DURAN DURAN: Live in der Barclays Arena in Hamburg – 05.10.26

Manche besonderen Konzerterlebnisse entstehen aus einem puren Zufall heraus. So geschehen am vergangenen Montag bei Duran Duran in der Hamburger Barclays-Arena. Und eh jetzt die ersten aufschreien, dass diese Band in einem Rock- und Metalmagazin auftaucht: Ja! Und zwar zu Recht. Weil sie viel mehr sind als die 80er-Popbarden, deren Charterfolge in allen Radios hoch und runter liefen und für volle Tanzflächen in den Discotheken sorgten, sondern eine großartige Band, die weiß, wie guter Art-Rock funktioniert, und die vor allem brilliante Musiker sind!

Aber von vorn: Da ich eigentlich nur „mit“ war und meine Begleiterin, respektive meine bessere Hälfte, Fangirl der ersten Stunde ist, hatte ich an diesem Abend erst einmal gar keine Erwartungen.

Der erste Eindruck beim Eintreffen: Meine Güte, sind wir alt geworden, liegen die größten Hits der Band doch schon gut 40 Jahre zurück. Aber eine gute Band altert bekanntlich mit ihren Fans (oder umgekehrt), und so stehen, fast pünktlich, um kurz nach 20 Uhr 4/5 der Originalbesetzung aus den 80ern auf der Bühne. Lediglich Gitarrist Andy Taylor fehlt, da er ja schon seit Jahren schwer erkrankt ist. Und siehe da, obwohl alle Bandmitglieder, ausgenommen Tourgitarrist Dominic Brown, schon deutlich in den 60ern sind, sprühen sie auf der Bühne vom ersten Ton an vor Spaß und Spielfreude. Da hat aber jemand richtig Bock!

Einen derartig sauberen Hattrick, wie ihn Simon Le Bon & Co. zum Einstieg abliefern, schafft ansonsten nur Erling Haaland. „Is there something I should know?“, „The Wild Boys“ (spätestens hier hat Charming Boy LeBon die Halle! Und mich gleich mit) und den James-Bond-Klassiker „A View to a Kill“ gleich am Anfang zu bringen, zeugt entweder vom strotzenden Selbstbewusstsein einer Band oder dem Wissen um ihre unglaubliche Hitdichte. Oder beides.Und weil die Großartigkeit der eigenen Songs den Künstlern offensichtlich nicht reicht, hat man all das mit einer gigantischen Videoshow untermalt. Entertainment at its best!

Nach „Hungry like a Wolf“ folgt mit „Invisible“ der erste neuere Song vom sträflich unterbewerteten „Future Past“-Album. Da man auch „Danse Macabre“ als Album nicht vernachlässigen möchte, folgen mit „Evil Woman“ und „Lonely in Your Nightmare / Super Freak“ 2 ½ Coverversionen von besagtem Output. Kein Stimmungskiller, aber das Auditorium will ganz offensichtlich die Hits der Band feiern. Und diese liefert: „The Reflex“ und ein hochemotionales „Ordinary World“. Wer hier keine Gänsehaut bekommt, ist definitiv beim falschen Event. Bisher das absolute Highlight einer weiß Gott nicht highlightarmen Show.

Vor „Ordinary World“ hält Simon Le Bon noch eine kleine Ansprache, verurteilt sämtliche deppigen Kriegstreiber und widmet den Song den Menschen in der Ukraine und allen denen, denen es gerade nicht so gut geht wie uns allen in der Halle. Gut gemacht, Simon, Haltung zeigen ist immer gut. Danach geht die Zeitreise quer durch die 80er munter weiter: „Come Undone“, „Notorious“ (die Halle explodiert noch mal kurz kollektiv), „New Moon on Monday“ und „Don’t Want Your Love“. Keine Songs aus der allerersten Reihe, aber nicht minder brillant.

Dann wird es hochemotional. Den aktuellen Song „Free to Love“, zugleich auch Motto der Tour, kündet Simon Le Bon mit einer großartigen Ansprache an, indem er auf die Liebe als Lösung aller aktuellen Probleme verweist und zugleich den Song der LGBTQplus-Community widmet und alle Anwesenden bittet, respektvoll miteinander umzugehen und aufeinander aufzupassen, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Sexualität oder Herkunft. Well done, Mr. LeBon, profound words.

Es folgt der allererste Song der Band überhaupt, „Planet Earth“ von 1981. Geschmackvoll eingeleitet von einer ausführlichen Bandvorstellung. Selbsterklärend, dass bei den 4 Urmitgliedern der größte Applaus aufbrandet. Vor allem Keyboarder Nick Rhodes feixt sich einen und lässt sich besonders ausgiebig feiern. Überhaupt, wie schon eingangs erwähnt, haben die alten Herren richtig Bock auf diesen Abend, dieses Publikum und brennen hier eine ununterbrochene Dauerparty ab. Kleiner Einwurf an dieser Stelle: Sänger Simon Le Bon wird exakt 3 Wochen nach dem Konzert 68 Jahre alt. Ein Alter, in dem andere es sich mit Chips und Bier vorm Fernseher gemütlich machen, reißt er mit seinen Jungs mal eben die Arena ab.

Die beiden folgenden Songs „White Lines (Don’t Don’t Do It)“ und „(Reach Up for the) Sunrise“ erwähne ich aus Chronistenpflicht. Weil alle im weiten Rund wissen, dass da noch etwas fehlt. Und als dann die ersten Töne des Knallers „Girls on Film“ erklingen, eskaliert die Stimmung komplett. Die Band hat den Song geschickt verknüpft mit dem Talking-Heads-Klassiker „Psycho Killer“. Und was auf den ersten Blick so gar nicht zusammenzupassen scheint, entpuppt sich als eine grandiose Verschmelzung zu einem der besten, wenn nicht dem besten Song des Abends! #

Wir nähern uns der 100-Minuten-Konzertgrenze, niemand würde es der Band verübeln, wenn sie an dieser Stelle Schluss machen würde. Aber sie haben immer noch nicht genug. Zur Zugabe „Save a Prayer“ lässt CharmingSimon die Halle in einem Lichtermeer erstrahlen. So ekelig die Unsitte ist, jeden Mist eines Konzertes mit dem Handy zu begleiten, in solchen Momenten ist es schon irgendwie cool, wenn alle mit ihren Geräten herumleuchten. Im Verbund mit der Lichtshow auf der Bühne erzeugen Duran Duran kurz vor der Zielgeraden eine ganz besondere Atmosphäre, die einem unweigerlich einen dicken Kloß im Hals zusammenbasteln lässt. Zum Schluss geht es mit „Rio“ noch einmal gaaaaaanz weit zurück zu den Anfängen der Band, danach ist dann wirklich Schluss.

Was bleibt nach einem solchen Abend? Zunächst einmal viele Besucherinnen, die die Band augenscheinlich ebenso lange begleiten wie meine Begleitung, an diesem Abend für 2 Stunden aber noch einmal 15 waren.Und mindestens einen Besucher, der ohne Erwartungen gekommen, aber als echter Fanboy gegangen ist.Ein epischer Abend, an den sich alle, die dabei waren, noch lange erinnern werden!
(Alle Fotos: Stephanie Poesze)

Setlist:
1. Free to Love (Symphonic Instrumental Version)
2. Is There Something I Should Know?
3. The Wild Boys
4. The James Bond Theme (John Barry Cover)
5. A View to a Kill
6. Hungry Like the Wolf
7. INVISIBLE
8. Evil Woman (Electric Light Orchestra Cover)
9. Lonely in Your Nightmare / Super Freak („SUPER LONELY FREAK“)
10. The Reflex
11. Ordinary World
12. Come Undone
13. Notorious
14. New Moon on Monday („NEW MOON DARK PHASE“ Version)
15. I Don’t Want Your Love
16. Free to Love
17. Planet Earth (mit Bandvorstellung)
18. White Lines (Don’t Don’t Do It) (Grandmaster Melle Mel Cover)
19. (Reach Up for the) Sunrise
20. Girls on Film / Psycho Killer
Zugabe:
21. Save a Prayer
22. Rio