SHALOSH: The Bell Garden

SHALOSH: The Bell Garden

Mal Lust auf ganz was anderes? Eine ordentliche Portion Wahnsinn, ohne dass gleich die Gitarren alles zersägen? Dann sind vielleicht SHALOSH (hebräisch für Drei) ganz passend mit ihrem Debüt The Bell Garden, ein Trio aus New York und Israel. Zumindest, wenn einem die Beschreibung eine Genre-übergreifende, akustische, progressive, rohe Jazz-Band keine Angst macht. Mag Jazz an sich ja schon recht schräg sein, unter dem Banner Progressive kann es dann ja nur recht wild zugehen. Freude seit gemeinsamen Schulzeiten in Jerusalem, Pianist Stern macht heute erfolgreich Musik in New York, Bass und Drums haben sich einen Namen gemacht in der heimischen Jazz-Szene in Israel, trotzdem hat man sich nie aus den Augen verloren und immer mal zusammen gespielt. Aber irgendwie zog es die Drei doch wieder zusammen, um sich gemeinsam in einer festen Band auszutoben.

Entsprechend fordernd geht es auch los, wer den Wahnsinn kennt, wenn wieder mal der PC alles macht, nur nicht das, was er soll, nun ja… Passend vertonen die Herren diesen Albtraum Computer Crash mit wilden Abfahrten, Hirnzerfräsenden Pianoläufen, zappeligen Drums und greifbarer Verzweiflung und Wut. Spannend anzuhören, anstrengend, wie eben das vertonte Ereignis. 97% aller Rockfans haben jetzt schon die Flucht ergriffen! Etwas entspannter, aber immer verdreht und spinnig geht es weiter, wir reden ja immer noch von Jazz, auch wenn SHALOSH reichlich andere Genres mit einfließen lassen. Wird es schwerfälliger, dann macht sich eine fesselnde Intensität breit wie bei Everything Passes, Even The Trees… oder Get Gone, bei dem sich Bilder einer verrauchten Jazz-Bar breit machen, wo im Schummerlicht zermürbte und einsame Gestalten in ihr leeres Glas starren. Hm, stellt man sich Pleasure And Disgrace mit E-Gitarren und fettem Sound vor, dann ist man tatsächlich schnell mal bei DREAM THEATER. Bei einem Titel wie Brain Damaged Pumpkin Pie weiß man irgendwie vorher schon, dass es musikalisch unbequem wird. Darüber täuschen auch in den Songs immer wieder auftauchende beswingte Momente nicht hinweg. Nach dem abschließenden, depressiven Eulogy ist man dann selbst auch soweit, wo war nochmal diese Bar?

Was das Trio musikalisch abzieht, das ist natürlich auf hohem Niveau, man denkt schon eher an gestresste Studenten im Prüfungswahn als an eine entspannte jazzige Note passend zum Sonntagsbrunch. Alle Drei toben sich gnadenlos aus, fliegen auch mal komplett raus, manche Teile wirken aber auch wie spontan im Homestudio zusammengeschoben. Trotzdem bleibt meist ein Wow-Effekt nicht aus, wie die Herren einander fordern, sich fetzen und wieder zusammenfinden. Man hört auch deutlich heraus, dass hier eine tiefe gemeinsame musikalische Vertrautheit vorliegt. Der saubere Sound lässt Platz, und wenn man erstmal über den ersten Schock hinweg ist, was da über einen hinwegrollt, dann macht es immer mehr Spaß, genau hinzuhören oder auch mal kurz wegzuträumen – um dann wieder gnadenlos wachgerüttelt zu werden.

Interessant, ja, aber auch anstrengend, zumindest wenn man nicht den ganzen Tag wilden Jazz hört. Wer in diesem Genre zuhause ist, der wird hier garantiert glücklich, und auch wer mal reinschnuppern will – ein offenes musikalisches Gemüt vorausgesetzt. Dann kann man sich das Trio auch demnächst bei uns live anschauen. Normale Musikfreunde sollten von SHALOSH überfordert sein, die werden wie gesagt sehr schnell die Flucht ergreifen.

SHALOSH: Computer Crash Rehearsal-Video bei youtube

Tourdaten bei vampster: SHALOSH

Veröffentlichungstermin: 04.04.2014

Spielzeit: ca. 70 Min.

Line-Up:
Gadi Stern – Piano
Matan Assayag – Drums
Daniel Benhorin – Bass

Label: Kontor New Media

Homepage: http://www.shalosh.net

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/shalosh.3

Tracklist:
1. Computer Crash
2. Jerusalem State Of Mind
3. Leaving Maine
4. Brain Damaged Pumpkin Pie
5. Everything Passes, Even The Trees…
6. Elephant
7. Pleasure And Disgrace
8. Song For Daniel
9. Get Gone
10. Sandy
11. Eulogy

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.