TRANSIT POETRY: Feuertanz mit einem Workaholic

Wasser, Feuer, Luft und Erde. Die vier Elemente faszinieren die Menschheit bereits seit Ewigkeiten, ganze Mythologien wurden auf ihnen aufgebaut. Während sich andere Metalbands lieber mit Feuerwasser auseinander setzen, konnte sich Sascha Blach, Sänger und Mastermind von TRANSIT POETRY dem Bann der vier Grundsäulen des Daseins nicht entziehen und widmete ihnen gleich eine ganze Tetralogie. Mit "Shamanic Passage Through The Embers" erscheint nun der zweite Teil, der ganz im Zeichen der heißen Flammen steht. Sascha gewährt zu diesem Anlass Einblicke in die Gedankenwelt hinter TRANSIT POETRY.

Wasser, Feuer, Luft und Erde. Die vier Elemente faszinieren die Menschheit bereits seit Ewigkeiten, ganze Mythologien wurden auf ihnen aufgebaut. Während sich andere Metalbands lieber mit Feuerwasser auseinander setzen, konnte sich Sascha Blach, Sänger und Mastermind von TRANSIT POETRY dem Bann der vier Grundsäulen des Daseins nicht entziehen und widmete ihnen gleich eine ganze Tetralogie. Mit Shamanic Passage Through The Embers erscheint nun der zweite Teil, der ganz im Zeichen der heißen Flammen steht. Sascha gewährt zu diesem Anlass Einblicke in die Gedankenwelt hinter TRANSIT POETRY.

Worin lag für dich der Reiz, für TRANSIT POETRY ein gleich vier Alben umspannendes Konzept über die vier Elemente aufzustellen?

Das Denken in Konzepten ist mir wohl einfach zu eigen. Ich ziehe es vor, nicht einfach nur ein bisschen Musik zu machen und immer wenn zehn neue Lieder fertig sind, ein neues Album zu veröffentlichen, sondern suche nach höheren Zusammenhängen. Während andere Bands in immer noch komplizierteren Akkorden, Skalen und Songaufbauten ihre Herausforderung sehen mögen, ist bei TRANSIT POETRY die Musik etwas einfacher und gefälliger und dafür die ganze lyrische Komponente ambitionierter und umfassender. Letztendlich fand ich es einfach interessant, mir ein Ziel zu setzen, an dessen Umsetzung ich mehrere Jahre arbeiten kann, auch um selbst einen Anreiz zu haben. Die vier Elemente boten sich an, da sie einerseits für sich stehen, andererseits aber ein großes Ganzes bilden. Das soll sich auch bei der Tetralogie von TRANSIT POETRY so gestalten.

Wie weit beeinflusst das jeweilige lyrische Grundmotiv einer CD die Ausrichtung einer Platte?

Ich denke, das sollte man nicht überbewerten. Ebenso wie jedes Element verschiedene Ausdrucksformen hat, besitzt auch jedes TRANSIT-POETRY-Album verschiedene Facetten. Zwar nehme ich mir zu Beginn einer Produktion vor, gewisse Ideen umzusetzen, aber meistens entwickeln die Songs dann ein Eigenleben und man muss die Dinge einfach geschehen lassen. Ich würde also sagen, dass die Songs gewissermaßen selbst ihre Richtung vorgeben. Ob sie dabei so sehr auf das jeweilige Element achten, wage ich zu bezweifeln (lacht). Letztendlich ist mir vor allem wichtig, dass Transit Poetry in allen Alben wiederzuerkennen sind. Wir werden uns also nicht zu jeder Scheibe neu definieren, sondern versuchen, Konstanz und eine natürliche Weiterentwicklung unter einen Hut zu bringen.

Auf Shamanic Passage Through The Embers klingen TRANSIT POETRY weitaus härter, metallischer und energiegeladener. Was sind die Hintergründe dieser Entwicklung?

Wobei es auch schon Rezensenten und Hörer gegeben hat, denen es zu lasch war. Ich persönlich finde die Scheibe kraftvoller und bin mit dem Härtegrad sehr zufrieden. Letztendlich ist Transit Poetry halt keine Metalband und ich plane auch für die Zukunft nicht, derartig ausgerichteten Bands Konkurrenz zu machen. Dass die aktuelle Platte energischer klingt, war teilweise so gewollt, um das Element Feuer in Szene zu setzen, kam teilweise aber auch ganz natürlich, da ich durch EDEN WEINT IM GRAB wieder Freude an harten Gitarren gewonnen habe. Einige Songs haben sich dieser Entwicklung aber auch widersetzt und trotzen der neue Härte mit einer fast schon stoischen Gelassenheit. Ich denke, auch in Zukunft wird es bei TRANSIT POETRY immer eine gesunde Balance der Komponenten und ein hohes Maß an Abwechslungsreichtum geben. Selbst wenn ich wollte, könnte ich mich dem gar nicht entziehen (lacht).

Neben der angesprochenen Härte und den Gothic-Elementen kann man auf Shamanic Passage Through The Embers auch so manch poppige Achziger-Stelle finden. Woher kommt deine Vorliebe für solche Sounds? Die Ungnade der späten Geburt, hehe?

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Sascha Blach, musikalischer Einzelgänger im Reich von TRANSIT POETRY

Späte Geburt? Für manch jüngeren Vampster-Leser mag selbst ich schon ein alter Sack sein, hehe. Aber zur Frage. Ich habe eigentlich gar keine besondere Vorliebe für die Achziger und bin selbst überrascht, dass so viele Menschen meinen, derartige Einflüsse in unserer Musik zu hören. Das war keineswegs beabsichtigt. Ich kann es mir allenfalls so erklären, dass sich diese Wurzeln in meiner Kindheit im Unterbewusstsein manifestiert haben und nun Ausdruck suchen, ohne dass ich es merke. Ich persönlich ziehe jedoch die Musik der Jetztzeit vor. Viele Pop- und Elektronik-Musik der 80er klingt aus heutiger Sicht richtig schrecklich. Da find ich die fetten, zeitgemäßen Produktionen der Jetztzeit schon viel wohlklingender. Oder bezieht sich die Frage eher auf die eingängigen Melodien und die poppigen Songstrukturen? Wie dem auch sei, letztendlich ist es eh immer eine recht subjektive Sache, welche Einflüsse der Einzelne bei einer bestimmten Band herauszuhören glaubt, somit leben wir einfach damit…

Was macht deiner Meinung nach den typischen TRANSIT POETRY-Hörer aus?

Um ehrlich zu sein, habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Ich versuche einfach Musik zu machen, die mir persönlich gefällt und meinen Ansprüchen entspricht und freue mich dann über jeden, der sie mag. Letztendlich könnte man aber sagen, dass TRANSIT POETRY im weitesten Sinne eine Gothic-Band ist, egal wie man es nun tituliert und unabhängig davon, dass wir auch Gitarren, Elektronik und poppige, eingängige Melodien verwenden. So gesehen dürften die meisten TRANSIT-POETRY-Hörer wohl in der schwarzen Szene zu finden sein und das ist okay für mich. Ich möchte mich da jedoch nicht auf eine bestimmte Zielgruppe beschränken, da ich fest daran glaube, dass TRANSIT POETRY Hörern von Pop-Musik bis Metal gleichermaßen gefallen kann.

Die aktuelle CD kreist thematisch um das Element Feuer. Welche Facetten haben dich daran speziell fasziniert?

Rein pragmatisch gesehen war es ja nicht die Faszination am Feuer, die den Ausschlag für dieses Album gegeben hat. Stattdessen hat die Elemente-Tetralogie impliziert, dass es auch ein Feuer-Album geben wird. Ob Faszination der richtige Ausdruck ist, kann ich nicht sagen, denn letztendlich geht es mir eher um die Auslotung des größeren Zusammenhang zwischen Materie – also den Elementen – und dem spirituellen Hintergrund bzw. Quell, der meiner Meinung nach alles materielle Sein verursacht und durchzieht. Ich versuche einzelne Aspekte der Elemente zu reflektieren und aufzuarbeiten, wichtiger ist jedoch der größere Zusammenhang, das Ungesagte zwischen den Zeilen. Ja, man kann förmlich sagen, dass der Geist die Materie überwiegt und dass die Elemente nur der irdische Ausdruck höherer Zusammenhänge sind. Die wahre Faszination gebührt also dem Gebiet des Spirituellen, für das es eine Sprache zu finden gilt, die es auszudrücken vermag.

Wie eng ist der konzeptionelle Zusammenhang zwischen den einzelnen Liedern?

Nun, die Lieder befinden sich alle unter einem gemeinsamen Dach, einem brennenden Dach sozusagen. Darunter tanzen sie jedoch für sich. Jedes Album führt uns in ein anderes Haus und am Ende werden wir merken, dass wir doch die ganze Zeit nur versucht haben, einen Blick aus dem Fenster jenes Hauses zu werfen, das all die anderen Häuser umspannt.

Wie wird es mit der Tetralogie über die Elemente weitergehen?

Mit dem Gang in ein anderes Haus natürlich, jenem Erdhaus, aus dessen Schoß wir kriechen und in dessen fauligen Gräbern wir selbst wieder Teil des Kreislaufes werden. Es bleibt also spannend…

Angesichts der oft sehr komplexen, mystischen Songtitel stellte sich mir die Frage: Was müsste man dir bieten, um dich dazu zu bringen, einen Song namens Fuck America, Satan Reigns In Hell oder My Love For You Is Like A Rose zu komponieren und mit einem Text zu versehen, hehe?

Also, einen Titel wie My Love For You Is Like A Rose finde ich gar nicht mal so schlecht, ist doch sehr bildhaft. Aber im Ernst, ich weiß worauf du hinaus willst. Und in der Tat ist mir der textliche Aspekt so wichtig, dass er nicht nur Beiwerk, sondern ein gleichgewichteter Teil des Konzeptes von TRANSIT POETRY ist. Ich persönlich mag bildhafte, lyrische Texte und verabscheue allzu plumpe, direkt-naive Aussagen, die man auch in der Bild-Zeitung finden könnte. Mag sein, dass mein Anspruch da gar nicht auf andere Bands übertragen werden kann, weil jeder seine eigene Art hat, Inhalte zu vermitteln und solange den Fans das genügt, hat das ja seine Berechtigung. Ich für meinen Teil versuche halt dem Poetry im Namen gerecht zu werden, sodass die Texte interpretationswürdig sind und auch für sich als Gedichte gelesen werden können. Um diesen Ansprüchen zu genügen, arbeite ich sehr lange an den Texten und überlege teilweise ewig hin und her, bis ein Songtitel entsprechend interessant klingt. Das kann manchmal durchaus sehr nervenzehrend sein, denn der Punkt, an dem man mit einem Text zufrieden ist, verschiebt sich immer weiter in die Ferne und da muss man aufpassen, nicht irgendwann an den eigenen Ansprüchen zu scheitern. Aber ich kann halt nicht aus meiner Haut.

Als Bonustrack bekommt der Hörer mit Blueprint eine RAINBIRDS-Coverversion geboten. Was reizte dich daran, diesen Popsong zu covern?

Ich mochte den Song schon immer und da ich es interessant finde, alte Songs neu zu interpretieren, bot sich das einfach an. Blueprint war so ein Phantom, das mir schon seit geraumer Zeit im Hirn herumspukte, sodass der Moment der Umsetzung früher oder später einfach kommen musste. Mir persönlich hätte es gereicht, das Stück nur live zum Besten zu geben, aber meine Mitmusiker und auch das Label waren so fest von dem Erfolgspotential dieser Coverversion überzeugt, dass ich schließlich zugestimmt habe, den Song wenigstens als Bonussong mit aufs Album zu packen und ihn als solchen zu kennzeichnen, nachdem er mit dem eigentlichen Feuerkonzept nichts zu tun hat. Bisher waren die Reaktionen auch durchwegs positiver Natur, was mich etwas wundert, schließlich scheiden sich doch gerade an Coverstücken immer die Geister. Naja, unsere Schelte kommt bestimmt noch (lacht).

Zu dem Lied habt ihr auch ein Video gedreht. Was wird man darin zu sehen bekommen?

Definitiv nicht den üblichen Stoff. Ich habe mich gleich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, dass wir wie in Musikvideos üblich, einen Live-Auftritt nachstellen und diesen mit einer eigentlich überflüssigen Rahmenhandlung anreichern. Das ist doch die gängige Art eines Musikvideos und ich finde es nicht sonderlich einfallsreich. Am liebsten hätte ich ja gar nicht mitgespielt, aber da hätte das Label sicher nicht zugestimmt. So sind wir zumindest nur als Schauspieler zu sehen. Ich spiele den verstorbenen Geliebten von Mel und bin für sie nicht mehr greifbar. So haben wir versucht, den spirituellen Anstrich von Transit Poetry auf das eher konventionelle Lied über Lieben und nicht mehr Lieben zu übertragen und eine eigene Interpretation des Textes zu finden. Eine Zeile aus dem Original-Text lautet I am higher than the tower you climb in a suicidal mood und was lag da näher als tatsächlich vom Turm zu springen…

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Live sind TRANSIT POETRY zu viert: Andrej (git), Sascha (voc), Mel (b), SiS (key, voc)

TRANSIT POETRY wurde als Soloprojekt von dir gegründet, inzwischen gibt es jedoch für Livekonzerte ein komplettes Line-up. Wie weit hat sich der Charakter des Projekts dadurch verändert?

Im Studio macht das keinen Unterschied, da ich dort nach wie vor alleine arbeite. Andrei durfte zwar diesmal ein paar Gitarren doppeln bzw. die fünfte und sechste Dopplungsspur noch einspielen, aber ansonsten stammt diesmal alles von mir. Auch Gastmusiker waren nun nicht mehr am Start. Das lag schlichtweg daran, dass ich diesmal so gut voran kam und irgendwann immer den Punkt erreicht hatte, an dem ich sagen konnte, eigentlich ist der Song jetzt fertig. Weitere Eingriffe anderer Musiker hätten das entgültige Album wohl eher überladen klingen lassen. Es war also nicht nötig, dass mir noch jemand unter die Arme griff, da ich – im Gegenteil zu Themes From The Desolate Ocean – auch so mit allen Songs zufrieden war. Glücklicherweise haben meine Mitmusiker, bis auf Mel, alle noch ihre eigenen Bands, so dass es keine Ego-Probleme gibt. Wir sind live also eine richtige Band, die hoffentlich auch auf lange Sicht Bestand hat, und im Studio arbeite ich eben alleine. Der Charakter von TRANSIT POETRY hat sich also nicht geändert, da wir schon gemeinsam als Band unterwegs waren, bevor das erste Album überhaupt entgültig im Kasten war. Aus meiner Sicht läuft also alles sehr konstant.

Wie groß war der Einfluss der Live-Musiker auf die neuen Songs?

Wie schon andeutet sehr gering. Ich habe allerdings allen Bandmitgliedern einen Rohmix des Albums geschickt, wozu dann jeder noch Verbesserungsvorschläge einbringen konnte, die mir teilweise sehr weiter geholfen haben. Es kann jedoch sein, dass ich durch unsere gemeinsamen Live-Konzerte die neuen Lieder unbewusst etwas live-tauglicher gestaltet habe.

Live konnte man euch derletzt unter anderem mit SAMAEL sowie auf dem Wave-Gotik-Treffen erleben. Wie sind deine Erinnerungen daran?

Sehr gut. Gerade beim Gig mit SAMAEL haben wir sogar mehr CDs verkauft, als die Hauptband (lacht). Komischerweise sind wir gerade an diesem Tag extrem gut angekommen. Vielleicht lag es am guten Sound oder den professionellen Rahmenbedingungen im Nürnberger Hirsch. Vorher hatten wir die Befürchtung, beim Metal-Publikum durchzufallen, aber das Gegenteil war der Fall. Beim WGT scheint es auch allen Leuten, von denen ich gehört habe, gut gefallen zu haben. Zudem war das Werk 2 schon sehr voll, was uns überrascht hat, da wir die erste Band an diesem Freitag waren, die dort aufgetreten ist, und scheinbar wirklich ein paar Leute wegen uns gekommen sind, womit ich eigentlich nicht gerechnet habe. Prinzipiell haben wir mit TRANSIT POETRY überwiegend gute Live-Erfahrungen gemacht bisher, was auch daran liegt, dass wir öfter das Glück hatten, im Vorprogramm größerer Bands zu spielen. Und unter solchen professionellen Bedingungen hat man auch als kleinere Band bessere Möglichkeiten, sich von seiner besten Seite zu präsentieren, wohingegen Gigs in kleinen Clubs mit Mini-PA und drei Scheinwerfern für alle Seiten immer leicht unbefriedigend enden.

Nun hast du neben TRANSIT POETRY mit DESPAIRATION und EDEN WEINT IM GRAB gleich zwei weitere Pferde am Start. Wie entscheidest du, welche deiner Ideen du in welche Band bzw. welches Projekt einbringst?

Prinzipiell sind alle drei Bands stilistisch so weit voneinander entfernt, dass bereits das Songwriting jeweils ganz anders funktioniert. Bei DESPAIRATION schreibt unser Gitarrist Martin immer noch den größten Teil der Musik und die paar Songs von mir entwickeln während ihrer Entstehung irgendwann einfach diesen DESPAIRATION-Charakter, sodass man schon früh merkt, dass diese Songs einfach nur zu DESPAIRATION passen. Naja, und was die Pferde TRANSIT POETRY und EDEN WEINT IM GRAB angeht, gibt es horrende Unterschiede. TRANSIT POETRY ist eher melodie- und groove-orientiert ausgerichtet. Zudem entstehen viele Songs auf der Basis elektronischer Programmings und Synthesizersounds. EDEN WEINT IM GRAB ist hingegen ganz klar eine Metal-Band, bei der die Gitarren im Mittelpunkt stehen und aggressiver Schreigesang gegenüber den normalen Gesängen überwiegt. Es sind also ganz verschiedene Ansatzpunkte, sodass es nur wenige Songs gibt, die eine ganze Weile etwas orientierungslos zwischen den Projekten ihr Dasein fristen, bevor sie sich für eine Richtung entscheiden. Man mag mich als Workaholic oder als überfleißig bezeichnen, aber meiner Meinung nach hat jedes Projekt seine Existenzberechtigung, da es unmöglich wäre, all meine stilistischen Vorliebe unter einen Hut zu bekommen. Ich kann mir zumindest keine wohlklingende Mischung daraus vorstellen. Es ist eher so, dass ich noch weitere Projekte, die stilistisch ganz anders ausgerichtet wären, starten würde, wenn ich nur die Zeit hätte.

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Bassistin Mel spielt als Einzige bei TRANSIT POETRY nicht noch in einer weiteren Band, dafür aber immer mit vollem Körpereinsatz wie hier auf dem WGT 2005

Um ein wenig Jutzes Fragetechnik zu kopieren: Welche deiner Bands würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

Ach je, ich denke, ich würde es vorziehen, einen Stromgenerator, einen Computer, einen Synthesizer und eine Gitarre mitzunehmen, um dort meine eigene Musik zu machen. Dann hätte ich alle Zeit der Welt, das umzusetzen, was mir vorschwebt. Und auch wenn es viele Platten gibt, die ich sehr geil finde, gilt mein Herz und meine Seele doch vor allem meiner eigenen Musik, sodass ich diese ganz klar vorziehen würde, wenn man mich vor die Wahl stellt. Als Inspiration müsste dann das Rauschen des Meeres reichen…

Was auffällt, ist, dass bei fast all deinen Releases ein Drumcomputer den Platz des Schlagzeugers einnimmt. Reagierst du allergisch auf Timingschwankungen, hehe?

Nein, DESPAIRATION haben mittlerweile einen festen Drummer, da es bei der Entwicklung unserer Musik einfach sinnvoll erschien, die Karten irgendwann neu zu mischen. Er wird auf dem nächsten Album zu hören sein. Bei TRANSIT POETRY hingegen würde ich auch den besten Drummer der Welt ablehnen, da ich die Kraft elektronischer, teils technolastiger Beats und Loops für geeigneter halte, um das umzusetzen, was für mich TRANSIT POETRY ausmacht: eine Mischung aus traditionellem Gothic Rock und Electro-Klängen. Ein echter Drummer würde den Charakter der Musik zu drastisch verändern. Das schließt nicht aus, dass ich meine Meinung diesbezüglich irgendwann ändere, schließlich entwickelt sich auch meine musikalische Vision immer weiter, aber für den Moment bin ich mit der Verwendung von Samplern und Synthies sehr zufrieden.

Neben den üblichen Soundfetzen einiger Songs kann man bei dir auf der Homepage auch sechs exklusive Gedichtvertonungen herunterladen. Was sind die Hintergründe der Entstehung dieser Tracks?

Der Hintergrund ist der, dass ich immer wieder deutschsprachige Gedichte schreibe, die vielleicht irgendwann einmal in einem Gedichtband veröffentlicht werden sollen und sich nicht als Songtexte eignen. Wir haben in Bayreuth vor einiger Zeit ein paar Lesungen veranstaltet, zu denen ich diese Gedichte mit zusätzlichen Sounds untermalt habe, um den Vortrag etwas interessanter und imposanter zu gestalten. Auf unserer Homepage kann man sich die Studioversionen davon herunterladen, da ich der Meinung war, dass sie durchaus zum Poetry-Aspekt der Band passen, wenngleich es sich natürlich nicht um offizielle TP-Songs handelt.

Zusätzlich bist du auch noch schreibend bei mehreren Magazinen und als DJ zugange. Hast du keine Angst, dich bei so vielen Aktivitäten zu verzetteln?

Nein, solange ich für alles Zeit habe und Spaß an all meinen Aktivitäten finde, sehe ich keinen Grund, mit einer Sache aufzuhören. Es ist doch eher so, dass die Bereiche Musikproduktion, Musikjournalismus und auch das Auflegen immer wieder neue Inspirationen für den jeweils anderen Bereich geben. Dadurch, dass ich als Journalist und DJ viel Musik höre, lerne ich ständig neue Stilistiken und Kompositionsweisen kennen und erhalte durch Interviews Einblicke in andere Arbeitsweisen und das Musikgeschäft. Und da ich selbst Musiker bin, kann ich Musik vielleicht etwas differenzierter beurteilen, als ein Fan, der nur sagen kann, ob ihm eine Band gefällt oder nicht. Somit sehe ich die verschiedenen Aufgabenbereiche eher als Bereicherung und die Erfahrung, mich zu verzetteln habe ich bisher noch nicht gemacht.

Beeinflusst dich deine Redakteursarbeit dabei, wie du Musik allgemein und deine eigenen Songs wahrnimmst?

Sicher. Dadurch, dass man über die Jahre Abertausende Bands hört, bekommt man irgendwann ein Ohr dafür, was einen Song interessant macht und welche Elemente für eine gute Produktion wichtig sind. Das impliziert natürlich nicht, dass meine eigene Musik automatisch besser ist, da man nur bedingt aus den Fehlern anderer Bands lernen kann. Schließlich ist es immer einfacher, anderer Menschen Musik objektiv zu beurteilen als die eigene. Zudem empfindet jeder Musik anders und was ich geil finde, mag einem Anderen gar nicht zusagen. Aber grundsätzlich würde ich schon sagen, dass es sinnvoll ist, das eigene Ohr durch das Hören anderer Musik zu schulen, was voraussetzt, dass man sich die Alben nicht nur oberflächlich, sondern auch mal analytisch anhört, was natürlich kein Privileg des Musikjournalisten ist. Der Vorteil ist auf jeden Fall, dass ich mit Klängen in Berührung komme, die ich mir von alleine nicht angehört hätte und die ich dann wider Erwarten doch interessant finde. Einen Nachteil hat die ganze Sache aber, denn man stumpft über die Jahre auch ab, sodass einen nur noch wenige neue Platten wirklich tief im Inneren begeistern. Oder liegt das womöglich an der Qualität der momentanen Veröffentlichungen?

Wie wird es mit all deinen Aktivitäten in nächster Zeit weitergehen?

Im Moment bin ich erst einmal bestrebt, mein Germanistik/Anglistik-Studium erfolgreich abzuschließen und muss die Musik wohl oder übel mal für eine Weile ins zweite Glied drängen. So gesehen komme ich im Moment nicht wirklich zum Schreiben neuer Songs, auch wenn ich das natürlich viel lieber machen würde. Rein theoretisch stehen aber neue Album von TRANSIT POETRY, EDEN WEINT IM GRAB und DESPAIRATION auf dem Plan. Wann was fertig sein wird, muss die Zeit zeigen. Ich rechne mal damit, dass es sich auf die Jahre 2006 und 2007 verteilt und die Menschen vorerst nur mit Shamanic Passage Through The Embers glücklich werden müssen.