SPIRIT ADRIFT: Divided by Darkness

SPIRIT ADRIFT: Divided by Darkness

Manchmal ist das Cover ja doch ein Hinweis auf den Inhalt. Eine Fee, die auf einem Weg aus Schädeln neben einem alten Baum mit eingewachsener Kapuzengestalt auf den Betrachter zuläuft und, der Gefahr der beiden unter dem Holzweg, auf dem sie sich eigentlich befindet, versteckten grimmigen Wölfe und dem bösen, in den Tücken der Perspektive verlorenen Dämonen-Krieger tapfer trotzend, eine Fackel mit dem olympischen Feuer des Metal in die Welt trägt –  Respekt, bei SPIRIT ADRIFTs „Divided By Darkness“ hat jemand wirklich eine Menge Zeugs untergebracht, ohne sich überbordender und eigenständiger Kreativität schuldig zu machen.

Im Grunde gilt das Gleiche leider auch für den musikalischen Teil von „Divided by Darkness“, welches nach dem US-Release von 20 Buck Spin im letzten Jahr jetzt von Century Media auch in Europa veröffentlicht wird. An dieser ist Platte vieles richtig, die beiden Musiker aus Phoenix, Arizona, sind alte Hasen, können mit Bombast umgehen und verstehen es, ihre Musik in Cinemascope zu arrangieren. Die Produktion ist dementsprechend edel und klar, haarscharf an der Sterilität vorbei geschrappt, alles wirkt sehr groß und sehr amerikanisch. Und leider bestätigt sich auch nach einigen Durchläufen, dass das hier ein schwierig zu schreibendes Review wird, denn eigentlich möchte ich die Platte mögen, aber es wird mir leider nicht gelingen.

Doom Metal trifft Hollywood Heavy Metal

SPIRIT ADRIFT haben ihre Wurzeln klar im epischen Doom, mit Melodie, Dramatik und klarem Gesang, garnieren das Ganze dazu mit einer gehörigen Prise Hollywood-Heavy Metal, teilweise deutlich angelehnt an den 80er und Früh-90er Releases der Solo-Karriere des Madman. Dieser Einfluss wird der Band aus Phoenix, Arizona leider auch zum Verhängnis, da er ihnen leider in vielen Songs oder Parts, die ohnehin schon nicht im Übermaß vorhandenen Ecken und Kanten vollständig abschleift. Man ist versucht, hier und da an den Prince of Darkness und seine Seifenblasen-Maschine zu denken…

Teilweise gelingen der Band trotzdem wirklich eindrucksvolle Songs, wie das groovende „Hear her“ mit coolen, sperrigen  Riffs oder der abschließende Intrumental-Track „The Way of  Return“ mit fast schon 70s-Prog-Feeling, gelungenen Melodien und coolem Synhtie-Overkill am Schluss, bei denen die musikalische Klasse, zu der die Band fähig ist, sichtbar wird. Aber leider sind solche Höhepunkte rar gesät. Die Mehrheit der Songs rauschen am Hörer vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Blankpolierte Kitsch-Orgien & nach Lehrbuch besungene Ausweglosigkeit

„Born into Fire“ ist ein Song, der das Dilemma der Platte aber ganz gut zusammenfasst. Er beginnt  mit einem richtig guten Midtempo-Riff leicht orientalischer Prägung, baut Atmosphäre auf, wechselt dann zu einem packenden chromatischen Riff, das ordentlich Groove und Heaviness verbreitet, eine tolle Melodie wird eingeführt, der Gesang ist packend, der Refrain bleibt im Ohr – alles gut. Dann wird aber völlig ohne Not eine zweiminütige Kitsch-Orgie ans Ende gepackt, die in ihrer Süßlichkeit leider alles Ernste und Schwere hinwegwäscht und nur eine polierte, blanke Oberfläche hinterlässt, in der sich das ratlose Gesicht der Hörers spiegelt.

Auf dieser glatten Oberfläche ist dann der nachfolgende Track „Angels and Abyss“ allerdings perfekt platziert, denn der Begriff 80er Power-Ballade umschreibt diesen Song perfekt. Vom ach so gefühlvollen Geklimper im Intro über Breitwand-Akkorde in den Rocky-Mountains wird man in einem zum Gähnen dramatischen Aufbau zu einem Midtempo-Part geführt, der dann wohl die emotionale Explosion der zuvor nach Lehrbuch besungenen Ausweglosigkeit, gipfelnd in Gitarren-Soli, darstellen soll. Positiv gesagt, ist das ein Song, der von der Machart, nicht von der Klasse her, auch perfekt auf dem „Bark at the Moon“-Album von OZZY hätte stehen können.

SPIRIT ADRIFT meinen es gut und schreiben Nummer-Sicher-Riffs

Negativ könnte man allerdings genau das Gleiche sagen, denn hier ist nichts neu oder eigenständig, sondern es wird hart am Klischee entlang in den sicheren Hafen gesegelt. Das ist im Prinzip nicht verkehrt, wir im Metal bestehen ja quasi aus Klischee, den Unterschied zwischen gut und gut gemeint macht dann aber umso mehr die Seele aus, denn das Wiederbeleben von Klischees setzet eben Lebendigkeit voraus. Die ist bei SPIRIT ADRIFT leider unter der den vielen Schichten von Nummer-Sicher-Riffs und Hochglanz-Perfektion für mich nicht in ausreichendem Maße zu entdecken. Insofern bleibt diese Platte leider im „gut gemeint“ stecken.

Label: Century Media

Release Date: 24.04.2020

SPIRIT ADRIFT „Divided By Darkness“ Tracklist

1. We Will Not Die
2. Divided By Darkness
3. Born Into Fire
4. Angel & Abyss (Video bei YouTube)
5. Tortured By Time
6. Hear Her (Video bei YouTube)
7. Living Light
8. The Way Of Return

Line Up:
Nate Garrett (lead & harmony vocals, guitar, bass)
Marcus Bryant (drums)

Mehr im Netz:
https://www.spiritadrift.com/