser Tage die kalte Jahreszeit so richtig spüren und schaffen so den idealen Rahmen für ENSIFERUMs lange überfällige Headline-Tournee. Das passend betitelte Studioalbum „Winter Storm“ erschien schließlich bereits im Herbst 2024, darf aber nun immerhin vom frostigen Ambiente profitieren, das die Tore des Münchner Backstage in Raureif kleidet.

Nicht ganz so eisig geht es dagegen innerhalb der kultigen Halle zu, wo gerade am frühen Abend die ausgelassenen Töne dominieren. Gleich zwei Power Metal-Bands ins Vorprogramm aufzunehmen, ist für ENSIFERUM nicht ohne Risiko und verspricht doch einen Nettogewinn: Immerhin ist die Schnittmenge mit dem traditionellen Genre seit dem Einstieg von Sänger und Keyboarder Pekka Montin durchaus größer geworden. Es ist eine Rechnung, die in der bayerischen Landeshauptstadt tatsächlich aufzugehen scheint: Obwohl es gegen 18 Uhr im großen Werk noch ruhig zugeht, füllt sich die Arena bis zum Showbeginn doch kontinuierlich mit treuen Fans des Openers aus Österreich.


DRAGONY

Dragony live in München 2026

Dabei konnten DRAGONY heute nicht einmal in Komplettbesetzung anreisen: Im Wissen, dass – neben dem heute abwesenden Bassisten Herbert Glos – Frontmann Siegfried Samer berufsbedingt nicht alle Termine der Tournee wahrnehmen können würde, hat die Power Metal-Band bereits im Herbst 2025 vorgesorgt und mit Maria Nesh eine zweite Sängerin fest ins Boot geholt. Mit souveräner Bühnenpräsenz und rockigem Timbre in der Stimme reißt selbige sogleich das Ruder an sich und lässt uns doch erstmal mit argwöhnischem Blick zurück.

Gerade das Anfangsdoppel „Twilight Of The Gods“ sowie „Gods Of War” scheinen gesanglich nicht in der Komfortzone der Fronterin zu liegen, was mit dem folgenden „Perfect Storm“ umso deutlicher wird. Das hier niedrigere Register scheint Nesh wie auf den Leib geschneidert, während sie den kraftvollen Strophen von „The World Serpent“ mittels giftiger Screams gar einen eigenen Stempel aufdrückt. Das mag in seiner Gesamtheit nicht den klassischen DRAGONY entsprechen, ist aber auf seine Weise richtig gut umgesetzt.

Selbst ohne volle Besetzung halten DRAGONY die Stellung

Dragony live in München 2026

Davon zeugen nicht zuletzt die Reaktionen vor der Bühne, wo man sich erstaunlich textsicher zeigt und auch die üblichen Mitmachspielchen keineswegs scheut. Dass der Funke schnell überspringt, wirkt nur deshalb so selbstverständlich, weil die Band ihrerseits mit voller Sache dabei ist. Die gute Laune lebt sogar Drummer Chris Auckenthaler vor, der für das Intro von „The Einherjar“ seinen Drumstick kurzerhand zur Flötenattrappe umfunktioniert.

Das ausladende Solo des Stücks nutzt Maria Nesh zudem für eine elegante Einlage mit einem Tanzband im Drachenlook, nur um direkt im Anschluss wieder Zähne zu zeigen: Die energische Gesangs-Darbietung von „Burning Skies“ weckt phasenweise Erinnerungen an BLIND GUARDIAN und lässt schließlich auch den letzten Zweifel verblassen. Obwohl wir ihn sicherlich ein wenig vermissen, halten DRAGONY die Stellung letztlich selbst ohne ihren charismatischen Bandkopf.

DRAGONY Setlist – ca. 40 Min.

1. Twilight Of The Gods
2. Gods Of War
3. Perfect Storm
4. The World Serpent
5. The Einherjar (What Dreams May Come)
6. Burning Skies
7. The Untold Story
8. Beyond The Rainbow Bridge

Fotogalerie: DRAGONY


FREEDOM CALL

Freedom Call live in München 2026

Metal ist Silber, Schweigen ist Gold: Keine Frage, für welche Farbe sich FREEDOM CALL entscheiden, die heute bis zum Schuhwerk in der passenden Farbe auflaufen. Wer die Formation um Mastermind Chris Bay in ihrer langen Karriere schon einmal live erlebt hat, weiß natürlich, dass es damit nicht getan ist.

Beste Laune, grinsende Gesichter und aufbauende Melodien sind das Herzstück des Bandmotors, der im Münchner Backstage abermals auch höchster Drehzahl läuft. Wie es FREEDOM CALL beständig schaffen, das Publikum binnen kürzester Zeit zu aktivieren, ist derweil auch dem Auftreten der Musiker zuzuschreiben. Die kleine Kick-Choreo während des Auftakts “Hammer Of The Gods“ mag kitschig sein, doch gehört sie zur festen Identität der Band.

FREEDOM CALL schaffen es beständig, das Publikum binnen kürzester Zeit zu aktivieren

Freedom Call live in München 2026

„Happy Metal“ nennt Frontmann Chris Bay diese Lebenseinstellung, die zum ausgelassenen Hüpfen in „Tears Of Babylon“ oder „Land Of Light“ ebenso einlädt wie zum Circle Pit in „Heavy Metal Happycore“. Dass sich Studiogast Petri Lindroos (ENSIFERUM) heute für seinen Part nicht blicken lässt, ist zwar schade, ins Stocken kommt die Party dennoch nicht. Obgleich die neue Single für unsere Begriffe zu dick aufträgt, singt das Backstage dennoch begeistert mit.

Dabei sein darf schließlich jeder, wie FREEDOM CALL fleißig betonen: „Metal Is For Everyone“ heißt es in der gleichnamigen Hymne, wo der berühmte stählerne Sound beschworen wird. Ganz so hart erklingen die Kompositionen heute aufgrund der dominant gemischten Keyboards ehrlich gesagt nicht, dafür aber glitzert es auf den Brettern exakt so, wie wir es von originalen Kriegern des Lichts erwarten würden.

FREEDOM CALL Setlist – ca. 50 Min.

1. Hammer Of The Gods
2. Tears Of Babylon
3. Silver Romance
4. Union Of The Strong
5. Heavy Metal Happycore
6. Power And Glory
7. Warriors
8. Metal Is For Everyone
9. Land Of Light

Fotogalerie: FREEDOM CALL


ENSIFERUM

Ensiferum live in München 2026

War die Bühne während des Openers mit beleuchteten Bäumchen und Mauer-Attrappen noch aufwendig geschmückt, sieht es nun doch etwas kahl aus. Zwischen den seitlich angeordneten Keyboard- und Drumsets klafft ein riesiges Loch, das dafür immerhin einen freien Blick auf das Backdrop gewährt. Mit Leben füllen können ENSIFERUM die Bretter dennoch spielend, denn im Grunde wuselt es dort ab der ersten Sekunde.

Eigentlich kurios, denn das Klischee des stoischen Finnen erfüllt im Prinzip nur Gitarrist und Shouter Petri Lindroos, der zwar voll bei der Sache ist, doch nur selten hinter die steinerne Miene blicken lässt. Dafür sprudeln die Emotionen um ihn herum nur so heraus: Bassist Sami Hinkka stürmt unentwegt von einer Ecke in die andere, wenn er nicht gerade die stolze Mähne im Takt schüttelt, während Gitarrist Markus Toivonen das Grinsen im Gesicht wohl nicht einmal verlieren würde, wenn ihm nach der Show beim Händewaschen der Ärmel herunterrutschen würde.

ENSIFERUM beschwören die Gemeinschaft im Minutentakt

Ensiferum live in München 2026

Bleibt noch Keyboarder und Sänger Pekka Montin, der als Gegenpart zum konzentrierten Drummer Janne Parviainen seinen angestammten Platz gerne mal verlässt, um die kraftvollen Zeilen aus der ersten Reihe zu schmettern. In Montins Einfluss finden wir sodann auch die Brücke zum Vorprogramm: Seit dem Einstieg des Musikers finden immer mehr Klangfarben des Power Metal Einzug in den charakteristischen Bandsound.

Und das mit Erfolg, wie sich den Reaktionen im Backstage entnehmen lässt. Gefeiert werden neue wie alte Stücke gleichermaßen, wobei sich natürlich ein Klassiker à la „Guardians Of Fate“ hervorragend als Eisbrecher eignet, um frühzeitig den Pit auf Touren zu bekommen. Die Gemeinschaft beschwören ENSIFERUM dabei im Minutentakt, wenn beispielsweise in „Heathen Horde“ die Fäuste gereckt werden.

Selbst kleine technische Probleme können der Stimmung im Backstage nichts anhaben

Ensiferum live in München 2026

Standhaftigkeit beweist die Münchner Schar dabei selbst, wenn es kurzzeitig nicht ganz rund läuft: Als zum Ende des Stücks durch einen Ausfall der PA eine mehrminütige Pause erzwungen wird, folgen die Rufe nach einem spontanen Drum-Solo im Handumdrehen. Immerhin zu einer klitzekleinen Darbietung lässt sich Janne Parviainen sodann hinreißen, bevor die Unterbrechung auch schon ihr Ende findet. „Eine kleine Raucherpause“, kommentiert Frontmann Petri Lindroos trocken und wird dafür nicht nur aufgrund seiner Deutschkenntnisse gefeiert.

Als hätten die technischen Probleme die Energie im Backstage nur weiter anwachsen lassen, folgt mit dem schmissigen „Fatherland“ umgehend eine Fortsetzung des zuvor so unermüdlichen Moshpits, den ENSIFERUM später noch mit Stücken wie „Stone Cold Metal“ oder „From Afar“ füttern wollen. Die Stimmung ist derweil nicht nur vor der Bühne bestens, auch die Finnen selbst sind zu reichlich Späßchen aufgelegt. So lässt sich Bassist Sami Hinkka zwischendurch auf Knien von Kollege Toivonen mit ein paar Schluck Bier füttern.

Nur eine kurze Pause gönnen ENSIFERUM sich und ihren Fans

Ensiferum live in München 2026

Durchschnaufen dürfen Musiker und Fans allein bei der Ballade „Scars In My Heart“, für welche sich DRAGONY-Sängerin Maria Nesh die Ehre gibt. Eine weitere Pause ist heute Abend jedoch nicht mehr vorgesehen, da ENSIFERUM mit dem Hit „Andromeda“ die Münchner:innen zunähst auf und ab springen lassen, bevor „Into Battle“ vom Zweitwerk „Iron“ (2004) den regulären Teil des Sets beschließt.

Dass die ersten beiden Alben der Band mit insgesamt drei Stücken berücksichtigt werden, freut uns ganz besonders, wobei wir für den Zugabenblock im Backstage Werk eine ähnliche Begeisterung für „One Man Army“ (2015) auszumachen meinen. Gleich zweimal geht es zum Ende des Abends zurück zur sechsten Platte, wobei dazwischen mit „In My Sword I Trust“ natürlich auch einer der Evergreens der Band zu Zuge kommen darf.

ENSIFERUM zählen wohl mittlerweile selbst zum finnischen Kulturgut

Ensiferum live in München 2026

Erst der Schritt aus der kuscheligen Halle erinnert uns schließlich daran, dass wir diesen Januar eigentlich erstaunlich frostige Wochen durchleben. Als Themaverfehlung dürfen und wollen wir die „Winter Storm Over Europe“-Tournee dennoch keinesfalls werten. Schlussendlich blieb der Kältesturm ja nur vor den Toren, während im diesigen Inneren einer weiteren nordeuropäischen Tradition gehuldigt wurde: Der gemeinschaftliche Saunabesuch gehört neben einer Band wie ENSIFERUM schließlich auch zum finnischen Kulturgut.

ENSIFERUM Setlist – ca. 80 Min.

1. Winter Storm Vigilantes
2. Guardians Of Fate
3. Heathen Horde
4. Fatherland
5. One More Magic Potion
6. Token Of Time
7. Stone Cold Metal
8. From Afar
9. Scars In My Heart
10. Andromeda
11. Into Battle
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12. Axe Of Judgment
13. In My Sword I Trust
14. Two Of Spades

Fotogalerie: ENSIFERUM

Fotos: Tatjana Braun (https://www.instagram.com/tbraun_photography/)