SEPULTURA: Quadra

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Seit 22 Jahren ist Derrick Green inzwischen der Frontmann von SEPULTURA und immer noch gibt es Leute, die nach den Cavaleras krähen. Warum eigentlich? Meiner Meinung nach sind die SEPULTURA-Alben nach dem wirklich ziemlich uninspiriertem “Roorback” allesamt besser als alles, was ich von Max unter welchem Banner auch immer seit seinem Ausstieg gehört habe. SEPULTURA veröffentlichten regelmäßig starke Alben mit spannenden Songs, stecken dabei nicht in der Vergangenheit fest, biedern sich keinem Trend an, sondern ziehen weiter ihr eigenes Ding durch. “Quadra” ist nun das fünfzehnte Album in 36 Jahren Bandgeschichte, das neunte mit Derrick Green und von Ermüdungserscheinungen gibt es keine Spur.

Den Opener “Isolation” haben SEPULTURA bereits letztes Jahr veröffentlicht und mich damit ziemlich überrollt. Das Teil ist der totale Abriss. Nach dem orchestralen Intro lässt Derrick Green erstmal einen mächtigen Growler los, den seine Kollegen folgerichtig erstmal mit einem kurzen Death Metal-Part begleiten, bevor das Stück dann doch in Richtung Thrash umschlägt. Was für ein Kracher! Derrick Green klingt verdammt angepisst und der Rest der Band ist auch ganz klar on fire. Nein, das hier ist kein Altherren-Thrash.

Zwischen brutalem Abriss und spielerischer Finesse – SEPULTURA zeigen sich auf “Quadra” vielseitig

Bei “Capital Enslavement” wird das rasende Thrash-Inferno zwischendurch mit Tribal Drumming aufgelockert. Vertrackter wird es mit den folgenden Songs “Ali” und “Raging Void”, die größtenteils eher im Mid Tempo angesiedelt sind. Zwischendurch muss man einfach mal fragen: Wie geil ist denn bitte Eloy Casagrande? Wenn der Mann nicht gerade wie ein Irrer den Rest seiner Mannschaft durch die Songs prügelt, spielt er mit einer unglaublichen Finesse, was er eben gerade bei den langsameren, aber vertrackteren Stücken zeigt.

Aber es geht noch weiter. “Guardians Of The Earth” startet ruhig, mit cleanen Gitarren, steigert sich jedoch immer weiter, fährt fetten Orchesterbombast, geile Gitarrensoli, Streicher und Chöre auf, flankiert von krachenden Riffs und Derrick Greens eindringlichen Shouts. Was für ein intensiver Ritt! SEPULTURA sprühen auf diesem Album vor kompositorischer Kreativität, dass es eine wahre Freude ist. Mit dem folgenden Instrumental “The Pentagram” legen SEPULTURA gleich den nächsten Knaller nach. Kisser und Casagrande zünden hier ein Feuerwerk, bei dem man vor lauter mit offenem Mund Rumsitzen gar nicht dazu kommt, zu fragen, wo verdammt noch mal denn Derrick Green ist. Vermutlich Bier holen. Egal. “Autem” ist danach wieder fast schon irritierend gewöhnlich, wechselt zwischen groovigem Up-Tempo und Aggro-Geballer. Macht den Song aber auch nicht schlechter, ganz im Gegenteil.

“Quadra” ist das beste SEPULTURA-Album seit “Chaos AD”

Und wenn man schon glaubt, es kann einen nichts mehr überraschen kommt, nach dem kurzen Akustikgeklimper des Titeltracks “Agony Of Defeat” mit melodischem Gesang von Derrick Green – ich wusste gar nicht, dass der das überhaupt kann. Aber keine Sorge, seine Aggressionen findet er noch im Laufe des Songs wieder. Den Abschluss bildet “Fear; Pain; Chaos; Suffering”, ein eher langsames, atmosphärisches Stück bei dem Derrick Green weibliche Unterstützung am Mikro erhält. Nach gut fünfzig Minuten ist dieser intensive Höllenritt namens “Quadra” vorbei und zumindest mir geht es so, dass ich das Teil direkt nochmal hören will. Brachial, intensiv, verspielt, progressiv, melodisch – SEPULTURA zeigen auf ihrem fünfzehnten Album viele Seiten ihres musikalischen Schaffens und bringen es zustande, dass trotzdem alles wie aus einem Guss klingt. Ich bin begeistert und würde “Quadra” mal eben als das bisher stärkste Album seit “Chaos A.D.” bezeichnen, wobei ich den Vorgänger “Machine Messiah” bisher noch nicht gehört habe, was ich aber wohl demnächst auch endlich mal ändern werde. Jetzt geht es aber erstmal um “Quadra” und dieses Album ist für mich das erste richtig fette Highlight des Jahres!

Veröffentlichungsdatum: 07.02.2020

Spielzeit: 51:20

Line Up:
Derrick Leon Green – vocals
Andreas Kisser – vocals, guitars
Paulo Xisto Pinto Jr. – bass
Eloy Casagrande – drums

Produziert von: Jens Bogren @ Fascination Street Studios
Label: Nuclear Blast Records

Bandhomepage: https://www.sepultura.com.br/
Facebook: https://www.facebook.com/sepultura/

SEPULTURA „Quadra“ Tracklist

  1. Isolation (Video bei YouTube)
  2. Means To An End (Video bei YouTube)
  3. Last Time (Lyric-Video bei YouTube)
  4. Capital Enslavement
  5. Ali
  6. Raging Void
  7. Guardians Of Earth
  8. The Pentagram
  9. Autem
  10. Quadra
  11. Agony Of Defeat
  12. Fear; Pain; Chaos; Suffering
agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.