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UNDEROATH: Ø (Disambiguation)

UNDEROATH gehen auf Nummer Sicher – gute Songs gibt es trotzdem auf "Ø (Disambiguation)".

Zugegeben, in den letzten anderthalb Jahren habe ich UNDEROATH, trotz der letzten beiden tollen Alben Lost In The Sound Of Separation und Define The Great Line, eher vernachlässigt. Warum? Ich habe sie live gesehen. Da hat sich vieles relativiert, zum Beispiel, dass sie eben doch Prediger sind und live etwas zu penetrant wurden. Na ja, jeder hat Fehler, verzeihen wir ihnen dafür. Denn das neue Studioalbum Ø (Disambiguation) macht den Ärger nach der Liveshow fast vergessen. UNDEROATH zeigen sich hier zwar nicht ganz so kreativ und wild wie auf dem Vorgänger Lost In The Sound Of Separation. Statt hier in allen Songs Überraschungsmomente einzubauen, setzen die sechs Musiker aus Florida auf Kontinuität, vielleicht auch, da Ø (Disambiguation) das erste Album ohne das letzte verbliebene Gründungsmitglied Aaron Gillespie ist.

Das Drumming übernimmt nun Daniel Davison, der dank seiner NORMA JEAN-Vergangenheit spielerisch hinter seinem Vormann in nichts nachsteht. Ebenso ist das Songwriting größtenteils stark wie eh und je. Zwischen eben NORMA JEAN und THRICE eingependelt, gibt es schräges, wildes, besinnliches und melancholisches, aber zumeist intensives Material zu hören. Der Grat zwischen vertracktem Metalcore und dem Post Hardcore wird hier mit Bravour beschritten, dennoch scheitern UNDEROATH daran, dem letzten Album einen drauf zu setzen. Starke Songs gibt es zuhauf, mit In Division peitscht die Band gleich nach vorne und bietet alles, was die Fans von ihnen hören wollen, die Wut, die Leidenschaft, den Herzschmerz, das Eingängige und das Komplizierte. Ebenso funktionieren Catch Myself, Catching Myself, das eher zurückhaltende Paper Lung, Who Will Guard The Guardians mit seinem sagenhaften Mittelteil, das heftige Vacant Mouth und der gelungene Schlusspunkt In Completion.

In nicht ganz vierzig Minuten bieten UNDEROATH also vor allem eins: Ein Nummer-Sicher-Album, aber auf sehr hohem Niveau. Dennoch, einige der Songs, wie Illuminator, das vergleichsweise stumpfe A Divine Eradication und My Deteriorating Incline zeigen, dass UNDEROATH nicht nur kreative Höhenflüge, sondern auch ein paar Füller an Bord haben. Das instrumentale Niveau der Band ist immerhin wie üblich hoch, und gerade Neuzugang Daniel kann zumindest einige leichte Akzente beim Drumming setzen. Gesanglich zeigt Spencer Chamberlain wieder, wie gut er im Bereich des Gebrülls ist, wie stark sein melodischer Gesang und wie wunderbar einige seiner Gesangslinien sind. Nur im Bereich der elektronischen Elemente hätten UNDEROATH mehr Mut zeigen müssen. Immerhin, was sie bieten ist sehr geschmackvoll und meilenweit weg von billigem Plastikschund.

Mit einem neuen Produzententeam, das für einen recht basslastigen, angenehm unsterilen Sound sorgt, zeigen UNDEROATH, dass sie einen Willen zur Änderung haben. Wenn sie das nächstes Mal wieder auf das Wichtigste, nämlich spannenderes Songwriting transferieren, gibt es nur Gewinner. Immerhin, das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Verglichen mit den meisten anderen Bands dieser Generation aus diesem musikalischen Bereich, ist Ø (Disambiguation) ein abermals bärenstarkes Album, das für viele fordernde Durchläufe sorgen wird. Nur auf ihrer nächsten Tour werde ich UNDEROATH nicht mehr besuchen, da kann ich ja gleich in die Kirche gehen.

Veröffentlichungstermin: 19. November 2010

Spielzeit: 38:23 Min.

Line-Up:

Spencer Chamberlain – Vocals, Guitar
Tim McTague – Guitar, Backing Vocals
James Smith – Guitar
Grant Brandell – Bass
Daniel Davison – Drums
Christopher Dudley – Keyboards, Synthesizers

Produziert von Matt Goldman und Jeremy S. H. Griffith
Label: Roadrunner Records

Homepage: http://www.underoath777.com/disambiguation
MySpace: http://www.myspace.com/underoath

Tracklist:

1. In Division
2. Catch Myself, Catching Myself
3. Paper Lung
4. Illuminator
5. Driftwood
6. A Divine Eradication
7. Who Will Guard The Guardians
8. Reversal
9. Vacant Mouth
10. My Deteriorating Incline
11. In Completion

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