TRANSNIGHT: 2005 Remastered [Eigenproduktion]

TRANSNIGHT: 2005 Remastered [Eigenproduktion]

Gut Ding will Weile haben. Das gilt auch und gerade dann, wenn es um die Veröffentlichung progressiver Musik geht. TRANSNIGHT haben sich dies zu Herzen genommen und erst letztes Jahr, fünf Jahre nach der Gründung der Band, ihre erste Demo-CD veröffentlicht. Leider war diese soundtechnisch nicht gerade beeindruckend und konnte so den positiven Eindruck, den die Band in ihren Live-Auftritten hinterlassen hat, nicht bestätigen. Mittlerweile hat man sich von Sängerin Michaela, die der Musik mit ihrer gewöhnungsbedürftigen Stimme ihren Stempel aufdrückte, getrennt und legt nun eine von Oliver Hering, dem neuen Frontmann, neu eingesungene und remasterte Version des Demos vor. Was sofort auffällt ist, dass der Sound nun deutlich druckvoller ist als auf dem Demo von 2004 – Potenzial, sich in dieser Hinsicht zu steigern, ist aber weiterhin vorhanden, denn da ist man auch von Eigenproduktionen mittlerweile Besseres gewöhnt.

Ob die Neubesetzung des Sängerpostens ein Schritt nach vorne ist, sei mal dahingestellt. Oliver Hering jedenfalls ist in etwa in der gleichen Liga einzuordnen wie seine Vorgängerin. Seine Stimme ist leider etwas dünn und entwickelt gerade bei lang angehaltenen Tönen ein unangenehmes Timbre. Hinzu kommen einige Schwächen hinsichtlich der Aussprache, die beim aufmerksamen Hören unangenehm auffallen. Hat man sich die CD ein paar mal angehört, kann man sich aber durchaus an Olivers Gesang gewöhnen.

Instrumental und kompositorisch haben die vier Songs ohnehin nichts von ihrer Klasse verloren, die lange Reifezeit merkt man ihnen deutlich an. TRANSNIGHT gehören definitiv nicht zu den vielen DREAM THEATER-Klonen, sondern stellen eine wirkliche Bereicherung der Prog Metal-Szene dar, ist ihre Musik doch nicht einfach durch einen Vergleich mit einer etablierten Band zu beschreiben. Als roter Faden zieht sich eine leicht melancholische Stimmung durch die CD, ansonsten wird aber Abwechslung groß geschrieben. Die Musik lebt von den Kontrasten zwischen beinahe schon süßlichen Ohrwurm-Melodien (Changing Seasons) und unkonventionellen, sperrigen Melodien, zwischen balladesken und lauten Parts, bei denen auch schon mal einzelne Growls ertönen, zwischen straighten und komplexen Rhythmen – und von den plötzlichen, schnellen Wechseln zwischen diesen Extremen. Auch Keyboarderin Sonja Dieckmann bemüht sich hörbar um Abwechslung und setzt sowohl auf Piano-, Orgel- als auch progtypische Synthesizer-Sounds. Die Highlights sind das harmonisch anspruchsvolle The Mask, welches mit einem fetten Groove aufwartet und mit ungewöhnlichen Gesangslinien und tollem Piano-Spiel zu begeistern weiß, sowie das abschließende Anymore. Hier zeigt sich die Band stellenweise jazzig, aber auch bluesig, was ihnen ausgesprochen gut zu Gesicht steht.

Trotz der gesangs- und produktionstechnischen Defizite ist TRANSNIGHT eine feine Demo-CD gelungen. Wer neugierig geworden ist, kann die CD auf der Band-Homepage für 6 € erwerben oder sich dort zunächst einen Höreindruck verschaffen. Als weiterer Anreiz für echte Prog-Fans mit Sammelwahn sei erwähnt, dass Produzent C. Kaiser (Ex-EVERFLOW, METAFORCE) einige Backing Vocals beigesteuert hat.

Veröffentlichungstermin: 2005

Spielzeit: 20:40 Min.

Line-Up:
Oliver Hering – Vocals

Christoph Roth – Gitarren

Sonja Dieckmann – Keys

Markus Roth – Bass

Daniel Roth – Drums

Produziert von C. Kaiser

Hompage: http://www.transnight.info

Email-Adresse der Band: info@transnight.info

Tracklist:
1. Changing Seasons

2. Out Of Nowhere

3. The Mask

4. Anymore