LIFVSLEDA: Nasse Erde, ein dichter Wald und der Duft alter Bücher

LIFVSLEDA: Nasse Erde, ein dichter Wald und der Duft alter Bücher

Dass Schweden einen guten Nährboden für Black Metal-Bands hat, ist nichts Neues. Dass viele Bands am liebsten den 90ern huldigen, ebenfalls nicht. Beide Punkte treffen auf LIFVSLEDA zu – und doch hebt sich ihr Album “Det besegrade lifvet” angenehm von der Masse ab. Die beiden anonymen Herren aus dem Dalarna Län experimentieren bewusst nicht – doch das Herzblut, das die beiden in ihre lebensverachtenden Songs stecken, macht ihren old schooligen Schwarzmetall zu einem packenden Erlebnis. Zeit also, sich im Rahmen von Social Distancing und gelebter Misanthropie per E-Mail bei LIFVSLEDA zu melden, um mehr über die Hintergründe vom kryptischen “Det besegrade lifvet” zu erfahren.

Danke für euer Album “Det besegrade lifvet”, das mich überrascht und überzeugt hat. Wie hat die Schwarzmetallwelt auf euer zweites Werk reagiert?

Das Feedback ist bis anhin schlicht überwältigend. Wir sind ehrlich gesagt etwas überrascht darüber, dass unser Album so gut ankommt. Wir hätten nicht gedacht, dass es so beliebt werden kann. Natürlich sind wir selber glücklich darüber, wie diese Kreation erschaffen und geschaffen wurde, wir sind da nicht besonders empfänglich für Rückmeldungen von ausserhalb. Aber wie gesagt – “Det besegrade lifvet” scheint den Leute wirklich zu gefallen. 

Der Songwritingprozess ist immer am Laufen

Es hat weniger als ein Jahr gedauert, bis “Det besegrade lifvet” nach der EP anno 2019 rausgekommen ist. Hattet ihr schon Lieder für “Det besegrade lifvet” bereit, als die EP rauskam? Oder muss man sich den Songwritingprozss bei LIFVSLEDA anders vorstellen?

Der Songwritingprozess ist ein Prozess, der ständig am Laufen ist. Wenn das richtige Gefühl und die richtige Stimmung da sind, dann entstehen neue Songs. Als die EP am 31. Oktober 2019 erschien, hatten wir etwa die Hälfte des Materials für “Det besegrade lifvet” fertig geschrieben. 

Auf der EP hatten eure Songs nur Nummern statt Songtitel. Auf “Det besegrade lifvet” haben die Lieder eigene Titel. Sind Texte nun wichtiger bei LIFVSLEDA als vorher?

Die Texte waren schon immer – und werden auch immer – ein wichtiger Teil des Ganzen sein bei LIFVSLEDA. Der Inhalt und die Botschaft haben Vorrang vor den Titeln, die römischen Ziffern fühlten sich bei der EP einfach natürlich an und passten zum Konzept. Bei “Det besegrade lifvet” passten die Worttitel besser, also änderte sich das. Komplizierter ist es nicht!

Der Duft alter Bücher als Inspirationsquelle

Was sind eure Inspirationsquellen, wenn ihr einen Text schreibt? Bestimmt der Text, wie die Musik wird, oder ist es genau umgekehrt?

Den grössten Einfluss, den die Musik auf die Texte hat, ist, wie die Phrasierung wird. Ansonsten werden wir von verschiedenen Gefühlen und Gefühlslagen inspiriert, von nasser Erde, einem dichten Wald, dem Duft alter Bücher. Erfahrungen und Erlebnisse verschiedener Natur, von allen Sinnen. 

Was ist der Vorteil davon, schwedische statt englische Texte zu haben?

Es ist viel einfacher, sich in seiner Muttersprache auszudrücken, also singen wir auf Schwedisch. Ausserdem ist Schwedisch eine rauere Sprache fürs Singen als zum Beispiel Englisch. Es passt also besser zu unserer Musik.

Etwas Buntes wirst du von uns nie sehen

Das Cover zu “Det besegrade lifvet” ist viel minimalistischer als das Cover der “EP”. Seht ihr Farbe in der Cover-Zukunft von LIFVSLEDA? 

Wir haben eine Platte in Grautönen gemacht, nun eine mit einem weissen Hintergrund. Das heisst, dass die nächste Platte kohlrabenschwarz wird. Noch immer minimalistisch und stilvoll, und mit klaren Referenzen zur Memento Mori-Kunst. Wir haben unser Konzept gefunden und spinnen es jetzt weiter auf dem eingeschlagenen Weg. Etwas Buntes würde wirklich nicht zu LIFVSLEDA passen und das wirst du somit auch nie zu sehen bekommen. 

Durch welche Bands seid ihr zum Black Metal gekommen? Hört ihr diese Bands noch immer? 

BATHORY, MAYHEM, BURZUM, MARDUK und DARKTHRONE sind wohl die Top 5 der Bands, die am meisten für uns bedeuten. Ihre frühen Werke haben uns geprägt und wir hören sie noch immer. 

Konzerte sind keine Priorität

Ihr hält eure Identitäten geheim. Bedeutet das, dass ihr auch nach der Covid-Zeit nicht live auftreten werdet? 

Wir haben die Frage von wegen live oder nicht für den Moment ad acta gelegt. Aber ja, die Konzertfrage war mal aktuell, weil wir ein Angebot für ein Konzert bekamen. Es ist allerdings nichts, das bei LIFVSLEDA zu einer Priorität wird. Es braucht viel, bis wir uns auf eine Bühne stellen. Aber wenn die richtigen Voraussetzungen gegeben sind, dann ist es wohl wieder Zeit, darüber nachzudenken. 

Borlänge und Sorhin sind trve

Welches ist der trveste Black Metal-Ort in Dalarana und warum?

Borlänge und Sorhin, aus den einfachsten Gründen. Diese beiden Orte sind natürlich wie jedes Scheissloch, aber das ist ganz klar die Antwort auf deine Frage. 

Haha, alles klar. Was sind denn die Pläne von LIFVSLEDA für 2021?

Mit grosser Wahrscheinlichkeit spielen wir Ende 2021 ein neues Album ein. Abgesehen davon haben wir momentan keine anderen Pläne, ausser “Det besegrade lifvet” zu promoten und zu verbreiten – so gut wir das können. 

Bilder: Band

Arlette Huguenin Dumittan
Arlette ist seit 2000 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, MAYHEM, HAIL OF BULLETS. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.