ENSIFERUM: Iron

ENSIFERUM: Iron

Iron hat mich zunächst nicht vom Hocker gehauen, im Gegenteil. Entdeckte ich doch allerlei Verwerfliches: Grauenvolle Keyboard-Fanfaren, eklig-unmännliches Gesangsgequitsche und gruselige Textzeilen wie

Who dares to play with death

Who smells the dragon´s breath

No grief for the fallen ones

The search for the Sword has begun

Das waren gleich drei Dinge, die ich nicht allzu sehr schätze, auf einmal. Das ist eigentlich zuviel und so wäre diese CD auch flugs im Regal verschwunden, wäre da nicht das überwältigend gute Debüt Ensiferum und der ebenfalls überwältigend gute Auftritt der Band im Mai gewesen. Also, die Zähne zusammengebissen und noch mal auf „Play“ gedrückt und siehe da – diese Platte kann man sich ohne große Anstrengung schönhören.

Der Einstieg ist einfach, denn das Intro Ferrum Aeternum ist ein schnuffiges Akkustik-Instrumental mit einer wunderschönen Flötenmelodie, das auch gut als musikalische Untermalung für idyllische Bilder von spielenden Trollkindern funktionieren würde. Hört man großzügig über den dominanten Keyboard-Auftakt hinweg, entpuppt sich der folgende Titeltrack als typische ENSIFERUM-Hymne, deren Melodiebögen schnell das Hirn umspannen und wie festzementiert jeden Versuch widerstehen, andere Gedanken zuzulassen als die an grimmige Nordmänner, die stolz in dem Kampf ziehen. Das ist Heldenmetal, wie er mitreißender kaum sein kann. Die unwiderstehliche Mischung Death Metal, klassischen Metal Riffs und viele tollen Melodien und Chören lassen über die eingangs erwähnten Kritikpunkte schnell hinwegsehen, ja man kann sich irgendwann gar nicht mehr erklären, warum man sich an diesen Kleinigkeiten gestört hat.

Die Finnen gehen dermaßen frisch und frech ans Werk, dass man ihnen fast alles vergibt. Iron bietet neben mitreißenden Songs, die vor Spielfreude und Spielwitz strotzen, aber auch leise Momente: Das zauberhafte Intro, ein kleines Zwischenspiel namens Mourning Heart – Interlude und den Abschluss-Song Tears. Während Mourning Heart – Interlude nicht nur dem Namen ein abwechslungsförderndes Zwischenspiel mit Folk-Charakter ist, kann man Tears durchaus als vollwertigen Song sehen. Der Track kommt ohne verzerrte Instrumente aus und schließt den Bogen zum Intro, die Flöte und allerlei Saiteninstrumente begleiten den Frauengesang, der eine alte Volksweise erzählen zu scheint. Einfach schön.

Dazwischen weichen ENSIFERUM kaum von ihrem Kurs ab, ihre Helden-Hymnen sind im Vergleich zum Debüt nur etwas ausgearbeiteter und detailreicher. Das mag auch der Grund sein, warum Iron nicht ganz die Klase des Debüts erreicht – so liebevoll ein Song wie Lost In Despair auch arrangiert ist, das noch ungestüme Vorgehen auf dem ersten Album gab den Songs zusätzlich Power, die ich bei Iron manchmal etwas vermisse. Dafür ist Iron deutlich vielseitiger und folk-lastiger, neben den ruhigen Songs packten ENSIFERUM auch Uptempo-Kracher wie das vorwärtspeitschende Slayer Of The Light auf das Album und natürlich darf auf einem Album mit Heroic Metal so nennt die Band ihren Stil selbst, die obligatorische Mitsing- und Mittrinkhymne nicht fehlen. Mit LAI LAI HEI erfüllen ENSIFERUM auch diese Aufgabe.

Alles in allem ein feines Album, das zwar nicht ganz so überzeugt wie der Vorgänger, das aber trotzdem einen Heidenspaß macht.

Veröffentlichungstermin: 120704

Spielzeit: 43:15 Min.

Line-Up:
Jari Mäenpää – Gesang

Markus Toivonen – Gitarre

Oliver Fokin – Schlagzeug

Jukka-Pekka Miettinen – Bass

Meiju Enho – Keyboards

Produziert von Flemming Rasmussen
Label: Spinefarm

Hompage: http://www.ensiferum.net

Tracklist:
Ferrum Aeternum

Iron

Sword Chant

Mourning Heart – Interlude

Tale Of Revenge

Lost In Despair

Slayer Of The lIght

Into Battle

LAI LAI HEI

Tears

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...