BANG YOUR HEAD 2008: Der Festivalbericht

BANG YOUR HEAD 2008: Der Festivalbericht

Das Festival

 Freitag, 27. Juni 2008

Tyr | Agent Steel | Korpiklaani | Forbidden | Ensiferum | Rage | White Lion | Iced Earth | Queensryche

Samstag, 28. Juni 2008

Age of EvilSecrecy | Breaker | Onslaught | Lizzy Borden | Tankard | Obituary | Lizzy Borden | Yngwie Malmsteen | Saxon | Judas Priest

 

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BANG YOUR HEAD 10:13 – das zehnte Open Air, das 13. BANG YOUR HEAD überhaupt. Mit einem weitaus interessanteren Line-Up als in den beiden Vorjahren, konnte man auch wieder deutlich mehr Publikum auf das Messegelände Balingen ziehen. Das wusste auch der Wettergott zu schätzen und verschonte das Publikum mit Unwetter und Dauerregen, wobei sich Bruder Sonne teilweise aber auch ganz schön gnadenlos zeigte.
Dieses mal also keine DORO, kein DESTRUCTION und auch kein AMON AMARTH. Na gut, TANKARD waren auf dem Billing, aber die sind ja auch anders zu bewerten. Natürlich sind auch

BangJUDAS PRIEST, QUEENSRYCHE, WHITE LION oder LIZZY BORDEN keine Unbekannten auf dem BANG YOUR HEAD, aber von all diesen Acts bekam man etwas Besonderes geboten. 

Zudem hatte man mit SECRECY und BREAKER auch wieder zwei Bands auf dem Programm, die auch die Alt-Traditionsmetaller auf das Festival zogen und YNGWIE J. MALMSTEEN erlebt man ebenfalls nicht mehr alle Tage.

Für viel Unmut sorgte hingegen die neue Camping-Situation, die viele Leute als Zumutung ansahen. Dass das Camping-Problem in Balingen nur noch sehr schwer zu lösen ist, steht außer Frage, aber dass man im Vorfeld mit viel zu kurz bemessenen Laufzeiten warb, kam bei den Betroffenen nicht besonders gut an. Wenn das Festival auch in den nächsten Jahren auf dem Balinger Messegelände stattfindet, dann muss der Schwerpunkt des Problem-Managements ganz klar hier liegen.

Denn ansonsten ist man ja inzwischen in allen Belangen eingespielt Man weiß, was einen erwartet, und das ist in erster Linie ein stressfreies Festival. Ganz besonders auffällig ist, wie sich immer mehr Familien im Publikum befinden – DAS ist tatsächlich ein generationenübergreifendes Event. Das eine bedingt das andere – schön.

Es ist schon enorm. Zehn Jahre BANG YOUR HEAD OPEN AIR …wie viel hat sich in der Zeit doch getan, das spürt man deutlich an den baulichen Veränderungen rund um das Messegelände herum. Und doch ist noch vieles wie beim Alten, bzw. wieder wie beim Alten. Zumindest 2008 hatte man das Gefühl, dass man sich nach einer leichten Talsole wieder auf dem Weg nach oben befindet. Und das ist gut.

Freitag, 27. Juni 2008

TYR

 Tyr
 Aus den Provinzburschen sind richtige Metal-Krieger geworden – TYR

Nachdem CONTRACRASH den Eröffnungsauftritt zum 2008er BANG YOUR HEAD absolviert hatten, und bei uns auf wenig Gegenliebe stießen, sollten TYR als berühmter Funke fungieren, um uns in Festival-Stimmung zu bringen. Nach dem Release des Eric the Red-Albums hatte ich persönlich die Band etwas aus den Augen verloren – zu wenig konnte ich die Präsentation in den Medien mit der sympathischen Ausstrahlung der Erstveröffentlichungen in Einklang bringen.
Aus den Provinzburschen sind richtige Metal-Krieger geworden – das war schon deutlich spürbar, als die Truppe von den Färöer-Inseln die Bühne betrat. Nachdem ich TYR bislang noch nicht live gesehen hatte – dabei gab es ja genug Gelegenheiten -, war für mich sehr erfreulich, wie sauber die Band ihre mehrstimmigen Gesangsteile darboten. Dabei vernachlässigte sie nicht die Bewegung auf der Bühne, lediglich von Zeit zu Zeit waren alle Mitglieder an die Mikrophone gebunden. TYR hatten nicht nur neues Material im Gepäck und so konnte man sich auch an einem Gassenhauer wie Regin Smildur erfreuen. Die in ihrer Muttersprache vorgetragenen Songs sind denen in Englisch ohnehin vorzuziehen, da sie doch deutlich mehr Zauber versprühen. TYR hatten nichtsdestrotrotz hervorragende Karten beim Publikum, stießen auf durchweg positive Ressonanz und waren somit eine gute Wahl für diese Billingposition. Nach wie vor gilt: sehr sympathisch. (fierce)

AGENT STEEL

 Agent
 Souverän, aber kein Mad Locust Rising- AGENT STEEL

Nach den Färöer Seefahrern TYR, die für mich das diesjährige BANG YOUR HEAD überraschend angenehm eingeläutet haben und nachdem Agent Schlaf erfolgreich aus den Augen gerieben wurde, harrte man der Ankunft jener Außerirdischen, die irgendwann in Sternenzeit End-80er JohnCyriis, den Bordpropheten des Prog-Speed-Schiffes AGENT STEEL in die unendlichen Weiten des geistigen Irr-Raumes entführten. Nach einem knappen Intro legen die vier Herrschaften der Instrumentalfraktion um Sänger Bruce Hall recht motiviert los, scheinen dabei aber den Vergaser am Moped nicht richtig eingestellt zu haben. Der zündende Funke will nicht so recht überspringen. Anfängliche Soundprobleme, vor allem der Gesang, verlor sich das eine oder andere Mal im Maschinenraum zwischen Stimmbändern und PA, und ein insgesamt nicht sehr druckvoller Sound tragen neben den mir nicht wirklich geläufigen aktuelleren Songs dazu bei, dass die Startbahn kurzfristig auf den Standstreifen umgeleitet wird. Erst mit Unstoppable Force vom gleichnamigen Klassiker aus dem Jahre 1986 nimmt die Flotte etwas Fahrt auf und lässt mich das Resthaar freudig schütteln. Mit zunehmender Spieldauer und Songs wie Ten Fists Of Nation und Agents Of Steel kommen die einstigen Speed Metal Heroen letztendlich doch noch recht souverän rüber, aber von einem wirklichen Mad Locust Rising ist nichts zu verspüren. Als dritte Band des Festivals solide, leider nicht mehr. (matze m.)

KORPIKLAANI

 Korpiklaani
 Machen vor jedem Publikum Stimmung – KORPIKLAANI

Dass die Waldschrate von KORPIKLAANI das Zeug dazu haben vor unterschiedlichstem Metal-Publikum zu bestehen, muss eigentlich nicht erwähnt werden. Für die Finnen war es somit auch auf dem BANG YOUR HEAD-Festival ein leichtes, für gute Stimmung zu sorgen. Bei Teilen der Band ist man sich nie schlüssig, ob die sich wirklich wohl auf der Bühne fühlen (Akkordeon), andere scheinen es zu genießen, ohne großes Aufsehen darüber zu machen (Violine), wieder andere lieben es, sich vor das Publikum zu stellen, übertreiben es dabei aber ein bisschen (Bass) und andere sind eindeutig für dieses Leben geboren. Zum letzten Teil zählt man natürlich in erster Linie Sänger Jonne, der Mann, den man wohl als erstes mit KORPIKLAANI verbindet. Der fegt und tanzt über die Bühne und vermutlich ist es ihm grad egal, ob er das vor 10 oder 10.000 Leuten tut. Die Songs der Band sind einfach Geschmackssache und können mal mehr und mal weniger überzeugen, unterhaltsam sind sie aber fast immer. Warten tut natürlich jeder auf die Party-Stücke und dem kann die Band dann auch mit Beer, Beer und dem Happy Little Boozer nach. KORPIKLAANI könnte man tatsächlich als die legitimen SKYCLAD-Nachfolger handeln, aber am Ende liegen sie halt doch noch ein paar Klassen unter den Briten. Spaß hats gemacht, darauf kommts an. (fierce)

FORBIDDEN

FORBIDDEN waren eine der Bands, auf die ich mich dieses Jahr mit am meisten gefreut hatte, die beiden ersten Alben sind für mich auch ganz vorne dabei, wenn es um den guten alten Bay Area-Thrash geht. Die optisch fast nicht gealterten Recken stiegen stilgerecht mit March Into Fire ein und brannten das erwartete Feuerwerk ab.

 Forbidden
 Zeigten den Unterschied zwischen Riffing und billigem Geschrammle – die Riffgötter FORBIDDEN

Frontmann Russ Andersen hat zwar mittlerweile um einiges mehr auf den Rippen und er schien ab und an mal etwas außer Atem zu sein, die gesangliche Leistung war aber größtenteils tadellos und alleine die Klampfenarbeit reichte schon aus, mich ausflippen zu lassen. Wenn ich die ganzen hochgelobten neuen Bands des momentanen Thrash-Revivals mit diesen Riffgöttern vergleiche, kann ich wirklich nur müde lächeln, hier sah und hörte man nämlich deutlich den Unterschied zwischen Riffing und billigem Geschrammle.
Sei es wie es sei, FORBIDDEN hauten Granaten wie Off The Edge, Follow Me, Forbidden Evil oder den Übersong Through Eyes Of Glass in die begeisterte Menge und vergaßen zum krönenden Abschluss auch das fantastische Chalice Of Blood nicht. Einziger Wermutstropfen war, dass vom zweiten Album Twisted Into Form, welches mir sogar noch besser als das Debüt gefällt, lediglich Step By Step gespielt wurde. Wie gerne hätte ich noch Infinite, den Titeltrack oder Out Of Body (Out Of Mind) gehört, aber man kann bekanntlich nicht alles haben und die Chancen stehen schließlich alles andere als schlecht, dass man die waren Bay Area-Helden in naher Zukunft wieder auf deutschen Bühnen bewundern kann. (ulle)

ENSIFERUM

 Ensiferum
 Solides Handwerk, aber zu viel Routine – ENSIFERUM

Erst mal war recht wenig los vor der Bühne, doch spätestens nachdem das Intro versehentlich zweimal vom Band lief, fand sich der jüngere Teile der Festivalbesucher zur Show von ENSIFERUM ein. Wobei Show wahrscheinlich der falsche Begriff ist – denn das sah alles ein bisschen nach zuviel Routine aus. Wie immer galt der ENSIFERUM Dresscode und die Herren und ihre Keyboarderin trugen allesamt neckische Röckchen um den Leib und Eishockey-Bemalung im Gesicht. Die Setlist war ebenso überraschungsarm wie das Stageacting und ich werde den Eindruck nicht los, dass diese Band einfach irgendwann in ihrer heilen Lai-lai-lai-Folk-Metal-Ecke stehen geblieben ist und keine Anstalten macht, jemals wieder daraus hervorzukommen.  Warum sonst kommen Songs wie „Token Of Time“ und  „Guardians Of Fate“  vom ersten Album und „Iron“ vom zweiten Album noch immer am besten beim Publikum an? ENSIFERUM  sind doch noch ein bisschen zu jung, um sich nur auf ein paar  Hits zu  verlassen und den Rest der Auftrittszeit mit ein paar neuen Songs zu füllen?  Vor der Absperrung war trotzdem einiges los und der Schunkel-Metal der Finnen wurde eifrig mitgegröhlt. Unterm Strich fehlte mir aber der Hunger und die Energie, mit denen die Band früher mal zu Werke ging. So war es halt solides Handwerk – wer sich auf die ENSIFERUM gefreut hatte, wurde nicht enttäuscht und allen anderen war egal, was auf der Bühne passierte. (andrea)

RAGE

RAGE sind auf ihre Art ein Phänomen. Die Band ist schon seit den Achtzigern aktiv, hatte in den Neunzigern einige echte Karrierehighlights, hat auch in der schweren Zeit Durchhaltevermögen bewiesen, letztendlich wundert man sich aber doch immer wieder, warum diese Band so populär ist, zumal Bandkopf Peavy nichts wirklich Massenkompatibles an sich hat. Leider ist es auch so, dass RAGE songwriterisch immer weniger zu bieten haben und welche Faszination in einem Song wie Straight to Hell steckt, der der Band ja erneut zu größerer Popularität verholfen hat, ist mir persönlich ein Rätsel. Nun, RAGE bleiben sich selbst treu, das macht die Band sehr sympathisch und auch beim BANG YOUR HEAD zeigte man sich von dieser gefälligen Seite, wenngleich die Songauswahl nicht nur aus Highlights der Discografie bestand.
Peavy hatte sein Publikum einmal mehr sehr gut im Griff, wobei mir durch die Großaufnahmen auf den Leinwänden zum ersten Mal seine Zunge-nach-vorne-schieb-Technik bei hohen Tönen aufgefallen ist. War das wirklich schon immer so? Nunja, über das Können von Victor Smolski muss man sich nicht groß auslassen, dass RAGE trotz Dreier-Besetzung derart tight klingen, spricht für sich. Beim Medley am Ende des Sets mit Higher than the Sky und Don´t fear the Winter bekamen auch Leute wie ich was geboten, die mit diesen Songs zum ersten Mal mit der Band in Berührung kamen und so kann man von einem guten, wenn auch nicht überragenden Auftritt sprechen. (fierce)

WHITE LION

 White
 Socken in die Hose gesteckt? – WHITE LION

Mit den ersten beiden gesungenen Wörtern, hatte unsere Andrea von WHITE LION schon genug: Mit Baby, baby aus dem Song Hungry eröffnete die Band ihren Auftritt, der erstaunlich posig ausfiel. Eigentlich hatte ich WHITE LION immer zu den besseren Acts dieser Sorte gezählt, mit Stil und Klasse. Bei diesem Auftritt war mir aber einfach alles ein Stück zu viel. Unweigerlich fragte man sich, ob sich Mike Tramp da eventuell tatsächlich Socken vorne in die Hosen gesteckt hat? Was war das für ein Schönling-Auftritt? Neben den Hits wie Wait oder Broken Heart hatten WHITE LION auch den neuen Song Dream dabei, verzichteten auf When the Children Cry, brachten aber auch so die inzwischen in die Tage gekommenen 80er-Miezen zum schmachten. Wie bereits erwähnt: uns war das alles ein bisschen zu dicke, wenn auch nicht völlig daneben. (fierce)

ICED EARTH

 Iced
 Starker Auftritt, der enttäuschte Fans aber noch nicht zurückbringt – ICED EARTH

Es ist in den letzten Jahren zu viel passiert bei ICED EARTH, als dass man einem Auftritt der Band ohne gemischte Gefühle entgegenblicken könnte. Selbst das Wissen, dass Matt Barlow wieder am Mikro zu sehen ist, bleibt nicht ohne faden Beigeschmack. Doch sobald der inzwischen kurzhaarige Rotschopf die ersten Töne von Songs wie Violate, Vengeance ist mine oder My Own Saviour singt, fühlt man sich wieder in alte Zeiten zurückversetzt. Mann, das Feeling dieser alten Stücke mit dieser Stimme ist einfach etwas sehr besonderes. Erst Declaration Day erinnert einen wieder daran, dass da in letzter Zeit einiges nicht so gelaufen ist, wie man es sich als Fan von der Band erwartet hätte. Dracula macht noch mal deutlich, dass es da einige Alben gab, auf denen sehr viel Licht und Schatten vereint war und der Rausschmeißer Iced Earth beschwört noch einmal den Geist lang vergangener Tage. Das musikalische Vermächtnis von ICED EARTH ist zu mächtig, als dass einen die Band einfach kalt lassen könnte. Matt Barlow nimmt man seinen kurzzeitigen Ausstieg nicht wirklich übel, denn er wirkt noch sympathisch und authentisch wie gewohnt und hat zudem gesanglich nichts verlernt. Aber es braucht einfach ein bisschen mehr, als einen guten Live-Auftritt, um das Gefühl wieder herzustellen, das man einst mit dem Namen ICED EARTH in Verbindung gebracht hat. (fierce)

QUEENSRYCHE

 Queensryche
 Operation:erfolgreich – QUEENSRYCHE

QUEENSRYCHE gefielen mir insgesamt besser als bei dem Gig vor einigen Jahren und man kann ja auch nicht wirklich viel falsch machen, wenn man quasi als Intro den kompletten ersten Teil von Operation: Mindcrime runterspielt. Geoff Tate war anfangs stimmlich noch etwas schwach auf der Brust und schummelte sich an den höheren Passagen vorbei, das besserte sich aber mit der Zeit merklich, auch wenn er selbstverständlich keine 30 mehr ist. Die stimmungsvollen Filmchen auf den großen Leinwänden rechts und links passten perfekt und auch wenn ich Geoffs Theatralik ab und an etwas überzogen finde, war das eine sehr gelungene erste Stunde, nicht zu vergessen hier auch die kleinen Gänsehaut-Parts, wenn Pamela Moore gesangliche Unterstützung bot. Wie vorab angekündigt kam anschließend dann noch Operation: Mindcrime 2, wie angekündigt ebenfalls komplett. Die Qualitätsunterschiede der beiden Alben sind am Stück natürlich um so deutlicher festzumachen, denn auch wenn der zweite Teil stilistisch und auch was die Atmosphäre betrifft absolut passt, sind die eigentlichen Songs nun eben trotzdem um einige Klassen schwächer, die Begeisterung im Publikum schwächte dann auch deutlich ab, das wirkte alles einfach viel zu langgezogen. Wer sich aber dann durch einige Längen gekämpft hatte, wurde noch mit einem schönen Zugabenblock belohnt der mit Jet City Woman, Empire, Walk In The Shadows und Silent Lucidity in sich hatte und ruckzuck gingen dann auch schön brav die Hände wieder hoch. Hätte man Operation: Mindcrime 2 weggelassen und das Set um etliche Klassiker aus etlichen Klassikeralben ergänzt, dann wäre der Auftritt wahrscheinlich unvergesslich geworden, aber auch so war ich positiv überrascht, schließlich ist es auch nicht so einfach, ein Publikum über drei Stunden bei der Stange zu halten. Wenn man die beiden Headliner des BANG YOUR HEAD vergleicht, dann gingen QUEENSRYCHE jedenfalls eindeutig als Sieger hervor, aber das brauche ich sicherlich niemandem zu erzählen, der die Schmach am nächsten Tag miterleben musste. (ulle)

Samstag, 28. Juni 2008

AGE OF EVIL

 Age
 Extrem motivierter Metal-Nachwuchs – AGE OF EVIL

Die blutjungen Amis sehen zunächst einfach nur niedlich aus, weil sie so jung und gleichzeitig so überaus metal sind. Hier lebt das Klischee! Gitarrist Jordan Ziff ist ein ganz, ganz großer Poser und unübersehbar sehr stolz auf seine Wuschelmähne.  Das macht aber nichts, denn wer um halb zehn als Opener so abräumt, der darf sich aufführen wie ein minderjähriger Rockstar. Musikalisch ist das ja nun nicht meine Welt, diese Sorte Power Metal würde ich zuhause nie auflegen. Doch an diesem Morgen bin ich hängengeblieben bei dieser Band, einfach weil sie so verdammt überzeugend war.  AGE OF EVIL waren im vergangenen Jahr die Überraschung beim Warm-Up Gig am Donnerstag und durften deshalb auch am Freitag auf der großen Bühne ran. Dumm war nur, dass das 2007 fast keiner wusste – und so spielte der Nachwuchs damals vor einem fast leeren Gelände. Und schon vor einem Jahr war es beeindruckend, dass sich die Jungs dadurch nicht aus dem Konzept bringen ließen. Ein Jahr später war Publikum anwesend, und AGE OF EVIL nutzten ihre Chance. Immer mehr Leute, die wahrscheinlich nur einen Kaffee kaufen wollten, verschoben die Koffeinzufuhr auf später und bestaunten ein extrem motiviertes Quartett auf der Bühne – das passte jeder Ton, jede Pose, jeder Song. Man konnte spüren, dass der Auftritt bei diesem Festival etwas ganz besonderes für die Musiker war. Übrigens wohl auch für die mitgereisten Eltern, Schwestern, Brüder, Onkels und Tanten – der Privat-Fanpulk baute sich vor der Bühne auf und platzte fast vor Stolz. Zur Recht, denn AGE OF EVIL haben das alles ganz prima gemacht! (andrea)

SECRECY

 Secrecy
 Hätten einen Billingplätz zu einem späteren Zeitpunkt wahrlich verdient – SECRECY

Es ist kein Geheimnis, dass SECRECY für mich die beste deutsche Band aller Zeiten ist. Die beiden Alben Art In Motion und Raging Romance, die Anfang der Neunziger veröffentlicht wurden, sind für mich mit das Größte überhaupt. Songs für die Ewigkeit, Emotion gepaart mit Technik, unglaublich filigranes und eigenständiges Gitarrenspiel und wunderschöne, verzaubernde Melodien die nicht im Geringsten mit irgendeiner anderen Band auf diesem Erdball verglichen werden können.
Okay, mein Standpunkt wäre geklärt, kommen wir zum Gig, übrigens der erste und wohl auch einzige nach über 14 Jahren! Wer glaubte die Jungs seien eingerostet, sah sich eines besseren belehrt, die Stücke kamen arschtight, die Songauswahl konnte eh nicht schlecht sein und so durfte ich mit so einigen anderen Die Hard-Fans Juwelen wie Trisomie XXI, Like Burning One´s Boats, Coroner´s Inquest, Oberserver From Above, Ideology, Last Of The Dynasty und wie sie alle heißen zum allerersten mal live erleben und ihr könnt mir glauben, dass es mir als selbstverständlich unglaublich harten Metaller, fast das Wasser in die Augen trieb. SECRECY agierten alles andere als statisch, kamen absolut sympathisch rüber und man merkte ihnen an, dass sie sichtlich gerührt waren, derart positive Resonanzen zu ernten.
Eine Schande, dass diese Band, die zu Großem geboren war, damals wie heute von der breiten Masse sträflich ignoriert wurde. Übrigens auch unverständlich, warum sie vor BREAKER auf die Bühne mussten, da zählte wohl mal wieder nur das Übersee-Argument. Völlig egal, SECRECY legten am frühen Morgen einen Hammergig auf die Bühne, waren wie erwartet mit großem Abstand mein BANG YOUR HEAD-Highlight und somit tut mir jeder leid, der die Band wissentlich oder unwissentlich verpasst hat! (ulle)

BREAKER

 Breaker
 Schlicht Metal – BREAKER

BREAKER scheinen beim Publikum den Reaktionen nach zu urteilen recht unterschiedlich angekommen zu sein, inwiefern die krankheitsbedingte Absage von Original-Sänger Jim Hamar einen Unterschied gemacht hätte bleibt Spekulation. Mir persönlich hats richtig gut gefallen. Die US-Metaller zeigten sich erfreulich bodenständig und echt und zockten einfach ihre Songs, ohne viel Sperenzchen drumherum. Etwas anderes würde zum straighten Metal von BREAKER auch gar nicht passen. Gleichzeitig wusste die Truppe auch die Bühne zu füllen und Leben in die Bude zu bringen. Ganz vorne dabei Sänger Greg Wagner, der von einer Bühnenseite zur anderen stapfte, auch mal gerne am Bühnenrand Platz nahm, um sich gemütlich einen Überblick über das Publikum zu verschaffen und sich da oben ganz gut aufgehoben gefühlt haben dürfte. Dabei wirkte er, wie der Altmetaller von nebenan ohne Starallüren und machte mit seiner rohen, kraftvollen Metal-Stimme eine hervorragende Figur. Vom Opener Blood Money an gab es einen guten Song nach dem anderen, Action, Obsession, 10 Seconds In bis hin zum Rausschmeißer Still Life. Gerade bei diesem Gig wurde einem bewusst, dass ein guter Sound eben auch ein wichtiger Aspekt für eine Live-Show ist, denn alles kam sehr druckvoll aus den Boxen – wenn sich derartige Bands auf dem KEEP IT TRUE doch nur auch so präsentieren könnten… Alles in Allem also eine klasse Vorstellung.(fierce)

ONSLAUGHT

 Onslaught
 Da pflügt die Axt denBoden – ONSLAUGHT

Nachdem die Old-School-Thrasher FORBIDDEN am Vortag eindrucksvoll vorgelegt haben, ist es nun an the force von der Insel zu zeigen, dass auch heute noch Granaten zünden die mittlerweile über 20 Jahre auf dem Buckel haben. Mit einer mehr als überzeugenden Scheibe wie der noch aktuellen Killing Peace im Gepäck, kann da ja eigentlich auch nichts schief gehen. Und so legen die Briten auch gleich mit selbigem Titeltrack los wie die Feuerwehr und zeigen, dass auch mit Veteranen noch zu rechnen ist. Nahtlos geht es über in Let There Be Death, wobei sich 50% der Sechs-Saiter-Fraktion in 100%igem Einsatz gleich mal rückwärts auf die Bühnenbretter legen. Kam da der Angel Of Death schon etwas früher als erwartet? Leider reagiert das Publikum doch recht verhalten auf die Ansagen des Fronters. An mangelnder Spielfreude kann es nicht liegen. Wie schon 2007 auf dem Up From The Ground überzeugen mich ONSLAUGHT mit druckvollem Sound und tightem Zusammenspiel (okay, okay, den einen oder anderen Aussetzer kann man schon ausmachen). Geile Screams bei Destroyer Of Worlds und die exakte Drum-Beatmaschine treiben die special Metal Forces an, eine absolut tödliche Fracht über dem Messegelände abzuladen. Leider gibt es Probleme mit der Technik, so dass erstmal nur eine Axt den Boden pflügt. Die komplette Hasskapelle pflanzt dann aber …The Seeds Of Hate mit einem herrlichen Riffgewitter in die Reihen der schon zahlreich anwesenden Headbanger. Auch wenn das Solo zu Demoniac etwas verdöddelt wird, setzt Burn noch mal ein eindeutiges Ausrufezeichen! …ashes to ashes and dust to fuckin’ dust!!!” Dem ist nichts mehr hinzuzufügen – Amen! (matze m.)

LIZZY BORDEN

 Lizzy
 Energiegeladene Horrorshow Teil 1 – LIZZY BORDEN

Frontpsycho Lizzy Borden hat sich seit seinem legendären ersten BANG YOUR HEAD-Auftritt 1999 ganz schön verändert. Wäre die Stimme nicht, könnte man irgendjemand auf die Bühne stellen. Wenn er mit seinem Baseballschläger bei Notorious auf der Bühne post, würde man ohne weiteres glauben, es mit ALICE COOPER zu tun zu haben. Lange glatte, zu einer Assi-Palme zusammengebundene schwarze Haare haben die blonde Pudelfrisur ersetzt, aber das ist okay, das ist einfach LIZZY BORDEN 2008. Doch zunächst schlich sich Lizzy komplett schwarz vermummt zu Appointment with Death vom aktuellen Album auf die Bühne, um dann bei jedem weiteren Song die Klamotten und vor allem die Gesichsmaske zu wechseln. Stets cool, stets mit dem richtigen Horrorfeeling, intonierte er neue Songs wie Tomorrow never comes und genauso Klassiker wie Red Rum oder Me against the World. Vor allem live machten die aktuellen Stücke richtig was her und zeigten, dass sie sehr gut neben den alten bestehen können. Zu There will be blood vom Deal with the Devil-Album heizte zunächst eine leichtbekleidete Tänzerin das Publikum an, bevor Lizzy ihr das Top vom Leib löste und danach ihr Blut über der Bühne verteilte – hier stielt niemand Lizzy die Show, egal ob Stripperin oder Mitmusiker, was nochmals durch entsprechende Drohgebärden mit der Axt klargestellt wurde. Zum Abschlusssong We got the Power brachte er dann aber doch noch mal zwei Tänzerinnen mit, war dabei in die amerikanische und deutsche Flagge eingehüllt, worunter sich auch leicht ein Blow-Job andeuten ließ. Naja, das alles Zusammengenommen war fast schon wieder ein bisschen zu viel des Klischees, aber definitv eine Party. Mit einer richtig guten Backing-Band ausgestattet, lieferte Lizzy Borden einen prima unterhaltsamen Nachmittagsauftritt, der dem vor einigen Jahren in nichts nachstand. (fierce)

TANKARD

 Tankard
Die Idioten aus Frankfurt am Main – TANKARD

Die Idioten aus Frankfurt am Main – so stellte Sänger Gerre die Band vor –  waren auch wieder zu Gast in Balingen. Um das Fazit vorweg zu nehmen: Lustig war´s und trotz der jahrzehntenlangen Routine kann man sich TANKARD immer wieder ansehen und Spaß haben – vorausgesetzt natürlich, man mag nicht nur ausschließlich Progressive Metal. We drink the old way war die Ansage und auch wenn kurzfristig mehr am Bierstand als vor der Bühne los war, flogen während der Show sogar Unterhosen auf die Bühne. Wobei, Schlüpfer wäre vermutlich eher die richtige Handelsbezeichnung für dererlei Seniorenbekleidung. Gerre hat sich trotzdem gefreut, wabbelte über die Bühne, zeigte seinen Bauch und einen beachtlichen Aktionsradius. Später erklärte er, dass Sebastian Bach ja einpacken könne, denn wie immer wären bei TANKARD die schönsten Frauen direkt vor der Bühne. Slipping from Reality, The Beast of Burbon, Zombie Attack, Chemical Invasion, Die with A Beer in your hand, 666 Sixpacks und Rectifier standen auf der Setlist. Zu Freibier Für Alle zog er einen Fan auf die Bühne, der nicht nur singen musste (und das auch überraschend gut meisterte), sondern ihn auch näher kennen lernen durfte. Beziehungsweise seinen nackten Bauch. Mit Empty Tankard war dann Schluss und kurzweilige 50 Minuten vorbei. (andrea)

OBITUARY

 Obituary
Die falsche Band am falschen Ort zur falschen Zeit – OBITUARY

Eigentlich sollten OBITUARY nach HARDCORE SUPERSTAR spielen, doch die Superstaren kamen nicht rechtzeitig am Flughafen an und deshalb  wurden kurzerhand die Positionen auf dem Billing getauscht und OBITUARY mussten eine Stunde eher als geplant auf die Bühne. Als OBITUARY mit Find The Arise loslegten, verließen die HARDCORE SUPERSTAR-Fans fluchtartig das Gelände – und  es rückten kaum Interessierte nach. So spielten OBITUARY erstmal ohne Publikum. Noch schlimmer dürfte sein, dass die Band ohnehin nicht so recht auf das Billing passen wollte. Viel los war nicht und das übertrug sich auch auf die Band. Ein bisschen lustlos, ein bisschen träge und ziemlich lahmarschig musizierten die Amis vor sich hin, dabei kann man Death Metal-Klassiker wie Chopped In Half, Threatening Skies, Evil Ways oder Slowly We Rot eigentlich nicht kaputtspielen. Ansagen? Wozu? Ein einfaches Thank You, Germany war alles was Sänger John Tardy an verständlichen Lauten über seine Lippen brachte und besonders aufrichtig war der Dank nicht. Es gab auch keinen Grund dazu – die Band hatte keinen Bock, das Publikum merkte das, wandte sich bis auf einige Unermüdlichen in den ersten Reihen ab und hatte auch keine Lust auf die Band. Dumm gelaufen, das war ein schönes Beispiel für die falsche Band am falschen Ort zur falschen Zeit. (andrea)

LIZZY BORDEN

 Lizzy
Energiegeladene Horrorshow Teil 2 – LIZZY BORDEN

Der zweite Auftritt von LIZZY BORDEN an diesem Tag – nachdem die HARDCORE SUPERSTARS aufgrund von Problemen mit der Flugverbindung nicht wahrnehmen konnten – uns hat es überhaupt nicht gestört – erklärten sich die Horrormetaller bereit, mit geänderter Setlist noch einmal auf die Bühne zu gehen. Dieses zweite Set startete mit Perfect World showmäßig erneut sehr COOPEResk, gefolgt von Be one of us ging es ganz im LIZZY BORDEN-Stil weiter und für Give ´em the Axe wurde erneut die Axt-Tänzerinnen-Titten-Blut-Show aus der Zauberkiste geholt. Die Mannschaft um Lizzy ging kein bisschen weniger motiviert oder gar geschwächt auf das Publikum zu und brachte die Stimmung zum Kochen. Mit American Metal gab es noch einen weiteren eigenen Song, bevor die Jungspunde von AGE OF EVIL die Bühne enterten um LIZZY BORDEN bei der Long live Rock´n´Roll-Coverversion tatkräftig zu unterstützen. Die Jungs fegten über die Bühne und heizten die vorderen Reihen an und vermutlich verlebten sie da oben den größten Moment ihres Lebens. Falsch machen konnten sie ja nix, hatten aber die volle Sympathie auf ihrer Seite und von den Stripperinnen werden sie vermutlich so manche Anekdote in der Schule zu erzählen wissen. Mit einer zweiten Coverversion beendeten LIZZY BORDEN ihre sehr unterhaltsame zweite Show: Born to be wild. Besser hätte die Band ihre Lückenfüller-Rolle nicht erfüllen können – ich bezweifle dass die HARDCORE SUPERSTARS da ähnlich viel Stimmung hätten erzeugen können.(fierce)

YNGWIE MALMSTEEN

 Yngwie
 Dudelte selbst hartgesottene Fan in die Flucht – YNGWIE J. MALMSTEEN

In all den Jahren als Konzertgänger durfte ich YNGWIE MALMSTEEN tatsächlich noch nie live erleben, insofern hatte ich mich auf den Auftritt wirklich gefreut, zumal der Meister ja auch etliche sehr gute Alben veröffentlicht hat. Was dann kam, spottete allerdings jeder Beschreibung, teilweise dachte ich wirklich, es mit einer Persiflage zu tun zu haben. Zunächst einmal war der Sound ziemlich schlecht, wofür natürlich die Band (ich nenne das einfach mal Band) nichts kann, dazu kam dann noch Mr. Ripper Owens, auf den ich selbstverständlich auch gespannt war. Wie immer lieferte er eine technisch absolut überzeugende Leistung ab, leider eben nur technisch. Der Mann hat keine Entertainerqualitäten, aber das wissen wir ja bereits, was mich aber wirklich stört ist, dass er jeden einzelnen Ton ohne Feeling immer mit 100% Power rausschmettert, anstatt hin und wieder einfach mal etwas laid back zu singen, um so etwas wie Atmosphäre entstehen zu lassen. Ich erkannte Rising Force erst beim zweiten Chorus und es schien mir, als wollte er den Song kaputtschreien, bei Never Die danach war das auch nicht anders. Dann nahm auch schon die eigentliche Prozedur ihren Lauf. Der Maestro, so wurde er vom Ripper übrigens auch mehrmals angekündigt, war an der Reihe. Keine Ahnung wie viele richtige Songs gespielt wurden, mindestens 40% der eigentlichen Spielzeit gingen jedenfalls für pures Saitengewichse drauf, selbstverständlich auch immer das gleiche Solo, wir kennen den alten Schweden ja. Ich mag Gitarren, habe selbst eine, ich habe auch absolut gar nichts gegen Soloeinlagen, aber irgendwann ist auch mal Schluss mit lustig! Jedem im Publikum war bekannt, dass der Mann spielen kann, aber diese Selbstbeweihräucherung kann gar nichts! Die Zeit der großen Rockstars ist vorbei, wenn Hr. Malmsteen in seinem eigenen metallischen Paralleluniversum lebt ist das seine Sache und er darf das auf seinen eigenen Konzerten gerne auch ausleben, auf einem Festival ist dieses Gehabe aber fehl am Platz. Keine Ahnung wie die Stimmung in den ersten Reihen war, weiter hinten gab es aber hauptsächlich Leute die den Kopf schüttelten, allerdings nicht in die Richtung wie Headbanger das sonst gerne tun. Irgendwann war das Spektakel dann plötzlich vorbei und niemand schien zu wissen, was das sollte, ich ebenfalls nicht! (ulle)

SAXON

 Saxon
 Kurzweilig wie immer – SAXON

Ich habe keine Ahnung wie oft ich SAXON schon live gesehen habe, aber einen schlechten Gig habe ich von ihnen definitiv noch nicht erlebt, auch auf dem diesjährigen BANG YOUR HEAD nicht. Der Einstieg fiel mit Atilla The Hun überraschend aus, danach gab´s dann eine coole Best Of-Show, wie immer mit einer supertight spielenden Band, einer energiegeladenen Show und einem glänzend aufgelegten Biff Byford, der immer wieder für ein Späßchen zu haben war. Wenn man bedenkt, dass der gute Mann mit seinen 57 Jahren noch mal ein halbes Jahr älter ist, als ein gewisser Rob Halford, der ein Stündchen später den Eindruck machte, als ob er dessen Opa wäre, dann sollte man auch einfach mal brav den Hut ziehen. Was bei SAXON auch immer wieder auffällt, ist das Talent, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Songs zu bringen und das Publikum dadurch immer bei Laune zu halten und anzustacheln, natürlich haben Sie nach knapp 30 Jahren aber auch genügend Hits gesammelt um immer ein Ass aus dem Ärmel zu ziehen.
SAXON waren wie immer kurzweilig und ich bin mir sicher, dass keiner ihrer Fans enttäuscht nach Hause gegangen ist. (ulle)

JUDAS PRIEST

 Judas
 Zwiespältige Angelegenheit: JUDAS PRIEST

Gut, wir wissen: Große Namen versprechen nur all zu gerne Großartiges, halten dies allerdings oft nur bedingt. JUDAS PRIEST mit ihrem Oberpriester Rob Halford sind ein geradezu prädestiniertes Beispiel für den ersten Teil voriger Aussage. Als eine der Legenden, als Aushängeschild und Urväter des Heavy Metal, verloren die Heroen mit dem Abgang des Metal Gottes nach dem Schädelspalter Painkiller nicht nur ihr Aushängeschild, sondern mit der Rekrutierung des stimmlich genialen (sich mittlerweile in weitaus besserer Verfassung als das Original präsentierenden) Ripper leider auch ihre Identität. Aber auch Halford arbeitete Schritt für Schritt an seiner eigenen Demontage (erinnert sich noch jemand an das 2002er BANG YOUR HEAD?). Hoffnung machte schon die starke Reunion-Scheibe Angel of Retribution anno 2004 und rechtzeitig zum Release des super aufgemachten Outputs Nostradamus stehen nun die Defender of the Faith als Headliner und letzter Act auf der Bühne des diesjährigen BANG YOUR HEAD und lassen Großartiges erwarten. Und somit kommen wir endlich zum zweiten Teil der eingangs getroffener Aussage. Uuuund?! Bedingt können wir dieser, wie auch gesamtem Postulat voll und ganz zustimmen. (Hhmm!?)
Mit optisch eindrucksvollem Bühnenbild und effektvoller Lightshow beginnen JUDAS PRIEST viel zu leise ihren Set mit dem neuen The Prophecy und Nostradamus Halford (stellt euch Merlin aus dem Filmklassiker Excalibur vor) betritt die Bühne. Ich kann ihn zwar hören, aber nicht sehen. Das mag aber an der Position zur Bühne liegen (nein ich liege nicht hinterm Bierausschank!). Irgendwie sehe ich dann den Hellseher über dem Drum-Podest postiert, aber ich höre den Barden nicht! Und hier fangen langsam die Fragen an. Singt er nun oder singt er nicht, liest er vom Bildschirm die Texte ab… Festzustellen ist, der Sound war mal echt nicht das Wahre. Auch bei Metal Gods muss es einem nicht die Ohren wegblasen, das sollte kein Kriterium sein (obwohl es schon einen Tick mehr hätte sein können) aber differenziert darf es, vor allem bei einer Band wie dieser, schon sein. Und die Gitarren, die neben den Vocals seit jeher den Sound dieser Band prägen, möchte ich doch bitte auch deutlich vernehmen können. Und komm mir jetzt niemand mit dem Argument, einen guten Sound auf einem Open Air hinzubekommen sei schwierig. Bei anderen Bands ging es schließlich auch und nur an meinem Beobachtungspunkt (vorne, links zur Bühne) kann es auch nicht alleine gelegen haben, denn mittig hinten (Höhe Mischpult) und ganz hinten rechts beim Fischstand (ja ich hatte gegen Ende doch auch ein kleines Hüngerchen) war es nicht wirklich besser. Mit Eat Me Alive, Between The Hammer And The Anvil wird die Handbremse dann etwas gelöst und es fängt dann doch an wirklich Spaß zu machen. Weiter geht es mit Devil’s Child und Breaking The Law. Erster wirklicher Höhepunkt ist dann das mächtige, fast schon doomig-melancholisch daherkommende Opus Death. Die Bühne ist in blutrotes Licht getaucht. Der auf einem Thron sich erhaben niedergelassene Messenger Of Death wird langsam zur Bühnenmitte gerollzogschoben und die Interpretation der Lyrics in dieser Form vermittelt Gänsehautatmosphäre. Hier lässt sich auch erkennen, dass Herr Halford nicht zu Unrecht zu den wahren Größen des Genres zählt. Auch Angel ist eine Hammerballade, deren Performance nichts zu wünschen übrig lässt. Klassiker wie Electric Eyes, Rock Hard, Ride Free werden souverän gezockt und das Duo Tipton/Downing beweist seine Klasse. Okay, der Painkiller war auch mal mehr Killer und hat sich mittlerweile selbst überlebt. Was der Eisernen Jungfrau ihr Eddie, den Sachsen ihr Adler ist dem Priester seine Harley und so röhren dann auch Stilecht die Motoren zu Hellbent For Leather. Langsam aber sicher kommt dann auch die KILLING MACHINE zum Ende und schließlich ist dann auch nicht noch Another Thing Coming. Was bleibt zu sagen? Der Auftritt gehört sicherlich nicht zu den Highlights des diesjährigen BANG YOUR HEAD, war aber dennoch ein souveräner Gig einer der Bands, die wie kaum eine andere seit Jahrzehnten unsere Musik geprägt hat und es auch heute noch versteht, ihren eigenen Stempel aufzudrücken. (matze m.)

Fierce
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