Am 22. Januar 2026 machte die Tour von PRESIDENT, LANDMVRKS und ARCHITECTS Halt im UFO im Velodrom in Berlin. Ein ausverkaufter Abend, ein durchmischtes Publikum und drei Bands, die aktuell zu den spannendsten Namen im modernen Metalcore gehören. Schon früh zeigte sich, dass es hier keine klar abgegrezte Reihenfolge von Support und Headliner geben würde, sondern ein Line-up, das in jeder Spielzeit sein eigenes, dem jeweils anderen Act ebenbürtiges, Gewicht hatte.
Zwischen druckvollem Sound, intensiver Bühnenpräsenz und einer spürbaren Nähe zwischen Bands und Publikum entwickelte sich ein Konzertabend, der weniger auf große Inszenierung setzte, sondern auf Energie, Präzision und Atmosphäre.
Vorweg: Der Opener des Abends, PRESIDENT, wies Fotoanfragen konsequent ab. Entsprechend ist es uns leider nicht möglich, die geneigte Leserschaft mit Bildmaterial vom Auftritt zu versorgen. Ein Umstand, den man durchaus ambivalent bewerten kann: Einerseits ein klares Statement, andererseits wirkt diese strikte Haltung für einen Newcomer und Opener vor dem Support-Act LANDMVRKS etwas überambitioniert – fast, als blicke man bereits in der Anfangsphase einer etwaigen großen Karriere von seinem hohen Ross auf Fans und Presse herab.
Optisch gibt sich die Band bewusst mysteriös. Schwarze Stoffmasken bei den Instrumentalisten und eine Silikonmaske beim Sänger sollen die wahren Identitäten der Mitglieder verbergen. Das Konzept ist stimmig und auf den ersten Blick durchaus ansprechend.
Doch Bühnenoutfit hin oder her: Die Gummimaske, die stark an Michael Myers erinnert, fordert ihren Preis. Die Vocals klingen gedämpft, verfälscht und stellenweise, als würden sie durch einen nassen Lappen vorgetragen. Der Gesang an sich ist solide – der Mann kann singen, daran besteht kein Zweifel –, doch die Maske mindert eindeutig die akustische Qualität der Vocals.
Wer SLEEP TOKEN mag, sollte sich PRESIDENT mal genauer anschauen. Ich persönlich hätte mir mehr Pepp und Urgewalt gewünscht. Durch die harten Gitarren baut sich immer wieder energetische Spannung auf, die allerdings ein ums andere Mal im dahinplätschernden Klargesang buchstäblich ertrinkt.
PRESIDENT: Setlist
- Fearless
- Dionysus
- RAGE
- Change (In the House of Flies) (Deftones‑Cover)
- Conclave
- Destroy Me
- In the name of the Father
Klassisch und wie von der Band bekannt – und von den Fans erwartet – eröffnet Sänger und Frontmann Florent Salfati den LANDMVRKS-Auftritt mit seinem französisch vorgetragenen Rap-Intro zu „Creature“. Von der ersten Sekunde an geht es ohne Anlauf von null auf hundert. Unverkennbar sind dabei die schmetternden Screams, Shouts und Growls, die sich mit den typisch kratzigen, fast schroffen Clean Vocals abwechseln – ein Markenzeichen, das LANDMVRKS seit Jahren prägt und live zuverlässig funktioniert.
Das Set stützt sich dabei nicht nur auf ältere Publikumslieblinge, sondern greift immer wieder auf Material des aktuellen Albums zurück, das sich nahtlos in den bestehenden Katalog einfügt. Gerade die neueren Songs zeigen, wie sehr die Band ihren Sound verfeinert hat, ohne an Härte oder Direktheit einzubüßen. Die Gitarren mähen kompromisslos alles nieder, während sich die Drums förmlich durchs Set fräsen. Stillstand gibt es weder auf noch vor der Bühne.
Folgerichtig lassen auch die Reaktionen im Publikum nicht lange auf sich warten: Crowdsurfer werden im Minutentakt nach vorne getragen und testen die Stressresistenz der Security im Graben vor dem Podium. LANDMVRKS liefern einen routinierten, druckvollen Auftritt ab, der zeigt, warum die Band längst mehr ist als nur „der Support“ – sondern ein fester Bestandteil der modernen Metalcore-Szene.
LANDMVRKS: Fotogalerie
































LANDMVRKS: Setlist
- Creature
- Death
- A Line in the Dust
- Sulfur
- La valse du temps
- Lost in a Wave
- Rainfall
- Blood Red
- Self‑Made Black Hole
Eine erstaunlich treffsichere Auswahl an Pausensongs verkürzt die Wartezeit bis zum Auftritt von ARCHITECTS spürbar. Als bei „Don’t Stop Me Now“ von QUEEN Freddie Mercurys Stimme langsam verklingt, wird das Licht gedimmt und die Bühne freigegeben. Den Auftakt macht Sänger Sam Carter mit einem kurzen Klargesangs-Intro zu „Elegy“, bevor die Band ohne Umschweife in die Vollen geht.
Was folgt, ist eine Woge purer Energie: Mit „Whiplash“ und „when we were young“ wird das Tempo früh hochgezogen, während sich neuere Songs wie „Black Lungs“, „deep fake“ und „Impermanence“ selbstverständlich neben etablierten Klassikern behaupten. Die Setlist erweist sich als klug zusammengestellt – modern, druckvoll und dennoch tief in der Bandgeschichte verwurzelt. Gitarrenwände türmen sich auf, Breakdowns treffen präzise, und Dan Searles’ Drumming treibt das Set unnachgiebig voran. Immer wieder scheint es fast so, als befänden sich mehr Fans crowdsurfend über dem Pit, als tatsächlich darin.
Gerade in den härteren Passagen wird spürbar, dass die stimmliche Belastung über die Jahre hinweg ihren Tribut zollt. So hört der langjährige Fan Qualitätsunterschiede zwischen der Liveperformance jetzt und dem Studiomaterial vorangegangener Epochen, dies allerdings lässt weder die Bühnenpräsenz noch die Authentizität des Auftritts leiden.
Einer der Höhepunkte des Abends folgt mit „Brain Dead“, bei dem Florent Salfati von LANDMVRKS als Gastsänger zurück auf die Bühne kommt. Die zusätzliche stimmliche Härte und die sichtbare Spielfreude beider Frontmänner sorgen für einen spürbaren Energieschub im ohnehin kochenden UFO. Spätestens hier gibt es im Publikum kein Halten mehr.
Zwischen „Meteor“, „Everything Ends“ und dem nur angedeuteten „Gone With the Wind“ bleibt dennoch Raum für ein gesundes Maß an Publikumsinteraktion, ohne den Fluss des Sets zu brechen. Zum Finale hin lassen „Doomsday“ und „Blackhole“ die Halle endgültig beben, bevor der Encore mit „Seeing Red“ und dem obligatorischen „Animals“ den Schlusspunkt setzt.
ARCHITECTS: Fotogalerie































ARCHITECTS: Setlist
- Elegy
- Whiplash
- when we were young
- Black Lungs
- Curse
- A Match Made in Heaven
- deep fake
- Impermanence
- Red Hypergiant
- Gravedigger
- Broken Mirror
- Brain Dead (mit Unterstützung von LANDMVRKS)
- Meteor
- Everything Ends
- Gone With the Wind (Snippet)
- Doomsday
- Blackhole
Encore:
18. Seeing Red
19. Animals