Wie viel Musik steckt bereits im Titel? „Praise Me! Erase Me!“ gibt nicht nur Einblick in das Konzept, sondern auch die musikalische DNA der Post Metal-Band V/HAZE MIASMA: Momente ehrfurchtsvoller Schönheit treffen auf Zerstörung gewaltigen Ausmaßes. Dass hier inhaltlich die Natur und damit in letzter Konsequenz auch die Grundlage unserer Existenz ins Zentrum gerückt wird, passt somit wie die Faust aufs Auge.
In Selbiges dürfen wir nun übrigens von Angesicht zu Angesicht blicken: Denn mit ihrem zweiten Full-Length-Album hat sich die Mannheimer Band auch ihrer Pseudonyme entledigt, was auf die Musik selbst zwar keinen Einfluss hat, die Köpfe dahinter aber greifbarer und menschlicher wirken lässt. Von letztgenannter Qualität gibt es auf „Praise Me! Erase Me!“ schlussendlich eine ganze Menge, obgleich die erste Single „Demi-Human“ zumindest dem Namen nach etwas anderes andeutete.
„Praise Me! Erase Me!“ belegt: V/HAZE MIASMA stehen im Post Metal auf eigenen Beinen
Klarheit verschafften damals jedoch schon die ersten Klänge des sich behutsam aufbauenden Stücks: Sänger Andreas Fingas schwermütiger Klargesang bohrt sich tief in unser Inneres, bis nach zwei Minuten die schleppende Doom-Gitarre weitere Verzweiflung sät. Die Art und Weise, wie V/HAZE MIASMA im Hintergrund angeschwärzte Gitarren einstreuen, die im Finale schließlich gar das Ruder an sich reißen, spricht für die Eigenständigkeit des Projekts: Erkennen wir im Verlaufe des Albums gewisse Einflüsse mit steter Regelmäßigkeit, erlangt das Endresultat im Post Metal-Genre doch ein eigenes Profil.
Wo sich „Praise Me! Erase Me!” allerdings den Konventionen fügt, ist im grundsätzlich gemächlichen Songaufbau: Ausladende Kompositionen jenseits der sieben Minuten sind die Norm, wobei sich die Band in ihren Klangwelten lieber behutsam nach vorne tastet, als mit dem Kopf durch die Wand zu brechen. Eruptionen sind keine Seltenheit, folgen jedoch oftmals ausgedehnten Phasen der Ruhe, der Introspektion.
„Praise Me! Erase Me!“ setzt auf Kontraste, bleibt aber keinesfalls immer berechenbar
Glücklicherweise wird das Songwriting dadurch keineswegs berechenbar: Die rasenden Black-Metal-Ausbrüche in „Praise Me!“ stürzen urplötzlich mit Blastbeats über uns herein, nur um dann wieder Sänger Andreas Fingas die Bühne zu überlassen. Das Konzept funktioniert bisweilen in ähnlicher Weise, wie es IOTUNN die letzten Jahre praktiziert haben, nur dass V/HAZE MIASMA fest im Post Metal verankert sind.
Entsprechend erinnern die mächtigen Gitarren zu Beginn von „Animos“ an THE OCEAN, während Sebastian Mosers harsche Vocals stärker in Richtung Black Metal schielen. ENSLAVED dürfen zwischendurch gerne als Referenz genannt werden, obgleich sich „Praise Me! Erase Me!“ nicht auf eine Schiene festnageln will. Dementsprechend setzt „Shadows“ auf eine wundervolle Gesangslinie, die zu übermenschlicher Größe heranwächst und uns in eine andere Sphäre zu katapultieren scheint.
Die lange Laufzeit des Albums ist zu spüren, doch packend bleiben V/HAZE MIASMA dennoch
„Karzer“ wiederum startet als unnachgiebige Doom-Death-Walze, bevor es in den letzten beiden Minuten die Intensität hochschraubt. Im Gegenzug setzt „Cannula“ auf gefühlvolle Pianobegleitung, um die stillen Momente auszuschmücken. Dass die 61 Minuten Laufzeit aller Variation zum Trotz dennoch zu spüren sind, ist das einzige Manko dieses ambitionierten Albums, das mit dem instrumental-dissonanten „Erase Me!“ im CULT OF LUNA-Stil den Ringschluss vollzieht. V/HAZE MIASMA handeln somit konsequent: Dass die Platte musikalisch unbequem enden würde, verriet ja im Grunde genommen bereits der Titel.
Veröffentlichungstermin: 07.11.2025
Spielzeit: 61:25
Line-Up
Andreas Fingas – Vocals
Johannes Lenk – Gitarre
Sebastian Moser – Vocals, Bass
Julian Osterried – Schlagzeug
Special Guest:
Christian Reichinger – Piano
Produziert von Sebastian Moser / Grotesque Studios
Label: Inertial Music
Instagram: https://www.instagram.com/vhazemiasma/
Bandcamp: https://vhazemiasma.bandcamp.com
V/HAZE MIASMA “Praise Me! Erase Me!” Tracklist
1. Praise Me!
2. Animos
3. Demi-Human (Visualizer bei YouTube)
4. Shadows
5. Eden (Visualizer bei YouTube)
6. Karzer
7. Cannula
8. Erase Me!