THE OCEAN: Eine introspektive Reise zum Meeresboden

THE OCEAN: Eine introspektive Reise zum Meeresboden

Irgendwie ist es müßig, aber jedes neue Album von THE OCEAN kann zu Recht als Magnum Opus bezeichnet werden. Das trifft auch auf Pelagial zu, das alle Stärken von THE OCEAN vereint und in einer Stunde eine Reise in die Tiefe des Meeres und der Psyche wagt. Robin Staps und seine Schweizer Kollegen präsentieren sich im Jahr 2013 noch ambitionierter als gewöhnlich, haben nicht nur ein großes, musikalisches Konzept parat, sondern auch den dazugehörigen Film im Gepäck und eine sehr luxuriöse optische Gestaltung parat. Egal ob mit Gesang oder als reine Instrumentalscheibe, Pelagial fesselt und untermauert den hart erarbeiteten Status von THE OCEAN. Wie sollte es auch anders sein, wir fragen bei Robin Staps wieder einmal nach.

Hallo Robin, ich hoffe, ihr habt die Tour gut zu Ende gebracht.

Auf jeden Fall. Das Finale in Berlin beim PELAGIC FEST war infernalisch. Das Festival war ausverkauft, es sieht danach aus, dass wir es nächstes Jahr wiederholen können.

Das freut mich. Bei der Besetzung von THE OCEAN hat sich in den letzten Jahren einiges getan, 2007 hättest du einen Sänger vielleicht noch ausgetauscht, wenn er Stimmbandprobleme gehabt hätte, jetzt ist die Option eine Instrumentalscheibe. Ist also dieses Line-Up mittlerweile alternativlos?

Nein, alternativlos ist diese Besetzung nicht, aber es ist das beste Line-Up, das THE OCEAN jemals hatten. Ich glaube, dass das Zusammenspiel in einer Band immer eine Symbiose auf Zeit ist, weil manche Musiker anfangen, Familien zu planen, Karrierejobs ins Auge zu fassen oder einfach keine Lust mehr auf dieses Leben haben. Das muss man akzeptieren und weitermachen, weil sich eine Band ansonsten einfach auflöst. Ich habe das in den letzten Jahren viele Male erlebt, auch bei anderen Projekten. Ich hatte schon mit vielen anderen Problemen zu kämpfen, da waren die Stimmbänder von Loic nur so ein Teil des Ganzen.

Es ist auch nicht ganz richtig, dass Pelagial als Instrumentalalbum geschrieben wurde, weil Loic Probleme mit den Stimmbändern hatte, das war nur ein Teilgrund. Tatsächlich habe ich das Album ursprünglich rein instrumental konzipiert, weil ich nicht wusste, wo Platz für Gesang sein sollte und wo es Raum für Texte gab. Das Konzept von der Oberfläche des Ozeans bis zum Meeresgrund stand schon früh und da stellte sich die Frage, was man lyrisch herausholen konnte. Über das Leben von Tiefseekreaturen zu schreiben ist keine gute Idee, die sind nämlich sehr langweilig. Ich befand schon früh, dass dies eben ein gutes Konzept für ein Instrumentalalbum wäre. Und dann kamen die Probleme mit Loics Stimme dazu.

Dein Label heißt PELAGIC RECORDS und das neue Album von THE OCEAN heißt Pelagial. Das könnte man als Bye-bye an METAL BLADE interpretieren.

Nein, im Gegenteil. Wir haben unseren Vertrag bei METAL BLADE verlängert. Ich stellte mir natürlich die Frage, ob ich alles, was THE OCEAN betrifft, künftig über PELAGIC RECORDS machen wollte und das heraus lizensieren sollte. METAL BLADE haben aber viel für uns getan, gerade auch in Übersee, und das hätten wir mit PELAGIC RECORDS nicht bewerkstelligen können. Das war ein Teil der Entscheidung. Anfangs haben sie viel Geld in uns gesteckt, trotz eines gewissen Skeptizismus, auch weil wir Europäer sind. Aber mittlerweile unterstützen uns METAL BLADE USA sehr. Eine große Firma wie sie hat natürlich eine ganz andere Reichweite. Deshalb arbeiten wir weiter sehr gerne mit ihnen zusammen, aber die Vinylauflagen und Special Editions mache ich über PELAGIC. So wie wir jetzt aufgestellt sind, habe ich mir das auch vorgestellt. METAL BLADE sind inzwischen auch gegenüber unserer komischen und sehr teuren Verpackungsideen aufgeschlossen. Das sorgte anfangs immer für Diskussionsstoff, aber sie haben erkannt, dass wir eben anders funktionieren als andere Bands auf dem Label und unser Publikum auch gerne bereit ist, für eine entsprechende Aufmachung etwas mehr Geld auszugeben.

Und das gipfelte sogar darin, dass ihr in den Media Control-Charts vertreten wart.

Ja, das ist eine irgendwie lustig. Ich sehe das mit einem Schmunzeln, denn dass Pelagial zwischen DAFT PUNK und JUSTIN TIMBERLAKE rangiert, ist komisch. Aber das ist cool, so eine Chartplatzierung war keines der Ziele, warum ich Musik mache, aber wenn so etwas passiert und man merkt, dass die Leute das auf breiterer Ebene zu schätzen wissen, freut man sich natürlich.

Es ist ja auch kein Wunder, dass Pelagial gut ankommt. Das Album beinhaltet eben alles, was THE OCEAN bisher ausmachte, bringt das aber in einen schlüssigen Kontext. Das Album ist episch, brutal, mit etwas Sludge gewürzt und es rockt. Andere Bands würden das vielleicht nicht so ohne Weiteres hinbekommen, ohne dass es konfus klingt. War es schwierig, das im Songwriting zu realisieren?

Es war nicht unbedingt der Plan, dass alles, was THE OCEAN ausmacht, zusammengefasst werden sollte. Aber es war auch nicht leicht, den Überblick zu behalten. Es geht ja von relativ leichtfüßig daherkommender Oberflächenmusik am Anfang des Albums hin zu schweren, düsteren, beinahe Drone-mäßigen Sounds am Ende. Die Entwicklung sollte eben stufenlos werden und das zu erreichen, war nicht ganz einfach. Selbst wenn ich eine Idee für ein Riff hatte, bei dem ich schon wusste, wo es ungefähr im Album stehen sollte, war es schwer, das schlüssig funktionierend einzubauen. Es ist schon schwierig, ein 60-minütiges Stück zu schreiben im Vergleich zu einem fünf- oder auch zehnminütigen Lied, das eben immer noch ein Song ist. Das war eine große Herausforderung für mich.

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Unter Wasser soll es keine Gebäude geben. Zu Pelagial passen keine typischen Post-Rock-Visuals.

Rein instrumental gesehen funktioniert das Album auch sehr gut, die Streicher und das Klavier kommen da viel besser zur Geltung. War das der Grund, warum ihr Pelagial als Doppelalbum mit gesangsloser Disc veröffentlicht habt?

Pelagial war ja ursprünglich ohne Gesang konzipiert. Wir haben monatelang die instrumentale Version gehört und wollten uns davon nicht mehr verabschieden. Beide Versionen sind für uns gleichberechtigt, die Version mit Vocals ist für uns nur die neuere. Ich finde beide CDs sehr cool und auf der Instrumentalversion entdeckt man tatsächlich viel mehr Details. Das hat zwei Gründe: Die Stimme nimmt viel von der Aufmerksamkeit des Hörers ein, man nimmt viele Details ohne Gesang einfach bewusster wahr. Wir haben auf dem instrumentalen Album aber auch einen etwas veränderten Mix angewandt, weil wir ein paar Instrumente beispielsweise weglassen mussten, die ansonsten mit dem Gesang konkurriert hätten.

Es stellte sich für uns auch gar nicht die Frage, die instrumentale Variante wegzuwerfen, als der Gesang dazu kam. Auch nicht in der Zwischenphase, als nur die letzten beiden Songs Vocals hatten. Es wurde dann eben immer mehr, aber es war uns früh klar, dass nur ein Doppelalbum diesem Projekt gerecht werden würde.

Eigentlich wirkt Pelagial wie ein Album, das schnell geschrieben wurde, vielleicht auch weil es einen etwas spontaneren Charakter als beispielsweise Precambrian hat. Half das Bild der Tiefsee als Leitfaden?

Für die unteren Meeresschichten schon, ich habe die Musik geschrieben und versucht, mir das bildlich vorzustellen und mich in die entsprechende Stimmung zu versetzen. Wenn ich dann ein Riff hatte, wusste ich eben auch, an welcher Stelle im Album es stehen sollte. Es ist ja auch recht einfach, sich das vorzustellen: An der Meeresoberfläche ist alles lichtdurchflutet, nach unten hin wird das Wasser immer kälter, der Druck wird unerträglich, es wird auch vom Leben her immer ausgedünnter. An der Oberfläche wuselt es nur so, aber in der Tiefe sind viele Kreaturen, die vielleicht lange leben, aber Zeit ihres Lebens keinen Partner finden, um sich zu paaren. Das kann man sich leicht vorstellen, man muss es nur umsetzen – durch zunehmenden Minimalismus oder immer tiefer werdendes Tuning, immer langsamer werdende Songs und kälter werdende Atmosphäre. Das waren auch die Maxime, die ich im Sinn hatte, als ich anfing, die Musik zu schreiben.

Die mächtigen Riffs sind dann die bislang unentdeckten Monster, die da noch rumlungern. Was gibt es denn da unten noch so, was wir noch nicht kennen? Tiefseemonster wie Supershark, Megaoktopus, und Terrorleviathan vielleicht, was glaubst du?

Wahrscheinlich! (lacht) Wir wissen wenig über diese Gegend da unten, sie gehört zu den letzten unerforschten Gegenden des Planeten. Keiner weiß, was sich da unten rumtreibt. Aber ich bin kein großer Fantasy-Fan, da mache ich mir keine Gedanken, was da sein könnte.

An der Oberfläche, also in den ersten Songs, ist alles etwas lebhafter. Impasses beispielsweise klingt schon ein bisschen nach Artrock. Als hätten THE OCEAN einen MUSE-Song geschrieben.

Ich mag MUSE, aber ich würde nicht sagen, dass sie ein wichtiger Einfluss für uns wären. Ich höre sehr viel verschiedenartige Musik, das beschränkt sich nicht nur auf zeitgenössische, härtere Musik, sondern auch viel Älteres, nicht selten Poppiges. Das prägt unbewusst das musikalische Schaffen. All das vermengt sich dann auch mit dem eigenen Charakter, dem eigenen Ansatz, wenn es um Songwriting geht. Das ist nicht analysierbar und das ist auch gut so. Und da kann auch was völlig Artfremdes reingeraten. Ich höre auch unheimlich gerne dunkle Jazzsachen wie THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE, ESBJÖRN SVENSSON TRIO und so weiter. Da setzen sich auch mal Melodien, Ideen oder Themen bei mir fest. Zum Glück kann man das auch nicht kontrollieren oder beschreiben, ansonsten wäre man berechenbar oder würde sich selbst plagiieren.

Haben deine Kollegen auch an Pelagial mitgeschrieben? Jona zum Beispiel?

Nein, Jona hat an Pelagial gar nicht mitgewirkt, weder als Komponist noch als ausführender Musiker. Nach den intensiven Tourjahren 2010 und 2011 wollte er sich auf etwas anderes konzentrieren. Er hat auch sein Nebenprojekt COILGUNS gestartet und wollte sich aus dem Album etwas heraushalten. Andererseits wusste ich, dass Pelagial als ein großes Stück Musik geschrieben werden musste, deshalb sollte es auch aus einer Feder stammen. Das heißt aber nicht, dass es bei THE OCEAN so weitergehen muss, Jona hat auch bei Anthropocentric als Komponist mitgewirkt und wird das in Zukunft sicherlich auch wieder tun. Aber die anderen Musiker, also Schlagzeuger Luc, Loic und die Bassisten Louis und Chris, haben ihre eigenen Stellen geschrieben. Gerade Luc hat das Schlagzeug sehr lose und frei interpretiert und ich bin nicht der Typ, der ihm vorschreiben würde, wie er ein Fill zu spielen hat. Ich kann ihm mittlerweile musikalisch vollständig vertrauen. Ich gebe die Rhythmen sehr grob vor und er baut darauf auf. Wenn ein Schlagzeuger sich da richtig austoben kann, ist das viel geiler, als wenn ich auf meiner Vorproduktion beharre.

Bassist Louis war auf der vergangenen Tour aber nicht dabei, richtig?

Ja, er hat eine studienbedingte, zweijährige Auszeit und wird momentan von Chris ersetzt, der auch auf dem Album zu hören ist.

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Ich glaube, dass das Zusammenspiel in einer Band immer eine Symbiose auf Zeit ist. Robin Staps (2.v.l.) setzt wegen aussteigender Musiker die Zukunft von THE OCEAN nicht aufs Spiel.

Dein Textkonzept musstest du verwerfen.

Ja. Es dreht sich immer noch um den Film Stalker, aber ich verwende nicht mehr direkte Untertitel aus diesem Film. Ursprünglich zog ich die gesamten Texte aus den englischen Übersetzungen des russischen Originals und suchte mir aus den Dialogen Textzeilen heraus. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Ich merkte dann aber, dass das so nicht ging: Unser Verleger holte uns auf den Boden der Tatsachen zurück, weil das kein freier Content ist. Andrei Tarkowski ist erst seit zwanzig und nicht schon seit siebzig Jahren tot. Hätten wir die Texte dennoch verwendet, hätten wir die Rechte gebraucht. Ich habe von dem russischen Filmstudio aber nie eine Antwort erhalten. Ich musste also die Texte nochmal schreiben, ich habe ein paar Wochen deshalb mein Leben verflucht. Aber jetzt bin ich umso zufriedener damit, weil ich einen eigenen Bezug dazu habe. Die Lyrics hangeln sich immer noch am Gerüst von Stalker entlang. Es gibt noch Referenzen, die sich indirekt auf den Film beziehen, aber nicht in Form von Zitaten.

Es geht um eine Reise durch den menschlichen Geist, von der Oberfläche, hinein ins Unterbewusstsein.

Als das Album geschrieben war und klar war, dass es sich um eine Reise von der Meeresoberfläche an den Grund handeln sollte, war die Frage da, wie ich das textlich gestalten könnte. Da kam mir recht schnell dieser Film in den Sinn, in dem drei Personen durch eine Zone reisen und im Herzen dieser Zone ist ein Raum, in dem ihre Wünsche wahr werden sollen. Je näher sie diesem Raum kommen, umso weniger wissen sie eigentlich, was sie sich wünschen sollen und desto mehr wird ihnen klar, dass dort auch die unbewussten Wünsche in Erfüllung gehen. Auch diejenigen, von denen sie selbst gar nichts wissen, die sie auch gar nicht haben sollen. Am Ende wissen sie alle nicht mehr, was sie sich eigentlich wünschen sollen. Das ist die Essenz des Films und darum drehen sich auch die Texte. Es geht um die Frage des Ursprungs unserer Wünsche und Bedürfnisse und wie viel Einfluss wir darauf überhaupt haben. Sind wir unseren Wünschen ausgeliefert oder können wir sie in gewisse Bahnen lenken und ändern? Das sind die zentralen Fragen des Albums, die in jedem Song auftauchen. Die Texte graben sich in immer tiefere und dunklere Regionen vor, mit den Erkenntnissen, die dort lauern.

Unterbewusstsein und Wünsche: War das auch ein wenig Selbsttherapie?

Ja, bis zu einem gewissen Grad schon. Ich habe zu all diesen Fragen in den Texten einen persönlichen Bezug, es handelt von Dingen in meinem Leben, die ich selbst im letzten Jahr mitgemacht habe. Therapie ist das vielleicht nicht, aber eher Selbsterkenntnis. Das ist eine introspektive Reise und somit ist Pelagial ein persönlicheres Album als Heliocentric und Anthropocentric, die viel abstrakter, philosophischer und religionskritischer waren.

Aufgenommen habt ihr ein ganzes Jahr lang, letztes Jahr im Januar habt ihr angefangen, es ging stückweise voran und im Februar dieses Jahres wart ihr fertig. Bekommt man da nicht Sehnsucht, mal eine Scheibe einfach so spontan einzurotzen?

Ja, so ein Gedanke kommt durchaus mal auf. (lacht) Aber ein Album wie Pelagial wäre in einer Woche nicht realisierbar gewesen, das ist klar. Ich hätte trotzdem schon mal wieder Lust in einer schönen D-Beat-Crust-Band zu spielen und alles live einzurotzen. Je mehr man sich in so einem großen Projekt verstrickt, umso mehr Lust hat man auch auf das Gegenteil. Allerdings muss ich sagen, dass die Aufnahmen für Pelagial sehr komfortabel waren. Wir haben uns ja nicht ein Jahr lang das Gehirn zermartert. Erst haben wir einen Monat lang das Schlagzeug aufgenommen, dann waren wir zwei Monate in Russland und Australien auf Tour, in dieser Zeit haben wir uns überhaupt nicht mit Pelagial auseinandergesetzt. Im Sommer nahmen wir sehr lose die Gitarren und Bass auf, fassten dann die Entscheidung, doch Gesang aufzunehmen. Im Oktober haben wir dann wieder intensiv am Album gearbeitet. Insofern gab es Zwischenräume und keinen kontinuierlichen Stress. Das ist auch gut so, da wir uns den nötigen Abstand bewahren konnten, den wir auch wirklich brauchten. Es ist unheimlich wichtig, manche Sachen sacken zu lassen und ein paar Wochen nichts mit dem Album zu machen, weil man dann feststellt, wo man in einer Sackgasse steckt, oder Ideen findet, die nicht funktionieren. Es ist wichtig, sich auch Pausen zu gönnen.

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Was haben der Meeresboden und die Fläche unter der Couch vom Captain gemeinsam? Robin Staps (mitte) weiß es: Keiner weiß, was sich da unten rumtreibt.

Nach Pelagial gibt es also noch keine Spur von Burn-out?

Nein, nicht wegen des Albums, es machte großen Spaß. Ich freue mich auf den Tourzyklus und hätte auch keine Lust, Pelagial nochmal zu machen, und das nächste Album wird sicherlich wieder eine Weile auf sich warten lassen, aber alles in allem war es ein schöner und interessanter Prozess.

Mit Jens Bogren habt ihr vorher noch nicht zusammen gearbeitet. Wie seid ihr auf ihn gekommen?

Über seine Referenzen. Er hat einige Alben gemischt, die mir gefallen haben. Über unseren Verleger haben wir den direkten Kontakt zu ihm erhalten. Ich finde Jens steht für zeitgenössische Metalproduktionen, hat viele gute Sachen gemacht und meistens einen sehr feinen Sound geschaffen. Die Kommunikation vorab war gut, er hat uns tatsächlich zugehört und ist auf unsere Ideen eingegangen. Er war kooperativ, hat schnell auf E-Mails geantwortet und das Grundgefühl war sehr gut. Er ist auch sehr vielfältig, hat nicht nur OPETH, KATATONIA oder SOILWORK gemacht, sondern auch die letzte WITCHCRAFT, die ja nun gar nicht mit modernem Metal in Verbindung gebracht werden kann. Das ließ mich auch aufhorchen. Er ist ein guter Soundmann mit guten Ohren, ein sehr umgänglicher Typ, unglaublich professionell und er gab uns viel Input. Es war die richtige Entscheidung, ihn für den Mix zu nehmen. Dynamik ist auf seinen Alben auch immer zu hören, er hat zwar oft mit Triggern gearbeitet, aber wir haben von vornherein gesagt, dass wir so etwas nicht wollen, und da hielt er sich dran.

Neu sind auch die Visuals von Craig Murray. Er hatte nun die Möglichkeit, einen ganzen Film zur Musik zu machen, nicht nur für einzelne Songs. Das alles sieht sehr stylish aus, ein bisschen doppelbödig vielleicht auch. Die typischen einstürzenden Post-Rock-Hochhäuser macht er jedenfalls nicht.

Das wäre auch blöd, unter Wasser soll es ja keine Gebäude geben. Craig hat den Film natürlich auf das Album ausgerichtet, deshalb ist da viel Unterwasser-Material dabei, teilweise auch von Sachen, die ich in Australien gedreht habe. Wir wollten aber auch keine BBC-Dokumentation drehen, wo nur Fische herum schwimmen. Wir brauchten also einen Protagonisten oder in unserem Fall eine Protagonistin – die übrigens mit bürgerlichem Namen tatsächlich Arielle De Lacy heißt. Wir wollten auch die textliche Ebene realisiert sehen, und die Protagonistin macht verschiedene Stadien durch, von Euphorie bis Angst, von Terror bis Lust. Sie ist in diesem Film das Gesicht für die Reise durch die menschliche Psyche.

Mehr Optik soll es heuer in Form einer DVD geben. Wird Collective Oblivion noch um aktuelles Material erweitert werden?

Das könnte passieren, aber das wissen wir selbst noch nicht genau. Ursprünglich war geplant, dass wir diesen Teil mit dem Heliocentric– und Anthropocentric-Zyklus abschließen würden. Weil wir auf der CULT OF LUNA-Tour neues Material spielen wollten, haben wir die DVD zurückgestellt und das Album vorzogen. Jetzt haben wir auch die Show vom PELAGIC FEST noch gefilmt, da haben wir im Prinzip Pelagic am Stück live gespielt. Es kann aber auch sein, dass dies irgendwann separat veröffentlicht wird, da Collective Oblivion auch so schon drei DVDs umfasst. Ich denke es wird darauf hinauslaufen, dass wir bald Teil eins veröffentlichen werden und Teil zwei irgendwann nachkommen wird.

Ich muss noch schimpfen: Ihr habt in München nicht den Zweiteiler Abyssopelagic gespielt, das sind meine Lieblingsstücke auf Pelagial.

Ja, da hast du recht. Wir wollten auf der ganzen Tour eigentlich das neue Album am Stück spielen, das finde ich auch am reizvollsten. Aber wir hatten nur ein einstündiges Set, dann merkten wir, dass einige Zuschauer sauer waren, weil nichts von dem dabei war, das sie kannten. Wir begannen schließlich mit der Tour, als Pelagial noch gar nicht veröffentlicht war. Deshalb entschieden wir uns dafür, Anfang und Ende von Pelagial zu spielen und am Schluss noch ein paar alte Songs ins Set einzubauen. Im August touren wir auf der Summer Slaughter Tour in den USA mit THE DILLINGER ESCAPE PLAN, da werden wir 35 bis 40 Minuten pro Abend haben, da müssen wir auch aussortieren. Es ist auch schön, dass wir uns das ganze Album für die Headliner-Tour Ende des Jahres aufheben, da werden wir Pelagial am Stück spielen und am Ende noch einen Zugabenblock mit altem Material einbauen.

Das klingt doch alles ganz prima. Robin, vielen Dank für Deine Zeit und alles Gute für eure kommenden Unternehmungen.


Fotos: (c) David Robinson

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle