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LORDI: Saubere Fans und Essen mit Leatherface

LORDI: Saubere Fans und Essen mit Leatherface

Wenn diese unsinnige These, dass die dritte Scheibe einer Band das make-it-or-break-Album ist, stimmt, dann brauchen LORDI keine Zukunftsängste ausstehen. The Arockcalypse dürfte nach dem – mit etwas Abstand betrachtet – doch etwas durchwachsenen Zweitwerk The Monsterican Dream wieder alle Anhänger des mit finnischem Platin veredelten Get Heavy-Albums begeistern. Erneut wildern LORDI (die zwei neue Gesichter – Basser Ox und Keyboarderin Awa – in ihren Reihen begrüßen können) in bekannten Gefilden, d.h. den Hörer erwartet erstklassiger 80er Jahre-Hard’n’Heavy Rock im Stile solcher Bands wie ACCEPT, KISS, TWISTED SISTER oder ALICE COOPER. Die Songs sind zwar fast durchgehend richtig flott bzw. knackig ausgefallen, wurden aber mit einer ohrwurm-mäßigen Eingängigkeit ausgestattet, der man sich nur schwer entziehen kann. Tja, mehr kann man dazu nicht sagen. Wer die genannten Bands mag, auf den Erstling der Band abfährt und dem zweiten Album aufgrund der Produktion eher zwiespältig gegenübersteht, wird The Arockcalypse lieben. Mein Gesprächspartner – Tomi Putaansuu, also Lordi himself – hat wohl diese zwiespältigen Reaktionen immer noch im Hinterkopf, denn nach einer kurzen Begrüßung bzw. einem kurzen Floskel-Austausch, fragte er mich, wie ich denn den Sound der neuen Scheibe finde.

Ich finde das Album wirklich gut, auch wenn es natürlich musikalisch keine großen Veränderungen gab. Der Sound geht meiner Meinung doch wieder mehr in Richtung des ersten Albums. Warum fragst Du?

Danke, das sagen zum Glück fast alle, die das neue Material schon gehört haben. Ich frage, weil viele Fans mit dem Sound der zweiten Scheibe überhaupt nicht einverstanden waren. Viele Fans warfen uns vor, dass wir zu metallisch klingen würden. Im Nachhinein und mit einigem Abstand kann ich auch schon nachvollziehen, was die Fans meinten. The Monsterican Dream klingt schon deutlich rauer und metallischer als Get Heavy. Doch wenn einige Leute sagen, dass die Songs schlecht sind, dann stimmt das einfach nicht, denn das Songwriting lief auf die selbe Art und Weise ab, wie es immer ablief bzw. wie es auch jetzt zum neuen Album abgelaufen ist. Viele Leute haben sich die Songs hinter der Produktion leider nicht genau angehört. Ich frage auch deshalb, weil wir selbst viel zu dicht dran sind, um das im Moment objektiv beurteilen zu können. Man lebt als Musiker einfach zu lange und zu intensiv mit dem Album zusammen. Das betrifft ja nicht nur die Zeit im Studio, sondern auch die komplette Phase des Songwritings. Es ist halt so, dass man im Vorfeld nicht weiß, wie die Fans reagieren werden. Und wir waren ziemlich überrascht, dass viele Leute uns vorwarfen ein Metal-Album eingespielt zu haben. Wir wurden plötzlich als Metal-Band bezeichnet, was wir ja definitiv nicht sind. Eine finnische Zeitung schrieb sogar, dass wir angefangen hätten, ernsthaft Musik zu machen. Was soll das? Wir haben unsere Musik immer ernst genommen. Die Reaktionen der Fans haben auch dazu geführt, dass wir dieses Mal sehr darauf geachtet haben, kein zu metallisch klingendes Album aufzunehmen. Wir wollten zwar ein hartes Album machen – aber kein Metalalbum. Wir wollten die Grenzen zum Metal nicht überschreiten. Es gibt so viele Sub-Genres im Bereich Heavy Metal, aber was man heute mit dem Begriff Metal verbindet, ist meilenweit von dem entfernt, was wir mit LORDI machen. Metal ist für mich eine Band wie DIMMU BORGIR, wir dagegen sind eher eine Heavy Rock-Band im Stile von ACCEPT oder JUDAS PRIEST. Auch bei den Texten hat eine kleine Rückbesinnung stattgefunden. Wir gehen auch hier wieder mehr in Richtung Get Heavy, nachdem die Texte auf The Monsterican Dream eher kleine, in sich geschlossene, Horror-Stories waren. Natürlich haben wir diese auch auf dem neuen Album, aber größtenteils handelt es sich bei den Stücken um echte Statements bzw. Hardrock-Anthems. Nimm z.B. Chainsaw Buffet, ein Song, dessen Text natürlich vom Film Texas Chainsaw Massacre beeinflusst worden ist. Die Geschichte handelt eigentlich von einem Mädchen, das einen neuen Freund hat – Leatherface (der Kettensägen-Jongleur aus Texas Chainsaw Massacre – der Verf.). Und dieser Freund lädt dieses Mädchen eines Tages im Namen seiner Eltern zum Essen ein. Und die Story handelt natürlich davon, ob das Mädchen die Einladung einer Kannibalen-Familie zum Essen annehmen wird oder nicht? The Kids Who Wanna Play With The Dead ist ein kleiner Seitenhieb in Richtung von Müttern und Vätern, die heute etwa vierzig Jahre alt sind und Nachwuchs im Alter von vielleicht sieben oder acht Jahren haben. Viele dieser Elternteile haben Angst um ihre Kinder, weil diese vielleicht Heavy Metal hören, sich gerne Horrorfilme ansehen oder ihre Haare schwarz färben. Ich habe viele Freunde, die so drauf sind. Und mit vielen dieser Freunde habe ich im jugendlichen Alter Metal-Konzerte besucht oder Horrorfilme angeschaut – und es hat ihnen nicht geschadet. Deshalb finde ich es völlig idiotisch, wenn sie sich heute darüber aufregen, wenn ihre Kinder genau so drauf sind, wie sie selbst damals.

Zum ersten Mal gab es auch Veränderungen in der Bandbesetzung. Zwei Musiker, nämlich Keyboarderin Enary und Basser Kalma, gehören schon seit ein paar Wochen nicht mehr zur Band. Wieso, weshalb und warum kam es zu diesen ersten Line-Up-Veränderungen seit dem Erstling?

(Lordi holt hörbar Luft) Nun, Enary wurde von uns gebeten, die Band zu verlassen. Wenn man zusammen in einer Band spielt, dann verbringt man zwangsläufig eine Menge Zeit zusammen. Man arbeitet viel zusammen und hat viele Dinge zu erledigen und zu entscheiden, die das Geschäftliche betreffen. Und dabei kann es halt passieren, dass man nicht immer einer Meinung ist – und dann ist es halt besser, wenn man getrennte Wege geht. Bei Kalma war es das komplette Gegenteil, denn er verließ die Band aus freien Stücken. Er teilte uns seine Entscheidung bereits im Laufe der letzten Tour bzw. zu Beginn der Aufnahmen mit. Wir waren natürlich ziemlich geschockt und versuchten ihn, allerdings vergeblich, zum Bleiben zu überreden. Unser Drummer Kita, unser Gitarrist Amen und ich stellten also mitten während der Aufnahmen zum aktuellen Album mit Erschrecken fest, dass wir nur noch ein Trio sind (lacht). Kalma spielte zwar noch seine Parts für The Arockcalypse ein, aber wir konnten das ursprüngliche Release-Datum Anfang Dezember nicht halten, denn wir mussten uns zwangsläufig neue Bandmitglieder suchen. Aber es gab noch ein wirklich sehr lustiges Wiedersehen mit Kalma, als wir den Clip zu unserer ersten Single drehten. Er besuchte uns am Set und sah uns bei den Dreharbeiten zu. Er trank Bier und wirkte wirklich sehr entspannt und gelöst. Für ihn war es eine sehr neue Situation. Er sah uns in unseren Kostümen und mit all dem Make-up, wie wir den Clip zu einem Song drehten, auf dem er zu hören ist. Eine wirklich bizarre Situation, aber er ist momentan sehr glücklich – und das freut uns natürlich auch!

Der neue Basser ist also The Arockcalypse auf noch nicht zu hören. Hat denn Enary auch noch ihre Keyboardparts eingespielt?

Nein, Enary war an den Aufnahmen zum neuen Album in keiner Weise beteiligt, d.h. alle Keyboardparts wurden von Awa eingespielt…

Lordi
Wir bei LORDI trafen schon bei der Unterzeichnung unseres Plattenvertrages die Abmachung, dass jeder, der auch welchen Gründen auch immer die Band verlässt, seinen Charakter mitnimmt.

Die nächste Frage stelle ich Dir, weil ich weiß, dass Du ein Riesenfan von KISS bist. KISS haben ja seit einiger Zeit die Originalmitglieder Ace Frehley und Peter Criss nicht mehr in der Band, sondern diese durch Tommy Thayer und Eric Singer ersetzt. Allerdings wurden die Beiden einfach in das Make-up und das Kostüm ihres Vorgängers gesteckt, was nicht nur ich etwas respektlos finde. Nicht nur vor der Leistung der Herren Criss und Frehley, sondern auch vor den musikalischen Fertigkeiten der Herren Singer und Thayer. Egal, gab es eventuell auch bei Euch Überlegeungen, dass die beiden neuen Bandmitglieder den Charakter von Enary und Kalma übernehmen?

Nein, darüber haben wir nicht eine Sekunde nachgedacht. Ich kann als KISS-Fan nicht sagen, dass man Tommy Thayer und Eric Singer nie in die Kostüme von Ace Frehley und Peter Criss hätte stecken dürfen, um dann genau das bei LORDI zu machen. Nein, man hätte für Tommy und Eric neue Charaktere erfinden müssen. Tommy Thayer ist nicht der Spaceman und Eric Singer ist nicht der Catman. Auch ich finde das sehr respektlos. Wir bei LORDI trafen schon bei der Unterzeichnung unseres Plattenvertrages die Abmachung, dass jeder, der aus welchen Gründen auch immer die Band verlässt, seinen Charakter mitnimmt. Die Leute würden sich zu Recht verarscht und verunsichert fühlen, wenn im Kostüm von z.B. Kalma immer eine andere Person stecken könnte. Das ist doch ähnlich wie mit den Batman-Filmen. Mal war es Michael Keaton, mal Val Kilmer und mal George Clooney – warum hat man nicht immer, zumindest über einen längeren Zeitraum, denselben Darsteller genommen?

Aber warum hat das z.B. bei James Bond mit den verschiedenen Darstellern funktioniert?

Deshalb, weil trotz wechselnder Darsteller ein Darsteller immer erst drei, vier oder fünf Filme nacheinander gedreht hat. Außerdem ist es bei James Bond so, dass man von Zeit zu Zeit den Darsteller wechseln muss, denn es wäre doch sehr unglaubwürdig, wenn Leute wie Roger Moore (heute stolze 78 Jahre alt – der Verf.) oder Sean Connery (mit seinen 75 Jahren auch alles andere als ein Jungspund – der Verf.) noch heute den Geheimagenten mimen würden – und das verstehen die Fans auch…

Bei den Aufnahmen wurdet ihr von einigen Szene-Größen unterstützt. So steuerte KISS/UNION-Gitarrist Bruce Kulick ein Gitarrensolo zum getragenen und von Pianoklängen eingeleiteten It Snows In Hell bei, Udo Dirkschneider lieferte sich dir ein Gesangsduell bei They Only Come Out At Night und die beiden TWISTED SISTER-Recken Jay Jay French und Dee Snider trugen ihr Scherflein zum Gelingen von Songs wie Chainsaw Buffet oder dem gelungenen SCG3 Special Report-Intro bei. War Bruce Kulick die erste Wahl für Dich oder hättest Du als KISS-Fan lieber Ace Frehley verpflichtet?

Ohne KISS würde es unsere kleine Band nicht geben. Ich wuchs in den 80ern auf und ich wuchs mit Bruce als Bandmitglied von KISS auf. Deshalb ist Bruce Kulick für mich persönlich der wahre Lead-Gitarrist von KISS. Bruce war auch wirklich die erste Wahl und überhaupt der erste Musiker, den wir um einen kleinen Gastbeitrag gebeten haben. Wir hatten anfangs gar keine Pläne, Gastmusiker auf dem Album zu haben und deshalb auch keine anderen KISS-Musiker gefragt, obwohl wir auch Eric Singer, Mark St. John, Ace Frehley oder Peter Criss hätten haben können. Diese Angebote standen wirklich, aber wir wollten es, so reizvoll diese Offerten auch waren, nicht übertreiben und heben uns das vielleicht für die nächsten Scheiben auf…

Stell Dir doch mal vor, ihr hättet nicht nur Bruce Kulick verpflichtet, sondern tatsächlich auch Solo-Beiträge von Ace Frehley, Mark St. John, Tommy Thayer und Vinnie Vincent bekommen. Das hätte ja nach einem Song mit fünf Soli verlangt. Wäre doch Wahnsinn gewesen, ein NICHT-KISS-Song mit je einem Gitarrensolo aller bisherigen KISS-Gitarristen. So einen Song gibt es auf der ganzen Welt (noch) nicht.

(lacht) Ja, das wäre Wahnsinn. Mir haben diese Idee tatsächlich nach ein paar Bier schon selber gehabt – und wenn wir dann noch zwei Millionen Dollar übrig haben, verpflichten wir auch Gene Simmons und Paul Stanley – und erzählen keinem von der Teilnahme der anderen. Und alle spielen beim selben Song. Wäre das geil. Gene Simmons würde uns bei lebendigem Leibe fressen.

Auch DEE SNIDER (u.a. WIDOWMAKER, TWISTED SISTER) hat einen Gast-Part auf dem neuen Album. Allerdings singt er nicht, sondern spricht nur den Schluss des Intros. Wollte oder sollte er nicht singen?

DEE SNIDER hat wirklich eine großartige Sprechstimme. Du solltest Dir mal die Originalfassung seines Filmes Strangeland anschauen, dann weißt Du, was ich meine. Er hat eine so charakteristische Stimme, dass man sofort Ah, da spricht Dee Snider! denkt, wenn man sie hört. Als wir dann im Studio überlegten, wer diese Stimme im Intro sprechen soll, hatten wir erst die Idee, dass ich selber diesen Part übernehme, aber dabei meine Stimme so sehr verfremde, dass man nicht unbedingt hört, dass ich es bin. Unser Produzent war aber der Meinung, dass wir für diesen Part jemanden verpflichten sollten, den die Hörer gleich an der Stimme erkennen und der dem Ganzen das gewisse Etwas verleiht. Wir kamen dann recht schnell auf DEE SNIDER und es stand lediglich nur zur Debatte, dass er diesen Part einsprechen sollte. Es gab also keine Pläne für eine Gesangsdarbietung von Dee. Bei Udo Dirkschneider war es natürlich klar, dass es ein Sanges-Duett geben wird. Genauso logisch war, dass Jay Jay French nur ein Gitarrensolo beisteuert.

Lordi
LORDI haben die erste Vorausscheidung in Finnland zum Eurovision Song Contest bereits überstanden.

Ihr gehört auch zu den Künstlern, die Finnland beim Eurovision Song Contest vertreten wollen. Die ersten Vorausscheidungen habt ihr ja auch schon überstanden. Beworben habt ihr auch mit den Songs Hard Rock Hallelujah und Bringing Back The Balls To Rock, die leider nicht auf der Promo-CD zu hören sind…

Das ist echt Wahnsinn! Jeder, wirklich jeder spricht uns auf diese Veranstaltung an. Der Grund, dass diese beiden Songs auf den Promo-CDs fehlen ist der, dass die Songs, mit denen man sich für die Teilnahme am Eurovision Song Contest bewirbt, nicht vorher veröffentlicht werden dürfen. Deshalb mussten wir diese beiden Stücke von der Promo-CD nehmen, denn auf das Einhalten dieser Regel wird in Finnland allergrößten Wert gelegt. Vor etwa zwei Wochen (dieses Interview fand am 02.02.06 statt – der Verf.) hatten wir die erste Show zu überstehen und die Leute haben sich für Hardrock Hallelujah entschieden, weshalb dieser Song auch die erste Single wird, zu der wir auch bereits ein Video abgedreht haben.

Ihr habt eure Kostüme leicht verändert. Werdet Ihr denn auch live mit einigen neuen Effekten aufwarten?

Natürlich wird es viele der alten Show-Elemente auch weiterhin geben, doch ebenso natürlich haben wir auch einige sehr abgefahrene neue Ideen, wobei es dieses Mal weniger um simple Horrorelemente, als vielmehr um Parts aus dem Bereich Illusion (also um meist mit technischen Mitteln herbeigeführte Sinnestäuschungen des Publikums – der Verf.), geht. Aber bis jetzt stehen nur einige Ideen, aber auf jeden Fall wird die Show feuchter werden, egal ob durch Blut oder Schleim jeder Art. Ich habe da einige Ideen und finde, dass die Fans bisher beim Verlassen einer LORDI-Show immer viel zu sauber aussahen. Das muss sich ändern und ich denke dabei sehr an die alten W.A.S.P.-Shows, als Blackie Lawless die Bühne verließ und dabei über und über mit Blut besudelt war. So etwas stelle ich mir auch für LORDI vor.

Na, dann weiß ich ja schon, wo ich beim Besuch meines nächsten LORDI-Konzertes nicht stehen werde. Deine Vorlieben fürs Horror-Genre sind unübersehbar. Weißt Du denn noch, welches der erste Horror-Film war, den du je gesehen hast?

(überlegt) Nein, an den ersten Film kann ich leider nicht erinnern, aber das erste Monster, das mich so nachhaltig beeindruckte, dass ich mich noch heute daran erinnern kann, war das Tier aus der Muppet-Show.

Und welche Erinnerungen hast Du noch an Deine Anfänge als Horror-Fan?

Ich glaube, was Comics angeht, war Hawk das erste Horror-Comic, an das ich Erinnerungen habe. Was Horrorfilme betrifft, waren das natürlich der erste King Kong– und einige Dracula-Filme. Aber die Initialzündung für meine Horrorfilm-Leidenschaft war sicherlich Mitte der Achtziger der Start der Nightmare On Elm Street-Reihe. Freddy Krueger (der mit seinem rot-grün gestreiften Pulli, seinem von Brandnarben übersäten Gesicht und natürlich seinem Klingen-Handschuh absoluten Kult-Status inne hatte, in allen acht Kinofilmen von Robert Englund gespielt bzw. vom US-Regisseur und Drehbuchautor Wes Craven erschaffen wurde – der Verf.) weckte und steigerte mein Interesse an dem Horror-Genre, wobei ich aber auch sagen muss, dass die Monster aus den Alien-Filmen großen Eindruck auf mich machten. Doch auch wenn diese Filme erst in die Kinos kamen, als ich schon etwas älter war, so kann ich mich daran erinnern, dass ich schon seit etwa meinem vierten Lebensjahr auf Horror-Geschichten, Horror-Spielzeug und Horror-Kostüme stand.

Natürlich kann man darüber streiten, was eigentlich ein Horrorfilm ist, zumal so unterschiedliche Filme wie z.B. Ring, Scream oder Dawn Of The Dead als solche bezeichnet werden. Was ist für dich ein Horrorfilm?

Das kann man sicherlich nicht pauschal sagen. Man sollte das Horrorfilm-Genre in viele kleine Sub-Genres unterteilen. Natürlich gibt es diese Psycho-Filme wie The Shining, dann hast du diese Monster-Movies a la Hellraiser oder Nightmare On Elm Street – und natürlich hast du dann auch noch diese Teen-Slasher-Movies wie Scream oder Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast. Ich persönlich bin allerdings ein sehr großer Fan von echten Charakteren wie Freddy Krueger, Jason Voorhees (aus Freitag, der 13. – der Verf.), Pinhead (die Hauptfigur aus den Hellraiser-Filmen – der Verf.) oder Leatherface. Sam Raimi (der US-Regisseur, -Produzent und – Schauspieler, dessen Namen u.a. bei Spione Wie Wir, The Grudge, Xena, The Gift – Die dunkle Gabe und den beiden Spiderman-Filmen im Abspann und in den unterschiedlichsten Funktionen auftaucht – der Verf.) sagte einmal, dass Horror ein Sub-Genre von Comedy ist, und ich denke, dass er mit dieser Behauptung gar nicht so falsch liegt. Denn ein guter Horrorfilm bietet dem Zuschauer Unterhaltung und ist vielleicht vergleichbar mit einer Achterbahnfahrt in einem Vergnügungspark. Die Leute schreien sich vor Angst die Seele aus dem Leib. Aber kaum ist Fahrt zu Ende, stellen sie sich schon wieder für die nächste an.

Also stehst Du nicht wirklich auf die Werke des deutschen Autors/Regisseurs Jörg Buttgereit, der sich mit Filmen wie Nekromantik und Schramm besonders bei Splatter-Fans einen Namen gemacht hat?

Richtig, denn in Filmen wie Nekromantik ist der Humoraspekt nicht zu erkennen. Für mich ist Nekromantik ein sehr, sehr gutes Beispiel dafür, wie ein Horrorfilm in die falsche Richtung abdriftet, wenn er auf jeglichen Humor verzichtet und zu ernst ist.

Wieso gibt es eigentlich so wenig weibliche Horror-Charaktere? Außer Hans-Werner Olms Luise Koschinsky fällt mir da niemand sonst ein?

Doch, es gibt schon einige weibliche Horror-Charaktere. Mir fallen da spontan Sil aus Species und Samara aus Ring ein. Unbedingt erwähnen sollte man auch Henrietta aus Evil Dead. Das sind doch weibliche Horror-Charaktere, allerdings sind sie natürlich bei weitem nicht so bekannt wie Freddy oder Jason. Das liegt natürlich auch daran, dass eine Frau schon alleine aufgrund ihrer Körpergröße und ihrer meist eher zierlichen Statur kaum Furcht einflößend aussieht. Jemand, der Angst und Schrecken verbreitet bzw. jemand, vor dem die Leute sich fürchten, muss groß und stark sein bzw. unbezwingbar scheinen. Nimm Frankensteins Monster, ein echter Riese. Es hätte nicht funktioniert, wenn Frankensteins Monster eine kleine und zierliche Frau gewesen wäre.

Gibt es denn eine Figur der Horrorfilm-Historie, die dir bei der Erschaffung deines Charakters LORDI Pate stand?

Lordi
Könnte durchaus einem Zombie-Film entsprungen sein – Gitarrist Amen

Wenn Du das Gesicht meines Charakters Lordi genauer betrachtest, dann sind Ähnlichkeiten zu Freddy Krüger sicherlich nicht zu übersehen. Ich stand schon immer auf dieses Gesichts-Makeup, das wie eine Käse-Tomaten-Pizza aussah. Aber auch unser ehemalige Basser Kita sah aus wie eine Hellraiser meets Alien-Mischung. Oder nimm Amen, unseren Gitarristen, der durchaus einem Zombie-Film entsprungen sein könnte. Für mich sind unsere Charaktere eine Art Tribut an unsere alten Filmhelden.

Nun wird gerade eine Band wie LORDI sehr auf ihre Kostüme, die Show-Effekte und das jeweilige Make-up reduziert…

… aber bevor das Image der Band erschaffen wurde, gab es schon die Musik, denn das erste Demo wurde bereits 1992 aufgenommen, also zehn Jahre bevor wir überhaupt einen Plattenvertrag bekamen. Mein erstes Video für LORDI drehte ich während meines Studiums an der Filmschule. Interessanterweise war ich der einzige Charakter in dem Video, der kein Make-up oder ein Kostüm trug. Jeder sah wirklich cooler aus als ich und das musste ich unbedingt ändern (lacht). Ich wollte der coolest looking motherfucker im Video sein. Ich wollte das Monster sein. Aber die Musik ist immer das Wichtigste bei LORDI. Ich beschäftige mich auch intensiv mit dem Thema Special Effects & Make up, da ich Regisseur für Horrorfilme werden wollte. Bei LORDI kann ich alle meine Vorlieben und Stärken bündeln, so dass die Band eine Mischung aus meinen großen Leidenschaften zu bezeichnen ist.

Natürlich ist man textlich mit der Optik auch etwas eingeschränkt, oder? Einen Song, der Oh Baby, I Love You heißt, kann man von euch sicher nicht erwarten, oder?

Sicher, LORDI kann schon aufgrund des Images der Band niemals einen eher traditionellen Lovesong performen. Wir würden, auch wenn wir es sicherlich könnten, niemals einen Song wie I Was Made For Lovin´ You, schreiben oder spielen, obwohl ich als Privatperson diesen Song wirklich mag!

Also ist das Image Fluch und Segen zugleich?

Richtig. Ein Segen, weil viele Leute erst aufgrund unseres Outfits auf uns aufmerksam geworden sind und wir – so ehrlich sollte ich sein – wohl keine oder nur eine eher kleine Chance auf einen Plattenvertrag gehabt hätten, wenn wir ohne Make-up und Kostüme aufgetreten wären. Niemand oder zumindest kaum jemand hätte sich für unseren doch stark 80er-Jahre-lastigen Hardrock interessiert. Ein Fluch ist allerdings, dass wir alleine drei Stunden brauchen, um uns schick zu machen. Ich zum Beispiel kann nie einen Soundcheck machen, weil ich zu dessen Zeitpunkt schon längst dabei bin, mich zu schminken und mein Kostüm anzulegen. Auch nach der Show, wenn andere Bands schon die ersten Drinks nehmen und die Partys schon in vollem Gange sind, bin ich dann noch mal zwei Stunden mit der Endkostümierung beschäftigt.