CHINCHILLA: 100% Metal

CHINCHILLA: 100% Metal

CHINCHILLA haben vor kurzem ein wieder qualitativ hochwertiges Metalalbum veröffentlicht, das keinen Fan enttäuschen wird. Grund genug also bei Udo per Mail nachzufragen. Da ich lange Anleitungen hasse, wollen wir gleich mit dem Wesentlichen beginnen.

Ihr habt Veränderungen in Eurem Line-Up vorgenommen. Welche Gründe gab es dafür und stell doch mal die Neuen vor.

Tja, was willst Du hören? Aus musikalischen Gründen? Was ja auch stimmen würde. Aber es ist eben wie in einer Beziehungen, irgendwann versteht man sich nicht mehr und dann war es das. Die Ziele der Drei die nicht mehr dabei sind, haben eben mit den Zielen von CHINCHILLA nicht mehr übereingestimmt, das ist alles. Die Abgänge haben aber der Band sehr gut getan, denn ich glaube nicht, dass Madtropolis dann so klingen würde. Als erstes möchte ich unseren neuen Drummer Criss erwähnen. Eine absolute Powermaschine was er auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Josh, unser neuer Basser ist sein Januar 2002 dabei und schon immer meine Traumbesetzung seit ich ihn bei THE HEAT gesehen habe. So hat es sich auch bewahrheitet: Er ist eine Mischung aus Jimmy Brain und etwas Lemmy am Bass. Er tut der Band sehr sehr gut. So haben wir jetzt auch eine absolut geile Rhythmussektion auf die ich sehr stolz bin. Zu guter Letzt kam noch Artur zur Band. Es gelang ihm, durch seine Spielweise und seine Persönlichkeit der Band und auch die Fans vom ersten Tag an zu überzeugen. CHINCHILLA haben nun ein völlig neues Wir-Gefühl bekommen und die Bedeutung des Wortes Freundschaft wiederentdeckt. Was auch unsere Leute im Hintergrund wie Volker unseren Veranstalter und Fahrer, Reiner den Merchandiser und Rene unseren Webmaster einschließt.

Auch wenn Dich die Frage wohl langweilt und Du sie bestimmt in jeden Interview gestellt bekommst: Wie kann sich eine relativ kleine deutsche Band einen Mann wie Fast Eddie Clark angeln?

Hier zeigt sich mal wieder, dass manche Dinge nicht umsonst sind. Aus dem Kontakt und der Tour mit Paul Di Anno kam der Kontakt zu Eddie Clarke zustande. Da Lea Hart, der Ex-Sänger von FASTWAY und gleichzeitig Manager von Paul ist, war es nicht schwer an Eddie ranzukommen. Josh, Artur und ich sind große Fans von MOTÖRHEAD, da kam ich auf die verrückte Idee, einfach mal bei Eddie anzufragen ob er nicht Lust hätte ein Solo einzuspielen. Ich frage am 2. Weichnachtsfeiertag an, er überlegte kurz und meinte dann, warum eigentlich nicht. Alles andere war dann sehr einfach. Ein sehr netter und bescheidener Musiker betrat am 27.01. das Studio in Winterbach und wir hatten tierisch viel Spaß. Alle waren von seiner netten und freundlichen Art begeistert. Außerdem war hier noch ein Vollprofi am Werk.

Meines Erachtens gab es keine großen Veränderungen im Gegensatz zu eurer letzten Scheibe, was jetzt nicht als Kritik gewertet werden soll. Ich denke ihr habt Euren Sound/Euren Stil gefunden und wer CHINCHILLA kauft, weiß was drin ist.

Ich bin der Meinung wo CHINCHILLA draufsteht sollte auch CHINCHILLA drin sein. So gibt es für einen Musiker keine größere Ehre als seinen eigenen Still attestiert zu bekommen und das ist heutzutage sehr schwierig, weil alle nur das Schubladendenken haben. So wirst Du schnell als Klon abgestempelt und wer will schon ein Imitiat, wenn er das Original hören kann?

Genau dies kann aber auch Anlass für Kritiker sein…

Da pflichte ich dir ohne Wiederrede bei, denn es wird immer jemanden geben, dem genau das nicht passt! Warum kaufe ich mir eine MOTÖRHEAD Scheibe? Weil da MOTÖRHEAD drin ist und nicht ABBA, denn auf dem Cover steht MOTÖRHEAD! Mich macht es stolz wenn man unseren Sound und unsere Lieder sofort erkennt und dann gesagt wird, das sind CHINCHILLA. Mehr Eigenständigkeit kann man nicht attestiert bekommen und das will ja schließlich jede Band.

Ich habe Madtropolis kurz mit 100 % Metal, 100 % CHINCHILLA beschrieben. Stimmst Du dem zu?

Dem pflichte ich auch ohne jeglichen Kommentar bei!

Jeder Musiker behauptet verständlicherweise, dass die aktuelle Scheibe die beste in der Karriere ist. Warum ist Madtropolis zum Beispiel besser als The Last Millenium?

Madtropolis ist aus vielen Gründen besser als sein Vorgänger. Erstens ist es das beste Album das wir je gemacht haben und zweitens hat der Besetzungswechsel sehr viel damit zu tun. Man merkt der Band einfach an, dass es ihr Spaß macht die Musik zu spielen und das kommt nur von der Einstellung. Die Besetzungswechsel haben uns eine Frischzellenkur verpasst und das war wichtig. Die neue Scheibe ist wieder eine ganze Ecke härter als die Vorgänger und auch wieder einfühlsamer. Da ich die meisten Songs auf dem Keyboard komponiert habe, sind die skandinavischen Einflüsse sehr stark vertreten. Acts wie PRETTY MAIDS oder STRATOVARIUS zählen nun einmal zu meinen Lieblingsbands. Ich stehe auf geilen Keyboardsound und gute Hooklines von diesem Instrument. Bei Komponieren ist es mir dann zum Glück gelungen, einen schönen Bogen vom traditionellen britischen Heavy-Metal und dem skandinavischen zu schaffen. Im Gegensatz zu The Last Millenium die fast ausschließlich aus harten Nummern bestand, habe ich auf Madtropolis sehr viel Wert auf Abwechslung gelegt. Deshalb haben wir auch eine Ballade (Satellite), die übrigens Artur komponiert hat, mit auf die Scheibe genommen. Ich denke es ist wichtig auf jeder CD die Band aus einer anderen Perspektive zu zeigen und das selbe Schema immer zu wiederholen. Das zeichnet eine erfolgreiche Band aus. Die Scheibe umfasst das ganze Spektrum an Metal von knallhart über Midtempo-Stampfer bis hin zur sensiblen Ballade. Das ist der Spagat, der uns glaube ich sehr gut gelungen ist. Ich würde aber an The Last Millenium nichts verändern wollen, weil ich voll hinter dem stehe, was wir damals gemacht haben. Im Leben Erfahrungen zu sammeln und sich weiterentwickeln ist doch ein guter Entwicklungsprozess.

Handelt es sich bei Madtropolis um eine Konzeptscheibe, schließlich beginnt die CD mit The Arise Of Madtropolis und endet mit The Fall Of Madtropolis?

Eigentlich hätte es ein Konzeptalbum werden sollen, aber dann musste ich unbedingt den Song Heavy Metal schreiben und futsch war das Konzeptalbum. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn Satellite fällt ja auch aus dem Rahmen. Aber ich finde dieses Intro und das Outro geben der ganzen Sache etwas mystisches. Wenn ich meine Kopfhörer aufsetze, die Augen schließe und dann auf den Startknopf drücke, dann ist das wie im Kino. Das ist Intro ist für mich die Reise in eine andere Welt, dein eigener Film läuft ab, bis zu dem Punkt wo das Outro kommt. Dann beginnt wieder die Rückreise in die Realität.

Die Texte klingen recht interessant und durchdacht. Kannst Du was dazu erzählen?

Die Texte sind in Parabelform geschrieben, damit ich nicht zu vielen Leuten auf den Fuß trete. Jeder kann sich so seine eigenen Gedanken machen und jeder wird sicherlich zu einem ähnlichen Schluss kommen. Da ich nicht als Lehrmeister oder Prophet auftreten möchte, ist das doch das Beste, die Fans so zum Nachdenken anzuregen. Madtropolis befasst sich textlich ausschließlich mit den Schwächen der Menschheit und dem Streben nach Macht, Ruhm und Reichtum, für das wir alles tun. Dies wurde uns seit Kindheit in unsere Schädel eingehämmert und wir können die Folgen gar nicht überschauen. Für alles im Leben gibt es einen Preis, Gut und und Böse, Schwarz und Weiß und so zeigt sich immer wieder wie leicht der Mensch zu manipulieren ist. Jeder schaut nur nach sich selbst, nach seinem persönlichen Vorteil und das wird eben alles zum Verhängnis. So sind auch Manipulation von Nachrichten eine ganz normale Geschichte.

Ich besitze derzeit nur Eure Promo ohne Texte, denke aber beim Song Heavy Metal Kritik an den derzeitigen Metalspirit herausgehört zu haben. Stimmt das und wenn ja, was passt Dir derzeit nicht?

Ja, das würde ich schon so sagen. Heavy Metal handelt von der naiven Sichtweise die man mit 16 Jahren noch hat, wenn man zum erstenmal Metal hört und man sich wünscht, selber einmal auf diesen Bühnen zu stehen und zu rocken. Ich dachte immer die Fans und die Musiker halten zusammen, wir gehen durch dick und dünn. Doch man wird älter und die Augen werden einem immer mehr geöffnet. So sieht man plötzlich Dinge die einen erschrecken. Viele Musiker sind Geschäftsleute und vergessen eben diesen Idealismus und denken nur noch ans Geld. Sie vergessen auch, wer ihnen das alles ermöglicht, nämlich nur die Fans. So ist dieser Song den Fans gewidmet, ein Danke für ihre Treue und ihre Unterstützung die sie den Bands zuteil werden lassen. Ohne Fans würde es die Metalszene nicht geben!

In meiner Review schrieb ich auch, dass Madtropolis der nächste logische Schritt auf der Erfolgsleiter von CHINCHILLA ist. Wohin führt die Reise, bzw. hast Du jetzt dieses make it, or break it-Gefühl, welches ja viele Musiker nach einiger Zeit haben?

Nein, weil ich mich nicht unter Druck setzen lasse. Ich mache Metal, weil es mein Leben ist und das ist der einzigste Grund soviel Strapazen und Entbehrungen auf sich zu nehmen. Ich schreibe Songs weil das in mir steckt und es mir verdammt viel Spaß macht auf der Bühne zu stehen. Was soll das eigentlich immer alles mit diesem make it, or break it? Wir sind doch nicht bei den olympischen Spielen oder beim Autorennen. Ich denke man soll das machen auf was man Bock hat und wer sich unter Druck setzen lässt und nur an seine Karriere denkt, der bringt es auch nicht sehr weit. Dann ist man auch nur mit Ärsche küssen beschäftigt! Mach dein Ding und hau rein, ist da eher ein Motto.

Möchtest Du noch etwas zur neuen Scheibe loswerden?

Nein, eigentlich nicht. Eure Leser sollten sich die Scheibe einfach mal selber anhören und dann entscheiden.

Was kann man in den nächsten Monaten von Euch erwarten? Ist eine Tour geplant?

Da gibt es noch nichts definitifes. Wir werden in Deutschland natürlich wieder viel spielen. Von Mitte Mai bis Anfang Juli sind schon wieder 10 Gigs gebucht. Die Tourdaten gibt es auf unserer Homepage (www.chinchilla.rocks.de)

Warum sieht man Euch bei keinem großen Festival? Ich denke ihr habt mittlerweile schon eine Fanbasis und die Veranstalter der Festivals hätten kein großes Risiko wenn sie Euch buchen würden?

Weil auch das Rockbusiness eine Vetterleswirtschaft ist. Es sind doch immer die gleichen Bands die alle zwei Jahre die Festivals spielen und Acts wie wir haben es halt schwer unterzukommen. Aber wir haben ja schon die großen Festivals in Deutschland gespielt, nun wäre es an der Zeit das wir auf solchen Festivals bessere Spielzeiten bekommen und wenn das nicht der Fall ist, dann spiele ich lieber auf einen kleinen Open-Air als Headliner vor 1000-2000 Leuten die uns sehen wollen.

Mit welcher Band möchtest Du gerne auf Tour gehen?

Mich würden schon einige Bands reizen. Aber Touren ist kein Spaß, das ist ein harter Job und vor allem verdammt teuer. Deshalb muss es ein Headliner sein der uns was bringt. Sprich, es sollten schon Hallen in der Größenordnung von 1000 Leuten sein und bezahlbar muss es natürlich auch sein. Das ist alles aber leider sehr schwer in der heutigen Zeit zu erreichen.

Du bist ja ein richtiger Metalhead und deshalb möchte ich Dir noch ein paar persönliche Fragen stellen.

Welches Konzert hast Du zuletzt als Fan besucht?

MOTÖRHEAD in Filderstadt

Welche 3 Scheiben hörst Du derzeit am häufigsten?

DIO Killing The Dragon, MOTÖRHEAD Overkill und CHINCHILLA Madtropolis

Was war Deine letzte gekaufte Scheibe?

DIO Killing The Dragon

Welche CD hast Du in deinem Leben bisher am häufigsten gehört?

MOTÖRHEAD Overkill

Was fällt Dir spontan zu folgenden Begriffen ein?

Schwaben

Gutes Essen, gutes Bier, Metal Hochburg in Deutschland

METALLICA

Vom Tellerwäscher zum Millionär

IRON MAIDEN

Money Rules Everything

Geld

Krieg, Macht, Zerstörung, Neid, Missgunst, Manipulation, Lügen

Bang Your Head

Danke Horst! Bang Your Head 2000 durften wir eröffnen

SACRED STEEL

Gute schwäbische Band

DEMON

Viel Spaß auf Tour und super Leute

BLIND GUARDIAN

Deutsches Urgestein

Amerika

Entire World

Halford

JUDAS PRIEST

Nu-Metal

Nichts!!!