SEAR BLISS: The Arcane Odyssey

Das "fetteste" Album der Bandgeschichte, aber bei weitem nicht das Beste.

Die stets geheimnisvollen, ungarischen Visionäre SEAR BLISS waren bislang nicht mehr als ein Insider-Tipp, was Alben wie Glory and Perdition schlicht und ergreifend nicht verdient haben. The Arcane Odyssey ist ihr erstes Album auf Candlelight Records, womit nun die Chancen gut stehen dürften, dass SEAR BLISS mehr Anerkennung ernten. Doch ob das auch mit ihrem sechsten Album so kommen wird, ist nicht hundertprozentig sicher. Und das obwohl das Quintett schwerste Geschütze auffährt.

Denn gerade wegen dem groß angelegtem Bombast leidet das Material der Band unter fehlenden Ecken und Kanten. Klar, opulent waren die Ungarn auch schon früher, aber nun ist die Band an einem Punkt angelangt, an dem das Gefühl viel zu sehr in den Hintergrund gestellt wird, dafür unnötig auf Perfektion geachtet wird. Songwriterisch und produktionstechnisch ist The Arcane Odyssey absolut großartig, keine Frage, hymnische Songs wie A Deathly Illusion, The Venomous Grace und das beeindruckende Somewhere mit seiner schön dezenten Seite machen ordentlich was her. Hier grenzen sich die Ungarn wohltuend von Fast Food-Bands wie EQUILIBRIUM deutlich ab und ziehen ihr eigenes Ding durch.

Grimmig, boshaft und schnell sind SEAR BLISS nur selten, dafür gibt hauptsächlich es treibende Grooves zu hören, zu denen die aufwändigen Orchestrierungen und Bläser sehr gut passen. Das baut eine gewisse Atmosphäre auf, auch wenn es eher nach Breitwandkino als nach Independent-Movie klingt. Das ist natürlich für die einen der ganz große Wurf, ich jedoch hätte das Material lieber in einer rauen, theatralischen PRIMORDIAL-Version gehört, bei der Gänsehaut wirklich aufkommt. Ergo haben die Musiker alles unter Kontrolle, die Instrumente wurden perfekt eingespielt, das Drumming ist tight und sauber, die Riffs sind kraftvoll, der Gesang ist wütend. Dem gegenüber stehen die Keyboards und die Bläser, die der Band ihr unverwechselbares Gesicht verleihen.

Dennoch greifen SEAR BLISS mit dem abschließendem Path to the Motherland tief ins Klo, ein solcher Flöten-Song zerstört fast den Gesamteindruck der Scheibe. Auch bei Thorns of Deception vergisst das Quintett teilweise seine Identität und liefert Durchschnittsware ab, bei der man sich zu sehr an In Sorte Diaboli von DIMMU BORGIR orientiert hat. Unterm Strich ist The Arcane Odyssey das fetteste Album von SEAR BLISS, aber bei weitem nicht das Beste. Gut ist es zwar dennoch, aber hoffen wir, dass die Band ihre wirkliche Form wieder findet.

Veröffentlichungstermin: 12. Oktober 2007

Spielzeit: 47:32 Min.

Line-Up:
András Nagy – Vocals, Bass, Keyboards
István Neubrandt – Guitars
Péter Kovács – Guitars
Zoltán Schönberger – Drums
Zoltán Pál – Trombone

Produziert von Viktor Scheer
Label: Candlelight Records

Homepage: http://www.searbliss.hu

Tracklist:
1. Blood on the Milky Way
2. A Deathly Illusion
3. Lost and not Found
4. Thorns of Deception
5. The Venomous Grace
6. Omen of Doom
7. Somewhere
8. Path to the Motherland