SPIRIT ADRIFT: Ghost At The Gallows

Neues Line-Up, neues Glück: SPIRIT ADRIFT melden sich runderneuert in Albumlänge zurück und liefern mit „Ghost At The Gallows“ gefälligen Heavy Metal, der mehr Tiefgang vertragen hätte.

Arbeitstier Nate Garrett hat in der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts einige schöne Doom Metal-Alben veröffentlicht – SPIRIT ADRIFT standen mit „Curse Of Conception“ und „Divided By Darkness“ zu unrecht im Schatten von PALLBEARER, auch wenn die ihnen immer die ein oder andere Nasenlänge voraus waren. Dass sich die Texaner irgendwann in Richtung klassischen Heavy Metal entwickelt haben und dadurch in so manche Kitschfalle tappen, ist ein wenig tragisch, auch weil GRAND MAGUS, ihre schwedischen Brüder im Geiste, dieselbe Transformation über lange Zeit gut überstanden haben.

Eingängigkeit, Pathos, Stangenware: SPIRIT ADRIFTs liefern mit „Ghost At The Gallows“ ein Nummer-Sicher-Album ab.

Drei Jahre nach dem letzten Album „Enlightened In Eternity“ führen SPIRIT ADRIFT ihre Entwicklung ziemlich genau an jenem Punkt weiter: Zeitgemäßer, klassischer Heavy Metal. Schon „Give Her To The River“ ist mit knapp acht Minuten ziemlich episch, aber auch ein Nummer-Sicher-Opener, der sich etwas zieht. Das Uptempo-Doppel „Barn Burner“ und „Hanged Man’s Revenge“ hat Refrains, um die Faust in die Luft zu strecken, „Death Won’t Stop Me“ schwankt zwischen Fremdscham-Pathos und Eingängigkeit. Dass SPIRIT ADRIFT es beherrschen, auch abseits von Klischees mitzureißen, zeigt das Kompakte „I Shall Return“, das zwar auch kein Klischee auslässt, aber dank launiger Twin-Guitars doch irgendwie schön ist.

SPIRIT ADRIFT sind in Übung geblieben, ihren zahlreichen Touren und den beiden EPs „Forge Your Future“ und „20 Centuries Gone“ sei Dank. Abnutzungserscheinungen gibt es daher kaum, Nate Garrett und seine neuen Mitstreiter Michael Arellano (Drums) und Gitarrist Tom Draper liefern eine saubere Performance in Sachen Perfomance ab. Das täuscht nicht darüber hinweg, dass diese acht Songs zu sauber, zu glatt, zu sehr auf Nummer sicher gepolt sind. SPIRIT ADRIFT kratzen dabei hauptsächlich an der Oberfläche und verpassen die Gelegenheit, wirklich tiefgehende Musik zu schreiben – eine Falle, in die PALLBEARER oder KHEMMIS noch nie getappt sind.

Doom gibt es nur noch in homöopathischen Dosen: Auf „Ghost At The Gallows“ ist SPIRIT ADRIFTs Transformation zum klassischen Heavy Metal so gut wie abgeschlossen.

„These Two Hands“ mag darüber fast hinwegtäuschen, das balladeske Stück wird in der zweiten Hälfte zu einer melodiösen, kraftvollen Powerballade, aber es landet im stereotypen Durchschnitt. Dieses Stück wäre die perfekte Gelegenheit gewesen, zum kraftvoll-melodischen Doom der Vergangenheit zurückzukehren, doch SPIRIT ADRIFT verpassen diese Gelegenheit. Einigermaßen versöhnlich wird dann immerhin der Abschluss des Albums, der Titelsong zeigt in der zweiten Hälfte, dass der Doom doch irgendwie noch zu den Texanern gehört. Hier gehen SPIRIT ADRIFT auch wieder unter die Haut, selbst wenn sie die aufgebaute Spannung zu kurz und eher leidenschaftslos-pflichtschuldig entladen.

Sollte die Band es darauf ausgelegt haben, mit „Ghost At The Gallows“ im Mainstream des Genres anzukommen, geht die Rechnung aber voll auf. Nate Garrett und seine Mitstreiter spielen ihre Musik tadellos runter, die Songs sind mal schnörkellos, mal etwas vielschichtiger ohne zu Überfordern, die Produktion von Sanford Parker und der Mix von Zeuss sind zeitgemäß und wuchtig. Vielleicht ist das hier alles einfach zu viel des Guten, denn mit etwas mehr Dreck und etwas mehr Old-School-Vibe, würden SPIRIT ADRIFT einen gewissen Charme versprühen. Alles in allem ist „Ghost At The Gallows“ ein erschreckend gefälliges Album, dem es vor allem am Tiefgang mangelt.

Wertung: 4,5 von 8 Reißbretter

VÖ: 18. August 2023

Spielzeit: 45:56

Line-Up:
Nate Garrett – Vocals, Rhythm Guitar, Lead Guitar, Bass, Percussion
Michael Arellano – Drums
Tom Draper – Lead Guitar

Label: Century Media

SPIRIT ADRIFT „Ghost At The Gallows“ Tracklist

1. Give Her To The River
2. Barn Burner (Official Video bei Youtube)
3. Hanged Man’s Revenge (Official Video bei Youtube)
4. These Two Hands
5. Death Won’t stop Me
6. I Shall Return (Official Lyric Video bei Youtube)
7. Siren Of The South
8. Ghost At The Gallows

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