SOUL INSOMNIS: Where´s The Light? [Eigenproduktion]

Hier dürften sich sowohl Fans des Epic-Doom als auch Freunde des traditionellen Mid-tempo Metal angesprochen fühlen. 

Bereits im letzten Frühling erschien das Demo Where´s The Light von SOUL INSOMNIS. Aber wer sich den Doom auf die Fahne schreibt, der hat es nun mal nicht eilig, das kennen und lieben (…) ja auch viele bei mir. Aber nun dreht sich die Scheibe der Berliner doch schon einige Zeit, begonnen hatte man 2005 als TWILIGHT DRIFTERS und hat bald darauf ein Demo veröffentlicht. Seit 2009 ist man also nun als SOUL INSOMNIS unterwegs, Gitarrist und Hauptsongwriter Lou hat inzwischen ebenfalls das Mikro übernommen.

Dabei schleichen die Berliner nicht den aktuellen Doom-Trends hinterher, weder sind sie besonders kauzig Oldschool noch wandern sie auf derben Dröhnpfaden. Hier ist eine gar nicht mehr so angesagte Mischung angesagt, die gerade deshalb sehr willkommen ist.  Reichlich Epic-Doom und eine guten Ladung traditionellem Heavy Metal, wo die Helden der Berliner stecken, das ist schnell ausgemacht. Es gibt wenig überraschend reichlich CANDLEMASS, auch weil sich der Gesang stark an deren Ex-Sängermops Messiah Marcolin orientiert. Wenn man versucht, instrumental anspruchsvoller arbeiten, dann kann man auch mal an MEMENTO MORI light denken, an deren technischer Brillanz kommt man natürlich nicht heran. Selten taucht mal ein SAINT VITUS-Riff auf, dafür klingt öfters die Begeisterung für die Italiener THUNDERSTORM durch. Pepp kriegen die Songs, weil man nicht ausschließlich Doom-Standards abarbeitet, sondern auch andere Elemente einfließen lässt. Hin und wieder gibt es Momente, die an schwedische 80er Hard-Rocker erinnern wie SILVER MOUNTAIN oder frühe EUROPE auf den ersten Platten, oft haut man aber auch Passagen dazwischen, die eine ordentliche Portion NWOBHM und US-Metal der alten Schule mitbringen. Gelegentlich denkt man auch an epische Töne der frühen IRON MAIDEN. Musikalisch machen die Jungs das wirklich gut, das Songwriting ist durchdacht und obwohl die permanent bei anderen Bands klauen, kopieren sie nicht nur einfallslos. Zwar kann man die meisten Melodien und Riffs einer bestimmten Band und oft einem eindeutigen Song zuordnen, aber SOUL INSOMNIS verändern dieses Element weit genug, dass es nicht zu platt wird. Da packt man im Titelsong ein SAVATAGE-Riff neben drückende CANDLEMASS, ein kauziger US-Metaller bekommt einen TROUBLE-Lauf verpasst, für den zähen Doomer Lethe verwurstelt man DAS Doomriff, klar, ohne den Titelsong Black Sabbath würde es diese Musik wohl gar nicht geben und ich würde immer noch STATUS QUO hören. Sehr elegant verpacken die Berliner ihr Diebesgut auch bei Pathological Liar, TROUBLE spielen SOLITUDE AETURNUS´ Übersong Fallin´, eingebettet in eine typische THUNDERSTORM-Strophe. Mal abgesehen davon, dass keiner der Songs langfristig hängen bleibt, machen die Jungs also alles richtig. Knackpunkt des Albums dürfte hingegen der Gesang sein, der teils doch etwas übermotiviert ist. Wie anfangs erwähnt ist dieser stark orientiert an Messiah Marcolin (CANDLEMASS, MEMENTO MORI) und Fabio Bellan (THUNDERSTORM, TEMPLE OF PAIN). Letzterer hat einen ganz eigenen Stil, Messiahs Stimme ist natürlich absolute einzigartig. Lou bemüht sich, seinen Vorbildern nahe zu kommen, die Ideen sind da, bei der Umsetzung wackelt es aber doch gewaltig. Daraus muss man ihm nicht unbedingt einen Strick drehen, die Mischung hat was, nur fehlt eben noch einiges, um an der Messlatte zu kratzen, die er sich selbst gesetzt hat.

Als Gesamtwerk  betrachtet ist Where´s The Light gelungen, interessant und abwechslungsreich, wenn man beim zu gut gemeinten Gesang ein paar Abstriche macht und auf einen echten Übersong verzichten kann. Potential ist reichlich vorhanden, hoffen wir mal, dass SOUL INSOMNIS noch eine Portion Eigenständigkeit entwickeln und sie nicht zu sehr den reinen Doom-Stempel aufgedrückt kriegen. Denn hier dürften sich sowohl Fans der genannten Doom-Acts als auch Freunde des traditionellen Mid-tempo US-Metal angesprochen fühlen.  
Aktuell sucht man anscheinend nach einem Drummer und der zweite Gitarrist ist raus.

Veröffentlichungstermin: 28.05.2010

Spielzeit: 44:39 Min.

Line-Up:
Lou – Vocals, Guitar
Jul – Guitar
Taschner – Bass
Moe – Drums

Label: Eigenproduktion

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/soulinsomnis

Tracklist:
1. Alchemy
2. Lunacy
3. Meduza´s Lament
4. Where´s The Light?
5. Trapped In Fear
6. Pathological Liar
7. Lethe
8. The Fire Of Burning Soul