ZEAL & ARDOR: Zeal & Ardor

Weil ZEAL & ARDOR scheinbar gegensätzliche Genres schlüssig zusammenführen, entwickelt das selbstbetitelte Drittwerk schnell eine Sogwirkung. Herausgekommen ist somit ein hochinteressantes Stück Avantgarde Metal.

Gegensätze ziehen sich an, heißt es so schön. Gerade in der Musik ist das auch gar nicht so abwegig, wo das Spiel mit Kontrasten oft für interessante Dynamik sorgt. Warum wir bei ZEAL & ARDOR dennoch erstmal beide Augenbrauen hochziehen, hat eine ganz einfache Ursache: Hier treffen im ersten Augenblick tatsächlich musikalische Welten aufeinander.

Das Drittwerk „Zeal & Ardor“ setzt sich dabei offenbar keinerlei Grenzen, wenn innerhalb einer Dreiviertelstunde Elemente des Black Metal, Blues, Gospel, Folk, Americana, Industrial und Modern Metal mit einer geradezu beängstigenden Selbstverständlichkeit miteinander verschmolzen werden. Das Resultat ist ein spannendes, abwechslungsreiches und stets hochinteressantes Stück Avantgarde Metal, das eigentlich hinter jede Ecke etwas Neues bietet und dabei doch erstaunlich griffig bleibt.

Das Material auf “Zeal & Ardor” entwickelt schnell eine Sogwirkung

Das liegt nicht nur an den kompakten Kompositionen, die nur in Ausnahmefällen die Vier-Minuten-Marke hinter sich lassen, sondern auch am ungemein effizienten Songwriting, für das Bandkopf Manuel Gagneux in einzelnen Songs oftmals nur wenige Ideen miteinander kombiniert. Dass ZEAL & ARDOR mitunter auf Wiederholung als Stilmittel setzen, ist allerdings kein Makel, entwickelt das oft eingängig-groovende Material doch gerade dadurch eine regelrechte Sogwirkung.

Die harten Stakkato-Riffs setzen im starken „Death To The Holy“ auf diese Weise einen unwiderstehlichen Kontrast zu den bluesig-souligen Strophen, während „Feed The Machine“ zwischen Black Metal, Americana und Gospel einen nicht unähnlichen Ansatz verfolgt. Überhaupt findet sich auf „Zeal & Ardor“ kaum ein Track, der nicht irgendeine Symbiose eingeht: Seien es elektronische Ambient-Sounds und Blackgaze in „Emersion“ oder die Crossover-Breite von „Götterdämmerung“, wo eine zusätzliche Ladung Industrial-Attitüde für die richtige Atmosphäre sorgt.

ZEAL & ARDOR führen scheinbar gegensätzliche Genres schlüssig zusammen

Die soulige Seite des Albums wiederum mit Stücken wie „Golden Liar“, „Church Burns“ oder „Bow“ ist insbesondere deshalb so ergreifend, weil Gagneuxs gefühlvolle Singstimme die bedachten Arrangements entsprechend zu nutzen weiß: Mal zurückgenommen, mal ausdrucksstark und kraftvoll geht die Performance des Frontmanns nicht selten unter die Haut.

Glücklicherweise stolpern ZEAL & ARDOR auch bei der Königsdisziplin nicht: All diese unterschiedlichen Genres schlüssig zusammenzuführen, ist keine leichte Aufgabe und doch eine Herausforderung, welche auf dem Drittwerk nahezu ausnahmslos gelingt.

Natürlich hat auch „Zeal & Ardor“ seine „Standout-Tracks“ – seine Hits, die etwas heller strahlen als der Rest des Albums. Und doch bleibt auch die Platte in ihrer Gesamtheit ein schlüssiges Unterfangen, welches uns bis zum Finale bei der Stange hält. Ein Resultat, das bei genauerer Betrachtung übrigens alles andere als abwegig klingt. Denn wie wir soeben herausgefunden haben, ziehen Gegensätze nicht nur sich selbst, sondern offenbar auch uns an.

Veröffentlichungstermin: 11.02.2022

Spielzeit: 43:57

Line-Up

Manuel Gagneux – lead vocals, backing vocals, lead guitar, rhythm guitar, bass guitar, synthesizer, samples, programming
Marco Von Allmen – drums

Produziert von Manuel Gagneux und Will Putney (Mix und Mastering)

Label: MVKA

Homepage: https://www.zealandardor.com/
Facebook: https://www.facebook.com/zealandardor/

ZEAL & ARDOR “Zeal & Ardor” Tracklist

1. Zeal & Ardor 01:58
2. Run 03:16 (Video bei YouTube)
3. Death to the Holy 03:07 (Video bei YouTube)
4. Emersion 03:34
5. Golden Liar 03:43 (Video bei YouTube)
6. Erase 04:01 (Audio bei YouTube)
7. Bow 02:13
8. Feed the Machine 02:39
9. I Caught You 04:07
10. Church Burns 03:03
11. Götterdämmerung 03:03
12. Hold Your Head Low 04:43
13. J-M-B 01:54
14. A-H-I-L 02:36