STRATOVARIUS: Elysium

STRATOVARIUS: Elysium

STRATOVARIUS liefern mit Elysium ein überraschend starkes Album ab. Gekonnt kombiniert das Quintett alte Stärken mit frischen Ideen. Stilistisch bewegt sich die CD zwar im Fahrwasser des Vorgängers Polaris – und somit in der Tradition der Klassikerscheiben aus den 90ern. Doch die Mehrheit der Stücke wirkt unverbraucht und viele der Melodien bestechen durch eine charmante Eingängigkeit, bei der die typische Skandinavien-Atmosphäre durchscheint. Fans der Frühwerke dürfte interessieren, dass das Songwriting herrlich unkonstruiert klingt. Die fließenden Übergänge kommen besonders bei Infernal Maze zur Geltung. Das Stück zeichnet sich aus durch ein flottes Tempo, eine Prise Bombast, erstklassige Einwürfe von Leadgitarre und Keyboard. Dazu gesellt sich der hohe Gesang von Timo Kotipelto, dessen Klarheit und Kraft an Alben wie Visions oder Episode erinnern.

Ein weiteres Markenzeichen von STRATOVARIUS ist sicher auch ein gewisses Popappeal. Dieses findet sich beim Opener Darkest Hour (bereits vorab als Single erschienen) und The Game Never Ends wieder. Beide Songs gehen gut ins Ohr und bleiben auch nach vielen Durchläufen schön. Fans des gepflegten Melodic Speed Metal kommen bei Under Flaming Skies und Event Horizon voll auf ihre Kosten. Hier gibt es keine Spur mehr von den kompositorischen Anlaufschwierigkeiten, die die Band nach dem endgültigen Ausstieg von Timo Tolkki gehabt zu haben schien. Matias Kupiainen liefert reihenweise überzeugende Riffs und tolle Melodien ab. Auch die beiden Kompositionen von Jens Johansson – neben The Game Never Ends schrieb er noch das besinnliche Move The Mountain – überzeugen auf ganzer Linie. Da stört es nicht, dass Timo Kotipelto (Under Flaming Skies) und Lauri Porra (Lifetime In A Moment – ruhiger Stampfer und leider nur nett) kaum zum Zuge kommen.

Ungeachtet dieser Aufschlüsselung ist Elysium zweifelsohne eine Mannschaftsleistung geworden. Das Album kann mühelos mit Infinite – dem letzten überdurchschnittlichen STRATOVARIUS-Album – mithalten, ja, übertrifft es sogar angesichts der vielen Volltreffer und der latenten Leichtigkeit. Dieses Urteil bezieht allerdings vornehmlich auf die ersten 40 Minuten. Denn zum Abschluss verlangt der 18-minütige Titeltrack Elysium Geduld und Aufmerksamkeit. Auch hier gibt es keine stilistischen Überraschungen. Aber das Fehlen einer klaren Struktur wird auf Dauer anstrengend. Die einzelnen Fragmente sind in sich schlüssig und werden freilich tadellos umgesetzt. Für Ausflüge in etwas progressivere Gefilde bin ich prinzipiell auch immer zu haben. Für meinen Geschmack kommen die emotionaleren Momente wie der Chorus nach 7 Minuten zu unvermittelt ins Rampenlicht und verschwinden dann ebenso rasch wieder. Da hätte es die halbe Lieddauer auch getan. Immerhin zieht sich die halb melancholische, halb optimistische Stimmung durch das gesamte Stück und vermittelt zumindest ansatzweise das Gefühl von Zusammengehörigkeit.

Matias Kupiainen füllt übrigens nicht nur die Gitarren- und Songwriting-Schuhe von seinem Vorgänger, sondern liefert auch als Produzent gleich noch erstklassige Arbeit ab. Bei aller spieltechnischen Perfektion bleibt immer ein Hauch von Menschlichkeit in allen Instrumenten spürbar. Elysium ist somit ein kaufenswertes Album, dem man seine sporadischen Schwächen gerne nachsieht, mit dem STRATOVARIUS über weite Strecken eindrucksvoll beweisen, dass sie noch bzw. wieder Biss und zündende Songs haben.

Veröffentlichungstermin: 14.01.2011

Spielzeit: 56:33 Min.

Line-Up:

Timo Kotipelto: Gesang
Matias Kupiainen: Gitarre
Jens Johansson: Keyboard
Lauri Porra: Bass
Jörg Michael: Schlagzeug

Produziert von Matias Kupiainen
Label: Edel / earMUSIC

Homepage: http://www.stratovarius.com

MySpace: http://www.myspace.com/officialstratovarius

Tracklist:

1. Darkest Hours
2. Under Flaming Skies
3. Infernal Maze
4. Fairness Justified
5. The Game Never Ends
6. Lifetime In A Moment
7. Move The Mountain
8. Event Horizon
9. Elysium

Jutze
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