SUNRISE AVENUE: On The Way To Wonderland

Insgesamt hätte dem Album natürlich etwas mehr Pfeffer nicht geschadet. Für die ruhigeren Momente im Leben eignet es sich aber allemal, wenn man ein Faible für entspannten Poprock mit einer mikroskopisch kleinen Prise Punk hat.

In einer Zeit, in der (ein Teil der) Popmusik immer rockiger wird und Rockmusiker immer mehr auf Popappeal setzen, verwundert es nicht, dass eine vermeintliche Garagenrockband wie SUNRISE AVENUE softer klingt als die überproduzierten Alben vieler Mainstream-Interpreten. Nur wenn man diese Tatsache akzeptiert, kann man On The Way To Wonderland richtig genießen. Am besten hört man sich das Album in einer ruhigen Stunde an. Der Bandname suggeriert zwar Sommerstimmung. Das Songmaterial ist jedoch eher im Herbst angesiedelt (der natürlich dem Sommer in Finnland – der Heimat der Band – ähneln dürfte). So wirkt etwa das balladeske Heal Me wie ein gelbes Blatt an einem Baum in der Spätsommersonne. Der Wind umweht seine unaufdringliche Harmonien; Spaziergänger schenken ihm wenig Beachtung, als es schließlich abfällt und eine abschließende Pirouette in der Luft dreht. Ein Kind zeigt fasziniert mit dem Finger drauf.

SUNRISE AVENUE sind keinesfalls langweilig. Das Songmaterial klingt zumindest in der ersten Albumhälfte ausgereift. Bestes Beispiel dafür ist das wuchtige Forever Yours. Flottere Songs wie It Ain´t The Way besitzen auch durchaus die Energie eines guten Freunds, der vorbeischaut und einen vor einem tristen Abend vorm Computer bewahrt. Ebenfalls gelungen sind die etwas melancholischeren Stücke Fairytale Gone Bad und Diamonds. Zwischendurch haben sich allerdings auch poppigere Momente wie Make It Go Away (schön) und Destiny (flach) eingeschlichen.

Begeht man den fatalen Fehler und hört das Album, nachdem man gerade eine Dosis EDGE OF SANITY getankt hat, wirkt On The Way To Wonderland erschreckend alltäglich. Doch obwohl das optimistische Sunny Day an Harmlosigkeit tatsächlich kaum zu überbieten ist, liegt der Reiz von SUNRISE AVENUE in der zurückhaltenden Art. Der klare, warme Gesang von Samu Haber ist nicht das Herz, das aufschreit, jubelt, weint, leidet, lacht. Er ist vielmehr die Stimme, die ausspricht, dass die Welt sich weiterdreht, dass Märchen nicht immer gut ausgehen und dass es trotzdem irgendwie gehen wird. Passend dazu regt die Musik in ihren besseren Momenten zum Mitnicken an – nicht zum kollektiven Ausrasten. Die kantenlose Produktion trägt ihren Teil dazu bei, dass sich beim Anhören niemand verletzt.

Insgesamt hätte dem Album natürlich etwas mehr Pfeffer nicht geschadet. Für die ruhigeren Momente im Leben eignet es sich aber allemal, wenn man ein Faible für entspannten Poprock mit einer mikroskopisch kleinen Prise Punk hat.

Veröffentlichungstermin: 25.08.2006

Spielzeit: 58:40 Min.

Line-Up:
Samu Haber: Gesang, Gitarre
Janne Kärkkäinen: Gitarre
Raul Ruutu: Bass
Sami Osala: Schlagzeug

Produziert von Jukka Backlund
Label: Capitol Music / EMI

Homepage: http://www.sunriseavenue.de

Tracklist:
1. Choose To Be Me
2. Forever Yours
3. All Because Of You
4. Fairytale Gone Bad
5. Diamonds
6. Heal Me
7. It Ain´t The Way
8. Make It Go Away
9. Destiny
10. Sunny Day
11. Only
12. Into The Blue
13. Romeo
14. Fight ´Til Dying
15. Wonderland