WHORESNATION: Dearth

Fragt man nach der brutalsten französischen Grindcore Band, so dürften die WHORESNATION ganz weit oben landen. Dass die Jungs aus dem beschaulichen Besancon sich nun seit fast 15 Jahren unter dem Radar befinden, hat nichts mit der Qualität zu tun, sondern es liegt an der schwachen Grindcore Lobby in Frankreich, dass den Krachmatten wie WARFUCK, INHUMATE, CHIENS, BLOCKHEADS und eben WHORESNATION der große internationale Durchbruch bis dato nahezu komplett verwehrt blieb. Der einzige Ausweg scheint mittlerweile ein Umzug nach Finnland oder Schweden zu sein – ihr habt den Witz verstanden, ne? Der Ratschlag könnte aber genauso gut von CANNIBAL CORPSE kommen.

Never change a running system

„Mephitism“ (2018), das vor vier Jahren das Licht der Welt erblickte, hat mich schlicht überfahren und es locker in mein Jahrestop geschafft. Nun wird mit „Dearth“ nachgelegt und was soll man sagen? Das Ding sitzt. Es ist eben nicht so, als würde man hier den Wunsch der Band verspüren, komplett neue Wege zu gehen oder gar sich neu zu erfinden – nein, die Dudes zocken immer noch ihren groovigen crustigen Deathgrind der Amischule, und daran wird sich wahrscheinlich auch in den nächsten 10 – 15 Jahren nichts ändern. Aber bedarf es überhaupt einer Änderung? Nö. Die Platte zerlegt alles, was nicht schnell genug in Deckung gehen kann und hinterlässt nach 20 Minuten Spielzeit nichts als verbrannte Erde. This is fucking Grindcore, und so muss es auch sein.

Rundum gelungenes Grindcore Chaos…

Wo wir schon bei den Referenzen sind, so sind die Einflüsse der Bands wie INSECT WARFARE, PHOBIA, P.L.F. oder KILL THE CLIENT kaum zu überhören. Pfeilschnelle Blastbeatorgien, groovige Midtempopassagen und fette Moshparts geben sich auf „Dearth“ die Klinke in die Hand. Wo ich mir allerdings mehr Abwechslung wünschte, wären eindeutig die Vocals, die im Prinzip komplett aus tiefen Growls bestehen, was bei knapp 21 Minuten Dauerbeschallung allerdings kaum ins Gewicht fällt. Wobei man hier auch anmerken muss, dass eben die würzige Kürze von Alben den Grindcore erst richtig schwerverdaulich machen – da rast so ein Ding an einem vorbei, und man muss das Zeug so lange rauf- und runterspielen, bis alle Details zum Vorschein kommen und man einzelne Songs wenigstens auseinanderhalten kann. Aber es geht natürlich einfacher: Man legt einfach die „Head Cage“ von PIG DESTROYER auf. Spaß. Also soundtechnisch schneidet „Dearth“ hier für meinen Geschmack wesentlich besser ab, und nein, nicht jedes Grindcore Album muss wie eine in Eigenregie produzierte AGATHOCLES Split-EP klingen.

…das euch komplett zerlegen wird

Um es den treuen Vampster Lesern beim Einstieg ein wenig einfacher zu machen, hier ein paar Anspieltipps: „Death Annuity“, „Pajarito“, „Avalanche“, „French Enucleation“ und nicht zuletzt „Bluthgeld“. Kauft oder klaut euch die Scheibe, legt sie ein oder auf und lasst euch von “Dearth” ganz schön die Gesichter wegschmelzen. In Grind We Crust.

Release: 04.05.2022

Spielzeit: 20:52

Produziert von: Stephen Lawansch und Greg Wilkinson

Line-Up: 

Tonio: Drums

Lopin: Guitars

Pibe: Vocals

Anto: Bass

Label: Carbonized Records/Bones Brigade Records/LIXIVIAT Records

Facebook: Whoresnation

Bandcamp: Whoresnation

WHORESNATION: “Dearth” Tracklist:

01. Lucifugous
02. Everyday Kriegspiel
03. Self Containment
04. Sunburnt to Death
05. Tufa Downfall
06. Death Annuity
07. Pajarito
08. Craving for Dearth
09. Avalanche
10. Odd Aura
11. Crawlspace Burial
12. French Enucleation
13. Sewage Breath
14. Bluthgeld
15. Bullous Pemphigoid
16. Alluring Lethal Remains